mini|Blick über den Remminger Siedlungsplatz auf Bannwald und Schlössle mini|hochkant|Markung Remmingens mit Standorten von Dorf, Remminger Schlössle und Burg Altsachsenheim auf der Urflurkarte von 1832.Composit der Blätter NO XL/2+3, NO XLI/2+3 und NO XLII/2+3 der Urflurkarte von 1832. Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg. mini|hochkant|Auf der 1575 erstellten Karte des Amts Grüningen ist von Remmingen nichts mehr zu sehen mini|Remmigheimer Lachenwiesen vom Enzblick

Remmigheim, früher Remichingen, später Remmingen,Weitere mittelalterliche Schreibweisen waren 1160 „Remichingin“, 1258 „Remchigen“, 1287 „Remenkein“, 1291 „Remichain“, 1296 „Remmenkein“ und 1495 „Remmichingen“. Bis heute haben sich die -ingen und die -heim-Form im Sprachgebrauch erhalten. Siehe Landeskundeportal Leo BW ist eine wüst gefallene Siedlung am Gleithang einer Enzschleife südlich von Untermberg, das heute zur Stadt Bietigheim-Bissingen im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg gehört. Nach diesem Ort benannten sich die Ritter „von Remchingen“.

Geographie Siedlungsfaktoren Die im Volksmund abgeschliffene und in Flurnamen bewahrte Bezeichnung Remmingen legt eine archäologisch bislang nicht belegte alemannische Ortsgründung nahe. 1891 in den Lachenwiesen gefundene Überreste von Plattengräbern belegen hingegen eine fränkische Besiedlung in spätmerowingischer Zeit (8. Jahrhundert).Ingo Stork zu Untermberg/Remmigheim in Vor- und Frühgeschichte im Kreis Ludwigsburg, hrsg. vom Landkreis Ludwigsburg, Ludwigsburg 1993, S. 161. Im 19. Jahrhundert waren laut Oberamtsbeschreibung Vaihingen von 1856 noch Grundmauern des ehemaligen Ortes zu erkennen, der in der Bissinger Überlieferung als „Stadt“ bezeichnet wurde. Auch wenn diese Bezeichnung haltlos erscheint, kann sie doch als Hinweis dafür gewertet werden, dass die ehemalige Siedlung gegenüber der Leudelsbachmündung in die Enz bedeutender war, als gemeinhin angenommen. Davon zeugen die beachtlichen wasserwirtschaftlichen Eingriffe sowie die Hinweise auf Ortsadel, Burg, Kirche, Pilgerstation, Jahrmarkt, Flößer-Maut und Enzbrücke: allesamt Faktoren, die zusammen mit der landwirtschaftlichen Gunstlage zwischen einem lößbedeckten Gleithang und dauerbewässerten Wiesen beste Voraussetzungen für Wohlstand und Siedlungsentwicklung bis hin zur Stadtgründung geboten hätten. Die Wüstung ist demnach wohl kaum auf wirtschaftliche, sondern vielmehr auf politische Faktoren zurückzuführen.

Namensrelikte Auf der Markung der nördlichen Nachbarorte Sachsenheim, Untermberg und Bissingen fanden sich bis zu den Flurbereinigungen im 20. Jahrhundert noch Remminger Wege, die jeweils zum ehemaligen Dorf führten.Beschreibung des Oberamts Vaihingen, S. 237f. (S. 237 online, S. 238 online) In Bissingen erinnert eine Remminger Straße an den Ort. Der ins Enztal mündende untere Abschnitt des Leudelsbachtals heißt heute noch Remminger Tal, eine „Hälde“Begriffserklärung Hälde: schwäbische Bezeichnung für einen bewaldeten Hang. Richtung Unterriexingen Remminger Förstle. Der als Naturdenkmal geschützte Tümpel beim Siedlungsplatz heißt „Tümpel beim ehemaligen Remmigheim“.Standort siehe

Außerdem war die im Hochmittelalter verwendete Mischform „Remmighingen“ namensgebend für das Ministerialengeschlecht derer von Remchingen, für dessen im Pfinztal erstellte Burg Remchingen und für die 1973 entstandene Gemeinde Remchingen, ein Zusammenschluss der badischen Dörfer Wilferdingen, Singen, Nöttingen und Darmsbach im Umkreis der Remchinger Burg.

mini|Blick vom Burgstall des Remminger Schlössles durch den Bannwald auf den Siedlungsplatz mini|Burgstall des Schlössles im Rotenacker mit Grenzstein vor dem ehemaligen Graben mini|Ruine „Eysenberg“ oberhalb Untermbergs (1684), möglicherweise vom Remminger Ortsadel erbautSiehe Dokumentation der Burg-Renovierung in der Datenbank des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg. mini|Blick vom Wörth entlang des ehemaligen Remminger Wehrs auf den Einlass zum Flößerkanal mini|Massives Einlassbauwerk zum Flößerkanal beim ehemaligen Wehr von Remmigheim mini|Flößerkanal und Remminger Weg rechts der Enz mini|Tümpel bei der Wüstung, als Naturdenkmal „Tümpel beim ehemaligen Remmigheim“ geschützt

Geschichte Remmigheimer Ortsadel Vom 11. bis 14. Jahrhundert lässt sich ein ortsansässiges Ministerialengeschlecht nachweisen, das sich 1089 „von Remmincheim“, 1160 „von Remichingin“, 1258 „von Remchigen“ und 1291 „von Remichain“ schrieb und im Wappen „zwei gekreuzte Glevenstäbe“ führte,Die gekreuzten Glevenstäbe sind erstmals für 1258 in einem Siegel Bertholds von „Remichigen“ belegt. Siehe WUB Band V., Nr. 1463, S. 228–229 – WUB online. das heißt mit Lilien besetzte Glefen statt Schwerter, wie der Zeichner unten stehender WappenskizzeQuelle: Helmut Orth, Auf den Spuren des einstigen Remmigheim, in: Bietigheimer Zeitung vom 16. Juli 1994. offenbar annahm. Das in zahlreichen Urkunden erwähnte GeschlechtDie Suche in WUB online lieferte 30 Treffer. war auch außerhalb Remmigheims begütert, war mit den benachbarten Ortsadeligen von Sachsenheim, von Riexingen, von Wihingen und den Bietigheimer Ganerben von Venningen verwandtSiehe Markus Otto, Die Herren von Wihingen und die stammverwandten Herren von Remmigheim – Vortrag am 22. Februar 1991, in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde 20, 1991/93, S. 89–91. und diente verschiedenen Lehnsherren:Der erste belegbare Lehensherr war Graf Werner von Grüningen. Diesem folgten vermutlich die Grafen von Ingersheim bzw. Calw und als deren Nachfolger vielfach belegt die Grafen von Vaihingen. Außerdem lassen sich noch die Grafen von Oettingen, von Eberstein und die Markgrafen von Baden finden. 1089 erscheint im Bempflinger Vertrag „Sigeboto von Remmincheim“ – offensichtlich räumlich zugeordnet – nach dem Ministerialen Marquard von Grüningen als Zeuge des Grafen Werner von Grüningen.Siehe Stefan Schipperges, Der Bempflinger Vertrag von 1089/90, Esslingen 1990, S. 113 1160 werden in einer Urkunde des Bischofs von Speyer für das Kloster Maulbronn neben „Cunrat de Remichingin“ zwei weitere Ministeriale, Heinrich und Wortwin „de Wihingin“ (Enzweihingen), und einige Freie als benachbarte Lehensleute des Grafen Egino von Vaihingen aufgeführt: zum Beispiel „Adelbreth de Burfultingin“ (Pulverdingen), „Sigewart de Uraha“ (Aurich), „Wernher de Russewag“ (Roßwag) und „Cunrat de Nuzdorf“ (Nußdorf).Quelle: HStA Stuttgart (A 502 U 9), Text in WUB Band II, Nr. 374, S. 132–134 – WUB online. 1259 besiegelt Berthold „von Remichigen“ zusammen mit seinem mutmaßlichen Bruder „Cunradus advocatus“ (Vogt von Vaihingen an der Enz siehe 1271) eine Urkunde von Werner von Nöttingen und dessen Töchtern vermutlich als Schwiegersohn und künftiger Ortsherr von Nöttingen bzw. Burgherr der nach seinem Geschlecht umbenannten Burg Remchingen bei Wilferdingen. Das Siegel zeigt zwei gekreuzte Lilienstäbe mit der Umschrift „SIGILLVM BERTOLDI DE REMICHIGEN“.Quelle: WUB Band V., Nr. 1513, S. 281–282 WUB online 1271 werden in einer Urkunde des Grafen Conrad von Vaihingen die drei Brüder „Berhdoldus“, „Cunradus“ (Vogt) und „Swenegerus“ als „domini“ „de Remichingen“ aufgeführt; also nicht mehr als Ministeriale, sondern als Freiherren.Quelle: WUB Band VII., Nr. 2187, S. 124 – WUB online Inzwischen könnte Berthold eventuell mit seinen Brüdern als Ganerben in den Besitz von Burg Remchingen im Pfinztal gekommen sein. 1291 bezeugt in Vaihingen erneut ein „Conradus de Remichain“, vermutlich der zuvor genannte Vogt, eine Urkunde des Vaihinger Grafen zusammen mit „Hermannus de Sahsenhain“, „Eberhardus de Tamme“ und anderen.Quelle: WUB Band IX., Nr. 4143, S. 474–475 – WUB online 1317 verkauft das Grüninger Heilig-Geist-Spital an Berthold von „Remenkein“, Bürger zu Vaihingen und vermutlich ein Sohn des verstorbenen Vogts Konrad, Gülten vom Zehnten in Weihingen (Enzweihingen) sowie von einem Weinberg und einem Acker in Vaihingen.Quelle: HStA Stgt. A 602 Nr. 8887 = WR 8887 – Landesarchiv BW online

Burg des Ortsadels Ein im Volksmund „Schlössle“ genannter Burgstall auf dem gegenüberliegenden steilen Prallhang der Enz (Lage: ) dürfte von diesem niederadligen Geschlecht stammen. Dafür spricht neben dem Verlauf der Markungsgrenze auch die Standortauswahl,Standort-Koordinaten des Burgstalls Remminger Schlössle: NS=48.9261 EW=9.0822 da man von hier aus nicht nur den Enzübergang, das Dorf und die Flößergasse, sondern auch flussauf- wie flussabwärts die Enz sowie die Landstraßen parallel zur Enz und nach Großsachsenheim hervorragend überblicken konnte. Außerdem hatte man direkten Blickkontakt zu den Burgen der Verwandtschaft in Unterriexingen und über Untermberg.

Alte Pfade und Wege führen vom heute noch erkennbaren Burgstall aus nicht nur über eine BrückeRelikte einer Rampe beim „Tammer Badplatz“ und der Flurname „Brücklesäcker“ gelten als Belege für eine Brücke auf den „Werth“ und eine weitere über den „Altarm“ zum Ort. nach Remmigheim, sondern geradenwegs nach Bissingen, Brachheim (abgegangene Siedlung mit Burg bei Tamm) und Grüningen (heute Markgröningen) sowie zur Schlüsselburg und zur Unterriexinger Burg.

Besitzerwechsel Der Abgang des ortsansässigen Ministerialengeschlechts könnte mit den im 14. Jahrhundert erfolgten Güterverkäufen ihres wirtschaftlich angeschlagenen Vaihinger Lehnsherrns an die Grafen von Oettingen und von Württemberg zusammenhängen. Ab 1356 waren die Relikte der Vaihinger Grafschaft samt Burg und Stadt Vaihingen nahezu komplett in Württemberger Hand. Das Remmigheimer Lehen vergaben die neuen Lehnsherren zu dieser Zeit an die Herren von Sachsenheim.1463 verleihen die Brüder Hans und Conrad von Sachsenheim „an Hänßlin Buß von Bissingen ein Höflein zu Remmigheim als Erblehen“. Quelle: HStA Stgt. H 101/21, Band 1, 3 (Blatt 242v/326v) Landesarchiv BW online

Der Herrenhof des einstigen Ortsadels und der damit verknüpfte 47 Hektar große Flurbesitz blieb erhalten und wird in den Lagerbüchern des Amts Großsachsenheim 1471 „vormaliger Stammhof der Herren von Sachsenheim“ genannt.Quelle: HStA Stgt. H 101/21, Band 1, 3 (Blatt 519v/794v) – Landesarchiv BW online Diese Bezeichnung legt nahe, dass die Grafen von Württemberg die Herren von Sachsenheim auch aus verwandtschaftlichen Gründen zu Nachfolgern des Remmigheimer Geschlechts als Lehensträger ausgewählt haben. Wegen der politischen Wirren und Verheerungen im 16. Jahrhundert könnte die Verlagerung des Dorfes hin zum Schutz und Zuflucht bietenden Herrschaftssitz Altsachsenheim erfolgt sein. Das Landesdenkmalamt hält es gar für wahrscheinlich, dass die Herren von Remmingen die Burg Altsachsenheim errichtet und damit selbst den Impuls für die Verlagerung des Dorfes gesetzt haben.Siehe Dokumentation der Burg-Renovierung in der Datenbank des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg.

Flößergasse mit Wehr und Mühle Ein im Februar 1342 zwischen Markgraf Rudolf IV. von Baden und Graf Ulrich III. von WürttembergQuelle: HStA Stgt. A 99 U 3 Landesarchiv BW online geschlossener Vertrag, der die Flößerei zwischen Schwarzwald und Heilbronn regelte, führt Remmigheim mit einem Wehr auf, „an welchem das Befahren der Floßgasse mit vier Heller bezahlt werden musste“.Siehe Ludwig Friedrich Heyd, Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst, Stuttgart 1829, S. 31, und Oberamtsbeschreibung Vaihingen, S. 238 Oberamtsbeschreibung Vaihingen. Dieses ehemalige Wehr neben dem heute noch existierenden „Alten Flößerkanal“ legt nahe, dass sich hier nicht nur eine Mautstelle, sondern einst auch eine Remminger Mühle befand.

Eigene Kirche