Das Friedrich-Gymnasium (kurz FG) in Freiburg im Breisgau, eine Schule in öffentlicher Trägerschaft, ist ein humanistisches Gymnasium. Es wurde 1904 als zweites altsprachliches Gymnasium in Freiburg unter seinem Namensgeber Großherzog Friedrich I. von Baden gegründet. Das vom Jugendstil beeinflusste denkmalgeschützte Schulhaus entwarf der Karlsruher Architekt Josef Durm. Wegen seiner eigenwilligen Gesamtanlage und des charakteristischen Gebäudes gehört es zu den bedeutenden Kulturdenkmälern in Freiburg. Das Friedrich-Gymnasium hat ein altsprachliches, ein neusprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil. Zudem ist das Friedrich-Gymnasium an dem Schulversuch Tablets am Gymnasium beteiligt.
Geschichte mini|Hauptportal Friedrich-Gymnasium 1905
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Freiburg nur ein Gymnasium, das heutige Berthold-Gymnasium, gegründet um 1250. Im Jahr 1900 entschied der badische Landtag aufgrund steigender Schülerzahlen die Einrichtung eines weiteren Gymnasiums in Freiburg. Für den Bau der neuen „Gelehrtenschule“ einigte man sich schnell „wegen der besseren hygienischen Verhältnisse im Norden der Stadt“Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 163. auf den prosperierenden Stadtteil Herdern. Die Stadt Freiburg verkaufte dem Land Baden das Grundstück am damals namenlosen und heutigen Heinrich-Rosenberg-Platz für rund 192.000 Mark.Verein. ehem. Schüler des Berthold-Gymnasiums: Das Freiburger Berthold-Gymnasium 1958. Freiburg im Breisgau 1958, S. 27. Als Architekt wurde der damals schon bekannte Oberbaudirektor Josef Durm aus Karlsruhe beauftragt, für den Baubeginn das Jahr 1901 festgesetzt. Am 12. September 1904, ein Jahr später als geplant, wurde schließlich das zweite Freiburger Gymnasium, unter dem Namen „Großherzogliches Friedrichs-Gymnasium“ eröffnet.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 164.
Das Friedrich-Gymnasium trug in seiner über hundertjährigen Geschichte verschiedene Namen:Verein. ehem. Schüler des Berthold-Gymnasiums: Das Freiburger Berthold-Gymnasium 1958. Freiburg im Breisgau 1958, S. 24. 1904–1944: Großherzogliches Friedrichs-Gymnasium 1945–1948: (Deutsches) Gymnasium Freiburg (Zusammenlegung der Freiburger Gymnasien) 1948–1965: Berthold-Gymnasium (Das ehemalige Friedrich-Gymnasium wird als „Abteilung Herdern des Berthold-Gymnasiums“ geführt.) seit 1965: Friedrich-Gymnasium Freiburg
Kaiserzeit Erster Direktor des neuen Gymnasiums mit humanistischer Ausrichtung war Jakob Sitzler, ein Klassischer Philologe. Einen großen Teil, fast die Hälfte der Schülerschaft, stellten damals die aus ländlichen Regionen stammenden Bewohner des Konvikts an der heutigen Habsburgerstraße, während die restlichen Schüler aus meist höhergestellten Beamten- und Professorenfamilien aus Herdern oder anderen Freiburger Stadtvierteln stammten. Unabhängig von den Verhältnissen des Elternhauses musste ein jährliches Schulgeld von 108 Mark aufgebracht werden, was in etwa dem doppelten Schulgeld für den Besuch einer damaligen Oberschule entsprach.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 165. Der Unterricht fand von Beginn an koedukativ statt, im Gründungsjahr setzte sich die Schülerschaft allerdings aus 314 Jungen und nur 2 Mädchen zusammen. Gelehrt wurden gewöhnlich acht, in manchem Jahrgang sogar bis zu 14 Stunden Latein pro Woche, jedoch nur zwei Stunden pro Woche ein naturwissenschaftliches Fach. Englisch wurde anders als Französisch nicht besonders zeitintensiv unterrichtet. Eine Schuluniform war üblich, beschränkte sich in Freiburg aber in erster Linie auf das Tragen einer Schulmütze, anhand derer die Klassenstufe, aber auch die Schule des Schülers deutlich wurde.Friedrich-Gymnasium (Hrsg.): 75 Jahre Friedrichs-Gymnasium Freiburg. Festschrift. Freiburg im Breisgau 1979, S. 20. Nur wenige Schüler strebten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine militärische Laufbahn an. An erster Stelle standen Studiengänge wie Medizin oder, bedingt durch die Bewohner des Konvikts, Theologie.
Noch bis in die 1980er Jahre wohnte der Hausmeister des Friedrich-Gymnasiums in einer separaten Wohnung im Dachgeschoss des Schulgebäudes. Zu seinen Aufgaben gehörte es neben vielen anderen, Ansagen der Schulleitung und der Lehrer mithilfe eines „Umlaufbuchs“ in den Klassen zu verkünden.Friedrich-Gymnasium (Hrsg.): 75 Jahre Friedrichs-Gymnasium Freiburg. Festschrift. Freiburg im Breisgau 1979, S. 21–22.
Erster Weltkrieg mini|Abiturpostkarte Friedrich-Gymnasium-Jahrgang 1914
Im Juli 1913 wurde die Schulleitung mit Plänen des badischen Innenministeriums konfrontiert, das Gebäude des erst neun Jahre alten Gymnasiums im drohenden Kriegsfall in ein Lazarett umzufunktionieren. Schon kurze Zeit später begannen die heimlichen Umbauten.Friedrich-Gymnasium (Hrsg.): 100 Jahre Friedrich-Gymnasium Freiburg. Festschrift. Freiburg im Breisgau 2004, S. 17. Im Erdgeschoss wurde eine Küche eingebaut, der Physiksaal im ersten Stock in ein Röntgenzimmer und der Chemiesaal im zweiten Stock zum Operationssaal umgewandelt.Lorenz Werthmann: Die Freiburger Lazarette im Völkerkrieg 1914/15. Freiburg im Breisgau 1915, S. 70. Im August 1914, nur fünf Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurden bereits die ersten Verletzten im neu errichteten „Vereinslazarett im Ausschuss des Roten Kreuzes in der Jakobistraße“ versorgt. Allein in den ersten beiden Kriegsjahren wurden über 1600 Kriegsversehrte in den Räumen des Friedrich-Gymnasiums behandelt.Lorenz Werthmann: Die Freiburger Lazarette im Völkerkrieg 1914/15. Freiburg im Breisgau 1915, S. 71. Der Unterricht wurde ab 1914 eingeschränkt, wenn auch vorerst nicht ausgesetzt. Während im südlichen Teil der Schule operiert wurde, fand in der anderen Hälfte weiterhin Unterricht statt. Im Verlauf des Krieges wurde es zunehmend schwieriger, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Der Unterricht musste aufgrund von Fliegerangriffen weiter eingeschränkt werden. Viele Oberprimaner legten im Voraus ihr Abitur ab, um sich freiwillig für den Kriegsdienst zu verpflichten. Auch Mitglieder des Lehrerkollegiums wurden eingezogen oder meldeten sich freiwillig an die Front. Bald beeinträchtigten Mangel an Heizmaterialien und Unterernährung den schulischen Alltag. „Kohleferien“, die zeitweise Schließung der Schule aufgrund von Kohlemangel, waren an der Tagesordnung. Im Jahr 1918 wurde die Schule gezwungen, das Sandsteingebäude am Aschoffplatz zu verlassen und erst provisorisch in Räumlichkeiten der Universität, dann ins Berthold-Gymnasium auszuweichen. Erst zur Jahresmitte 1919 konnte der Schulbetrieb im alten Gebäude wieder regulär aufgenommen werden. Am Ende des Ersten Weltkrieges gab es insgesamt 45 Tote zu beklagen, davon waren 5 Lehrer und 39 Schüler. Eine 1922 im Eingang des Friedrich-Gymnasiums angebrachte Gedenktafel erinnert an die Gefallenen.
Weimarer Republik 1921 übernahm August Hausrath das Amt des Rektors am Friedrich-Gymnasium. Er hatte als Mitglied der Demokratischen Partei (DDP) eine positive Haltung zur Jugendbewegung und setzte sich für eine Modernisierung der Schule ein.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 166. Nach dem Weimarer Schulkompromiss, der in Artikel 146 der Weimarer Reichsverfassung aufgenommen wurde, sollten alle Schultypen künftig „organisch“ verbunden sein.Heinrich Küppers: Weimarer Schulpolitik in der Wirtschafts- u. Staatskrise, Institut für Zeitgeschichte München, 1980, S. 25–26. Als Grundlage wurde eine für alle Kinder gemeinsam unterrichtete vierjährige Grundschule eingeführt. Da die Volksschule im Frühjahr das neue Schuljahr begann, verlegte das Friedrich-Gymnasium seinen Schuljahresbeginn ab 1921/1922 von Herbst auf Ostern.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 167. Es entstanden Schülerausschüsse, eine Schülerselbstverwaltung und 1921/22 ein erster Elternbeirat.
Als Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit junger Lehrer beschloss das Ministerium 1924, vor 1864 geborene Lehrer zwangsweise zu pensionieren. Dies stieß auf heftigen Widerstand im Lehrerkollegium.Franz Vollmer: Von der höheren Bürgerschule zum Rotteck-Gymnasium Freiburg 1841–1966, Freiburg 1966, S. 75ff. Im Gegensatz zu den Oberrealschulen nahm die Schülerzahl am Friedrich-Gymnasium in den Inflationsjahren jedoch nicht ab, was vor allem auf die Zugehörigkeit vieler Eltern zum Bildungsbürgertum zurückzuführen ist. Unter Hausraths Führung wurde 1924 ein botanisch-geologischer Schulgarten angelegt.Gesche Ahlers: Kalender Friedrich Gymnasium Freiburg. Freiburg 2008, S. 158–167: Die Historie des Friedrich-Gymnasiums. Von 1925 bis 1929 besaß das Gymnasium ein eigenes Schülerwanderheim auf dem Belchen.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|Friedrich-Gymnasium, Eingangshalle mit Gedenktafeln
Die Gleichschaltung im Nationalsozialismus machte auch vor dem humanistischen Friedrich-Gymnasium nicht halt. Ein Assessor und zwei Professoren wurden in den Jahren 1934 und 1937 nach § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Dienst entlassen.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 169. Dem Kollegium gehörten aber auch begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus an, darunter ein höherer SA-Funktionär.Ursula Huggle: Ausgelöscht und wiedererstanden. Das Friedrich-Gymnasium von 1904–1968, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 123, 2004, S. 163–192, hier: S. 170. Ab 1936 mussten alle Lehrer regelmäßig an NS-ideologischen Schulungslagern des Nationalsozialistischer Lehrerbundes teilnehmen.Vgl.: Andreas Kraas: Lehrerlager 1932–1945. Politische Funktion und pädagogische Gestaltung, Bad Heilbrunn 2004, S. 89 ff. und S. 349 ff.Friedrich-Gymnasium (Hrsg.): 75 Jahre Friedrichs-Gymnasium Freiburg. Festschrift. Freiburg im Breisgau 1979, S. 29.
Jüdische Schüler wurden 1938 der Schule verwiesen. Ein Beispiel hierfür ist Heinrich Rosenberg, der das Friedrich-Gymnasium von 1933 bis 1938 besuchte und im Oktober 1940 in das Pyrenäenlager Gurs deportiert wurde, bevor er 1942 in Auschwitz ermordet wurde.Marlis Meckel: Den Opfern ihre Namen zurückgeben. Stolpersteine in Freiburg. Freiburg im Breisgau 2006. ISBN 978-3-7930-5018-6, S. 146.