mini|Titelblatt des Festprogramms des Kölner Karnevals von 1885 Köln war zu Zeiten des Imperialismus eine der wichtigen Handelsstädte des Deutschen Kaiserreichs, als solche war sie das rheinische Zentrum für Expeditionen und wissenschaftlichen Kolonialismus.

Institutionen und Akteure Kolonialvereine 150px|rechts|Logo der Deutschen Kolonialgesellschaft Seit 1905 war die Stadt Köln mit einem Beitrag von jährlich 100 Mark Mitglied des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees (K.W.K.).Historisches Archiv der Stadt Köln. S. 401–570. Im geschäftsführenden Ausschuss des K.W.K. waren unter anderen Richard Hindorf, Direktor der Rheinischen Handeï-Plantagen-Gesellschaft, und Max Esser, Gründer der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria vertreten.F.W. Morren: Bereitung und Handel des Liberia Kaffee. 1898. In: Extra-Beilage des Tropenpflanzer. S. 37.

1914 zählte das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee 1231 körperschaftliche Mitglieder. Auch folgende Kölner Unternehmen sind in einer Auflistung zu finden: Bertuch & Co. Franz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik, G.m.b.H. (Nippes) Gasmotorenfabrik Deutz Kölnische Gummifäden-Fabrik, vorm. Ferd. Kohlstadt & Co. (Deutz) W. Leyendecker & Cie. (Ehrenfeld) Maschinenbauanstalt Humboldt (Kalk) J. Pohlig, Act. Ges. (Zollstock) Gebrüder Stollwerck

Im Jahr 1884, zu Beginn der aktiven reichsdeutschen Kolonialpolitik, entstand die Kölner Ortsgruppe des Westdeutschen Vereins für Colonisation und Export mit anfänglich rund 100 Mitgliedern.Klaus J. Bade: Friedrich Fabri und der Imperialismus in der Bismarckzeit. Internet-Ausgabe auf der Seite der Universität Osnabrück, 2. Aufl. mit einem neuen Vorwort, Osnabrück 2005, S. 286. Die Jahrhundertwende brachte viele Neugründungen im Bereich der Handelshochschulen und Technischen Hochschulen mit sich, in Köln beispielsweise das heutige Hansagymnasium, die Handelshochschule und die Handelskammer, die alle Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft waren.

Um das allgemeine Interesse der Bevölkerung an kolonialen Themen zu befriedigen, wurden diese an den Hochschulen als ergänzende Pflichtveranstaltungen eingeführt. Die Verbindung zwischen Kölner Wissenschaft und deutschem Kolonialismus wurde weiter durch Verträge gesichert. Auch weite Teile des Lehrpersonals der Handelskammer, der Handelshochschule und anderer Einrichtungen gehörten der Deutschen Kolonialgesellschaft an, z. B. Christian Eckert, Kurt Wiedenfeld, Paul Moldenhauer, Oskar Jäger, Heinrich Geffcken, Otto Wilhelm Thomé und Richard Hindorf. Im „Oberen Gesellschaftssal“ des „Römergang“ fanden sich am Abend des 19. Oktober 1888 zahlreiche Bürger unterschiedlichster sozialer Herkunft ein, um die Gründung der Kölner Unterabteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu vollziehen.

mini|100px|Konrad Adenauer, Oberbürgermeister Kölns (1917–1933, 1945) Bedeutung für den Kolonialismus in Köln hatten vor allem August Reichensperger, Viktor C. Eduard Schnitzler, Gustav Michels, Eugen und Hans Langen und die Familie Leverkus. Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister Kölns und zusätzlich Geschäftsführender Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft von 1931 bis 1933, später Bundeskanzler, meinte einst:

Kölnischen Zeitung und Kolonialpropaganda mini|Erstes Logo der überregionalen Kölnischen Zeitung vom 4. Mai 1870 Die Kölnische Zeitung existierte zu Beginn des deutschen Kolonialismus bereits annähernd hundert Jahre und war als Informationsquelle fest im bürgerlichen bzw. nationalkonservativen Lager verankert. Wie der allgemeine Tenor in der westlichen Gesellschaft zur Jahrhundertwende waren auch die Artikel der Kölnischen Zeitung aus heutiger Sicht rassistisch, nationalistisch und euphemistisch. Der Redakteur der Zeitung, Prosper Müllendorf begleitete die Handelshochschule Köln auf der Ostafrika-Expedition von 1908 und referierte über „Das französische Kolonialreich in Westafrika“, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, den „Geschädigten in DSW“, „Deutschlands nächste Pflichten in Südwest“, „Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Aufstandes“, „den Verkehrsmitteln des Kongostaats“, „Überblick über Entwicklung der afrikanischen Kolonien“, „Die neueste Entwicklung DOAs“, „Technik und Waren in DOA“ und „die Entwicklung in Britisch-Ostafrika“. Hugo Zöller hielt Vorträge für die Prokolonialen im Gürzenich zu „Land und Leuten von Samoa“; von Mach, ebenfalls Redakteur des Blattes trug über „eine deutsche Aufgabe in Transvaal“ vor.

Die Kölnische Zeitung konnte es sich mit ihrem Redakteur Hugo Zöller als eine der wenigen deutschen Zeitungen leisten, einen Korrespondenten in die Kolonien zu entsenden. Der damalige „koloniale Journalismus“ bestand in der Regel aus reinen Kopien von Artikeln aus führenden Zeitungen oder wurde aus zweiter Hand, etwa über Reisende, Händler oder Missionare, akquiriert.Bradley D. Naranch: Covering the Colonies: Overseas Journalism and German Empire Building, 1884–1890. Konferenzvortrag: Germany’s Colonialism in International Perspective San Francisco State University, 6.–9. September 2007. Unveröffentlichtes Konferenzpapier. In Anbetracht dessen, war der enthusiastische Kolonialfreund Zöller ein Glücksfall für die Kölnische Zeitung. Sie schickte ihren Redakteur 1879 auf kolonialwissenschaftliche Studienreise und 1884 bis 1885 nach Westafrika, um an der Seite des Reichskommissars Gustav Nachtigall aktiv an der Aneignung neuer Gebiete teilnehmen zu können. Zöller selbst beschrieb seinen Stil offen als „colonialpolitische Agitation“Hugo Zöller: Ein Wort über colonialpolitische Agitation. In: Kölnische Zeitung vom 17. Februar 1887, Nr. 48, 1. Blatt, S. 3. die man als intensive Form politischer Propaganda verstehen kann. Die Art der Zöller’schen Propaganda unterschied sich dabei je nach politischer Situation. Naturgemäß musste er sich vor der aktiven Expansion des Deutschen Kaiserreichs anderer propagandistischer Mittel bedienen als während der deutschen Kolonialzeit, während des Ersten Weltkriegs und der darauf folgenden Zeit des kolonialen Revisionismus.

Missionsbewegung mini|135px|Zeitschrift Gott will es!, Ausgabe Juni 1910 Die Stadt Köln war schon seit der Antike ein katholisches Zentrum nördlich der Alpen. Es liegt daher nahe, dass sich Missionare auch von dieser Stadt ins koloniale Afrika aufmachten. So wurde dort im Jahre 1888 der Afrika-Verein deutscher Katholiken (AVdK) gegründet. Den Vorsitz des Vereins hatte über Jahre hinweg der Kölner Domkapitular Franz Karl Hespers inne, welcher ebenfalls Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft war. Der AVdK stand unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs und war angeregt durch die von Kardinal Lavigerie in Frankreich ins Leben gerufene „Antisklavereibewegung“. Das Ziel des AVdK war „die Civilisation der Neger durch Bekehrung zum Christenthum“. Zunächst beschränkte man sich auf Deutsch-Ostafrika, später weitete man das Engagement auf die anderen Kolonien aus. Paul zu Lukuledi aus der Missionarsstation von St. Peter vermerkte:

Der von der katholischen Kirche seit 2003 als heilig verehrte Daniele Comboni warb in Köln für die Afrikamission und erfuhr hierfür von der AVdK direkte Unterstützung. Am 18. Mai 1920 wurde der AVdK aufgelöst. Die neokolonialen Gedanken zur Erneuerung des Vereins fast vierzig Jahre darauf wurden jedoch nie umgesetzt. Neben dem AVdK bestanden auch ein Evangelischer Afrikaverein und die Rheinische Missionsgesellschaft.

Ostafrika-Expedition der Kölner Handelshochschule 1908 mini|Route der Expedition Die drei Professoren Paul Moldenhauer (Versicherungswissenschaften), Heinrich Geffcken (öffentliches Recht) und Kurt Wiedenfeld (Staatswissenschaften) machten sich in der vorlesungsfreien Zeit 1908 (2. August. bis 15. Oktober 1908) mit 25 Studenten, einem Arzt und ihrem Expeditionsleiter, dem Studiendirektor der Handelshochschule, Christian Eckert und dessen Frau auf, Afrika, als erste akademische Institutionen Deutschlands, wissenschaftlich zu „erobern“. Als Berichterstatter für die mit dem Reichskolonialamt geplante „Kolonialfahrt“ war Prosper Müllendorff für die Kölnische Zeitung, das wichtigste prokoloniale Blatt Deutschlands, Teil der Expedition. Christian Eckert begründete die Fahrt wie folgt:

Der erste Abschnitt der Expedition war Britisch-Ostafrika einschl. Uganda, zu ihm wurde von Neapel aus losgezogen; es ging mit dem Dampfer Markgraf der Deutschen Ost-Afrika-Linie nach Mombasa und von dort mit der Ugandabahn nach Kisumu zu einer 10-tägigen Rundreise um den Viktoriasee. Von dort ging es dann über Nairobi zurück nach Mombasa, um dann mit dem Regierungsdampfer Kaiser Wilhelm II nach Tanga, wo der Abschnitt Deutsch-Ostafrika begann, abzulegen. Zusätzlich standen noch Usambara, Sansibar und Morogoro auf dem Programm, bevor von Dar es Salaam aus die Rückreise angetreten wurde.

Kolonialismus im Karneval Die prokoloniale Kölnische Zeitung hatte kurz vor der Karnevalssession 1884/1885 die Reiseberichte des Geografen und Ethnologen Wilhelm Joest herausgebracht, diese erfreuten sich großer Aufmerksamkeit unter der Kölner Bürgerschaft. Joest hatte über den Zeitraum eines Jahres das südöstliche Afrika bereist; zusätzlich fallen in das Jahr viele bedeutende Ereignisse der deutschen Kolonialpolitik (Deutsch-Südwest-Afrika wird gegründet, Carl Peters begründet die Gesellschaft für deutsche Kolonisation, die Kongo-Konferenz findet statt). Das Zugmotto der Session lautete: „Held Carneval als Colonisator“; sämtliche Rosenmontagsteilnehmer waren mit schwarzer Schuhcreme als „Neger“ verkleidet. Auf dem Titelblatt der Session wird die „Colonia Agrippina“ mit der neu gewonnenen „Colonia Anna Bequema“ in Bezug gesetzt, hinter „Anna Bequema“ verbirgt sich „Angra Pequeña“, der alte portugiesische Name der Küstenregion in Südwest-Afrika, der späteren „Lüderitzbucht“.Kölnische Zeitung Nr. 45; 14. Febr. 1885 Über das mit Pickelhauben bekleideten „Amazonen-Musikkorps“ schrieb die Kölnische Zeitung:

Völkerschauen in Köln Im Kölner Zoo sind acht Völkerschauen dokumentiert: 1878 die „Eskimo“-Völkerschau von Carl Hagenbeck: „Okabab und seine Familie“ (3 Männer, eine Frau und zwei Mädchen)Lothar Pützstück: „Exotenzauber vor Stadtmauer und Haustür“. Völkerschauen im Kölner Zoo 1878–1932. In: Zeitschrift des Kölner Zoo. Jg. 40 (1997), Nr. 4, S. 151–157. 1889 die „Somali“ von Joseph Menges (27 Personen)Rea Brändle: „Wilde, die sich hier sehen lassen“. Jahrmarkt, frühe Völkerschauen und Schaustellerei. Zürich 2023. 1906 Hagenbecks Indien-Völkerschau (71 Personen) 1910 die Samoa-Völkerschau der Brüder Marquardt (26 Personen) 1912 Marquardts „Beduinen-Karawane“ (47 Personen sowie 44 Tiere) 1931 die Kanak-Völkerschau (41 Personen) 1931 die Sara-Kaba-Völkerschau von Willy Siebold (13 Personen) 1932 die Aschanti-Völkerschau von John Smith (20 Personen) Völkerschauen wurden auch an anderen Orten gezeigt, etwa in Castans Panopticum, das es in Köln zwei Mal gab: erstens nahe des Zoos an der Riehler Frongasse und auch auf der Hohe Straße. 1884 die Völkerschau der „Aborigines“ von Robert A. Cunningham (7 Personen) 1890 die Samoa-Völkerschau von Robert A. Cunningham (8 Personen) 1890, 1898, 1900 und 1908 die Völkerschau der „Amazonen von Dahomey“ (30 bis 80 Personen) 1896 und 1900 die Samoa-Völkerschau von Carl Marquardt (26 Personen) 1899 und 1902 die Togolesen von John Calvert Nayo Bruce Einige Schauen fanden auch an anderen Orten statt: 1880 die Völkerschau der Nubier von Carl Hagenbeck (15 Personen, in Richlers Hof) 1885 die Singhalesen-Völkerschau von Carl Hagenbeck (45 Personen, im Restaurant Kaisergarten) 1914 das „Kongo-Dorf“ im Vergnügungspark der Kölner WerkbundausstellungMarianne Bechhaus-Gerst: Inszenierte Exotik – Völkerschauen in Köln, in: dies., Anne Kathrin Horstmann (Hrsg.): Köln und der deutsche Kolonialismus. Köln, Weimar, Wien 2013, S. 149–155. 1928 das „Kongo-Kamerun-Dorf“ von John Smith im Rahmen der Pressa

Völkerschau der „Eskimos“ im Kölner Zoo 1878 mini|hochkant|Völkerschau der „Eskimo“ 1878