Die Stradafüßler waren eine Räuberbande, die von 1822 bis 1827 das Grenzgebiet der Steiermark, des südlichen Niederösterreich sowie des heutigen Burgenlandes, damals Westungarn, mit Angst und Schrecken überzogen. Die Bezeichnung Stradafüßler bedeutet sinngemäß „Leute, die sich auf der Landstraße herumtreiben“, also Landstreicher und Diebe. Ihr Anführer Nikolaus Schmidhofer, genannt Holzknechtseppl, und einige weitere Bandenmitglieder wurden 1827, 1828 und 1830 in Pinkafeld und in Güns hingerichtet.

Grundsätzliches Bei der Lebensgeschichte des Holzknechtsseppls und der Geschichte seiner Räuberbande vermischen sich oft Wirklichkeit und Fiktion. In den Ortschaften des Einzugsgebietes des Räubers und seiner Bande gab es im Laufe des 19. Jahrhunderts eine rege Legendenbildung, sodass es oft sehr schwierig ist festzustellen, welche Ereignisse historisch korrekt sind.

siehe auch: Holzknechtseppl

Organisation der Räuberbande In einem Verhör gestand Schmidhofer, dass er sich in den „letzten Faschingstagen“ des Jahres 1822 den Stradafüßlern angeschlossen hatte.Christoph Tepperberg: Der Holzknechtseppl aus Festschrift 680 Jahre Marktgemeinde Riedlingsdorf Seite 20, Riedlingsdorf 2011, Herausgeber Marktgemeinde Riedlingsdorf. Das lässt darauf schließen, dass es schon vor ihm einen losen Zusammenschluss von Dieben und Deserteuren im Grenzgebiet gegeben hatte. Das Leid der Bevölkerung begann aber erst so richtig, nachdem er der Anführer der Bande geworden war.

Die Organisation setzte sich aus vielen Tätern zusammen, die mehr oder weniger viel Schuld auf sich luden. Manche gehörten zum harten Kern, andere waren Mitläufer im Sinne von Hehlern, Unterkunftgebern oder auch Beischläferinnen, damit waren verschiedene Frauen im Grenzgebiet gemeint, die Liebesbeziehungen mit einigen Bandenmitgliedern unterhielten. Viele dieser Personen verriet der Holzknechtseppl bereits bei seinem ersten Verhör durch die Kriminal-Untersuchungskommission zu Pinkafeld im Jahre 1826. Andere wiederum, darunter einige wichtige Haupttäter, hatte er vermutlich wohlweislich nicht erwähnt (diese sind durch andere Quellenangaben gekennzeichnet). Von den meisten kannte er nur den Räubernamen und nicht die offizielle Schreibweise: Gekrauster Seppl oder Krauster Sepp, eigentlich Joseph Michael Freyberger, (* 31. Jänner 1794 in Pertlstein; † 7. Juli 1827 mit dem Strange hingerichtet in Pinkafeld), Unterführer der Räuberbande; Deserteur; galt als besonders brutal Fleischhacker Hans, eigentlich Johann Niesner, (* um 1778 in Neufang bei Olmütz - † 7. Juli 1827 mit dem Strange hingerichtet in Pinkafeld), Unterführer der Räuberbande, Deserteur, galt als ebenfalls besonders brutal Geheimrat oder Naßl oder Kollerl, eigentlich Joseph Koller, (* 2. Februar 1801 in Althodis; † 7. Juli 1827 mit dem Strange hingerichtet in Pinkafeld), Deserteur Goldhauben oder Guckkasten, eigentlich Georg Richter, (* um 1800 in Bayern), Kundschafter der Bande war mit einem Leierkasten unterwegs Großer Tabakträger Lippel, eigentlich Philipp Brandmüller, († 1. März 1830 mit dem Strange hingerichtet in Güns), Deserteur Zigeuner Jantsi Zigeuner SeppelJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 928, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. Zigeuner Toni Kropferter Paul von Neustift Ghatscht Hansirgl (Hinkender Hans-Georg)Johann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 929, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz Schlosser, eigentlich Johann Gangl, galt als harmlos, war aber seinen Spießgesellen verfallenJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 930, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. NeunfingerlJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 943, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. Wasenmeister HanselJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 948, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz., ermordet von Johann Niesner Schulmeister von Pottendorf, eigentlich Franz Eichleutner, am 1. August 1827 in Eisenburg zum Tode durch den Strang verurteilt, danach zu schwerer Kerkerstrafe begnadigt Matthias KrodatschJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 950, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz., Wirt und Hehler, am 1. August 1827 in Eisenburg zum Tode durch den Strang verurteilt, danach zu schwerer Kerkerstrafe begnadigt Magdalena Witzelsberger, Wirtin in Litzelsdorf, Geliebte von Joseph Freyberger, am 1. August 1827 in Eisenburg zum Tode durch das Schwert verurteilt, danach zu schwerer Kerkerstrafe begnadigt Simon Laschober, Wirt in Mönichkirchen Maria Driwenschak, Geliebte von Simon Laschober Wiener Schuster, eigentlich Leopold Seichter († 27. Juli 1828 während der Haft in Pinkafeld verstorben) Passauer Seppl Maurer Toni Diener Wastl Jakom Franzel Kleiner Hansel Zigeuner Miska aus Kitzladen Kleiner Lippl (Philipp) Urban Schleider Jäger Natzel Böhmische Liesl Kralabatsch aus Höflein Mitzel des kleinen Hansel Gwandtner Albertl kleine Weber Butterhansel Anna Weber, Wirtin des Waldwirtshauses bei Unterschützen, Geliebte des Nikolaus Schmidhofer Frantschitsch, Herrschaftsverwalter von Unterschützen

Ihre kriminelle Energie verwendeten die Räuber ausschließlich dazu, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Zielgruppe ihrer Aktivitäten waren keine reichen Kaufleute, sondern in der Mehrzahl das gemeine Volk in Form von Besitzern bzw. Bewohnern von Bauernhöfen. Die Beute waren in der Regel Naturalien und Kleidung, also das, was man zum alltäglichen Leben brauchte. Von einer Robin-Hood-Romantik war somit weit und breit keine Spur, dies erklärt auch den Hass und die Angst, welche ihnen von der Bevölkerung entgegengebracht wurden.Christoph Tepperberg: Der Holzknechtseppl aus Festschrift 680 Jahre Marktgemeinde Riedlingsdorf Seite 21, Riedlingsdorf 2011, Herausgeber Marktgemeinde Riedlingsdorf.

Ihre Raubzüge führten die Stradafüßler in einem Gebiet durch, das von Wildon, Mariazell bis Steinamanger, Eisenstadt, Pamhagen und Preßburg reichte. Während die Steiermark und Niederösterreich jenes Gebiet war, in denen die Verbrechen verübt wurden, diente Westungarn, also das heutige Burgenland, als Rückzugsgebiet. Hier waren es die Schenken in Ollersdorf, Unterschützen, Rotenturm und Litzelsdorf, in denen sie sich sicher fühlten. Mit einigen der Besitzerinnen der Gasthäuser hatten die Raubgesellen auch Liebesbeziehungen. So war die Gastwirtswitwe Magdalena Witzelsberger aus Litzelsdorf die Geliebte von Joseph Freyberger, während Nikolaus Schmidhofer eine Hassliebe mit Anna Weber, der Wirtin des Waldwirtshauses in der Wartenau in Unterschützen, verband. Um in diesen Rückzugsgebieten unbehelligt zu bleiben, hielten sich die Räuber anfangs mit ihren Missetaten sehr zurück und erkauften sich manchmal die Gunst der Wirtshausbesucher durch Großzügigkeit.Christoph Tepperberg: Der Holzknechtseppl aus Festschrift 680 Jahre Marktgemeinde Riedlingsdorf Seite 21 und 22, Riedlingsdorf 2011, Herausgeber Marktgemeinde Riedlingsdorf.

Die Verbrechen der Stradafüßler mini|Bund mit Nachschlüsseln im Stadtmuseum Pinkafeld, der von der Bande benutzt wurde. Wie eingangs bereits erwähnt, hatte es im 19. Jahrhundert eine rege Legendenbildung rund um die Taten der Räuberbande gegeben. Die Geschichte der Stradafüßler wurde von Generation zu Generation weitergegeben und oftmals mit immer mehr Details ausgeschmückt. Dazu beigetragen hatte auch das brutale Verhalten der Räuber gegenüber ihren Opfern, das sich in zum Teil sehr schaurigen Erzählungen niederschlug. Besonders die beiden Unterführer Joseph Freyberger und Johann Niesner waren wegen ihrer Brutalität und Freude am Foltern und Quälen gefürchtet. Niesner soll nicht von ungefähr den Räubernamen Fleischhacker Hans getragen haben. Zwar halten viele dieser Legenden einen Vergleich mit den Prozessakten nicht stand, trotzdem sind viele der Geschichten auch fast 200 Jahre nach dem tatsächlichen Geschehen noch immer im Umlauf.

Gleich bei ihrem ersten Verhör in Pinkafeld gestand die Bande 14 Diebstähle, 22 Raube, zwei Kirchenraube, drei Vergewaltigungen, zwei Brandlegungen und 10 Morde. Diese Zahl steigerte sich im Laufe der Verhandlung auf 14 Morde, 54 Raube, 48 Diebstähle, 4 Vergewaltigungen und 3 Brandlegungen. Der finanzielle Schaden wurde mit 23.844 Gulden angegeben, zum Vergleich dazu kostete damals eine Kuh zwischen 100 und 150 Gulden.

Der Volksmund weiß außerdem auch über viele Begegnungen mit den Mitgliedern der Räuberbande zu berichten, die harmlos waren oder glimpflich ausgingen. Die meisten dieser Ereignisse sind natürlich nach so langer Zeit kaum auf ihren Wahrheitsgehalt prüfbar.

Eine Geschichte, welche die Zeit überdauerte, und mit ziemlicher Sicherheit wahr sein dürfte, war der Überfall auf den Gassen-Bauern-Hof von Philipp und Anna Wagner in Königsberg, Gemeinde Aspangberg-St. Peter. Die Stradafüßler wollten dem Bauernehepaar jenes Geld stehlen, das es durch den Verkauf von Ochsen verdient hatte. Da sich beide weigerten, den Verkaufserlös auszuhändigen, tauchten die Räuber die Hände der Bäuerin in einen Teig, den sie gerade zubereitet hatte. Dann hielten sie ihre Hände in das siedende Fett. Die Frau überlebte zwar die Tortur, starb aber an deren Folgen am 6. Dezember 1824 im Alter von 28 Jahren (Sterbebuch Aspang VII/181). An dieses Ereignis erinnerte zuerst ein Holzmarterl, das, nachdem es vermorscht war, 1971 durch einen Gedenkstein ersetzt wurde.Johann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 934, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz.

Eine Berufsgruppe, die es den Räubern besonders angetan hatte, waren die Glaser. Diese zogen oft von Haus zu Haus und trugen ihre Glasscheiben in einem Tragegestell („Kraxn“) auf dem Rücken mit, um bei den Bauernhäusern kleine Reparaturarbeiten durchführen zu können. Der Legende nach ließen sie die armen Gesellen, die ihnen in die Hände gefallen waren, mitsamt ihren Gläsern Bäume hinaufklettern und schossen sie dann vom Gipfel herunter. Der Aufprall der Gläser soll dem Diebsgesindel und hier vor allem dem Holzknechtseppl eine große Freude bereitet haben. Einen derartigen Vorfall mit einem toten Glaser gab es zwischen Schmiedrait und Götzendorf.Johann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 931, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. Ein Ortsried in diesem Gebiet heißt Glasgraben, eventuell steht der Name mit diesem Ereignis in Verbindung. Einen erst 15-jährigen Glasträger aus der Slowakei erwischte es auf die gleiche Art, als der Holzknechtseppl mit seiner Räuberbande seine Geburtsgegend, die Tyrnau heimsuchte.Johann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 937, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. Ein dritter derartiger Vorfall soll sich in Kaltenberg, Gemeinde Lichtenegg, zugetragen haben. Ein Dreifaltigkeitsmarterl im Reintalwald unweit des Tatortes aufgestellt, soll noch heute an den ermordeten Glaser erinnern.Johann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 938, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz.

In einigen Überlieferungen über die Untaten der Räuberbande sind auch Todesfälle beschrieben, bei denen die Opfer gefesselt in Ameisenhaufen gelegt wurden. So zum Beispiel soll es ein Mädchen an einem unbekannten Ort in der Steiermark erwischt habenJohann Anton Laschober: Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes aus Edlitz – unsere Heimatgemeinde Seite 939, Edlitz 1992, Herausgeber Marktgemeinde Edlitz. sowie einen Hausierer in Tyrnau, der Heimat von Nikolaus Schmidhofer.