mini|Thor und Hymir fischen nach der Midgardschlange. Illustration des isländischen Manuskripts SÁM 66 von Jakob Sigurðsson um 1765–1766 Hymiskviða (altnordisch für „Das Lied von Hymir“) ist ein Götterlied der Lieder-Edda. Es ist überliefert in 39 Strophen im eddischen Versmaß des Fornyrðislag sowohl im Korpus des Codex Regius als auch in der Handschrift AM 748 4°.. Website der Universität Island; abgerufen am 22. Februar 2014. Verfasst wurde es mutmaßlich im 12. oder 13. Jahrhundert. Namengebend ist der Riese Hymir, der als quasi Antagonist zur eigentlichen Hauptfigur des Gottes Thor agiert. Die Handlung und die Zeichnung der Figuren zeigen deutliche schwankhafte Züge. Das bedeutende Motiv der Handlung ist der Thorsmythos der Angelung der Midgardschlange, auch als Thors Fischzug bezeichnet. Es wurde vielfach rezipiert in der altnordischen Literatur, speziell der Skaldendichtung (Þórsdrápa), und in der bildenden Kunst, in Form skulpturaler Anbringungen auf Runen- und Bildsteinen.
Handlung Das Gedicht erzählt von den Asen, die Ægir besuchten. Sie stellten fest, dass er viele Töpfe zum Kochen besaß und er deshalb ihr Gastgeber sein sollte. Ægir stimmte zu unter der Bedingung, dass die Asen einen Topf brachten, der groß genug war, um das Essen für sie alle zu kochen.
Ein so großer Topf konnte nicht ohne Weiteres aufgetrieben werden, aber Týr, der Sohn von Odin, erinnerte sich, dass sein „Vater Hymir“ (ein Widerspruch zur Prosa-Edda, in der Odin der Vater von Tyr genannt wird). Website der Universität Island. Abgerufen am 22. Februar 2014. einen derart großen Topf besaß. Danach reisten die Asen in Richtung Hymirs Heim ab.
Bei Hymir angekommen, speiste Thor so viel von Hymirs Essen, dass beide nach draußen zum Fischen gehen mussten, weil Thors Appetit Hymirs Speisekammer geleert hatte. Weiter erzählt das Gedicht, wie Thor beinahe die Midgardschlange fing und damit seine Stärke demonstrierte.
Aber Hymir verspottete ihn und sagte, er könne unmöglich stark sein, wenn er Hymirs Trinkbecher nicht zu zerbrechen vermöge. Der Becher war magisch und konnte nur durch einen Wurf gegen Hymirs Schädel zerstört werden. Thor, der darüber Bescheid wusste, warf den Becher gegen Hymirs Schädel (oder Helm), sodass dieser zerbrach. Der verärgerte Hymir sagte den Asen daraufhin, dass sie den Topf nehmen und abreisen sollten.
Ausschnitt Übersetzung von Karl Joseph Simrock (1851): An die Angel steckte der Irdischen Gönner Als Köder den Stierkopf zum Kampf mit dem Wurm. Gähnend haschte der gottverhaßte Erdumgürter nach solcher Atzung.
Tapfer zog Thôr der gewaltige Den schimmernden Giftwurm zum Schiffsrand auf. Das häßliche Haupt mit dem Hammer traf er, Das felsenfeste, dem Freunde des Wolfs.
Felsen krachten, Klüfte heulten, Die alte Erde fuhr ächzend zusammen: Da senkte sich in die See der Fisch.
Abbildungen aus der Wikingerzeit Die Fischfangszene ist auf dem Runenstein von Altuna in der Provinz Uppland in Schweden abgebildet. Darauf sieht man Thor im Boot stehend mit dem erhobenen Hammer Mjölnir.
Eine andere Abbildung findet sich auf dem Gosforth-Kreuz in der Stadt Gosforth in Cumbria, England.
Neuere Abbildungen
Literatur
Klaus von See, Beatrice La Farge, Eve Picard, Ilona Priebe, Katja Schulz: Kommentar zu den Liedern der Edda. Band 2: Götterlieder (Skírnismál, Hárbarðslióð, Hymiskviða, Lokasenna, Þrymskviða). Winter, Heidelberg 1997, ISBN 3-8253-0534-1. Rudolf Simek, Hermann Pálsson: Lexikon der altnordischen Literatur. Die mittelalterliche Literatur Norwegens und Islands (= Kröners Taschenausgabe, Band 490). 2., wesentlich vermehrte und überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-520-49002-5. Hŷmiskvidha. In: Die Edda – die ältere und jüngere. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart 1876 (übersetzt 1851 von Karl Joseph Simrock); Volltext (Wikisource)
Weblinks
Hymiskviða auf Norrøn.
Einzelnachweise
Kategorie:Thor Kategorie:Götterlied (Edda)