mini|hochkant=1.5|Das Victoria-Hotel mit Victoria-Café (Gebäude rechts), Unter den Linden Nr. 46, an der Kreuzung Friedrichstraße. mini|Lageplan des Victoria-Hotels. Ausschnitt aus dem Berlin-Plan von Sineck, 1882. mini|Blick in das Victoria-Café. Fotomontage von 1902.
Das Hotel Victoria oder Victoria-Hotel war ein kleineres erstklassiges Hotel auf der Nordseite der Prachtstraße Unter den Linden (Nr. 46) an der Kreuzung mit der Friedrichstraße in Berlin. Es wurde von 1848 bis 1918 als Hotel genutzt und 1945 zerstört. Im Gebäude befand sich das bekannte Victoria-Café
Die Ursprünge Das Haus an der Straße Unter den Linden Nr. 46 war ursprünglich das Wohnhaus des 1812 verstorbenen Direktors des Berliner Botanischen Gartens, Carl Ludwig Willdenow. 1820 befand sich das Haus im Besitz seiner Witwe, geb. H. Habermas.Klünner: Panorama der Straße Unter den Linden vom Jahre 1820. Nicolai Verlag, Neuauflage Berlin 2013. S. 32. später im Besitz eines anderen Mitglieds der Familie.
Im Jahr 1848 erschien das Hotel Victoria zum ersten Mal im Berliner Adressbuch unter Hotel I. Klasse.; Über die Einzelheiten der Namensgebung ist nichts bekannt. Vermutet wird, dass der im Revolutionsjahr 1848 gewählte Name Victoria einen Bezug zum anfänglichen Verlauf der bürgerlichen Revolution in Deutschland hatte. Besitzer des Hotels war der Cafetier H. Obermeyer aus Charlottenburg. Das Haus befand sich jedoch im Eigentum des Garde-Lieutenant a. D. Wil(l)denow. Der 1850 erschienene Berlin-Reiseführer von Löwenberg erwähnte das Victoria-Hotel unter den erstklassigen Berliner Hotels. Bemerkenswert ist, dass in unmittelbarer Nachbarschaft der späten 1840er Jahre zahlreiche erstklassige Hotel bestanden wie Meinhards Hotel (Unter den Linden 32), Hotel du Nord (Unter den Linden 35), Hôtel de Rome oder Luz’s Hotel (Unter den Linden 44).
Lage und Unterbringung Das Haus Unter den Linden Nummer 46 befand sich an der Nordostecke der Kreuzung der Berliner Prachtstraße Unter den Linden mit der nordsüdlich verlaufenden ebenfalls äußerst geschäftigen Friedrichstraße. Sie verband später den Berliner Central-Bahnhof Friedrichstraße mit der im Süden vorhandenen Ost-West-Achse der Leipziger Straße. Das viergeschossige Gebäude verfügte als Eckhaus über Fronten zu beiden bedeutenden Straßen. Im Erdgeschoss und in der ersten Etage befand sich das Café Victoria. Die oberen beiden Geschosse dienten dem Hotelbetrieb. Während Café und Hotel Victoria zunächst von verschiedenen Personen geleitet wurden, ging die Führung des Unternehmens schließlich in eine Hand.
Mitten im weltstädtischen Getriebe Das Kaffeehaus und das Hotel profitierten vom wirtschaftlichen und politischen Aufschwung der preußischen, später deutschen Hauptstadt Berlin. Bekannter noch als das Hotel war das Café Victoria.
Voller Selbstbewusstsein behauptet die Leitung des Victoria-Etablissements (bestehend aus Hotel und Café) in einer Zeitschriftenanzeige Ende 1902:
Standard und Leistungen Das Hotel Victoria war von seiner Größe her ein kleineres Hotel, das 1904 über 32 Zimmer verfügte.Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. 13. Auflage. Verlag Karl Baedeker, Leipzig 1904, S. 3. Ein Reiseführer von 1905 bezeichnet es als .Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. J. Bielefelds Verlag, Karlsruhe 1905, S. 429. Das Victoria-Café warb mit seinen Spezialmahlzeiten: dem Victoria-Frühstück und dem Victoria-Abendbrot, die das Lokal zu „ausserordentlich mässigen Preisen“ servierte und die (so die Eigenwerbung) zu einer „Spezialität der Berliner Versorgung“ wurden, „die schon vielen Einheimischen unentbehrlich geworden ist“. Außerdem bot das Etablissement seinen Gästen eine große Auswahl fremdsprachiger, insbesondere englischsprachiger Zeitungen, die zur kostenfreien Lektüre zur Verfügung standen. Robert Springer rechnet das Victoria-Hotel 1861 zu den besten der erstklassigen Hotels.Robert Springer: Berlin. Ein Führer durch die Stadt und ihre Umgebungen. Verlag I. I. Weber, Leipzig 1861.
Ende im Ersten Weltkrieg Im Jahr 1918 wurde das Hotel Victoria geschlossen. Es teilte damit das Schicksal vieler Berliner Hotels aus dem 18. und vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die in ehemaligen Wohnhäusern betrieben wurden und die Anfang des 20. Jahrhunderts vor der Notwendigkeit grundlegender und kostspieliger Renovierungen standen. Die Historikerin Renate Düttmann schrieb dazu: Renate Düttmann: Berliner Gasthöfe des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Die Reise nach Berlin. Hrsg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987, S. 188. Das Café Victoria bestand dagegen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs am selben Standort weiter.
Eigentümer des Hotels 1848–1852: H. Obermeyer 1853–1871: E. Schütz 1872–1889: L. Horn 1891–1892: F. Haas 1893–1918: Victoria Hotel GmbH, auch Victoria-Café und Hotel-Betriebsgesellschaft.
Galerie
Literatur Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. J. Bielefelds Verlag, Karlsruhe 1905. Karl Baedeker: Berlin und Umgebungen. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 5. Aufl. Leipzig 1887. Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 13. Aufl. Leipzig 1904. Karl Baedeker: Berlin und Umgebung. Handbuch für Reisende. Verlag Karl Baedeker, 18. Aufl. Leipzig 1914. Bodo-Michael Baumunk: Grand-Hotel. In: Die Reise nach Berlin. Hg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 192ff. Renate Düttmann: Berliner Gasthöfe des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Die Reise nach Berlin. Hg. i. A. des Berliner Senats für die gleichnamige Ausstellung, Berlin 1987. S. 181–191. Hans Werner Klünner: Panorama der Straße Unter den Linden vom Jahre 1820. Neuauflage. Nicolai Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-89479-815-4. J. Löwenberg: Der Fremde in Berlin und Potsdam. Neuester und zuverlässigster Wegweiser beim Besuche dieser Hauptstädte und ihrer Umgebungen mit Angabe aller Sehenswürdigkeiten, Zeit der Besichtigung etc. 7. durchweg verbesserte Auflage. Verlag E. H. Schröders Buch- und Kunsthandlung, Berlin 1850.
Wolfgang Müller: Hotelbauten. In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin / München / Düsseldorf 1980. Teil VIII Bauten für Handel und Gewerbe. Band B Gastgewerbe. S. 1–38. Hasso Noorden: Deutsche Großstadthotels. In: Velhagen & Klasings Monatshefte, Jg. 24, Heft 1, S. 42–55. Robert Springer: Berlin. Ein Führer durch die Stadt und ihre Umgebungen. Verlag I. I. Weber, Leipzig 1861. Volker Wagner: Die Dorotheenstadt im 19. Jahrhundert: vom vorstädtischen Wohnviertel barocker Prägung zu einem Teil der Berliner modernen City. Verlag De Gruyter, Berlin / New York 1998, ISBN 3-11-015709-8. Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 94.
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Einzelnachweise
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