Enemy (engl. für „Feind“) ist ein spanisch-kanadischer Mystery-Thriller aus dem Jahr 2013, der auf dem 2002 erschienenen portugiesischen Roman Der Doppelgänger von José Saramago basiert. Jake Gyllenhaal spielt in dem Film eine Doppelrolle.
Handlung Ein Mann besucht einen exklusiven Nachtclub. In der erotischen Bühnenshow wird eine Vogelspinne präsentiert und von einer nackten Frau mit High Heels bedroht (Crush fetish).
Geschichtsprofessor Adam Bell empfindet sein Leben als eintönig: Tagsüber hält er Vorlesungen, abends hat er routinierten Sex mit seiner attraktiven Freundin Mary. In einem Film aus seiner Heimatstadt Toronto bemerkt er einen Nebendarsteller, der genauso aussieht wie er selbst. Adam sucht die Agentur seines Doppelgängers auf. Der Portier hält ihn für den Schauspieler und händigt ihm einen vertraulichen Brief aus. Adam erfährt die Anschrift und den bürgerlichen Namen des Adressaten: Anthony Claire. Er ruft bei ihm an, doch Anthonys Ehefrau Helen meldet sich. Sie glaubt, an der Stimme ihren Ehemann zu erkennen, der ihr einen Streich spielt. Als Adam erneut anruft, spricht er mit Anthony und erklärt sich. Anthony erzählt Helen, dass ein Idiot angerufen habe, der sich für einen Doppelgänger seiner selbst halte. Doch die schwangere Helen glaubt ihm nicht, sie bezichtigt Anthony einer Affäre und hält den ominösen Anrufer für einen eifersüchtigen Ehemann. Sie findet Adams Namen und Arbeitsplatz heraus und sucht ihn auf. Erschüttert entdeckt sie, dass er ihrem Mann tatsächlich bis aufs Haar gleicht, gibt sich aber nicht zu erkennen. Adam träumt nachts von einer nackten Frau mit dem Kopf einer Vogelspinne.
Tage später treffen sich Adam und Anthony in einem Vorstadthotel und stellen fest, dass sie sich vollkommen gleichen. Adam gibt seinem Doppelgänger den vertraulichen Brief. Später sucht Adam verunsichert seine Mutter auf, die klarstellt, dass er ihr einziger Sohn sei. Es folgt eine Szene, in der sich eine riesige Spinne über die Skyline von Toronto bewegt.
Anthony spürt unterdessen Adams Freundin Mary auf. Er fühlt sich von ihr stark angezogen und folgt ihr heimlich. Er weiß, dass seine Frau schon einmal bei Adam war und legt sich einen dreisten Plan zurecht, Adam mit einer vorgeblichen Affäre mit ihr zu erpressen. Er übt die Szene vor dem Spiegel. Dann sucht er Adam auf und wirft ihm vor, mit seiner Frau Helen geschlafen zu haben. Obwohl Adam scheu verneint, verfolgt Anthony seinen Plan einfach weiter und verlangt einen zeitweiligen Rollentausch, um ein romantisches Wochenende mit Mary verbringen zu können. Erst als er verspricht, danach aus Adams Leben zu verschwinden, lässt dieser sich widerwillig darauf ein.
Während Anthony mit Mary verreist, fährt Adam zu Anthonys Wohnung. Der Portier hält ihn für Anthony und lässt ihn ein. Er deutet dabei an, dass er wieder den am Anfang gezeigten Nachtclub besuchen möchte, aber keinen Schlüssel für die Eingangstür mehr erhalte. Als Helen nach Hause kommt, erkennt sie Adam an seinem unsicheren Verhalten. Im Bett gibt sie ihm dies dezent zu erkennen und bittet ihn später, bei ihr zu bleiben. Adam kann nicht schlafen und bittet Helen um Verzeihung. Unterdessen bemerkt Mary, dass etwas an dem vermeintlichen Adam nicht stimmt. Sie bricht den Geschlechtsverkehr mit ihm ab und sie fahren zurück. Während Helen und Adam sich lieben, streiten Mary und Anthony sich im Auto und werden handgreiflich. Das Auto kommt ins Schleudern, fährt gegen einen Pfeiler und beide kommen ums Leben.
Adam lebt nun mit Helen und öffnet den an Anthony adressierten, vertraulichen Brief. Er enthält einen Schlüssel für den Nachtclub. Adam hat vor, dort hinzugehen. Als er Helen sucht, trifft er statt ihrer auf eine riesige Vogelspinne, die voller Furcht zurückweicht, und betrachtet sie enttäuscht.
Produktion Der kanadische Produzent Niv Fichman erwarb die Filmrechte am Buch Der Doppelgänger, nachdem er die 2008 erschienene Verfilmung von Saramagos Roman Die Stadt der Blinden produziert hatte.Kevin Jagernauth: . In: The Playlist. 12. März 2014. Abgerufen am 14. März 2014. Enemy wurde von Mai bis Juli 2012 in Toronto und MississaugaRodrigo Perez: . In: The Playlist. 8. September 2013. Abgerufen am 2. Februar 2014. in Kanada gedreht. Drehorte waren unter anderem die CineSpace Film Studios und der Scarborough Campus der University of Toronto.Jason Gorber: . In: Twitch Film. 16. September 2013. Abgerufen am 2. Februar 2014. Der Film wurde von den kanadischen Unternehmen Rhombus Media und micro_scope sowie von den spanischen Firmen Roxbury Pictures und Mecanismo Films produziert. Das Budget belief sich auf 7,985 Millionen Euro.. In: Academia. Revista del cine español. Ausgabe 190, Juni 2012, S. 48. Abgerufen am 2. Februar 2014.
Enemy ist der erste englischsprachige Film des Regisseurs Denis Villeneuve, den er vor seinem Hollywood-Debüt Prisoners gedreht hat. Er wurde bei seiner Arbeit an Enemy von Stanley Kubricks Filmen beeinflusst. Kameramann Nicolas Bolduc verwendete Farbfilter, um dem Film einen gelb-braunen Sepia-Farbton zu verleihen.Jon Silberg: . In: Creative Planet Network. 21. Februar 2014. Abgerufen am 9. März 2014. Der Film sollte das klaustrophobische Gefühl der Romanvorlage widerspiegeln. Alles von der Architektur bis zur Luft sollte seltsam und gefährlich erscheinen. Bolduc führt aus:
Bolduc wurde von den Politthrillern der siebziger Jahre inspiriert, insbesondere durch die Arbeit von Gordon Willis in Zeuge einer Verschwörung. Dies zeigt sich beim gelegentlichen Einsatz des Zooms während der Einstellungen. Szenenbildner Patrice Vermette wählte für den Film Gebäude im brutalistischen Stil aus, die das New-World-Konzept des Films unterstreichen sollten.
Das kanadische Unternehmen Rodeo FX erstellte 60 Einstellungen mit visuellen Effekten für den Film, darunter die Verdopplung des Hauptdarstellers Jake Gyllenhaal. In den Szenen, in denen beide Doppelgänger auftreten, spielte Gyllenhaal gegenüber einem Tennisball, der die Augenpartie des Doppelgängers repräsentierte. Die im Film dargestellte Riesenspinne wurde durch die Kombination einer echten und einer computergenerierten Spinne erzeugt. Sie wurde der Skulptur Maman der französisch-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois nachempfunden. Das Stadtbild von Toronto wurde mit Hilfe von Matte Paintings erweitert.
Unterschiede zur Buchvorlage Regisseur Denis Villeneuve hat sich bei der Verfilmung des Doppelgängers sowohl von der Romanvorlage als auch von Javier Gullóns Drehbuch deutlich entfernt. Nach Aussage Villeneuves ist der Film vom Buch inspiriert, aber keine strikte Adaption. Hier die markantesten Unterschiede: Der Film fügt der Geschichte die einleitende Szene im Sexclub hinzu. Das filmische Leitmotiv der Spinnen kommt im Roman nicht vor. Im Roman ist Helena nicht schwanger. Im Roman ist es handlungstechnisch bedeutsam, dass die Hauptfiguren stets glattrasiert sind, da sie sich mit Bärten zu verkleiden und von dem Doppelgänger zu unterscheiden suchen; im Film sind die beiden Vollbartträger. Besonders kontrovers ist die Entscheidung, den überraschenden Romanschluss wegzulassen, in dem sich ein weiterer Doppelgänger bei Tertuliano (Adam) meldet, was eine künftige Dauerschleife suggeriert. Allerdings hat der Roman wie auch der Film letztlich ein offenes Ende. Da der Film im zeitgenössischen Toronto angesiedelt ist, haben die Figuren hier englische Namen:
Buch Film Tertuliano Máximo Afonso Adam Bell António Claro/Daniel Santa-Clara Anthony Claire/Daniel Saint Claire Maria da Paz Mary Helena Helen
Veröffentlichung Der Film feierte am 8. September 2013 Premiere auf dem Toronto International Film Festival, wo er als Special Presentation gezeigt wurde. Anschließend lief er auf weiteren Filmfestivals in Italien, den Niederlanden, Schweden, Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den Vereinigten Staaten. Enemy wurde bei den Fantasy Filmfest Nights im März 2014 in sieben deutschen Städten gezeigt.Fantasy Filmfest: . Abgerufen am 25. Februar 2014. Der amerikanische Pay-TV-Anbieter DirecTV bietet den Film seit dem 6. Februar 2014 On-Demand an. Der reguläre Kinostart erfolgte in den USA und KanadaEntertainment One: . Abgerufen am 1. Februar 2014. am 14. März 2014 und in Deutschland am 22. Mai 2014 im Verleih von capelight pictures. Enemy erschien in Deutschland am 10. Oktober 2014 auf DVDAL!VE AG: . Abgerufen am 21. April 2014. und Blu-ray.AL!VE AG: . Abgerufen am 21. April 2014. Die 3-Disc Limited Collector’s Edition enthält zusätzlich Villeneuves Film Polytechnique als deutsche Heimkino-Erstveröffentlichung.AL!VE AG: . Abgerufen am 21. April 2014. Das amerikanische Musiklabel Milan Records veröffentlichte am 16. Mai 2014 in Kooperation mit der Warner Music Group die von Daniel Bensi und Saunder Jurriaans komponierte Filmmusik in Deutschland auf CD und als Download.
Interpretation Denis Villeneuve interpretiert Enemy in seinen Produktionsnotizen wie folgt:
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Unbewussten der Hauptfigur erzählt. Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal legt dar, wie er das Ende des Films deutet:
Schauspielerin Sarah Gadon erklärt, was die Spinne am Ende des Films ihrer Ansicht nach bedeutet:
Rezeption Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 60/100 basierend auf 26 Rezensionen, bei Rotten Tomatoes ein Rating von 73 Prozent, basierend auf 119 Rezensionen. Gelobt wurden insbesondere die schauspielerische Leistung von Jake Gyllenhaal und die Regie von Denis Villeneuve.
Der Film wurde beim Sitges Film Festival mit der Méliès d’Argent für den besten europäischen fantastischen Spielfilm ausgezeichnet. Beim Courmayeur Noir in Festival erhielt er den Hauptpreis, den Leone Nero (zu deutsch: Schwarzen Löwen) für den besten Film. Enemy wurde bei den Canadian Screen Awards 2014 in fünf Kategorien ausgezeichnet (Bester Regisseur, Beste Nebendarstellerin, Beste Kamera, Bester Schnitt und Beste Filmmusik) sowie in fünf weiteren nominiert (Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Szenenbild und Beste visuelle Effekte).Canadian Screen Awards 2014: . Abgerufen am 1. Februar 2014.
Enemy hat in den nordamerikanischen Kinos 1,0 Mio. US-Dollar eingespielt.Boxoffice.com: . Abgerufen am 13. Mai 2014.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2013 Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Kanadischer Film Kategorie:Thriller Kategorie:Erotikfilm Kategorie:José-Saramago-Verfilmung Kategorie:Denis Villeneuve