Gottschalk von Kreuznach oder Gotschalck von Katzenelnbogen u. ä. (geboren im 14. Jahrhundert vermutlich in Katzenelnbogen; gestorben zwischen 1410 und 1417 vermutlich in Kreuznach) war ein deutscher jüdischer Unternehmer, der in Kreuznach, im Erzstift Mainz und in Frankfurt am Main wirkte.

Leben Gottschalk wurde vermutlich in Katzenelnbogen (קצנלבוגן) geboren. Der unter Juden beliebte mittelhochdeutsche Name Gottschalk (גוטשלק, zeitgenössisch in verhüllender Schreibung auch גויישלק) bedeutet Schalk = Diener Gottes. Als sein hebräisches Äquivalent wurde in der Regel nicht das gleichbedeutende Obadja (עבדיהו) o. ä., sondern Eljakim (אליקים) verwendet.Leopold Zunz: Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung. L. Fort, Leipzig 1837, S. 50 (Google-Books).

Ansiedlung in Kreuznach Spätestens seit 1382 lebte der jüdische Bankier Gottschalk aus Katzenelnbogen in Kreuznach in der Vorderen Grafschaft Sponheim. Ihm gehörte das Haus an der Ecke Lämmergasse / Mannheimerstraße (heute: Nr. 12) nahe dem Eiermarkt, das noch jahrhundertelang „Gottschalk des Juden Haus“Vgl. Urkunde vom 28. April 1441; Badische Historische Kommission (Hrsg.): Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 1015–1515, Bd. III. Wagner, Innsbruck 1907, S. 122 (Nr. 6125); Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Urkunden Lehenhof, Löwenstein). genannt wurde (später auch: Löwensteiner Hof). Gottschalk übernahm 1382 ein Drittel der Bürgschaft für eine Schuld von 70 Gulden des Rheingrafen Johann II. vom Stein (* um 1314; † 1383), Wildgraf zu Dhaun-Grumbach.Regesten zweier Urkunden vom 5. Oktober 1382; Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Wild- und Rheingräfliche Archive. In: Ders.: Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen 1,2). Aschendorff, Münster 1904, Nr. 663 und 664, S. 299 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster) 1383 verbürgten sich die Edelknechte Winand von Waldeck, Johann Schönburg von Schonenberg († 1415) und Rorich von Merxheim († 1440/42) bei „Gotschalk, iuden burger zů Crutzenach“ für eine Schuld, die diesem gemeinsam der verstorbene Wild- und Rheingraf Johann II. vom Stein als „Hauptmann“, Junker (Wildgraf) Gerhard III. von Kyrburg († 1408), Tillmann III. Herr von Heinzenberg († 1393), der Mainzer Domherr Wilhelm Flach von Schwarzenberg († 1383) und Wepeling Peter von Bosenheim (Pedir von Basinheym) verschrieben hatten.Regest einer Urkunde vom 6. März 1383; Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Wild- und Rheingräfliche Archive. In: Ders.: Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen 1,2). Aschendorff, Münster 1904, Nr. 675, S. 301 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster), (Digitalisat bei Medieval Ashkenaz. Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich).

1385 gab Gottschalk dem Mainzer Erzbischof Adolf von Nassau (1353–1390) ein Darlehen über 300 schwere Gulden Mainzer Währung. Die Urkunde bezeugten und siegelten Johann von Eberstein († 1387), Domherr und Kämmerer in Mainz, als „Neffe“ des Erzbischofs, Heinrich Meister von Fritzlar († nach 1393), erzbischöflicher Zollschreiber zu Ehrenfels (Binger Mäuseturm), und Johann Brageiß von Büdesheim († nach 1388)Der Name erscheint auch als Brageys, Pragez u. ä. von Rüdesheim; vgl. zur Familie Hellmuth Gensicke: Zur Geschichte des Besitzes von Kirche und Adel in Gau-Algesheim. In: Anton Philipp Brück (Hrsg.): 600 Jahre Stadt Gau-Algesheim (1355–1955). K. Reidel, Gau-Algesheim 1955, S. 13–33., mainzischer Vogt in Bingen und „Vetter“ des Erzbischofs.Vgl. Staatsarchiv Würzburg (Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 10, Blätter 355f) Digitalisat des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz.

In Kreuznach wurde 1390 auch für Gottschalks Bruder Samuel von Katzenelnbogen und seine Familie vom Grafen Simon III. von Sponheim († 1414) ein Schutzbrief ausgestellt.Urkunde vom 24. Dezember 1390; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Urkunde 12277 053); vgl. Johannes Mötsch (Bearb.): Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim 1065-1437, Bd. II 1371-1399. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 42). Landesarchivverwaltung, Koblenz 1988, S. 402 (Nr. 2426). In dem Schutzbrief wird erwähnt, dass die von den Sponheimer Schutzjuden zu leistenden Abgaben gemeinsam von dem gräflichen Kapellan Nikolaus (Clas) von Planig, Pastor zu Münsterappel, und dem Juden Gottschalk festgelegt wurden.Vgl. Franz-Josef Ziwes: Studien zur Geschichte der Juden im mittleren Rheingebiet während des hohen und späten Mittelalters (Forschungen zur Geschichte der Juden, Abt. A. Abhandlungen 1). Hahn, Hannover 1995, ISBN 978-3-7752-5610-0, bes. S. 151 und S. 209–213 mit Anm. 191.

Zweigniederlassung in Frankfurt am Main mini|Das Roseneck südlich des Doms um 1900 1395 kaufte Gottschalk von Kreuznach von Simon und Nathan, den Enkeln des Bankiers Ber (gest. 1393), ein Haus in Frankfurt zwischen dem „Haus Rosenbusch“ (Große Fischergasse 18) und dem Hof von Johann von Holzhausen, behielt aber seinen bisherigen Hauptwohnsitz in Kreuznach bei. Die Stadt Frankfurt nahm 1397 ein Darlehen über 600 Gulden bei ihm auf,Alex Lewin: Die Gotschalke von Bacharach und Kreuznach. Ein Beitrag zur Geschichte d. Juden in Frankfurt um d. J. 1400. In: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt. 11/11 (1933), S. 279f; 12/1 (1933), S. 13 um ihren Verpflichtungen gegen König Wenzel (1361–1419) nachkommen zu können.Isidor Kracauer: Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. (1150-1824), Bd. I. Kauffmann, Frankfurt am Main 1925, S. 80 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Marburg). 1398 verpflichteten sich die Wild- und Rheingrafen Johann III. († 1428) und Friedrich I. († 1447) von Daun gegenüber „Gotschalke dem Juden, gesessen zu Crucenachen“, die Schulden ihres verstorbenen „Vetters“ (Onkels) Rheingraf Konrads vom Stein († 1395) in Höhe von 500 Gulden zu abzuzahlen.Regest einer Urkunde vom 22. August 1398; Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Wild- und Rheingräfliche Archive. In: Ders.: Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen 1,2). Aschendorff, Münster 1904, Nr. 809, S. 325 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster).

Auf die Intervention von „Gotschalg von Katzinelnbogen … wohnhafftig zu Cruczenach“ hin schaffte Erzbischof Johann von Nassau (um 1360–1419, reg. 1397) den Würfelzoll beim Grenzübertritt zum Erzstift Mainz im März 1400 für alle Juden ab, „denselben Gotschalke zu liebe und durch siner flissigen bete willen“.Urkunde vom 22. März 1400, Wiesbaden; Staatsarchiv Würzburg (Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 13, Blatt 159); Siegmund Salfeld: Zur Geschichte des Judenschutzes in Kurmainz. In: Vorstand der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden. Festschrift für Martin Philippson. Gustav Fock, Leipzig 1916, S. 135–167, bes. S. 159 und 165f (Digitalisat bei OpenLibrary). Dieser Leibzoll war bereits 1379 und 1384 von Johanns Bruder Erzbischof Adolf von Nassau und 1398 von ihm selbstStaatsarchiv Würzburg (Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 11, Blatt 3). abgeschafft worden, wurde aber 1401 unter König Ruprechts III. von der Pfalz (1352–1410) wieder erhoben.Gerd Mentgen: Der Würfelzoll und andere antijüdische Schikanen in Mittelalter und Früher Neuzeit. In: Zeitschrift für Historische Forschung 22 (1995), S. 1–48, bes. S. 3. Ebenfalls im März 1400 lieh Gottschalk dem Erzbischof Johann zusammen mit seinem Schwiegersohn Süßkind von Rothenburg unter Beteiligung der Städte Bingen, Sobernheim und Monzingen 1.000 Gulden.Urkunde vom 29. März 1400; Staatsarchiv Würzburg (Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 13, Blätter 158f).Franz-Josef Heyen: Kreuznach, Bad. In: Germania Judaica, Bd. III/1 Ortschaftsartikel Aach–Lychen. J.C.B. Mohr, Tübingen 1987, S. 686–691, bes. S. 688.

Im Mai 1400 schenkte Gottschalk dem Rat der Stadt Frankfurt Hirschkühe, die im Hirschgraben vor der Staufenmauer gehalten wurden.Stadt-Rechenbuch Frankfurt, Eintrag vom Sabbato post Servatii [= 15. Mai] 1400. Daraus leitet sich der heutige Straßenname Großer Hirschgraben ab.

In einem undatierten Brief, der um die Jahreswende 1402/03 verfasst sein dürfte, bezeichnet Johann von Nassau Gottschalk von Kreuznach als „seinen Juden“.Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 22 Briefeingänge undatiert, A 769–771); Hermann Keussen: Brief-Eingänge des 14. und 15. Jahrhunderts. B. Undatirte Stücke, 1. Hälfte. In: Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 10 (1896), S. 1–102, bes. S. 76f. Das Schreiben steht im Zusammenhang eines Erbschaftsstreites mit Gottschalks Schwägerin Mincha in Köln, in dem Gottschalk außer vom Mainzer Erzbischof Johann auch von dessen Schwägern bzw. Vettern Graf Friedrich III. von Veldenz († 1444), Graf Philipp I. von Nassau-Saarbrücken († 1429) und Junggraf Johann V. von Sponheim-Starkenburg († 1437)Brief vom 29. Dezember 1402; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 21 Briefeingänge datiert, Nr. 1051); Hermann Keussen: Brief-Eingänge des 14. und 15. Jahrhunderts A. Datierte Stücke, 2. Hälfte. In: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 11, Heft 28 (1899), S. 1–133, bes. S. 33 (Commons). unterstützt wurde.

1403 erwähnte König Ruprecht III. in einem Schreiben an den Speyrer Bischof Raban von Helmstatt († 1439) den Juden „Gotschalke … zu Crutzenach“ als einen möglichen Geldgeber.Regest vom 30. Dezember 1403, Heidelberg; Generallandesarchiv Karlsruhe (Kopialbuch Nr. 871 - Kurpfälzer Kopialbuch, Blatt 184); Regest des Pfalzgrafen Ruprecht III., n. 3305, vom 30. Dezember 1403, Heidelberg; (Digitalisat bei Regesta Imperii Online).

Inhaftierung in Kreuznach und Freilassung gegen Lösegeld Unter dem Vorwurf des Wuchers wurden Gottschalk, seine Frau Bulyn und seine Kinder 1404 von Simon III. von Sponheim in Kreuznach ins Gefängnis geworfen und erst gegen eine sehr hohe Lösegeldzahlung freigelassen. Die Vereinbarung über die Lösegeldzahlung sah vor, dass Simon III. von Sponheim und König Ruprecht III. von der Pfalz jeweils die Hälfte des enormen Restvermögens Gottschalks mit Ausnahme der im Wohnhaus befindlichen Werte und Dokumente erhalten sollten. Beide erhielten je 7.000 Gulden, 5.150 Gulden hatte Simon III. schon in Mainz ausgezahlt bekommen.Vgl. Staatsarchiv Würzburg (Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 14, Blatt 257); Regesten des Pfalzgrafen Ruprecht III., n. 6770, vom 22. Februar 1404 (Digitalisat bei Regesta Imperii Online); n. 4297, vom 8. oder 9. Januar 1406, Mainz (Digitalisat bei Regesta Imperii Online) u. a.Vgl. Generallandesarchiv Karlsruhe (Kopialbuch Nr. 1340 - Sponheimer Kopialbuch, Blatt 197); Regest des Pfalzgrafen Ruprecht III., n. 6770, vom 22. Februar 1404, Kreuznach (Digitalisat bei Regesta Imperii Online). Für Gottschalk siegelten diese Vereinbarung 1404 die Ritter Johann von Löwenstein [der Alte] und Johann vom Stein.