Vasile Moldoveanu (* 6. Oktober 1935 in Constanța) ist ein rumänischer Opernsänger (Tenor).

Leben und Wirken

Wirken in Rumänien Moldoveanu studierte Gesang an der Musikhochschule Ciprian Porumbescu in Bukarest bei Dinu Bădescu und in der Klasse von Octav Enigărescu. Am 9. Januar 1966 debütierte er in der Rolle des Arlecchino in Pagliacci von Ruggero Leoncavallo an der Rumänischen Nationaloper Bukarest. In den folgenden Jahren verkörperte er dort unter anderem Rodolfo in La Bohème, den Herzog von Mantua in Rigoletto oder Tamino in Die Zauberflöte. In dieser Rolle trat er am 23. Juni 1972 zum letzten Mal in Rumänien auf. Zudem sang er auf den ersten Opernschallplatten des Schallplattenverlags Electrecord in Nebenrollen der Opern La traviata, Samson et Dalila und Carmen.

Im Jahr 1971 wurde er von den Agenturen Viktor Vladarski und Friedrich Pasch zum Vorsingen in Deutschland eingeladen. Da er kein Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei war, erhielt er das Auslandsvisum nur sehr schwer. Im Jahr 1972 kam er in Deutschland an. Er entschied sich, nicht mehr ins kommunistische Rumänien zurückzukehren.Vasile Moldoveanu - Un tenor român pe patru continente - Ioana Diaconescu, Editura Muzicală, 2011, Bucharest Die rumänischen Behörden leiteten eine Untersuchung ein und verurteilten ihn in Abwesenheit zum Tode, begründet mit der Weigerung des Heimkehrens und Landesverrat. Infolge der Änderung des Strafgesetzbuches im Jahr 1973 wurde der Prozess erneut aufgenommen und Moldoveanu zu fünf Jahren Gefängnis und Beschlagnahme des Vermögens verurteilt.Dream and Nightmare – Un’uccisione simulata. In: despreopera.wordpress.com (italienisch, englisch).

Internationale Laufbahn Im Jahr 1972 debütierte Moldoveanu an der Oper Regensburg ans Manrico in Il trovatore, weitere Auftritte in Amsterdam und St. Gallen folgten. 1973 sang er an der Wiener Staatsoper den Alfredo in La Traviata. Im selben Jahr debütierte er als Don Carlos in Verdis gleichnamiger Oper seiner emblematischen Rollen, die er während seiner Laufbahn 75 Mal gesungen hat. Im Jahr 1974 unterschrieb er einen Vier-Jahres-Vertrag mit der Stuttgarter Staatsoper. Während der nächsten Jahre wirkte er in zahlreichen Produktionen wie Lucia di Lammermoor, La Bohème, Un ballo in maschera und La Traviata mit. 1976 trat er an der Bayerischen Staatsoper in Rigoletto unter der Regie von Roman Polański auf. Im Jahr 1977 wurde er zum Kammersänger an der Stuttgarter Oper ernannt.

Während seiner Anfangsjahre in Deutschland wurde er von Nelly Walter, Vizepräsidentin der Columbia Artists Management Impresario Agentur, die für die kommenden elf Jahre zu seiner Managerin wurde, an die Metropolitan Opera in New York empfohlen. 1979 debütierte er am Royal Opera House in London in Don Carlos unter der Regie von Luchino Visconti. Sein Antritt bei der Metropolitan Opera fand am 19. Mai 1977 im Zuge eines Gastauftritts in Minneapolis/Minnesota statt. Während mehrerer Aufführungen der Oper La Bohème war er in der Rolle des Rodolfo mit Renata Scotto in der Rolle der Mimi zu hören. Insgesamt sang er an der Metropolitan Opera in 105 Aufführungen, in Don Carlos, Il tabarro und Simon Boccanegra. Er war dort als Arrigo in I Vespri Siciliani, Turridu in Cavalleria rusticana, Cavaradossi in Tosca, Rodolfo in La Bohème, Des Grieux in Manon Lescaut, Herzog in Rigoletto und Pinkerton in Madama Butterfly zu hören. Einige seiner Auftritte dort wurden live im TV ausgestrahlt. Ab 198, nach einer komplizierten Operation, verringerte sich seine Tätigkeit auf dem amerikanischen Kontinent. Seine letzten Auftritte in den Vereinigten Staaten waren an der Oper in Denver als Calaf in Turandot und Des Grieux (Manon Lescaut).

Nach seiner Rückkehr nach Europa setzte er seine Karriere in Paris (Manon Lescaut, 1991 und 1993), Monaco (I Vespri siciliani und Aida – in der Regie von Giancarlo del Monaco), Nizza (La fanciulla del West), Rom (Turandot), Lissabon (Manon Lescaut), Parma (Don Carlos), Pretoria (Un ballo in maschera) und verschiedenen Städten in Deutschland (insbesondere Stuttgart und Hamburg) fort.

Moldoveanu hatte eine Stimme mit sehr geschmeidiger vibranter Klangfarbe von lyrischem Tenor, aber mit einem sehr sicheren und starken Stimmumfang, was ihm erlaubte, erfolgreich sowohl typische Tenore Spinto Rollen zu interpretieren (Calaf, Don Carlos, Don José, Manrico) als auch dramatische (Radames, Dick Johnson). Seine Stimme wurde oft mit berühmten Tenören der Vergangenheit verglichen, wie Giovanni Martinelli oder Franco Corelli.„The opera is the mirror of a country...“ (Interview with Vasile Moldoveanu) In: Despre Opera, 23. September 2012 (englisch).

Im Jahr 2010 legte Moldoveanu Berufung gegen die Verurteilung ein und wurde endgültig freigesprochen. Im Jahr 2012 wurde er als Kommandeur des Ordens Stern von Rumänien ausgezeichnet.Tenorul Vasile Moldoveanu va fi decorat cu Ordinul Național "Steaua României" în grad de Comandor. In: Mediafax, 23. Januar 2013 (rumänisch) 2013 gab er jungen Sängern in Rumänien Master-Class-Stunden.

Diskografie (Auswahl)

Tonaufnahmen Berühmte Tenor-Arien (Electrecord; 1976) Neapolitan Songs (Electrecord; 1978)

Mascagni: Cavalleria rusticana. Mit: Galina Savova, Vasile Moldoveanu, Piero Cappuccilli; Dirigent: Ricco Saccani, das Orchester der Oper aus Budapest. Live Hamburg, 1986.

Videoaufnahmen Giuseppe Verdi: Don Carlo. Mit: Vasile Moldoveanu als Don Carlos, Renata Scotto, Tatiana Troyanos, Sherrill Milnea, Paul Plishka, Jerome Hines u. a. Chor und Orchester der Metropolitan Opera, Dirigent: James Levine (Live aus der MET, Februar 1980)

Giacomo Puccini: Il tabarro. Mit: Renata Scotto, Cornell Mc Neill, Charles Anthony, Italo Tajo, Bianca Berini, Jeffrey Stamm, Chor und Orchester der Metropolitan Opera, Dirigent: James Levine (Nach Aufnahmen aus der MET November 1981)

Giuseppe Verdi: Simon Boccanegra. Mit: Anna Tomova-Sintow, Sherrill Milnes, Paul Plishka. Dirigent: James Levine

Giuseppe Verdi: I vespri siciliani. Mit: Vasile Moldoveanu als Arrigo, Alan Charles, Jacques Doumene, Zenon Kosnowski, Maria Temesi, Linda Bond Perry, Michel Cambon, u. a. Orchester der Oper Nizza, Dirigent: Oleg Caetani (Videoaufnahme der Aufführungen der Oper aus Nizza, Juni 1984)

Literatur Ioana Diaconescu: Vasile Moldoveanu – Un tenor român pe patru continente. Editura Muzicală, 2011, Bukarest (edituramuzicala.ro, rumänisch)

Michael Richter: Opera on Video – A Personal Review. (PDF; 1,4 MB) 1997

Weblinks

Videos mit Vasile Modloveanu auf Opera on Video

Conversation piece – tenor Vasile Moldoveanu. – Interview mit Bruce Duffie, 1983, Chicago

Einzelnachweise

Kategorie:Opernsänger Kategorie:Tenor Kategorie:Träger des Sterns von Rumänien (Komtur) Kategorie:Rumäne Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Mann