Die Anstalt ist eine politische Kabarettsendung, die vom deutschen Fernsehsender ZDF seit dem 4. Februar 2014 ausgestrahlt wird. Sie gilt als Nachfolger von Neues aus der Anstalt, die am 1. Oktober 2013 zum letzten Mal gezeigt wurde. Durch die Sendung führen die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner. Seit Juni 2024 gehört auch Maike Kühl zum Stammensemble. Die Sendung wird seitdem in wechselnden Konstellationen präsentiert. Zu ihnen gesellen sich bekannte Gäste aus dem Bereich der Kleinkunst. Regisseur der Sendung ist Frank Hof.
Sendeplatz, Set und Autoren Die Anstalt wird achtmal im Jahr (in der Regel einmal im Monat von Februar bis Mai sowie von September bis Dezember) an einem Dienstagabend nach dem heute-journal live im ZDF ausgestrahlt. Wiederholt wird die Sendung an einem Sonntag im D-A-CH-Gemeinschaftssender 3sat.
Bis Ende 2017 wurde die Sendung aus den ARRI-Studios in München übertragen. Das Studio stellte das Foyer einer psychiatrischen Klinik dar. Uthoff und von Wagner stellten anfangs die Besetzer der von Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) verlassenen Klinik dar. Seit 2018 wird in einer neuen Studiokulisse aus den Bavaria-Studios (München) gesendet.
Jede Sendung steht unter einem Thema, welches meistens auch in den Solo-Auftritten der Gäste thematisiert wird. Passend zum Thema wird auch das Titellied abgeändert, zum Beispiel Samba de Janeiro in der Sendung zur Fußball-Weltmeisterschaft. In der Sendung nach den Terroranschlägen in Paris wurde das erste „A“ von „Anstalt“ im Logo durch den Eiffelturm dargestellt (siehe Je suis Charlie).
Dem dreiköpfigen Autorenteam der Anstalt gehört neben Uthoff und von Wagner der Journalist und Kabarettredakteur Dietrich Krauß an, der auch zum Autorenteam der heute-show zählt.
Die Anstalt veröffentlicht als einzige deutsche Kabarettsendung auf ihrer Internetseite zu jeder Ausgabe einen Faktencheck, eine meist umfangreiche Literaturliste, mit dem Anspruch, alle Aussagen der Sendung mit offen kommunizierten Quellen belegen zu können.
Die Ausgaben 40, 45, 53 bis 56, 61, 62 und 69 fanden ohne Claus von Wagner statt, Frank-Markus Barwasser trat als seine „Urlaubsvertretung“ (Aussage Sendungshomepage) in den Folgen 40 und 45 auf. In den Folgen 53 und 56 wurde Claus von Wagner von Till Reiners und in der Folge 54 von Frank Lüdecke vertreten. In der 49. Ausgabe wurde wiederum Max Uthoff von Till Reiners vertreten. Ab Folge 83 pausierte Claus von Wagner, um sich auf sein Bühnenprogramm vorzubereiten. In dieser Zeit wurde er von Maike Kühl vertreten, die schon zuvor mehrfach in der Anstalt zu Gast war und fortan zum Stammensemble gehört. Max Uthoff pausierte für Folge 88 im Februar 2025, da er auf Instagram zur Wahl der Partei Die Linke bei der Bundestagswahl 2025 aufrief und nach ZDF-Angaben die wahlwerbende Person sechs Wochen vor einer Wahl nicht im Programm erscheinen darf, weshalb das ZDF ihm einen Auftritt in Episode 88 aufgrund der zeitlichen Nähe zur bevorstehenden Bundestagswahl untersagte.
Wiederkehrende Elemente Als eine Art Running Gag gab sich die Gruppe in einigen Folgen gern einen neuen Eigennamen, setzte zur Verkündigung der Abkürzung an, unterließ aber immer die Aussprache, weil die Abkürzung immer in Verbindung mit etwas aus ihrer Sicht Negativem stand (z. B. AfD oder Napalm). Ebenfalls wiederholt wurde Max Uthoff gerne in seinem Solo unterbrochen, worüber er sich dann beschwerte.
Weiterhin taucht in den meisten Ausgaben der Anstalt ein rollbares Whiteboard auf, auf dem ein Schaubild über personelle oder politische Verquickungen entwickelt wird. Das erste Schaubild dieser Art wurde von Erwin Pelzig in der Ausgabe vom 13. November 2012 der Vorgängersendung Neues aus der Anstalt dargeboten. In diesem Schaubild ging es um die personellen Verbindungen zwischen der Bank Goldman Sachs und hohen staatlichen Finanzposten weltweit. Ein zweites Schaubild wurde von Pelzig in der Ausgabe am 25. Juni 2013 zum Thema Gustl Mollath gezeigt; regelmäßig wird es aber erst seit dem Debüt von Die Anstalt von Uthoff und von Wagner mit der Bezeichnung Tafelnummer betrieben. Auch gibt es in jeder Ausgabe eine Art Rollenspiel, bei dem politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Vorgänge veranschaulicht werden. Diese Rollenspiele werden häufig mit den Schaubildern auf dem Whiteboard kombiniert.
In der Sendung wird auch auf den „Faktencheck zur Sendung“ hingewiesen, eine PDF-Datei von meist 15–25 Seiten, die zu jeder Sendung als Download beim ZDF angeboten wird und auch ergänzende Informationen enthält.
In neueren Folgen stellen Uthoff, von Wagner und Kühl für einzelne Segmente bis hin zu ganzen Folgen wiederkehrend und parodierend verschiedene reale Persönlichkeiten dar, etwa Robert Habeck, Christian Lindner, Angela Merkel und Andreas Scheuer (von Wagner), Horst Seehofer, Friedrich Merz, Isaac Newton und Olaf Scholz (Uthoff), bzw. Alice Weidel und Katherina Reiche (Kühl). Ein Auftritt von Uthoff als Newton wird dabei stets davon begleitet, dass eine andere Person (für gewöhnlich von Wagner als Scheuer, aber auch andere) entsetzt oder genervt „Scheiße, Newton!“ (bzw. im Falle von „Scheuer“ „Scheiße, der Neffton!“) ruft.
Episodenliste
Einschaltquoten Die erste Sendung erreichte 3,11 Millionen Zuschauer; die Einschaltquote wurde mit 14 Prozent beziffert. Die Quote blieb hinter der zuletzt vom Vorgängerformat erreichten zurück.
Insgesamt kamen Uthoff und von Wagner auch 2015 nicht an die Quoten von Neues aus der Anstalt heran, nur beim jungen Publikum sind leichte Zuwächse zu beobachten. Der Auftritt des NS-Besatzungsopfers Argyris Sfountouris in der Griechenland-Folge Nr. 10 wurde mit über 1,2 Millionen Abrufen bei Facebook und über 500.000 bei YouTube zum viralen Hit. Ähnlich gute Werte hatte die Ukraine-Folge Nr. 2 in Russland.Stephan Denzer: Erwartungen an «Die Anstalt» werden höher Interview mit dem ZDF-Teamleiter „Kabarett und Comedy“ auf Quotenmeter.de, 27. April 2015 Die 12. Folge erreichte 2015 noch 2,75 Millionen Zuschauer und eine Einschaltquote von 13,1 Prozent.Die Anstalt bei quotenmeter.de, 26. Mai 2015.
Die ersten beiden Folgen im Jahr 2016 erreichten 12,6,Die Anstalt bei quotenmeter.de vom 23. Februar 2016. bzw. 10,1 Prozent.Die Anstalt bei quotenmeter.de Die erste Folge nach der Sommerpause erreichte 2,32 Millionen Zuschauer und eine Quote von 10,9 Prozent.
Mit 2,90 Millionen und 13,2 Prozent Marktanteil konnte Folge 26 am 7. März 2017 die drittstärkste Reichweite ihrer Geschichte verzeichnen. Bei den Jüngeren wurden 8,8 Prozent bei 0,67 Millionen erreicht.«Frau Temme» steigert sich ein wenig, «Anstalt» stark wie lange nicht., quotenmeter.de, 8. März 2017. Bei Folge 31 im Jahr 2017 sahen 2,13 Millionen Menschen zu. Mit 9,8 Prozent (drittschwächster Marktanteil seit Start des Formats) rutschte die Sendung in den einstelligen Prozentbereich. Auch beim jungen Publikum sackte sie auf 5,8 Prozent bei 0,44 Millionen ab.Richtig bitter: «Die Anstalt» rutscht sogar in die Einstelligkeit, quotenmeter.de vom 8. November 2017. Die Episoden des Jahres 2017 kamen nach Angaben des ZDF bis Jahresende auf durchschnittlich 346.000 Sichtungen in der ZDFmediathek.
Die erste Sendung nach der Sommerpause 2018 verfolgten am 25. September 2,34 Millionen Zuschauer (12,2 % Marktanteil). Bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 0,52 Millionen Zuschauer erreicht, was einem Anteil von 7,8 % entsprach. Die vier vor der Sommerpause ausgestrahlten Sendungen erreichten im Schnitt einen Marktanteil von 13,4 % (9,6 % bei den 14- bis 49-Jährigen) und ca. 2,5 Millionen Zuschauer. Die Episoden dieses Jahres wurden bis zum Jahresende durchschnittlich 310.000-mal in der ZDFmediathek aufgerufen.
Am 29. Januar 2019 sahen 2,67 Millionen Zuschauer die erste Episode der Anstalt des Jahres. Die Einschaltquote lag bei 12,5 %. Die Sendung vom 1. Oktober 2019 sahen lediglich 1,91 Millionen Menschen, was einem Marktanteil von nur noch 9,2 % entsprach. Nur 4,6 Prozent junge Zuschauer erreichte die Sendung. Bereits die folgende Sendung erreichte am 5. November wieder 2,41 Millionen Zuschauer und eine Quote von 11,7 %.
Kritiken Die Bewertungen der Sendungen fallen unterschiedlich aus.
Zur Auftaktsendung und Nachfolgesendung von Neues aus der Anstalt attestierte Irene Helmes in der Süddeutschen Zeitung Uthoff und von Wagner zwar, dass jene „mit sichtlicher Freude“ austeilen würden. Den „selbst formulierten Anspruch“ könnten sie „aber noch nicht erfüllen“, „viele Späße […] waren allzu bekannt“ und insbesondere das Tempo zu hoch. Auf Spiegel Online hob Stefan Kuzmany die „inhaltliche Schärfe“ der zweiten Episode hervor und bezeichnete das neue Format „mit der richtigen Mischung aus guten Gags und fiesen Fakten“ als „glänzend gelungen“.Stefan Kuzmany: Der kleine Sozialist in uns allen. In: Spiegel Online. 12. März 2014.
Stefan Winterbauer lobte auf Meedia die fünfte Folge als „echte Werkschau klassischen Kabaretts“ und „intellektuell, scharfzüngig, mutig“.Stefan Winterbauer: “Die Anstalt” – das gute, linke, einseitige Gewissen des ZDF, Meedia vom 24. Dezember 2009
Für den Stern zeigte die siebte Folge mit ihrer eindringlichen Darstellung des Flüchtlingsdramas, „dass Satire nicht immer nur lustig sein muss, um zu wirken“.Bewegende Satire ohne Pointe Stern vom 19. November 2014
Die achte Episode, in der die Regierung Poroschenko in der Ukraine scharf und mit Verweis auf Russia Today kritisiert wurde, bezeichnete Katja Thorwarth in der Frankfurter Rundschau als „Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen auf Grundschulniveau garniert mit reduziertem Gut-Böse-Schema à la Querfront“, bei der „einfachste Sachverhalte auf vulgäre Kinderreime heruntergebrochen werden“.Katja Thorwarth: Ken-Jebsen-Stammtisch im ZDF, Frankfurter Rundschau vom 11. Dezember 2014, abgerufen am 4. Dezember 2019.
Richard Weber wertete die neunte Folge im Tagesspiegel als „kabarettistisches Schlachtfest der Halbwahrheiten und Behauptungen“. Je nach Bedarf würde z. B. Barack Obama mal hinsichtlich des Drohnenkrieges als „blutrünstiger und barbarischer Mörder“ dargestellt, um dann „beim Thema Griechenland [als] strahlender und moralischer Zeuge dafür [aufzutreten], dass endlich Schluss sein muss mit dem finanziellen Ausquetsch-Terror“.Kabarett light taugt nicht als Frischzellenkur fürs Zweite. In: Der Tagesspiegel, 4. Februar 2015
Kontrovers werden die medienkritischen Aspekte der Sendung bewertet, insbesondere in Bezug auf die Krise in der Ukraine 2014. Mit dem eigenen Sender gehe man wesentlich schonender um als mit anderen Medien wie Focus und Spiegel, meinte Richard Weber im Tagesspiegel. Matthias Kalle wies – ebenfalls im Tagesspiegel – auf den Widerspruch hin, dass sich die Anstalt in ihrem „Faktencheck“ der zwölften Folge ganz überwiegend auf „Lügenpresse“ wie „Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, Die Zeit, Die Welt und einige andere“ berufe, „die doch im Verständnis der Anstalts-Macher und ihrer Fans eigentlich systemstützende, faule, voneinander abschreibende Putin-Gegner sein müssten.“
David Segler sah in der Frankfurter Rundschau anlässlich der zehnten Folge die Stärke der Anstalt darin, dass sie „die großen und komplexen Themen und vor allem die Flut, in der sie auf einen einprasseln [… aufgreife, abstrahieren …] und schließlich in verständlichen Bildern auf die Bühne“ bringe.Bilder, die den Wahnsinn zeigen. In: Frankfurter Rundschau, 31. März 2015 Zur elften Folge lobte er die gute Hintergrundrecherche, „deren Ergebnisse dann in [den] Dialogen so unter[gebracht würden], dass die Pointen nur so funkeln“.Die frivolen Feministen. In: Frankfurter Rundschau, 29. April 2015 Folge 26 über den Autowahn bezeichnete er als „Sternstunde der Anstalt“, bei der sich die zwischen Uthoff und Wagner „bewährte Dialogform und die Unterstützung durch Schautafeln als geeignetes Mittel [erwiesen], komplizierte Entwicklungen und Verhältnisse zu beleuchten.“Wie Autokäufer verkauft werden. In: Frankfurter Rundschau, 8. März 2017