mini|200px|Kutenai
Die Ktunaxa, oder Kutenai (in den USA allgemein Kootenai) sind eine Gruppe von sieben nordamerikanischen Indianerstämmen, die an der Grenze zwischen den USA und Kanada leben, und zwar in den US-Bundesstaaten Washington, Montana und Idaho und in der kanadischen Provinz British Columbia.
Die kanadischen Gruppen und heutigen First Nations bezeichnen sich selbst als Ktunaxa (Aussprache: ‘K-tuu-NA-cha’ oder ‘Too-na-ha’). Dieses Wort leitet sich wohl von Kotona, der Aussprache des Stammesnamens Ktunxa durch die Piegan-Blackfoot ab, andere Plainsstämme bezeichneten sie als ‘sanftes Volk.’ Sie selbst nannten sich ‘Volk von den Wassern’ oder ‘Volk vom See’. Die US-amerikanischen Gruppen und heutigen Stämme bezeichnen sich selbst als Ksanka (Ksanka leitet sich von Ksahans-ʔaǩis her - ‘gute Treffsicherheit’),Brief History of the People jedoch bezeichnen sie sich heute offiziell meist als 'Kootenai'.
Die Sprache der Kutenai, das Kutanaha, die von sechs der sieben Stämme gesprochen wird, gehört zu keiner der großen indianischen Sprachgruppen, weist aber Ähnlichkeiten mit dem Algonkin und dem Salish auf. Zu letzterer Gruppe gehört ein Kutenai-Stamm.
In Kanada lebten 2008 über 1.200 Angehörige der Kootenay, in den USA über 800 Kutenai.
Geschichte mini|200px|Kutenai-Frau neben einem Kanu, Edward Curtis, 1910. Diese Birkenholzkanus wurden Kootenay Canoes genannt, oder Sturgeon Nose Canoes (Störnasenkanus), weil sie unter der Wasserlinie vorn und hinten „Nasen“ aufwiesen.Kootenay Bark Canoes, Canadian Museum of Civilization
Frühgeschichte mini|Südarm des Kootenay Lake Im Gebiet der Kutenai wurden Artefakte des sogenannten Goatfell Complex, der nach der Goatfell-Region rund 40 km östlich von Creston am Highway 3 benannt wurde.Roy L. Carlson, Luke Robert Dalla Bona: Early human occupation in British Columbia, 1996, S. 47ff. Er ist Teil der Intermontane Stemmed Point Tradition, bei der eine bestimmte Art, in der Projektilspitzen bearbeitet wurden, damit sie haltbar in Stäbe eingesetzt werden konnten, leitend ist. Der überwiegende Teil der Funde wurde im weiteren Umkreis von Creston gemacht, wichtigste Fundorte sind Harvey Mountain im äußersten Norden von Idaho, Negro Lake und Kiakho Lake bei Lumberton und Cranbrook, North Star Mountain westlich von Creston. Nur Blue Ridge bei Kaslo, am Westufer des Kootenay Lake liegt weiter entfernt. Die ältesten Stücke sind 10 bis 12.000 Jahre alt. Der Archäologe Wayne Choquette glaubt, dass sich aus dem Fehlen eines technologischen Bruches ableiten lässt, dass die Ktunaxa schon zu dieser Zeit in der Region lebten. Am unteren Columbia River herrschte hingegen eine völlig andere Werkzeugindustrie vor, die als Microblade Tradition bezeichnet wird.
Möglicherweise waren die ersten fassbaren Bewohner mit dem zurückweichenden Eispanzer am Ende der letzten Eiszeit nordwärts gewandert, ein Vorgang, der von etwa 16000 bis 13000 v. Chr. andauerte. In dieser Zeit bildete sich nach einer Phase starker Erosion ein Gewässersystem aus und Vegetation bedeckte und stabilisierte die Erdoberfläche in der Region in Form einer Tundrenlandschaft. In diese drang von Süden Wald vor. Zwischen 8000 und 5000 v. Chr. war die Region relativ trocken und weist zahlreiche Brände auf. Erst um 3000 v. Chr. breitete sich im Rahmen einer Abkühlung dichter Wald aus, eine kühle Phase, die etwa bis 500 v. Chr. anhielt. Eine weitere, allerdings weniger starke Trockenphase folgte zwischen 500 und 1600, in der sich Bisons ausbreiteten. Im 17. Jahrhundert folgte die Kleine Eiszeit, die in der Region die kälteste Phase seit der letzten Eiszeit darstellte, und in der die Bisons wieder verschwanden.Choquette: Archeological Overview, S. 6.
Dem Goatfell Complex folgte der Bristow Complex (ca. 6000 bis 3000 v. Chr.), wohl als Reaktion auf die ökologischen Veränderungen. In der Phase danach, die etwa bis 500 v. Chr. andauerte, lässt sich eine deutliche Zunahme des Anteils von Fisch an der Ernährung ausmachen (Kettle Lake Complex). Die Fundstätten befinden sich meist auf Terrassen oberhalb der damaligen Gewässer. Dem gleichzeitigen Kikomun Complex werden eher Gruppen zugeordnet, deren Jagd vorwiegend Hirschen galt. Nach etwa 500 v. Chr. nahm die Bevölkerung zu, wie Hügel von Knochen und geborstenen Steinen, die zum Kochen benutzt worden waren, nahelegen.
Ursprünglich lebten die Kutenai möglicherweise östlich der Rocky Mountains, bis hin zum heutigen Fort MacLeod in der Provinz Alberta. Die mündliche Tradition verweist auf eine sechshundert Jahre zurückliegende Wanderschaft vom Lake Michigan westwärts. Danach lebten sie auf den Tobacco Plains am Kootenay River in Montana und in British Columbia. Die Gruppe spaltete sich zu einem unbekannten Zeitpunkt. So entstanden die Upper Kutenai, deren Lebensweise weiterhin stark von der Büffeljagd beeinflusst wurde, wohingegen die Lower Kutenai sesshaft wurden oder blieben, und dabei von Wild, Beeren und Wurzeln lebten, insbesondere aber von Fisch. Die mündliche Tradition weiß von der Ankunft des Pferdes, die um 1730 stattfand, aber auch von Kriegen mit den Nachbarn, bei denen eine Gruppe unterging, die beim heutigen Pincher Creek lebte. Die Bisonjäger zogen dreimal jährlich über die Rocky Mountains, seitdem sie über Pferde verfügten. Als traditionelles Gebiet beanspruchen die heutigen Ktunaxa mit Rückgriff auf diesen Zeitraum ein Gebiet von rund 70.000 km².
Upper Kutenai Die Jennings Band oder Agiyinik, die zu den Upper Kutenai zählte, bildete um 1850 einen Stamm von rund 700 Mitgliedern. Sie lebten zunächst um Jennings in Montana, wanderten ostwärts in die Gegend des späteren Kalispell, dann südwärts nach Elmo. Ihre Nachkommen leben heute im Flathead-Reservat (Flathead Reservation) in Montana. Eine andere Gruppe der Upper Kutenai, die Tobacco Plains Band oder Aganahonek, lebt heute in Kanada, eine dritte Gruppe, die Tweed Warlands oder Agukuatsuking lebten am Kutenai zwischen Tweed und Warland, doch sind sie verschwunden. Eine weitere Gruppe, die Libby Montana zog in die Gegend um Fort Steele nahe Cranbrook in British Columbia. Vor 1855 zogen die Libby und Jenning Band an den oberen Flathead Lake in Montana.
Lower Kutenai Die Lower Kutenai wurden auch als ‘Kanu-Indianer’ bezeichnet, oder als ‘Flachbögen’ (‘Arc-à-plats’), weil sie breite, platte Bögen besaßen. Auch wurden sie als Skalizise bezeichnet. Eine von den bei Bonners Ferry in Idaho ansässigen Gruppen zog nach Creston in British Columbia. Andere Lower Kutenai von den Arrow Lakes am Columbia wurden ein Teil der Senijextee, einem Binnen-Salish-Volk. Doch kam es zu einem Krieg und die Gruppe zog zum Kootenay Lake in British Columbia. Die wenigen Zurückgebliebenen zogen in die Colville Reservation im Norden Zentral-Washingtons.
Pelzhändler, Pocken, Ende der Bisonjagd Im Juli 1807 zog David Thompson von der North West Company durch das Territorium der Kutenai. Zwei von ihnen trafen Thompson beim heutigen Fort Edmonton. Thompson ließ das Kootenay House nördlich des Lake Windermere bauen. Zu dieser Zeit brachten die Kutenai ihre Kenntnis der Pferdehaltung anderen Stämmen, denen sie aber im Kampf unterlagen. Schon zu Zeiten der North West Company erreichten die Pocken die Stämme und töteten viele ihrer Mitglieder. Außerdem verschwanden bereits vor 1830 die meisten Büffel, so dass sich auch die bisher nomadischen Ktunaxa auf Lachs verlegten. Mit der Schaffung der Grenze zwischen Kanada und den USA (1846), wurde ihr Stammesgebiet geteilt, die beiden südlichen Gruppen, die nun zu den USA zählten, erhielten kleine Reservate.
Missionare, Vertragsverhandlungen mini|Missionskirche St. Eugene, nach 1900 Jesuiten, wie Pierre-Jean De Smet, die sich bei den Kutenai niederließen, waren bei ihrer Missionsarbeit erfolgreich, wobei ihnen irokesische Missionare vorangingen. Einige Jesuiten lernten ihre Sprache, wie Pater Fouquet von den Oblaten (Oblati Mariae Immaculatae). Die Prügelstrafe löste nun die Ktunaxa-Form der Strafe, die öffentliche Demütigung ab. Ein neues Sündenverständnis drang ein, bei dem das für die Indianer befremdliche Übertragen und Loswerden einer Sünde durch Beichten zunächst die alte Moral destabilisierte. Als das Land aufgeteilt und Reservate eingerichtet wurden, nutzte Fouquet sein Vorkaufsrecht und gründete die Mission St. Eugene.
Im unteren Flathead-Tal entstand die Missionsstation St. Ignace, zu der einige Kutenai 1855 aufgrund von Heiratskontakten mit dortigen Siedlern zogen. Isaac Ingalls Stevens, Gouverneur des Territoriums Washington, traf sich in diesem Jahr mit Kutenai, Flathead und Kalispel am Hell Gate bei Missoula. Doch der Häuptling der Tobacco Plain Kutenai, Edward oder Edwald, war nicht anwesend. Er war ursprünglich der Häuptling der Gesamtgruppe gewesen, bevor sie sich in die Upper- und die Lower-Gruppe aufgespalten hatte. Eine Tobacco-Plains-Gruppe unter Michelle war hingegen anwesend, die sich ein großes Kutenai-Reservat erhoffte. Da sie enttäuscht wurde, zog sie nach Kanada. Die Lower Kutenai sahen sich nun überhaupt nicht mehr vertreten und blieben ohne Anerkennung (non-treaty status).
Zu dieser Zeit, 1855, zählten die Kutenai nur noch 500 Angehörige und damit 130 weniger als noch 1827 John Warner Dease von der Hudson’s Bay Company geschätzt hatte.
Reservate, kurzer Goldrausch, Fort Steele Mit dem Indianergesetz von 1876 wurden in Kanada gewählte Häuptlinge und Räte eingeführt, die Wahlberechtigung auf der politischen Ebene außerhalb des Stammes dagegen nur an Indianer vergeben, die auf ihren Status verzichteten. Peter O’Reilly handelte mit den Ktunaxa Reservate aus, die später geringfügig korrigiert wurden. Viele Ktunaxa weigerten sich zunächst, in die Reservate zu gehen. Auch übten sie weiterhin Gepflogenheiten und Rituale, wie den Sonnentanz – allerdings fehlte bei ihnen das Element der ostentativen Schmerzunempfindlichkeit – bis zum Ersten Weltkrieg.
Durch Goldfunde am damals noch Stud Horse genannten Wild Horse River im Jahr 1864 kam es zu einem kurzen Goldrausch, ähnlich wie am Fraser und im Cariboo-Gebiet. Als der amerikanische Goldsucher Dan Drumheller am 15. Juni in die Gegend kam, durchpflügten bereits 1500 andere Goldsucher den Bach, und jeden Tag kamen 200 neue hinzu. Binnen kurzer Zeit waren die Goldlager erschöpft und 1882 lebten nur noch 11 Männer am Bach. mini|Eine Gruppe von Kutenai vor ihren Tipis, unter ihnen Chief Isaac Adama, nach 1887 Während des Kootenay-Goldrauschs von 1864 entstand eine erste Farm am Wild Horse Creek, die Galbraith's Ferry hieß, benannt nach Robert L. T. Galbraith. Er hatte es vorgezogen, eine Fähre einzurichten, die bis 1888, als eine Brücke gebaut wurde, in Betrieb blieb. Die Siedler betrieben Gemüseanbau, vor allem Pflaumen, Äpfel, Birnen und Kirschen. Die kleine Siedlung wurde 1888 in Fort Steele umbenannt, nach dem Superintendent der North-West Mounted Police Samuel Benfield (Sam) Steele (1849–1919), dem es gelang, einen Ausgleich zwischen chinesischen und britischen Siedlern und Ktunaxa zu finden. Seit 1961 zählt das Fort als heritage site zum Kulturerbe der Provinz.Vgl.
Joseph’s Prairie, erster Polizeiposten, Sam Steele und Isidore mini|Sam Steele