mini|240px|Ruine der Neukircher Kirche
Die Kirche in Neukirch (, der Ort hieß bis 1770 „Joneykischken“) im früheren ostpreußischen Kreis Niederung (Elchniederung) ist ein einfacher Feldsteinbau aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und war bis 1945 evangelische Pfarrkirche für das Kirchspiel des heute Timirjasewo genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Heute steht nur noch eine Ruine des Gotteshauses.
Geographische Lage Das heute Timirjasewo genannte Dorf liegt sechs Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Slawsk (Heinrichswalde) an der russischen Fernstraße R 513. Die nächste Bahnstation ist Slawsk an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).
Der Standort der verbliebenen Kirchenruine liegt im östlichen Dorfteil nordöstlich der Landstraße nach Sapowednoje (Seckenburg, bis 1924 Kryszahnen).
Kirchengebäude Eine erste Kirche wurde in Joneykischken auf Veranlassung der Patronin Rosina von Hallen im Jahre 1635 aus Holz gebaut.Timirjasewo - Neukirch bei ostpreussen.net Sie brannte allerdings 1727 nach Blitzschlag ab. Der Neubau des Gotteshauses dauerte bis 1740, die Einweihung fand am 1. Advent statt. Im Zusammenhang des Kirchenbeubaus wurde der Ortsname 1770 von „Joneykischken“ in „Neukirch“ geändert.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 102.
Bei der neuen KircheWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 93, Abb. 383 handelte es sich um einen schlichten Feldsteinbau mit Turm.Historisches Kirchenbild bei flickr.com Den Innenraum mit zwei seitlichen Emporen überspannte ein hölzernes Tonnengewölbe. Kanzel und Altar bildeten eine Einheit, bei der Zusammenfügung hatte man Reste eines früheren Barockaltars verwendet.
Die Orgel wurde 1757 installiert und war ein Werk des Adam Gottlob Casparini in Königsberg (Preußen) (heute russisch: Kaliningrad). Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche unbeschadet. Dann allerdings wurde sie als Lagerhalle für landwirtschaftliche Produkte fremdgenutzt. Dazu wurden die Fenster zugemauert und die Vorhallen im Norden und Süden abgerissen. Die Türöffnungen erweiterte man als Durchfahrt für Fahrzeuge. Durch Unachtsamkeit brannte das Bauwerk 1995 ab. Heute sind nur noch die Turmruine sowie Mauerreste des Kirchenschiffs vorhanden.Кирха Йонейкишкена - Die Kirche Joneykischken (Neukirche) bei prussia39.ru (mit Fotos aus dem Jahre 2012)
Kirchengemeinde Das Kirchspiel Joneykischken (auch: „Joneikischken“) wurde am 2. März 1651 gegründet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 483. aber erst ab 1771 mit einer eigenen Pfarrstelle ausgerüstet. Für das wachsende Kirchspiel wurde ab 1870 der Einsatz eines zusätzlichen Hilfspredigers erforderlich. Die Pfarrei gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Niederung (Elchniederung) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte sie 5.582 Gemeindeglieder, die in 40 Ortschaften und Wohnplätzen wohnten. Neben der Kirchenruine kündet noch heute das Pfarrhaus von der Zeit vor 1945. Es wurde seinerzeit zeitgleich mit der Kirche gebaut und nach 1945 zeitweise als Schule genutzt.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im Zusammenhang des Krieges sowie wegen restriktiver Religionspolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben in Timirjasewo nach 1945 ein. Heute liegt der Ort im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Slawsk (Heinrichswalde). Sie ist Pfarrsitz der Kirchenregion Slawsk innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel der Kirche Neukirch gehörten vor 1945 40 Ortschaften und kleinere Orte: Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Adlig Althof-Skirbst Slobodskoje Lakendorf Bogunowo Adlig Groß Skirbst Grawinoje Langenberg Priwolje Adlig Kreywehlen Adelau Solonzy Leitwarren Abrikossowka Alleckneiten Kurwensee Lentenbude Uglowoje An Rokaiten Kleinrokitten Kamskoje Lessen Aschenberg Dolinowka Lindendorf Bartscheiten Oswald Tumanowka Mägdeberg Bogdahnen Bolzfelde Werchni Bisser Neu Bogdahnen Bolzhagen Nischni Bisser Budehlischken Hoheneiche Grosnoje Neuendorf Doblienen Dublinino Neufrost Swetloje Dwarrehlischken Herrendorf Solonzy Neukirch, bis 1770: Joneykischken Timirjasewo Gilkendorf Uwaly Pawarszen Kleinwarschen Slawnoje Gronwalde Rokaiten Rokitten Gumbehlischken Eichholz Grawinoje Schönrohr Hohenwiese Dubrowka Selseningken Selsen Ibenberg Trjochgornoje Skirbst Heideckshof Johannsdorf Romaschkino Stobingen Pridoroschnoje Klein Skirbst Kleinheideckshof Slobodskoje Wolfsberg Wetrjanka Köllmisch Schnecken Wessjoloje Wolfsdorf Senzowo Köllmisch Skirbst Ziegelberg
Pfarrer Zwischen 1771 und 1945 waren als Pfarrer bzw. Hilfsprediger an der Kirche Neukirch tätig: Christian Lowin, 1771–1783 Friedrich Sperber, 1783–1804 Christian Ferdinand Zippel, 1804–1805 Johann Christian Meier, 1805–1831 Andreas Friedrich Zippel, 1831–1848 Friedrich Ludwig Kraus, bis 1848. Johann Gottfried H. Zippel, 1849–1850 Johann Heinrich Lehmann, 1850–1869 Emil August Daniel Hundertmark, 1870. Daniel Albert Th. Hoffheinz, 1870–1894 Adolf Ferdinand Keil, 1887–1888 Hermann Otto Arthur Salopiata, 1888. Karl Rudolf Arthur Hering, 1889–1890 Siegfried Dembowski, 1890–1891 Friedrich August Klein, 1891–1892 Walter Eichhorst, 1892–1894 Gustav Adolf Rösenberg, 1894–1899 Eugen Louis Oskar Stephani, 1894–1911 Alfred Dümke, 1899–1902 Otto Hermann Heisler, 1902–1903 Alfred Müller, 1903–1905 Rudolf Macarus Vetter, 1903–1905 Paul Knapp, 1906–1909 Georg Müller, 1910–1913 Johann Lozereit, 1911–1931 Wilhelm Krüger, 1920. Richard Fritz Paluk, 1926–1927 Paul Kaschade, 1932–1945
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1740er Jahren Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Kirchenruine in Russland Kategorie:Zerstört in den 1990er Jahren Kategorie:Rajon Slawsk Neukirch, Kreis Niederung