mini|hochkant=1.4|Die Stadtbibliothek als typischer Vertreter des Backsteinexpressionismus in Hannover () In den 1920er Jahren entstanden zahlreiche Gebäude im Stile des Backsteinexpressionismus in Hannover. Neben repräsentativen Büro- und Fabrikgebäuden wurden viele und teils ausgedehnte Wohnanlagen errichtet. So stammen große Teile der Südstadt aus dieser Zeit. In Hannover wirkten unter anderem die Architekten Karl Elkart, Fritz Höger, Hans Poelzig und Friedrich Hartjenstein.

Geschichte und Merkmale mini|hochkant=0.6|Backsteinfassade mit hervorragenden Klinkerreihen an der Bühnenwerkstatt des Niedersächsischen Staatstheaters ()

Der Backsteinexpressionismus bildete sich nach dem Ersten Weltkrieg heraus und erreichte seinen Höhepunkt in den 1920er Jahren. Als Vorbild diente die norddeutsche Backsteingotik, die imposante Dom- und Kathedralbauten hervorgebracht hatte. In Hamburg trat mit Fritz Schumacher ein starker Verfechter für den Backsteinexpressionismus ein. Während seiner Zeit als Oberbaudirektor entstanden expressionistische Kontorhäuser (beispielsweise das Chilehaus). Als bevorzugter Baustoff dienten Backsteine (Ziegel) oder Klinker. Sie weisen eine breite Farbvariation auf, von Rot über Braun zu Blau und Violett bis fast Schwarz. Kritiker dieses Stils bemängelten, die Klinkerbauten wirkten „düster und deprimierend“. Die expressionistischen Architekten hingegen schätzten den Klinker, da sich mit ihm reizvolle Fassaden schaffen ließen. Durch geschickte Anordnung der Steine erreichten sie ein Spiel von Licht und Schatten. Aus entsprechenden Blickwinkeln ergeben sich so Linienbündel, deren Fluchtpunkte über das Gebäude hinausreichen. Viele Bauten weisen eine besondere Ornamentik auf: Durch sich wiederholende Schmuckelemente bilden sich unendliche Linien. Diese Linien stehen im Gegensatz zum Symmetrie-Ideal des Klassizismus. Während der Phase des Backsteinexpressionismus entstanden außer in Hamburg und im Ruhrgebiet auch in Hannover zahlreiche Backsteinbauten, deren expressionistischer Charakter unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Herausragende Beispiele bilden das Anzeiger-Hochhaus von Fritz Höger und der Poelzig-Bau als ehemaliges Verwaltungsgebäude der Firma Meyer von Hans Poelzig.

Hochhausbauten mini|hochkant=0.6|Anzeiger-Hochhaus von Fritz Höger () Von den expressionistischen Hochhausbauten aus den 1920er Jahren sind noch vier erhalten geblieben. Bei dem Anzeiger-Hochhaus handelt es sich um ein Bürogebäude, das Fritz Höger entwarf. Es entstand 1927–28 für die damalige Zeitung, den Hannoverschen Anzeiger, am Steintor. Das Gebäude prägt ein auffallendes Kuppeldach, worunter früher ein Planetarium untergebracht war. Die Fassade des Anzeiger-Hochhauses weist einen orientalisch-inspirierten Klinkerschmuck auf. Als zentrale geometrische Figur tritt das Dreieck auf, diese Form kehrt an vielen Stellen wieder: in den Zwischenräumen von Pfeilern und Lisenen, in den vertikal verlaufenden Ziegelkanten, im Dekor der Reliefbänder und in den treppenförmig ausgeführten Bögen im Erdgeschoss. Das Gebäude besitzt weder einen Erdgeschosssockel noch ein Gesims. Dadurch wird der betont vertikale Rhythmus der Fassade nicht gestört und der blockförmige Baukörper scheint auf seinen Stelzen zu ruhen.

Das Capitol-Hochhaus steht im Stadtteil Linden-Mitte, nahe dem Platz Schwarzer Bär. Errichtet wurde das Gebäude 1930 unter dem Architekten Friedrich Hartjenstein, es beherbergte seinerzeit Büros und ein Kino. In Linden war der Bau das erste und lange Zeit das einzige Hochhaus. Es wendet sich dem Zentrum Hannovers zu und markiert so den Eingang nach Linden. Die Stahlskelettkonstruktion erhielt ein Flachdach, verblendet ist sie mit braun-violetten Klinkern. Anders als beim Anzeiger-Hochhaus ist die Fassade des Capitol-Hochhauses weniger kunstvoll ausgeführt worden. An ihr finden sich vertikale Elemente wie die Wandvorlagen und schießschartenartige Fenster im oberen Teil. Ebenso sind horizontal geprägte Elemente vorhanden wie die Fensterbänder und die Arkaden im Erdgeschoss. Ein charakteristisches Merkmal des Baus stellt das gerundete Ecktürmchen dar. Hartjenstein orientierte sich damit an den seinerzeit modernen Mauerwerksbauten.

Das Hochhaus Günther entstand 1927 am Stephansplatz in der Südstadt. Den Komplex entwarf Fritz Höger. Er ähnelt stark einem anderen Wohnungsbau Högers, der zur gleichen Zeit in Hamburg an der Ohlsdorfer Straße errichtet wurde.

Das Hochhaus Glückauf übertrifft mit seinen neun Stockwerken das Hochhaus Günther. Es steht als eindrucksvoller Eingang zu einem großen Wohnblock am Südstädter Geibelplatz. Als Architekt des von 1926 bis 1927 errichteten Baus wirkte Wilhelm Ziegler.

Südstadt mini|hochkant=0.9|St.-Heinrich-Kirche an der Sallstraße () In der Südstadt entstanden unter dem Stadtbaurat Karl Elkart ganze Straßenzüge mit geschlossenen Baublocks. Anhand von Gipsmodellen prüften die Stadtplaner zunächst, wie die Bebauung räumlich wirkte. Neben der „räumlich-plastischen Einbindung“ erreichte Elkart dadurch ein einheitliches Erscheinungsbild, dass er Klinker für die Fassaden vorschrieb. Mit diesem Baumaterial hoffte er, den „herben norddeutschen Charakter“ zu treffen. Typische Wohnungsbauten aus dieser Zeit finden sich beispielsweise in der Spielhagenstraße (Architekten Koelliker und Springer), am Bertha-von-Suttner-Platz und an der Heinrich-Heine-Straße. Die Häuser zeigen nicht nur expressionistische Gestaltungsmittel, sondern auch traditionalistische. Am Ende eines Wohnblocks wurden oft Walmdächer gewählt, was der Bebauung ein eher konservatives Erscheinungsbild verleiht. In seltenen Fällen lassen sich auch Elemente der Neuen Sachlichkeit zuordnen.

Die ehemalige Volksschule am Altenbekener Damm zählt architektonisch „zu den besten Schulbauten“ in Hannover. Sie entstand 1928, zeitgleich mit den umliegenden Wohnhäusern, denen sich die Schule harmonisch anpasst. Karl Elkart entwarf die Stahlbetonkonstruktion mit Flachdach.

Für die katholische St.-Heinrich-Kirche entschieden sich die Stadtplaner für ein von Wohnhäusern umbautes Grundstück zwischen der Sallstraße und der Simrockstraße. Der markante Turm besitzt eine klotzartige Erscheinung, seine Breite beträgt 14 m und seine Höhe 30 m. Die tragenden Elemente der Kirche wurden aus Eisenbeton errichtet, während das Äußere mit bunten Klinkern und wenig Muschelkalk verkleidet ist. Der Architekt, Eduard Endler, beabsichtige, den Bau durch große Flächen und tief eingeschnittene Bogenschlitze von den umliegenden, eher sachlich gehaltenen Wohnhäusern abzuheben. Durch die Wahl des gleichen Baumaterials erreichte Engler dennoch eine starke Einheit von Kirche und Wohnungsbauten.

Der 1931 für die Stadtbibliothek errichtete Turmbau war das erste Bibliothekshochhaus in Deutschland. Der zehngeschossige Bau enthält in seinem Innern eine Stahlkonstruktion, die an der Außenfassade mit Lisenen angedeutet wird. Der obere Teil besteht aus Magazingeschossen, die sich von außen leicht anhand der vertikalen Fensterbänder erkennen lassen. An den Turm anschließende Erweiterungsbauten mildern dessen Hochhauscharakter.

List De-Haën-Platz mini|hochkant=0.9|Dezent expressionistisches Wohnhaus am De-Haën-Platz () Eine markante Wohnanlage findet sich am De-Haën-Platz in der List, dessen Bebauung nahezu unverändert geblieben ist. Bereits 1911 wurde mit den Planungen begonnen, das frühere Gelände der chemischen Fabrik de Haën zu bebauen. Wegen des Ersten Weltkriegs dauerte es bis 1927, ehe das Vorhaben realisiert wurde. Die eher zurückhaltend expressionistischen Häuser ordnen sich verschachtelt um den Platz. Er besteht aus zwei Teilflächen, die im Winkel von 90° zueinander angeordnet sind. Dadurch erhalten alle auf den Platz führenden Straßen einen visuellen Abschluss. Die Häuser an den Straßeneinmündungen besitzen oft ein Stockwerk mehr als die übrigen, außerdem gibt es Arkaden, die aus der Bauflucht heraustreten. Der Platz erscheint so durch Tore von den Straßen abgegrenzt. Für einen Akzent sorgt ein winkliger Eckturm, der auf einem Haus an der Ostseite des Areals sitzt. Der Wohnungskomplex wirkt sehr homogen, obwohl sich mehrere Architekten und Bauherren an seiner Ausführung beteiligten. Auf Balkone und Erker wurde verzichtet, um einen streng kubischen Charakter zu erreichen. Die Stadt schrieb nicht nur das Äußere der Siedlungen strikt vor, auch die Grundrisse der Wohnungen hatten einem vorgegebenen Muster zu folgen, wenn Fördergelder für das Bauvorhaben erhalten werden sollten.

Siedlung Im Kreuzkampe mini|hochkant=0.9|Häuser an der Spannhagenstraße im Westen der Siedlung () Eine eindrucksvolle Wohnanlage entstand zwischen 1927 und 1929 um das Gebiet der Straße Im Kreuzkampe. Die Pläne stammen von den Brüdern Siebrecht, die als Sieger aus einem städtischen Architektenwettbewerb hervorgingen. Die möglichst symmetrischen Grundrisse ergeben eine klar gegliederte, komplexe Siedlung. Sie besitzt die Grundform eines unregelmäßigen Trapezes, das an seiner Südostecke bis an die Podbielskistraße heranreicht. Vier paarweise angelegte Vierflügelanlagen umschließen weite, gartenähnliche Innenhöfe. Im Zentrum der Siedlung befindet sich die als breite Allee ausgeführte Straße Im Kreuzkampe. Außerdem wird die Anlage von zwei weiteren Straßen in Nord-Süd-Richtung durchteilt, der Adalbert-Stifter-Straße und der Anzengruberstraße. Beide sind an ihrem Nordende mit Toren überbaut, was den Straßen einen eher halb-öffentlichen Charakter verleiht. An den Straßenecken finden sich kubische Eckhäuser, die höher sind als die restliche, dreigeschossige Bebauung. Symmetrische Fassaden der homogenen Flachdachhäuser unterstützen den geschlossenen Charakter der Siedlung. Die Bauten sind außen mit bandartigen Wandreliefen verziert, die Treppenhäuser sind pylonartig vorgelegt. Zu den außen umlaufenden Straßen verstärken kasten- oder keilförmige Erker die Plastizität der Baukörper. Etwas später entstanden die Häuser an der Ostseite der Dingelstedtstraße, sie wurden erst in den 1930er Jahren errichtet.

Gartenstadt Kleefeld mini|hochkant=0.9|Einheitliche Bebauung in der Gartenstadt Kleefeld ()