mini|Bauherr Josef Wund (l.) und Bürgermeister Erwin Singer (r.) bei der Grundsteinlegung der Therme Bad Wörishofen (2003)

Josef Wund (* 11. Dezember 1938 in Eriskirch-Mariabrunn; † 14. Dezember 2017 in Waldburg bei Ravensburg) war ein deutscher Architekt und Unternehmer.

Leben Josef Wund war der Sohn eines Pferdekutschers in Mariabrunn bei Friedrichshafen und absolvierte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst eine Maurerlehre.Rainer Stadler: Der Himmel der Bayern. In: SZ-Magazin vom Januar 2012. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte er später Architektur und Bauingenieurwesen, arbeitete zunächst als angestellter Architekt, später in Partnerschaft (Knittel und Wund Architekten) und ab 1968 mit eigenem Architekturbüro.

Wund realisierte im Alter von 27 Jahren die Messehalle 1 in Friedrichshafen, seinerzeit die größte freitragende Gasbeton-Hängedach-Halle der Welt.Ausführlichere Würdigungen der kunst- und technikgeschichtlichen Bedeutung dieser Halle siehe auf moderne-regional.de und im Text des Landesamts für Denkmalpflege in der neuen Liste der Kulturdenkmale in Friedrichshafen. In der Folge lag sein Tätigkeitsschwerpunkt in großen Industriebauten bundesweit. Beim Bau eines kompletten Standortes für ThyssenKrupp bot er erstmals den schlüsselfertigen Bau mit Termin- und Festpreisgarantie an. Dieses Modell fand zunehmende Nachfrage und bescherte ihm zahlreiche weitere Großaufträge für Industriebauten.Unternehmensgruppe Wund

Anfang der 1980er Jahre erkannte Josef Wund die steigende Bedeutung der Freizeit in der Lebensgestaltung der Menschen und wandte sich diesem Arbeitsfeld zu. Er entwickelte dazu zahlreiche Technologien für bewegliche Baukonstruktionen. Um große Freizeitanlagen wie Tennishallen, Schwimmbäder und Eisstadien ganzjährig attraktiv zu halten, konnten ganze Hallenkonstruktionen in wenigen Minuten entfernt oder wieder installiert werden. Um große Veranstaltungshallen wie Fußballstadien und Arenen multifunktional nutzbar zu gestalten, wurden zahlreiche technische Innovationen für bewegliche Bodenkonstruktionen sowie zur Rasenbelüftung entwickelt und zum Teil patentiert.

Mitte der 1990er Jahre begann er zusammen mit seinem Sohn Jörg Wund (ebenfalls Architekt) den Bau der Therme Erding und wurde als „Bäderkönig“ bekannt. 2004 eröffnete Wund nach 4-jähriger Bauzeit die Therme Bad Wörishofen.

Für die Expo 2000 entwarf er den deutschen Pavillon für etwa 120 Millionen DM, die er auf eigene Rechnung vorstreckte.Klaus-Dieter Weiss: Ein Zirkuszelt für Deutschland. In: Tagesspiegel, 18. Februar 2000. Die „Trägergesellschaft Deutscher Pavillon (TDP)“ zahlte im Rahmen der 153-tägigen Nutzungsdauer 78 Millionen DM Miete.Expo: Gigantische Miete für deutschen Pavillon. In: Der Spiegel, 21. November 1999. Im Zuge der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 verkaufte Wund das Gebäude für 5,7 Millionen Euro an die Stadt Hannover. Hannoversche Allgemeine vom 12. Oktober 2015

Weitere Großinvestitionen in Badeprojekte folgten: Er investierte unter anderem 37 Millionen Euro in das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt, 30 Millionen Euro in die Therme EuskirchenChristof Ernst: . In: Express vom 24. Januar 2011 und 50 Millionen Euro in die Thermen & Badewelt Sinsheim.Wolfgang Kächele: . In: Rhein-Neckar-Zeitung, 16. Mai 2013.

2011 wurde ein Prozess wegen Bestechung und Steuerhinterziehung vor dem Stuttgarter Landgericht gegen Wund eröffnet.Bernd S. Winckler: In: Kölnische Rundschau, 21. Januar 2011. Ihm wurde vorgeworfen, 1996 zwei Aufsichtsräte bestochen zu haben, damit diese sich dafür einsetzten, dass er den Zuschlag erhielt.Bäderkönig: Ich muss nicht bestechen. In: Badische Zeitung, 20. Januar 2011. Gegen eine Zahlung von einer Million Euro an gemeinnützige Einrichtungen wurde das Verfahren eingestellt.Verfahren gegen Josef Wund eingestellt. In: Augsburger Allgemeine, 29. Juli 2011.

2015 begründete Wund die gleichnamige Stiftung.

Josef Wund starb am 14. Dezember 2017, drei Tage nach seinem 79. Geburtstag, beim Flugzeugabsturz einer Cessna Citation Mustang in der Nähe von Siebratsreute, einem Ortsteil von Waldburg bei Ravensburg in Oberschwaben, während des Landeanflugs auf den Flughafen Friedrichshafen.

Nachlass Josef Wund vermachte seinem Sohn Jörg Wund durch Schenkung die Therme Erding und die Therme Bad Wörishofen. Sie bilden seit dem Ableben des Firmengründers jeweils einen eigenständigen Geschäftsbereich. Die Familienmitglieder wurden mit Vermächtnissen bedacht.

Alleinerbin ist die 2015 von Josef Wund gegründete Josef Wund Stiftung mit Sitz in Stuttgart, mit Erbschein vom 17. Juli 2019. Zum Testamentsvollstrecker mit Zeugnis vom 20. September 2019 – beide ausgestellt vom Amtsgericht Tettnang – wurde die ebenfalls 2015 gegründete JW TV-Vermögensverwaltung GmbH mit Sitz in Stuttgart, ernannt. Josef Wund ordnete Abwicklungs- und Dauertestamentsvollstreckung an.

Im Jahre 2026 wurde die Thermengruppe Josef Wund (Wund Holding GmbH) mit den Thermen in Titisee-Neustadt, Euskirchen und Sinsheim von der Josef Wund Stiftung an die Therme Group verkauft.

Architekturprojekte 2000: Deutscher Pavillon, Weltausstellung EXPO 2000 Hannover 1968 (Umbau 2003): ZF-Arena FriedrichshafenBernd Steinle: Die schönste Niederlage, die man sich vorstellen kann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. März 2005 (seit 2021 Kulturdenkmal)

Weblinks

Internetseite Josef Wund Stiftung

Einzelnachweise

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