Der Altausseer See (auch Altausseersee) ist ein Bergsee am Südwestfuß des Toten Gebirges im steirischen Teil des Salzkammergutes. Er liegt auf Am Westufer befindet sich das Ortszentrum der Gemeinde Altaussee. Der Ablauf des Altausseer Sees ist die Altausseer Traun, die über die Traun in die Donau entwässert. Der See bietet mit seinen weitgehend unverbauten Ufern mit angrenzenden Feuchtgebieten Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und steht seit 1959 unter Naturschutz. Der Altausseer See im Eigentum der Österreichischen Bundesforste ist wegen seiner schönen Lage ein beliebtes Ausflugsziel. Jedes dritte Jahr findet am Altausseer See das Narzissenfest, Österreichs größtes Blumenfest, statt.
Geographie
Der See ist hufeisenförmig von Bergen des Toten Gebirges umgeben. Im Norden befindet sich der Loser (), der mit seinen Flanken steil zum Seeufer abfällt, im Osten die Trisselwand () mit ihrer markanten, rund 600 Meter hohen Felswand. Am Nordostufer, an der Seewiese, beginnt ein Trogtal, das über den Hochklapfsattel auf das Plateau des Toten Gebirges führt. Im Süden schließt sich der Tressenstein () an. Im Westen befindet sich der Ort Altaussee im Hügelland des Ausseer Beckens. Die Ufer sind vor allem im Norden felsig und steil, sonst teilweise kiesig und flach und weitgehend unverbaut. Der von Westsüdwest nach Ostnordost langgestreckte See hat eine Länge von 2,6 km und eine maximale Breite von 1 km. Die Oberfläche beträgt etwa 2,1 km², die durchschnittliche Tiefe ist 35 m. Die Seewanne hat bis auf den nordöstlichen Bereich steil abfallende Hänge. Erst ab etwa 40 m Tiefe nimmt das Gefälle allmählich ab und eine relativ großflächige Bodenzone mit einer maximalen Tiefe von 53 m breitet sich aus. Die tiefste Stelle ist ein Quelltrichter in der Nähe des Nordufers mit 73 m Tiefe. Das Wasservolumen beträgt 72,7 Millionen Kubikmeter.
Der See ist über die Altausseerstraße L702 erreichbar. Um den See führt der 7,4 km lange Rundwanderweg Uferpromenade. Im Winter ist ein Großteil des Rundwegs – zwischen dem Strandcafé und Kaltenbrunn – sicherheitshalber gesperrt, weil kein Winterdienst erfolgt und Lawinen und Steinschlag (ausgelöst durch Frost und Auftauen) Gefahren bilden.Iris Hödl: Feuerwehreinsätze nach Stürzen : Leute ignorieren Wegsperren am Altausseer See: „Das ist unverantwortlich“ kleinezeitung.at, 2. Jänner 2025, abgerufen am 2. Jänner 2025.
Hydrologie
mini|Der See bei Hochwasser mit überschwemmter Seewiese im April 2012 mini|4 aktive Lurlöcher oberhalb der Seewiese (2023)
Das hydrologische Einzugsgebiet des Altausseer Sees hat eine Gesamtfläche von 54 km² und liegt zur Gänze im Toten Gebirge. Die Speisung des Sees erfolgt überwiegend durch Karstquellen am Seegrund, die ihm aus dem Schutt und aus Gesteinsklüften unterirdisch zufließen. Diese Quellen weisen eine mittlere Gesamtschüttung von 3750 l/s auf. Die wenigen kleinen Quellaustritte an den Ufern haben eine Gesamtschüttung von etwa 20 l/s. Der Altausseer See weist auch die für Karstquellen typischen Schüttungsschwankungen auf. Das kleine Toteisloch des Ostersees im Nordosten wird vom Grundwasser gefüllt, das mit dem Seespiegel des Altausseer Sees korrespondiert. Die Altausseer Traun verlässt im Südwesten bei der Seeklause den See, wo eine Brücke über den Ausfluss führt. Sie bahnt sich ihren Weg zwischen der Felsbarriere des Plattenkogels und dem Schwemmkegel des Augstbaches, der den See aufstaut.
Ursprünglich mündete der Augstbach 250 m nördlich des Seeausflusses in den Altausseer See. Das Bachbett wurde bereits vor 1530 künstlich verlegt, sodass der Augstbach seitdem westlich am Altausseer See vorbeifließt und erst 150 m unterhalb des Seeausflusses in die Traun mündet. Er wurde umgeleitet, da aus dem Salzbergwerk über diesen Bach immer wieder salzhaltiges Wasser in den See gelangte.
Nach ergiebigen Regenfällen lässt sich im Bereich der Seewiese ein als „die Liagern“ (auch Lurlöcher genannt) bekanntes karsthydrologisches Phänomen beobachten, das durch mehrere Höhleneingänge in den Loserwänden auf unterschiedlicher Höhe begründet ist. Durch das im Karst versickerte Regenwasser füllt sich das Höhlensystem des Losers rasch mit Wasser. Durch den entstandenen Überdruck treten große Wassermassen zutage, wobei die Schüttung bis zu 3000 l/s betragen kann. Ein- bis zweimal jährlich werden für mehrere Stunden, gelegentlich auch über mehrere Tage, gleichzeitig bis zu vier Karstquellen etwa 30 m über dem Talboden aktiv und bilden mit lautem Getöse einzelne Wasserfälle. Diese vereinigen sich zu einem Wildbach, der nach sehr kurzer Fließstrecke in den See strömt. Wesentlich seltener sind die Liager in der Loserwand etwa 100 m über dem Talboden zu beobachten, wo ein kräftiger Wasserstrahl in hohem Bogen aus dem kleinen Höhlenportal eines Liager-Lochs schießt. Dieser Vorgang dauert nur etwa eine Stunde. Gemeinsam mit dem starken unterirdischen Zufluss lassen die Liager den Seespiegel innerhalb von 12 Stunden bis zu 60 cm ansteigen.
Geologie mini|Topografische Karte des Altausseer Sees. Gut ersichtlich das eiszeitlich geformten Trogtal im Nordosten Tektonik Der Altausseer See liegt am Südwestrand der Totengebirgsdecke (Tirolikum) und ist somit ein Teil der Nördlichen Kalkalpen. Diese Deckeneinheit besteht überwiegend aus mesozoischen Kalken und Dolomiten der Trias und des Jura. Im Westteil des Toten Gebirges befindet sich die Schönberggruppe, die durch eine geologisch bedingte tiefe Einbruchsfurche von der Prielgruppe getrennt ist. Diese als Wildenseelinie bezeichnete tektonische Störung verläuft vom Altausseer See über den Hochklapfsattel zum Wildensee und weiter über den Rinnerboden zum Offensee. Der Sockel des Losers besteht aus Dachsteinkalk, der Plattenkogel aus Pedatakalk bzw. -dolomit. Beide Gesteine wurden in der Trias abgelagert. Oberalmer Schichten und Tressensteinkalk bilden die Basis von Trisselwand und Tressenstein und wurden im Jura gebildet. Rund um den See befinden sich Reste von End- und Seitenmoränen.
Ehemalige Vergletscherung und Entstehung Während der Eiszeiten floss der Altausseer Gletscher vom Plateau des Toten Gebirges über das Ausseer Becken dem Traungletscher bei Bad Goisern zu. Durch die Gletschereinwirkung entstand im Tal das übertiefte Becken des Altausseer Sees. Vor etwa 16.000 Jahren erfolgte ein kräftiger Wiedervorstoß, der das Zungenbecken erneut ausfüllte und ihm seine heutige Form verlieh. Parallel zum Eisfreiwerden des übertieften Beckens bildete sich am Rand des Eiskörpers ein erster See aus. Auf diese Phase mit dem Eiskörper im Seebecken deutet die hohe Kante der Schuttbildung um das Becken des Altausseer Sees hin. Nach dem endgültigen Verschwinden des Eises stellte sich der Schwemmkegel auf das heutige Seeniveau ein. Die Seefläche war wahrscheinlich ursprünglich größer und erstreckte sich über die Seewiese bis zum Ostersee. In der Nacheiszeit veränderte das Seebecken infolge Verlandung ständig seine Form und wird in einigen zehntausend Jahren wieder verschwunden sein.
Klima mini|Der See friert im Winter oft vollständig zu wie hier im Dezember 2007. Die Klimadaten zeigen eine für die nördlichen Kalkalpen typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: kühle und niederschlagsreiche Sommer, mit einem Maximum von 16,2 °C bzw. 220 mm im Juli, und niederschlagsarme Winter, mit einem Temperaturminimum von −2,2 °C im Jänner. Der Niederschlag weist von Dezember bis Jänner ein Nebenmaximum auf. Der Jahresniederschlag betrug 2041 mm mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 7,1 °C. Bedingt durch den oftmaligen Wolkenstau am Rand des Toten Gebirges fällt im Bereich der Schönberggruppe überdurchschnittlich viel Niederschlag. Ein Vergleich mit dem Jahresniederschlag von 1222 mm in Bad Mitterndorf () an der Südseite des Toten Gebirges zeigt bei ähnlicher Seehöhe und einer Entfernung von nur 12 km deutlich die Barrierewirkung des Toten Gebirges. Die Zeitdauer der winterlichen Schneebedeckung liegt im 3 km entfernten Bad Aussee bei etwa 126 Tagen.ZAMG: Klimadaten von Österreich 1971–2000, Station: Bad Aussee, Höhe: 665 m
Limnologie Zirkulation
mini|Vor allem im Sommer wird der See wegen milder Wassertemperaturen zum Baden genutzt (2021)
Der Altausseer See ist ein dimiktischer See. Im Frühjahr nach der Eisschmelze durchmischt sich der Wasserkörper und bringt sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe. Im Sommerhalbjahr bildet sich eine ausgeprägte Sprungschicht und nur die Oberflächenschicht erwärmt sich, im Herbst kommt es erneut zur Durchmischung, der die Eisbildung folgt. Im Altausseer See liegen strenge Schichtungsverhältnisse vor. Das Epilimnion weist nur eine sehr geringe Mächtigkeit von etwa 2 Meter auf. Das Metalimnion liegt in etwa 5 m Tiefe. Das gleichförmig temperierte Hypolimnion beginnt schon bei 10 m. Die auffallend hohe Lage des Metalimnions ist auf die verhältnismäßig windgeschützte Lage und eine nur mäßige Durchflutung des Sees zurückzuführen. Bereits kurz nach der Frühjahrszirkulation beginnen die Wassertemperaturen an der Oberfläche zu steigen und erreichen im langjährigen Oberflächenmittel im August 16,3 °C. Für die Jahre 2000 bis 2006 ergibt sich hingegen eine mittlere Augusttemperatur von 18,4 °C und damit ein um fast 2 °C höherer Wert. Die bisher höchste Wassertemperatur von 21,8 °C wurde während des Sommers 2003 festgestellt. Unterhalb von 15 m Tiefe liegen die Temperaturen bei mittleren 4,6 °C. Bis zur sommerlichen Stagnationsphase erwärmt sich das Hypolimnion durchschnittlich nur mehr um 0,3 °C. Der See ist durchschnittlich an 57 Tagen im Jahr von einer Eisschicht bedeckt.
Trophie
Der See weist eine niedrige Konzentration an Nährstoffen auf und ist somit oligotroph. Bei Messungen in den Jahren 2000 bis 2006 ergab sich für den Altausseer See ein mittlerer Phosphorgehalt von 6,7 µg/l. Durch die Einleitung ungeklärter Abwässer konnte in den Jahren 1963 bis 1973 ein Eutrophierungstrend festgestellt werden und die Sauerstoffsättigung über Grund nahm bereits ab. Überdies konnten bei bakteriologischen Untersuchungen Salmonellen nachgewiesen werden. Daraufhin setzten Sanierungsmaßnahmen ein, die 1980 mit der Errichtung einer regionalen Verbandskläranlage mit einer dritten Reinigungsstufe im Gemeindegebiet von Bad Aussee beendet wurden. Die hygienische Situation der Badebereiche verbessert sich rasch und der oligotrophe Zustand des Sees konnte erhalten werden. Durch den See verlaufen mehrere Ver- und Entsorgungsleitungen mit denen die Raststätten an der Seewiese und das am Südufer gelegenen Strandcafe an Wasser und die Kanalisation angeschlossen sind. Durch die geringe Phytoplanktonkonzentration und das geringe Algenwachstum beträgt die mittlere sommerliche Sichttiefe 8,9 Meter.
Plankton
Chlorophylluntersuchungen zufolge ist das Algenwachstum im Altausseer See als sehr gering einzuschätzen. Cryptophyceae und Kieselalgen, hierbei vor allem Arten der Gattung Cyclotella, bilden den Hauptbestandteil des Phytoplanktons. Cyclotella styriaca stellt eine Besonderheit dar, da diese Art bisher nur im Altausseer See und im Grundlsee nachgewiesen wurde. Das Zooplankton ist mit deutlich mehr Biomasse vertreten. Von den Rotatorien wurden Kellicottia longispina, Keratella cochlearis und Keratella hiemalis häufig festgestellt. Das Crustaceenplankton des Altausseer Sees setzt sich größtenteils aus den Arten Cyclops abyssorum, Eudiaptomus gracilis, Daphnia hyalina und Eubosmina longispina zusammen.
Flora und Vegetation mini| Das Spiegelnde Laichkraut (Potamogeton lucens) ist die häufigste Wasserpflanze im See, Südufer 2013