mini|Heinrich VIII. Kopie nach einem Gemälde von Hans Holbein, Chatsworth House, England.

Das Porträt Heinrichs VIII. nach Hans Holbein ist eines der berühmtesten Bilder eines britischen Monarchen und das bekannteste Porträt Heinrichs VIII. Das originale Wandbild zeigte außer dem König auch seine Frau Jane Seymour und seine Eltern. Dieses Wandbild ist 1698 bei einem Brand des Palace of Whitehall zerstört worden. Überliefert wurde es in einer Kopie aus dem Jahr 1667. Nach dem Porträt Heinrichs auf dem Familienbild sind schon zu seinen Lebzeiten eine Reihe von Fassungen entstanden, die in europäischen und amerikanischen Sammlungen aufbewahrt werden.

Historischer Hintergrund Nach dem Tod von Kardinal Wolsey 1529 kam dessen Anwesen York Palace 1530 an Heinrich, der den Palast zu seiner Hauptresidenz machte. Während seiner gesamten Regierungszeit wurde an der opulenten und weitläufigen Palastanlage, dem Palace of Whitehall, gebaut. 1536 gab der König bei Hans Holbein ein Wandgemälde in Auftrag, das Heinrich mit seiner dritten Frau Jane Seymour und seinen Eltern Heinrich VII. und Elizabeth of York darstellte.

1536 war Heinrich bereits 27 Jahre König und hatte noch keinen männlichen Erben. Im Frühling des Jahres war er auf einem Turnierplatz schwer verletzt worden und musste um sein Leben fürchten. Der Bestand der Tudor-Dynastie war zu diesem Zeitpunkt ernstlich bedroht. Im April 1536 war seine zweite Frau Anne Boleyn wegen angeblich mehrfachem Ehebruch verhaftet und am 19. Mai 1536 im Tower enthauptet worden. Der Weg war jetzt frei für eine Ehe mit Jane Seymour, die er am 30. Mai 1536 in Whitehall heiratete. Jane Seymour starb am 24. Oktober 1537, nur wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes Edward, mit dem sie in der Entstehungszeit des Bildes wahrscheinlich schon schwanger war.

Die innenpolitische Lage war in dieser Zeit prekär. Im Oktober 1536 war es im Norden seines Reichs zu einer Rebellion gekommen, die sich zu einer schweren Regierungskrise entwickelte. Auslöser war, abgesehen vom Anziehen der Steuerschraube, die Abspaltung der englischen Kirche von Rom und die damit einhergehende Auflösung der Klöster, die Abschaffung der populären Feiertage, die Erklärung seiner Tochter Maria zum Bastard und ihr Ausschluss von der Thronfolge.

Als Heinrich 1547 starb, hinterließ er einen minderjährigen Thronfolger, einen bankrotten Staat und eine zerstrittene Nation.

Hans Holbein hielt sich ab 1532 mit wenigen Unterbrechungen bis 1543 in England auf. Zunächst war er vor allem als Porträtmaler der dort niedergelassenen hanseatischen Kaufleute und von Mitgliedern des Adels tätig, ab 1533 entstanden Porträts von Höflingen, und 1536 wurde er offizieller Hofmaler mit festem Gehalt. Zu seinen Aufgaben gehörte das dynastische Herrscherbild in Whitehall, das Porträtieren von möglichen weiteren Heiratskandidatinnen und das Entwerfen von Prunk- und Luxusgegenständen.

Das Wandgemälde für Whitehall Das Herrscherbild für einen Saal in Whitehall dürfte zwischen 1536 und 1537, der kurzen Zeitspanne, die die Ehe von Heinrich und Jane Seymour dauerte, in Auftrag gegeben worden sein. Dieses Bild war das einzige Wandbild, das Holbein in England geschaffen hat. In der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 1698 ging der Palast in Flammen auf, denen auch Holbeins Bild zum Opfer fiel.

Nach der Beschreibung von William Sanderson (1586–1676), der das Bild 1658 im Original gesehen hat, handelte es sich um eine auf die Wand aufgetragene Ölmalerei, nicht um ein Fresko. William Sanderson: Graphice. The Use of Pen and Pencil or the Most Excellent Art of Painting in 2 Parts. London 1658. Zitiert nach Bruck 1997, S. 109.

mini|120px|Porträt Heinrichs VIII., 1536/37

Das Porträt aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza In der Thyssen-Sammlung in Madrid befindet sich Holbeins einziges eigenhändiges Porträt des Königs. Daten Porträt Heinrichs VIII., um 1536/37 Öl auf Eichenholz, 28 × 20 cm Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Inventar-Nr. 191 (1934.39) Thyssen-Bornemisza Collection

Das nicht signierte und undatierte Bild ist nach 1536, als Holbein königlicher Hofmaler wurde, entstanden. Schulter, Arme und Hände sind angeschnitten, aber Gesicht und Kleidung des Königs entsprechen ziemlich genau der Ganzfigur auf Holbeins Karton und dem Whitehall-Wandbild, wie es von van Leemput überliefert ist. In der Literatur wird das Bild gelegentlich als Vorstudie zu dem Wandbild gesehen.

Der Whitehall-Karton An vorbereitenden Zeichnungen Holbeins ist nur ein Karton mit dem Porträt des Königs erhalten, der ebenso wie die Hintergrundarchitektur und der Teppich ziemlich detailliert dem Wandbild entspricht. Konturen des Königs und von Teilen der Architektur sind perforiert, der Karton ist also zum Übertrag auf die Wand genutzt worden. Daten Ganzfigur Heinrichs VIII. Karton auf Leinwand montiert; Federzeichnung in schwarzer Tinte, mit Grau, Braun, Schwarz und Rot laviert 257,8 × 137,1 cm um 1536/37 National Portrait Gallery, London Inventar-Nr. NPG 4027 Wie auch auf dem Madrider Bild sind Kopf und Brust leicht aus dem en face nach rechts gedreht, wobei der Blick auf den Betrachter gerichtet ist, während sich der König in van Leemputs Kopie bildparallel aufgebaut hat. Alle in der Nachfolge des Whitehall-Gemäldes entstandenen Porträts übernehmen diese Darstellung.

Das Gemälde mini|Remigius van Leemput: Heinrich VII., Elizabeth of York, Heinrich VIII. und Jane Seymour, das Whitehall-Gemälde. 1667

Von dem originalen Wandbild existieren zwei Kopien. Die Kopie von 1667 des Niederländers Remigius von Leemput (1607–1676), ein Mitarbeiter van Dycks, gehört zur Royal Collection. Die Kopie wurde von Charles II. in Auftrag gegeben und wird in Hampton Court Palace gezeigt. George Vertue (1654–1756) kopierte 1737 van Leemputs Fassung. Dieses Bild befindet sich ebenfalls in der Royal Collection.

Daten The Whitehall Mural, Öl auf Leinwand, 88,9 × 98,7 cm datiert auf dem Fries: AN.DO. 1537 Royal Collection, Her Majesty The Queen Elizabeth II., Hampton Court Palace Inv.-Nr. 405750Familienbildnis Heinrichs VIII. (Kopie nach Holbein)The Whitehall Mural

Das Bild zeigt vier Personen, die um eine hohe Plinthe auf einem zweistufigen Sockel gruppiert sind. Auf der rechten Seite der Plinthe stehen hintereinander Heinrich und sein Vater, spiegelbildlich auf der anderen Seite Jane Seymour und seine Mutter. Aufgebaut sind sie vor einer prachtvollen Renaissancearchitektur mit drei Muschelnischen und mit Pilastern und Friesen, die mit Ornamenten reich dekoriert sind. Den gesamten Boden bedeckt ein Orientteppich, der sich um die Plinthe herumschlingt.

Plinthe und Sockel tragen eine lateinische Inschrift. SI IVVAT HEROVM CLARAS VIDISSE FIGVRAS ILIVS AN VINCAT VICIT VTERQVE QVIDEM ISTE SVOS HOSTES PATRIÆQVE INCENDIA SAEPE SVSTVLIT ET PACEM CIVIBVS VSQVE DEDIT.

FILIVS AD MAIORA QVIDEM PROGNATVS AB ARIS SVBMOVET INDIGNO SI SVBSTITVITQVE PROBOS CERTÆ VIRTVTI PAPARVM AVDACIA CESSIT HENRICO OCTAVO SCEPTRA GERENTE MANV REDDITA RELIGIO EST ISTO REGNANTE DEIQVE DOGMATA CEPERVNT ESSE IN HONORE SVO. PROTOTYPVM IVSTÆ MAGNITVDINIS IPSO OPERE TECTORIO FECIT HOLBENIVS IVBENTE HENRICO VIII A°DNI MDCCXVII

ECTYPVM A REMIGIO VAN LEEMPVT BREVIORI TABELLA DESCRIBI VOLVIT CAROLVS II. M.B.P.E.H.R. Übersetzung zitiert nach Bruck 1997, S. 120. „Wenn es Dich erfreut, die Figuren berühmter Helden zu sehen, schau auf diese. Kein Bild hat größere gezeigt. Groß sind Wetteifer, Streit und Suche, ob der Vater oder der Sohn siegt. Jeder von beiden war gewiß siegreich. Der erstere hat oft seine Feinde weggerissen und Feuersbrünste vom Land abgewehrt. Der Sohn, sicher für Größeres geboren, entfernte die Unwürdigen vom Altar und ersetzte sie durch Rechtschaffene. In unbeirrbarer Tugendhaftigkeit ist die Vermessenheit der Päpste übergeben, während Heinrich VIII. das Zepter in der Hand führt, ist die Religion erneuert und unter seiner Herrschaft begannen die Gesetze Gottes geehrt zu werden.“ Inschrift auf dem Sockel: „Das Original in gerechter Größe dieses Werk als Wandmalerei hat Holbein in Auftrag von Heinrich VIII. geschaffen. Karl II. wünschte von Remigius van Leemput eine verkleinerte Kopie. Im Jahr des Herrn 1667.“

Beschreibung des Porträts Das Porträt zeigt Heinrich in einer bulligen Imponierpose. Die Beine sind gespreizt, die Knie sind durchgedrückt, um die Masse des in Samt, Seide und Pelz gehüllten und mit Gold und Juwelen dekorierten Oberkörpers auszubalancieren. Den Griff am Dolch, bereit jederzeit zur Tat zu schreiten, schaut er herunter auf den Betrachter. Die dominant hervorspringende Brayette unterstreicht die Potenz des Königs.

Er ist bekleidet mit einer eng anliegenden, bis ans Knie reichenden Jacke mit langen Ärmeln, darüber eine schwere mit Pelz gefütterte knielange Schaube, mit weißen Strümpfen (engl. hosen), die Beine und Waden perfekt modellieren und weißen Kuhmaulschuhen. Alle Kleidungsstücke sind nach der Mode der Zeit, die von der üppig-phantasievollen Landknechtsmode inspiriert ist, geschnitten. Auf dem Kopf hat er ein Barett, das mit Straußenfedern, Edelsteinen und Perlenagraffen dekoriert ist. Oberteil und Ärmel der Jacke, die an der Taille durch lockere Bänder gegürtet ist, sind geschlitzt. Aus den Schlitzen, die in regelmäßigen Abständen mit goldgefassten Edelsteinen fixiert sind, quillt in kleinen Bäuschen das feine Leinen des Untergewandes hervor. Die glockig geschnittene Schaube ist mit Zobelpelz gefüttert, breite mit Goldfäden gestickte Bordüren säumen das Gewand.

Heinrich trägt zwei Ketten, darunter auch die Collane des Hosenbandordens und das entsprechende Schnallenband am linken Knie, er hat Ringe an beiden Händen und hält in der rechten Hand ein Paar Lederhandschuhe, in Heinrichs Zeit ein Vorrecht des Adels und mit bestimmten Amts- und Jurisdiktionsritualen verknüpft. HRG digital, Stichwort Handschuh

Alle späteren Fassungen dieses Einzelporträts übernehmen bis in die Details die Darstellung, wie sie Holbein in dem Whitehall-Bild vorgegeben hat. Abweichungen gibt es nur in der Gestaltung des Hintergrunds, in der Farbe von Wams und Schaube und in der Pelzart, mit der die Schaube gefüttert ist.

Porträts Museum, SammlungDatumDaten, AnmerkungenAbbildungArt Gallery of Ontario2. Hälfte des 16. JahrhundertsHans Holbein der Jüngere, Umkreis100pxBelvoir CastleAnfang des 17. JahrhundertsÖl auf Leinwand, 217 × 147,2 cm100pxCastle Howard1542Hans Holbein der Jüngere, Werkstatt100pxChatsworth Houseca. 1560–73von Hans Eworth, wahrscheinlich in Auftrag gegeben von William Cavendish100pxHampton Court Palace1667Remigius van Leemput, die einzige erhaltene Kopie des vollständigen Wandbildes100pxMuseo Thyssen-Bornemiszaca. 1534–1536Öl auf Eichenholz. 28 × 20 cm Eigenhändiges Porträt von Hans Holbein100pxNational Maritime Museumum 1540Öl auf Holz Werkstattkopie100pxPalazzo Barberini – Galleria Nazionale d’Arte Anticaum 1541Kniestück; Signiert mit ANNO AETATIS SUAE XLIV100pxNational Portrait Galleryum 1537Vorzeichnung von Hans Holbein, Karton100pxNational Portrait Gallery100pxNational Portrait Galleryum 1535/1540Öl auf Holz, 57,2 × 42,5 cm unbekannter niederländischer Künstler (?)100pxNational Portrait Gallery100pxNational Portrait Gallery100pxNew College, Oxford17. Jahrhundert?Öl auf Holz, 223,5 × 147 cmAbbildungParham Housenach 1560100pxPetworth HouseÖl auf Holz; 237 × 120,7 cm Nach einer dendrochronologischen Analyse entstand der Rahmen nach 1525; Werkstattkopie100pxRoyal College of Physicians„Heinrich VIII. und die Barber Surgeons“ Öl auf Eichenholz, 312,4 × 108,3 cm100 pxSt Bartholomew’s Hospitalnach 1702Skulptur nach dem Holbein-Gemälde; teilweise vergoldet;AbbildungTrinity College, Cambridgeca. 1567?Öl auf Eichenholz, 229 × 124 cm Kopie von Hans Eworth100pxWalker Art GalleryÖl auf Eichenholz, 283,2 × 134,2 cm