SuedLink (auch SüdLink oder Südlink) ist die Bezeichnung einer im Rahmen des Netzentwicklungsplans Strom der Bundesrepublik Deutschland von den Übertragungsnetzbetreibern Tennet TSO und TransnetBW geplanten Trasse von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ-Leitungen). Zwei parallellaufende Leitungen sollen über eine Strecke von rund 700 km vorrangig die im Norden der Bundesrepublik aus Windkraft gewonnene elektrische Energie nach Süddeutschland transportieren und dabei eine Leistung von insgesamt 4 Gigawatt übertragen können. 2028 soll SuedLink in Betrieb gehen.

Geschichte Seit dem Netzentwicklungsplan Strom 2012 gibt es Überlegungen der Übertragungsnetzbetreiber zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung in Nord-Süd-Richtung in Deutschland. Die Netzentwicklungspläne 2013, 2014 und 2030 (2017) haben die Überlegungen fortgeschrieben und konkretisiert.

Die Bundesnetzagentur hat die Netzentwicklungspläne jeweils bestätigt. Mit dem Bundesbedarfsplangesetz von 2013 wurden die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf u. a. von SuedLink gesetzlich bestimmt. SuedLink wird von der Europäischen Kommission als innerdeutsches Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest) unter der Nummer 2.10 in der PCI-Liste der Europäischen Union geführt.

Der SuedLink ist neben Ultranet und Südostlink eines von drei Energieprojekten, die laut dem im November 2021 vorgelegten Koalitionsvertrag der rot-grün-gelben Bundesregierung „beschleunigt auf den Weg“ gebracht und „mit hoher politischer Priorität“ umgesetzt werden sollten.

Bedarf Die Bedarfsermittlung für den Netzausbau erfolgt gemäß dem 2011 verabschiedeten Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) in drei Schritten: Ermittlung des Szenariorahmens (Veränderung von Erzeugungs- und Bedarfsstrukturen) Erstellung des Netzentwicklungsplanes (notwendige Anpassung der Netze) Aufnahme in den Bundesbedarfsplan (gesetzlicher Rahmen).

Korridore mini|Karte der Leitungsvorhaben in Deutschland nach dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG 2013)

Unter dem Namen SuedLink werden im NEP 2030 (2017) zwei HGÜ-Verbindungen zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sowie zwischen Schleswig-Holstein und Bayern zusammengefasst. Beide Vorhaben können über weite Teile eine gemeinsame Stammstrecke bilden. Bei Pfersdorf im Landkreis Schweinfurt, 15 km nördlich vom Netzknotenpunkt Bergrheinfeld, teilen sich beide Verbindungen.

+SuedLink gemäß BBPlGNr.VorhabenTrassenlänge in km3Brunsbüttel – Großgartach7024Wilster – Bergrheinfeld/West558

Planung Die eigentliche Planung des Netzausbaus erfolgt gemäß dem 2011 verabschiedeten Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) in zwei Schritten: Bundesfachplanung (Festlegung der Trassenkorridore) Planfeststellungsverfahren (Festlegung des Trassenverlaufs/der Übertragungstechnik).

Bundesfachplanung Die Bundesfachplanung sieht als wesentliche Bestandteile die Erstellung einer Raumverträglichkeitsstudie (RVS) und die Durchführung einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) vor. Als ersten Schritt richtet die Bundesnetzagentur im Rahmen der Bundesfachplanung je nach Bedarf oder Komplexität des Vorhabens eine oder mehrere öffentliche Antragskonferenzen aus.

Brunsbüttel – Großgartach Der SuedLink von Brunsbüttel nach Großgartach (an der Stadtgrenze von Heilbronn) ist verfahrenstechnisch in fünf Abschnitte gegliedert.

+Brunsbüttel – GroßgartachAbschnittLänderTrassenlänge in kmStatusABrunsbüttel – Scheeßel102Im BauBScheeßel – Bad Gandersheim / Seesen184Im BauCBad Gandersheim / Seesen – Gerstungen114Im BauDGerstungen – Arnstein136Im BauEArnstein – Großgartach137Im Bau

Wilster – Bergrheinfeld/West Der SuedLink von Wilster nach Bergrheinfeld ist verfahrenstechnisch in vier Abschnitte gegliedert. Das Vorhaben führt von Wilster (60 km nordwestlich von Hamburg) nach Bergrheinfeld (vormals: Grafenrheinfeld) bei Schweinfurt. +Wilster – Bergrheinfeld/WestAbschnittLänderTrassenlänge in kmStatusAWilster – Scheeßel96Im BauBScheeßel – Bad Gandersheim / Seesen184Im BauCBad Gandersheim / Seesen – Gerstungen114Im BauDGerstungen – Bergrheinfeld West128Im Bau

Am 5. Februar 2014 schlugen die beiden Netzbetreiber einen Verlaufsplan für die Trasse von Wilster nach Grafenrheinfeld vor. Die Leitungstrasse führt dabei von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern.Tennet TSO GmbH: SuedLink: Vorschlag Trassenkorridor SuedLink – Die Windstromleitung, online auf suedlink.tennet.eu, abgerufen am 12. Februar 2014. Am 26. September 2014 veröffentlichte Tennet mögliche Trassenvarianten zum SuedLink.

Am 12. Dezember 2014 wurde von Tennet der Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Am 17. Februar 2015 veröffentlichte die Bundesnetzagentur eine Stellungnahme zum Antrag, in dem eine umfassende Überarbeitung verlangt wird. Bemängelt wird unter anderem, dass der Antrag nicht ausreichend konkretisiert sei, Umweltauswirkungen und raumordnerische Konflikte würden für die betroffenen Regionen nicht deutlich genug, es sei nicht erkennbar und unabhängig nachvollziehbar, aufgrund welcher Belange Korridore für das Verfahren vorgeschlagen oder verworfen würden, auch die Vorgehensweise bei der Prüfung von Trassenkorridoren und -alternativen sei zum Teil nicht vergleichbar. Die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde sehe sich nicht in der Lage, das Verfahren auf Basis dieses Antrages mit Antragskonferenzen fortzusetzen. Der Bundestagsabgeordnete Michael Brand bezeichnete die Stellungnahme als „fachliche Ohrfeige“ für Tennet.Osthessen News: SuedLink-Antrag: „Schuss vor den Bug für Tennet und fachliche Ohrfeige“, 19. Februar 2015, online auf osthessen-news.de, abgerufen am 30. Oktober 2019.

Im Mai 2015 forderte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, dass die Trasse statt durch Bayern durch Südhessen und Baden-Württemberg verlaufen solle und nur die letzten Kilometer bis zum Endpunkt Gundremmingen durch Bayern. Dieser Vorschlag stieß auf starke Kritik sowohl von Politikern aus Hessen und Baden-Württemberg als auch von Umweltverbänden, die die Trassen grundsätzlich ablehnen und stattdessen eine Dezentrale Stromerzeugung mit Windenergie und Solarenergie für sinnvoller halten. Zudem wurden Vorwürfe laut, dass die bayerische Regierung nach dem Sankt-Florian-Prinzip agiere. Hintergrund dieses Meinungswandels der CSU-Regierung von der grundsätzlichen Ablehnung beider Trassen hin zu einer Verlegung der Trassen ist nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, dass eine mögliche Verhinderung der beiden Trassen als unwahrscheinlich gilt.Alle gegen Aigners Trassenvorschlag. Süddeutsche Zeitung, 20. Mai 2015, online auf www.sueddeutsche.de, abgerufen am 22. Mai 2015.Hochspannung an der Landesgrenze. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2015, online auf www.sueddeutsche.de, abgerufen am 22. Mai 2015.

Am 2. Juli 2015 wurde als Ergebnis des vorangegangenen Energiegipfels bekannt gegeben, dass die politischen Vorgaben für die Gleichstromtrassen geändert werden sollen. Zukünftig solle Erdverkabelung Vorrang vor Freileitungen haben, um eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Durch diese Vorgabe wurde eine vollständige Neubewertung der geplanten Trassenführungen notwendig – mit erheblichen Auswirkungen auf Zeit- und Kostenplanungen.Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Gabriel: Energiewende ist großen Schritt weiter. BMWI Pressemitteilung, 2. Juli 2015, online auf www.bmwi.de..

Am 27. September 2016 veröffentlichte Tennet neue Vorschläge für Trassenkorridore.Tennet TSO GmbH: Am 7. März 2017 wurde der vorläufige Vorzugskorridor veröffentlicht, der nun statt durch Hessen durch Thüringen geführt wird. In den Folgewochen wurden die Anträge auf Bundesfachplanung für die Vorhaben 3 (Brunsbüttel – Großgartach) und 4 (Wilster – Grafenrheinfeld) des Bundesbedarfsplangesetzes abschnittsweise bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Die Antragskonferenzen waren für Mai bis Juli 2017 terminiert. Im Februar und März 2019 reichten die Netzbetreiber die Unterlagen nach § 8 NABEG für einen durchgehenden Vorschlagskorridor bei der Bundesnetzagentur ein. Im Jahr 2019 fand eine weitere Öffentlichkeitsbeteiligung statt.

Im März 2021 wurde die Bundesfachplanung mit der Festlegung der Trassenkorridore durch die Bundesnetzagentur schließlich abgeschlossen. Kleinräumige Änderungen hat es noch im Bereich der Bergwerke Kochendorf und Heilbronn beim Salzbergwerk Bad Friedrichshall gegeben. Zur Sicherung der Bundesfachplanungsentscheidung hat die Bundesnetzagentur in einigen Bereichen Veränderungssperren erlassen. Dort dürfen keine Vorhaben oder baulichen Anlagen verwirklicht werden, die einer Verwirklichung der Stromleitung entgegenstehen. Außerdem dürfen keine sonstigen wesentlich wertsteigernden Veränderungen am Grundstück oder an baulichen Anlagen auf dem Grundstück durchgeführt werden.

Planfeststellungsverfahren Mit Abschluss der Bundesfachplanung kann das Planfeststellungsverfahren durch den Netzbetreiber beantragt werden, in dessen Rahmen die exakten Trassenverläufe und die zu verwendende Übertragungstechnik durch Verwaltungsakt verbindlich festgelegt werden. Die Bundesnetzagentur führt hierzu eine Antragskonferenz mit den Trägern öffentlicher Belange sowie Vereinigungen und Verbänden durch.

Am 25. Mai 2023 hat die Bundesnetzagentur das Planfeststellungsverfahren für den ersten Abschnitt des SuedLink abgeschlossen. Die Entscheidung bezieht sich auf den 17,6 km langen Abschnitt E3 von Bad Friedrichshall zum Netzverknüpfungspunkt Großgartach. Der Verlauf der neuen Stromleitung als Erdkabel steht damit für diesen Abschnitt fest und die TransnetBW kann mit dem Bau beginnen. Seit der Aufnahme in das Bundesbedarfsplangesetz bis zur ersten Entscheidung vergingen etwa zehn Jahre Planungs- und Genehmigungszeit.

Die Elbe soll zwischen den Gemeinden Wewelsfleth und Wischhafen mit einem etwa 5 km langen Tunnel unterquert werden. Die Bundesnetzagentur hat den Antrag der Tennet auf vorzeitigen Baubeginn am 30. Januar 2023 genehmigt und am 15. August 2023 das Planfeststellungsverfahren zur Elbquerung für den Abschnitt A2 abgeschlossen.

Am 10. Oktober 2025 wurde das letzte Planfeststellungsverfahren abgeschlossen, seitdem sind alle Streckenabschnitte im Bau.

Bauausführung und Inbetriebnahme mini|Verlegung bei Marzhausen Für die Planung, Genehmigung, Einholung von Dienstbarkeiten und Bau haben die Bauherren Tennet und TransnetBW die Jacobs Engineering Group als zentralen Dienstleister beauftragt. In Würzburg wurde das Projektbüro eingerichtet. In den unterschiedlichen Projektphasen arbeiten dort zwischen 130 und 250 Personen. Im Juni 2020 wurden die beiden Hersteller NKT und Prysmian mit der Lieferung und Verlegung der rund 2500 Kilometer Erdkabel (zwei Systeme aus je zwei Polkabeln, kunststoffisoliert, 525 kV) inklusive der Verbindungsmuffen und Endverschlüsse beauftragt. Das Projekt wird dabei mit 40 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Die geplante Übertragungstrasse sollte ursprünglich 2016 in Bau gehen und 2022 fertiggestellt werden.Tagesschau.de: Nach weiteren Verzögerungen rechnet TransnetBW mittlerweile erst mit einer Fertigstellung Ende 2028.

Im Dezember 2022 einigten sich die Bauernverbände von vier Ländern (Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Thüringen) mit den Stromnetzbetreibern Tennet und TransnetBW auf Entschädigungsregeln für die geplante Stromtrasse Suedlink.