Carl Göllner (* 5. Oktober 1911 in Medgyes, Komitat Groß-Kokelburg, Königreich Ungarn, Österreich-Ungarn; † 22. Dezember 1995 in Minden) war ein rumänischer Historiker und Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes Securitate.
Leben Carl Göllner entstammte der Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen. Während des Zweiten Weltkriegs studierte er als Stipendiat in Frankreich. Als promovierterSiebenbürgische Zeitung, Folge 13, 15. August 1977, S. 1. Historiker schrieb er im kommunistischen Rumänien unter der offiziellen Parteilinie zahlreiche historische Abhandlungen und war als Gymnasiallehrer in Hermannstadt tätig. Göllner war als Historiker von internationalem RufBrigitte Nussbächer: Historiker von internationalem Ruf. Zu Dr. habil. Carl Göllners siebzigstem Geburtstag. In: Tribuna României. Die deutsche Seite. Bukarest, X/218, 1. Dezember 1981. Leiter der „Forschungen zur Volks- und Landeskunde“ in HermannstadtSiebenbürgische Zeitung. Folge 1, 15. Januar 1978, S. 2. und Direktor des „Sozialwissenschaftlichen Zentrums Hermannstadt“.
Am 3. Juli 1968 nahm er an der „Beratung beim Zentralkomitee (ZK) der Rumänischen Kommunistischen Partei (RKP) mit Wissenschaftlern und Kulturschaffenden aus den Reihen der deutschen Nationalität“ teil, in deren Folge der Rat der Werktätigen deutscher Nationalität entstand.
Nach der Veröffentlichung seiner Akte aus den rumänischen Archiven wurde publik, dass Carl Göllner als Agent des rumänischen Geheimdienstes „Securitate“ tätig war. Göllner konspirierte in Rumänien unter dem Decknamen „Florescu“ gegen Rumäniendeutsche und wurde für ausländische Spionagetätigkeit gegen Emigranten in Westdeutschland und Österreich vorbereitet. Als langjähriger Mitarbeiter der „Securitate“ brachte er sich aktiv und kreativ in die Spitzeltätigkeit ein. Trotzdem wurden Göllner und seine Familie vom rumänischen Geheimdienst streng beschattet.
Veröffentlichungen Hexenprozesse in Siebenbürgen. Editura Dacia, Cluj, 1971 Die siebenbürgische Militärgrenze: ein Beitrag zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 1762–1851. Oldenbourg Verlag, München, 1974 Samuel von Brukenthal: sein Leben und Werk in Wort und Bild. Editura Kriterion, Bukarest, 1977 Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens, Band 1 (12. Jh. – 1848). Bukarest, 1979 Adolf Schullerus: sein Leben und Wirken in Wort und Bild. Editura Kriterion, Bukarest, 1986 Turcica. Bd. 1. 1501–1550. Editura Academiei, 1961 Gewalt und Recht. Mit Michael Königes. Editura pentru Literatură, 1963 Die Siebenbürger Sachsen in den Revolutionsjahren 1848–1849. Editura Academiei R.S.R., 1967 Turcica. Bd. 2. 1551–1600. Editura Academiei, 1968 Anno dazumal. Editura Tineretului, 1969 Regimentele Grănicerești din Transilvania 1764–1851. Editura Militară, 1973 Die siebenbürgische Militärgrenze. Oldenbourg Verlag, 1974 Siebenbürgisch-sächsisches Heimatbuch. Editura Kriterion, 1975 Die Türkenfrage in der öffentlichen Meinung Europas im 16. Jahrhundert. 1978 Siebenbürgisch-sächsische Persönlichkeiten; Porträts. Editura Politică, Bukarest, 1981 Chronica und Beschreibung der Türckey (Türkei). Böhlau Verlag, 1983 Turcica: Die europäischen Türkendrucke des 16. Jahrhunderts. Valentin Koerner Verlag, 1986 Im Kreislauf des Jahres : histor. Brauchtum d. Siebenbürger Sachsen. Editura Kriterion, 1987 Die Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1848–1918. Böhlau Verlag, 1998
Literatur Stefan Sienerth: In den Fängen des Geheimdienstes. Ein Beitrag zur Biografie des Historikers Carl Göllner. In: Rudolf Gräf, Gerald Volkmer (Hrsg.): Zwischen Tauwettersozialismus und Neostalinismus. Deutsche und andere Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1953–1964. IKGS Verlag, München, 2011, ISBN 3-9811694-7-6, S. 157–207
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