Heinz Wilke (* 18. Oktober 1927 in Groß WardinSystem, Stahl, Struktur, Beton. Die Architektur von Heinz Wilke. Begleitheft zur Architekturausstellung im Helmkehof 2016. Deutscher Werkbund Nord, Hannover 2016, S. 48 in Pommern; † 19. Juni 1992 in Hannover) war ein deutscher Architekt. Er lebte und arbeitete in Düsseldorf und Hannover.Wilke, Heinz (German architect, active late 20th century) – Union List of Artist Names des Getty Research Instituts. Sein Schaffen ist hauptsächlich durch die Realisierung komplexer Großprojekte gekennzeichnet.Systemstahl und Strukturbeton – Die Architektur von Heinz Wilke dokumentiert in Fotografien von Helmut Trexler. Bildarchiv Foto Marburg, abgerufen am 5. Dezember 2022.

Leben und Werk mini|hochkant=1.5|Eingangsbereich der Messe Düsseldorf (1971) Heinz Wilke hat nach dem Notabitur 1944 in Hannover, einer Maurer- und Bautechnikerlehre von 1949 bis 1955 an der Technischen Hochschule Hannover studiert. Er gilt als Vertreter einer einflussreichen niedersächsischen Nachkriegsgeneration von Architekten, der unter anderem bekannt geworden ist durch die Bauten des Flughafens Hannover-Langenhagen. Hier wurde, ebenso wie beim Flughafen Köln/Bonn, 1965–67, von Paul Schneider-Esleben „für die neuen Fluggastabfertigungsgebäude das von der Deutschen Lufthansa vertretene Prinzip der dezentralen Abfertigung verwirklicht“.Neubau Flughafen Hannover. In: Die Startbahn. Bd. 40, Heft 2, 1971, Seiten 31–33. Anders als beim Flughafen Köln/Bonn, wurde „jedoch eine deutlich kompaktere Form gewählt: zwei durch einen zentralen Verbindungstrakt miteinander kommunizierende Dreiecke, wobei der Verbindungstrakt vergleichbare Funktionen hat wie der mittlere Flügel des Randgebäudes in Köln/Bonn und zudem am Außenbau durch einen höheren Geschossaufbau akzentuiert ist“.Stefan Bodemann: Das Tor zur Welt der Bonner Republik. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-422-07488-0, Seite 74. In der Zeitschrift Der Luftverkehr wurde „anlässlich der Inbetriebnahme […] betont, man habe gerade nicht ein Drive-In-System reaisieren wollen, da hiermit verschiedene Nachteile verbunden seien“.Nachrichten vom Flughafen Hannover. In: Der Luftverkehr. Nr. 2, 1973, Seite 23, zitiert nach: Bodemann: Das Tor zur Welt der Bonner Republik.

Beim Flughafen, ebenso wie bei der Neuen Messe in Düsseldorf50 Jahre Messegelände in Stockum: Ein Meilenstein der Düsseldorfer Stadtentwicklung. Pressemitteilung der Messe Düsseldorf, 2021, abgerufen am 6. Dezember 2022. zeugen die Gebäude Wilkes von einer „auf der Grundlage standardisierter Fertigungsmethoden basierenden präzisen Detail- und Formenausgestaltung“.Auszug aus der Denkmalbegründung im Denkmalatlas Niedersachsen, Objekt Nr. 6523. Im Frühjahr 1979 wird er, neben Böhm, Eiermann, Heinle Wischer, Novotny Mähner, Pfau und Scharoun, mit einem Foto der „futuristisch wirkenden Verbindungsgänge mit einem mehrere hundert Meter langem Laufband“Heinz Wilke: Messe Düsseldorf, 1971., Weblog Scissorella - Mode Kunst Architektur, 17. August 2014, abgerufen am 20. Dezember 2022. der (damaligen) Neuen Messe DüsseldorfCCD (Congress Center Düsseldorf). In: Bildindex der Kunst und Architektur, abgerufen am 6. Dezember 2022. in die „amerikalastige“ Ausstellung Transformations in Modern Architecture im Museum of Modern Art aufgenommen,Installationsansicht der Ausstellung „Transformationen in der modernen Architektur“. Museum of Modern Art Archives, New York, abgerufen am 6. Dezember 2022.Master Checklist, The Museum of Modern Art, Exh. 1250. MoMA Documents 327200, Nr. G-9: „Elevated Pedestrian Passageways, Dusseldorf, Fairgrounds; Dusseldorf, Germany. 1971.“ allerdings nicht in das gleichnamige Standardwerk von Arthur Drexler.Arthur Drexler: Transformations in Modern Architecture. Exhibition Catalogue, MoMA 1979, abgerufen am 6. Dezember 2022 (PDF, 62 MB). mini|Büro- und Wohngebäude Heinz Wilke, Uhlemeyerstr. 9–11, Strassenansicht von Süd-West (2019) Wesentliches Vorbild für Wilke war, neben Einflüssen des späten Ludwig Mies van der Rohes (vgl. Hochhaus Messe Düsseldorf)Hochhaus Messe Düsseldorf. Bildarchiv Foto Marburg, abgerufen am 20. Dezember 2022. in der Ausarbeitung der Fassaden, die „avancierte Betonbehandlung“Das Geheimnis von Paul Rudolph. QUER Online-Magazin, 2014, abgerufen am 24. Oktober 2022. von Paul Rudolphs Bauten. Das materielle und konzeptionelle Spannungsverhältnis zwischen dem Minimalismus von Mies (Stahl/Glas) und dem Skulpturalismus von Rudolph (Béton brut) zeigt sich am deutlichsten im denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Konsulats von Großbritannien (1971–1972), das Wilke 1975 zur Eigennutzung übernahm.Ehemaliges Britisches Generalkonsulat, Fotodokumentation. In: Bildindex der Kunst und Architektur, abgerufen am 5. Dezember 2022. Dieses Gebäude, bei dem das traditionelle Gleichgewicht von Lasten und Tragen auf den Kopf gestellt wird, zeigt am deutlichsten sein Streben nach Bedeutung. Wilke, von dem berichtet wurde, er komme mit Unmengen von Dia-Filmen aus den USA zurück, bildet somit die zweite Reihe der Nachkriegsgeneration, die sich in „Architekten-Bildungsreisen organisiert, etwa durch die Deutsche Aluminiumzentrale“, von der Idee der Vorhangfassade inspirieren ließen.Wie Los Angeles die hiesige Architektur prägte. Interview mit Julia Zinnbauer in: Westdeutsche Zeitung, 29. Juli 2019, abgerufen am 20. Dezember 2022.

Der skulpturale Einsatz von Waschbetonwänden im vertikal strukturierten Gebäudekomplex der ehemaligen Regionaldirektion der Agentur für Arbeit am Altenbekener Damm in Hannover erwies sich auf Dauer als problematisch. Die siebengeschossigen Verwaltungsgebäude waren 1967 bis 1969 errichtet worden und wurden wegen der massiven Schäden an der Fassade im Jahr 2015 abgerissenImmer mehr Gebäude werden eingenetzt., Nr. 5 der Bildergalerie in: Hannoversche Allgemeine, 21. Januar 2016., um einer Neuentwicklung des Grundstücks zu weichen.

mini|links|Vorentwurf „Olympiaflughafen“ Moskau, Arbeitsgruppe im Büro Wilke, 1976 mini|Internationaler Terminal des Flughafen Scheremetjewo II, (heute Terminal F) in Moskau (2019) Wilkes letztes überregional bekanntes Projekt war der Terminal Flughafen Moskau-Scheremetjewo-II (später Terminal F), der im Jahr 1976 analog zur Vorstudie für den Flughafen Hannover-Langenhagen (vor 1970) entwickelt wurde. Das Gebäude mit Ankunfts- und Abflugebene erfuhr jedoch bis zur Inbetriebnahme im Januar 1980 anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Moskau weitere Veränderungen, womit bezüglich der Grundrisskonfiguration und mit dem kompakten Mittelbau das ursprüngliche Konzept von drei, bzw. zwei deutlich separierten Modulen völlig aufgegeben wurde. Mit dem angeschlossenen Terminal E und dem Terminal D bildet der ursprüngliche Solitärbau von Wilke heute den United South Terminal Complex.

Im Jahr 1991 wurde das Büro Wilke krankheitsbedingt von Mitarbeitern übernommen und unter der Firmierung W&P Architekten Ingenieure weitergeführt.

Während die Anfang der 70er Jahre stark skulptural geformten Bauten des Bürohauses in der Uhlemeyerstrasse und des Parkhauses Osterstrasse unter Denkmalschutz gestellt wurden, erfuhr das stadtbildprägende Verwaltungsgebäude der Sparkasse Hannover am Raschplatz 4 in den Jahren 2013–2016 innen und außen durch Umbau und Revitalisierung des Büros Schulze & Partner gravierende Veränderungen. Auch die Passagierterminals des Flughafens Hannover-Langenhagen wurde technisch und gestalterisch ertüchtigt.Sanierung Flughafen Hannover. Webseite des Büros Obermayer, Koch + Partner, Architekten, Mai 2013, abgerufen am 5. Dezember 2022.

Durch die Beauftragung des Peiner Fotografen Helmut Trexler (1927–2004) durch Heinz Wilke, ist eine vollständige Original-Dokumentation seiner Bauten und Modelle erhalten.Systemstahl und Strukturbeton: Die Architektur von Heinz Wilke dokumentiert in Fotografien von Helmut Trexler. Ausstellung vom 15. November bis 7. Dezember 2016. Bildarchiv Foto Marburg, abgerufen am 5. Dezember 2022.

Bauten (Auswahl) mini|Parkhaus Osterstraße, Hannover (1974) 1965: Freizeitheim Vahrenwald in HannoverKlaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein: Hannover Chronik. Hannover 1991, S. 258. mini|Sparkasse Hannover, Verwaltungsgebäude Raschplatz 4 (vor dem Umbau ab 2013) 1969: Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (Ehemaliges Landesarbeitsamt Niedersachsen-Bremen), 1967–1969, Abbruch: 2015 1971: Neue Messe Düsseldorf 1972: Büro und Wohnhaus in Hannover (Architekturbüro Wilke und Britisches Generalkonsulat, unter Denkmalschutz), Uhlemeyerstraße 9–11 1973: Neubau des Flughafens Hannover 1974: Parkhaus Osterstraße in Hannover (mit Restaurant und Bowlingbahn; unter Denkmalschutz)Beatrice Härig: Im Auge der Doppelhelix. Parkhäuser und ihre Architektur. In: Monumente, Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Jahrgang 2014.Conrad von Meding: Das sollen Denkmale sein? In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 22. Mai 2016. 1974–1976: Bürogebäude der Sparkasse Hannover 1974–1977: Heeresoffizierschule I in Hannover-Vahrenheide 1976: Vorplanung für den „Olympiaflughafen“ Scheremetjewo II 1980: Internationales Terminal Flughafen Scheremetjewo II, heute Terminal F in Moskau Flughafenterminal F, Moskau Scheremetjewo II, In: Bildindex der Kunst und Architektur Oktober 1980, abgerufen am 6. Dezember 2022. sowie undatiert verschiedene Messebauten der Hannovermesse Streichholzfabrik in Antananarivo auf Madagaskar

Preise 1972: Preis des Deutschen Stahlbaues für die Neue Messe Düsseldorf 1980: Europäischer Stahlbaupreis für den Flughafen Scheremetjewo II in Moskau 1989: Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich für die Revitalisierung des Flughafens Wien

Literatur Beratungsstelle für Stahlverwendung Düsseldorf (Hrsg.): Stahlbauten von Architekt Heinz Wilke (= Stahl und Form. Band 3). Institut für Internationale Architektur-Dokumentation, München 1975. Hermann Boockhoff, Jürgen Knotz (Bearb.): Architektur in Hannover seit 1900. Hrsg. von der Architektenkammer Niedersachsen. Callwey, München 1981, ISBN 3-7667-0599-7, vgl. Nr. A 26, A 28, A 36, B 15, D 10. Helmut Knocke: Wilke, Heinz. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 679f. System, Stahl, Struktur, Beton. Die Architektur von Heinz Wilke. Begleitheft zur Architekturausstellung im Helmkehof 2016. Deutscher Werkbund Nord, Hannover 2016. (ohne ISBN) Martin Wörner, Ulrich Hägele, Sabine Kirchhof: Architekturführer Hannover. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-496-01210-2, S. 39, 150f., 192.

Weblinks

Werke von Heinz Wilke im Bildindex der Kunst und Architektur Flughäfen: Kleine Perle. Der Spiegel, Nr. 15, 9. April 1973 (zum Flughafen Hannover) Bauten und Modelle von Heinz Wilke in der Deutschen Digitalen Bibliothek Modell Hannover Der Spiegel, Nr. 14, 30. März 1980 Bettina Maria Brosowsky: Zwei Protagonisten der Nachkriegsmoderne in Hannover - Ausstellungen zu den Architekten Ernst Zinsser und Heinz Wilke, Bauwelt, Heft 39, 2016 Mirjam Wickel Ganz schön erbaulich – So spannend wird der Terminalumbau... Boulevard Airport Hannover, Website, 10. Dezember 2018 Vom Schokoturm zum City-Highlight Dokumentation des ökologisch und ökonomisch orientierten Umbaus des Verwaltungsgebäudes der Sparkasse Hannover

Einzelnachweise

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