mini|Liechtensteinisches Landesspital – Sicht von Südosten

Das Liechtensteinische Landesspital (LLS)Die Abkürzung LLS ist keine offizielle (amtliche) Abkürzung. Das Landesspital wird auch oft als Spital Vaduz oder seltener als Landeskrankenhaus bezeichnet. ist das einzige öffentliche Krankenhaus im Fürstentum Liechtenstein. Es hat den Sitz in Vaduz und ist als selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts organisiert.Art 1 Gesetz vom 20. November 2009 betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Liechtensteinische Landesspital, LGBl. 370/2009.

Geschichte Anfänge Die Geschichte des Spitales ist eng verknüpft mit der allgemeinen Versorgung von Armen und Kranken in Liechtenstein. So entstanden ab den 1820er Jahren verschiedene Pläne für den Bau eines liechtensteinischen Spitales, welche jedoch an finanziellen oder politischen Hürden scheiterten. Schliesslich wurde auf Beschluss des liechtensteinischen Landtages der Aufbau einer dezentralen medizinischen Versorgung in Form von Bürgerheimen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschlossen. Im Zuge dieses Ausbaus entstand im Jahr 1892 auch in Vaduz ein Bürgerheim. Dieses wurde vom Landesphysikus Felix Batliner gegründet und die Pflege der Patienten erfolgte in Zusammenarbeit mit den Barmherzigen Schwestern Zams. Das Bürgerheim wurde Anfang der 1920er Jahre zu einer Krankenabteilung und einer Geburtsstation ausgebaut. In den folgenden Jahren erfolgte ein weiterer Ausbau – u. a. mit einem Operationssaal. Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. Band B, S. 889–890.

Ausbau und Umstrukturierungen mini|Ehemaliges Rettungsfahrzeug des Liechtensteinischen Roten Kreuzes Im Jahr 1956 sprach sich der Landtag für den Neu- bzw. Ausbau des Spitales aus, dessen Umsetzung aber erst nach einer Volksabstimmung auf Gemeinde- sowie Landesebene in den Jahren 1977 bis 1981 erfolgte. Im Jahr 1971 wurde zudem vom Liechtensteinischen Roten Kreuz ein eigentlicher Rettungsdienst ins Leben gerufen, wobei das Land Liechtenstein bereits seit 1955 im Besitz eines Rettungsfahrzeuges war.Rettungsdienst in Liechtenstein. Website des Liechtensteinischen Roten Kreuzes. Abgerufen am 4. Februar 2014.

Zu Beginn des Jahres 2000 ging das Spital per Gesetz vom Besitz der Gemeinde Vaduz in Landesbesitz über, welches seither als Stiftung des öffentlichen Rechtes gilt. Zugleich wurde der Name von „Krankenhaus Vaduz“ in „Liechtensteinisches Landesspital“ geändert. Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. Band B, S. 889–890. In den folgenden Jahren wurden wiederum verschiedene Um- bzw. Anbauten umgesetzt – so beispielsweise im Jahr 2004 mit der Errichtung eines neuen Bettentraktes sowie 2009 mit der Inbetriebnahme eines Magnetresonanztomographen (MRI).Portrait des Landesspitales. Website des Liechtensteinischen Landesspitales. Abgerufen am 13. Juli 2017.

Gescheiterte Neubaupläne 2011 Aufgrund des relativ hohen Alters der Gebäude sowie im Hinblick auf die demographische Entwicklung wurde von der liechtensteinischen Regierung ein Projekt für einen Neubau des Liechtensteinischen Landesspitales ausgearbeitet. Dabei sollte bei einem Gesamtverpflichtungskredit von 83 Mio. Franken ein neues Spital am gleichen Standort errichtet werden.Bericht und Antrag der liechtensteinischen Regierung, Nr.54/2011 .

Nachdem der Liechtensteinische Landtag dem Verpflichtungskredit zugestimmt hatte, ergriff ein überparteiliches Komitee das Referendum. Bei der Volksabstimmung vom 28./30. Oktober 2011 wurde der Kredit mit einer Mehrheit von 58,1 % abgelehnt.Abstimmungsergebnis 28./30. Oktober 2011. Information und Kommunikation der Regierung: Abstimmungsergebnisse. Abgerufen am 13. Juli 2017.

Bei einer Abstimmungsanalyse zeigte sich, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zwar ein eigenes Spital wünschte, aber Veränderungen in der Kooperation, sowie im Betriebsmodell (Hybridmodell: Chefarzt- und Belegarztmodell) anzustreben seien. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Investitionskosten in der Höhe von rund 83 Mio. Franken nicht primär ausschlaggebend waren.

Neuausrichtung Als Folge der Ablehnung des Verpflichtungskredites für einen Neubau wurden von den Verantwortlichen des Liechtensteinischen Landesspital sowie der Regierung verschiedene Neuerungen bzw. Änderungen beschlossen. Neben personellen Veränderungen (Stiftungsrat, Spitalleitung) wurden drei zentrale Elemente bei der Neukonzeption verfolgt. So soll anhand des sogenannten «Zürcher Modells» feste Regeln hinsichtlich Betrieb und Organisation verfolgt werden, und damit eine hohe Qualität garantiert werden. Zugleich wurde der Beschluss gefasst, neu ein hybrides Betriebsmodell als Kombination von Chefarzt- sowie Belegarztspital einzurichten. Ausserdem wurde eine vertikale Kooperation mit einem Zentrumsspital angestrebt.. Liechtensteiner Vaterland vom 19. Oktober 2012. Abgerufen am 4. Februar 2014.

Als Zentrumsspital wurde im Januar 2014 das Kantonsspital Graubünden in Chur ausgewählt, da dieses laut der Spitalleitung den Bedürfnissen des Landesspitales sowie der Bevölkerung am besten entsprechen würde.Kooperation mit Kantonsspital Graubünden . Liechtensteiner Vaterland vom 29. Januar 2014. Abgerufen am 4. Februar 2014. Die Entfernung zwischen Vaduz und Chur beträgt etwa 40 km (Fahrzeit ca. 30min), zwischen Vaduz und dem Landeskrankenhaus Feldkirch 15 km (Fahrzeit ca. 25min). Zudem sind verschiedene bauliche Massnahmen umgesetzt worden: So wurde beispielsweise eine neue Notfallstation errichtet, die Operationssäle sowie die Zentralsterilisation renoviert und der Helikopterlandeplatz saniert.Bericht und Antrag der liechtensteinischen Regierung, Nr.54/2017, S. 32.

Im Jahr 2014 wurde aber auch der Entschluss gefasst, die Geburtenabteilung zu schliessen: Der Weggang von drei Belegärzten im Bereich der Gynäkologie hätte eine Neuorganisation der Geburtshilfe notwendig gemacht. Obwohl verschiedene Szenarien geprüft wurden, konnte gemäss Spitalleitung keine den Qualitätsansprüchen genügende Lösung gefunden werden.Landespital muss Geburtshilfe einstellen. Medieninformation des Liechtensteinischen Landesspitals vom 15. Januar 2014, S. 2. Die Spitalleitung betonte jedoch auch, dass eine Wiedereröffnung der Geburtenabteilung in Zukunft geprüft werden könnte.Landespital muss Geburtshilfe einstellen. Medieninformation des Liechtensteinischen Landesspitals vom 15. Januar 2014, S. 2. Voraussetzung dafür wäre – neben den Räumlichkeiten – ein entsprechender Ausbau der Chirurgie (inklusive Anästhesie), um die Qualitätsanforderungen erfüllen zu können.Landespital muss Geburtshilfe einstellen. Medieninformation des Liechtensteinischen Landesspitals vom 15. Januar 2014, S. 2. Mit der Anstellung von leitenden Ärzten im Bereich der Chirurgie sowie Anästhesie wurden dahingehend erste Schritte unternommen.Landesspital schafft Chefanästhesisten-Stelle. Medieninside.ch, 30. August 2016.

Schlüsselrolle während der COVID-19-Pandemie Nachdem die COVID-19-Pandemie in Liechtenstein seit März 2020 als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie auftrat, die im Dezember 2019 in der Volksrepublik China ihren Ausgang nahm, kam dem Landesspital schnell eine Schlüsselrolle im Land zu. Das Spital richtete für Verdachtsfälle ein Beratungstelefon unter der Nummer +423 235 45 32 ein. Die Hotline ist von Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar.Liechtensteinisches Landesspital: Landesspital Liechtenstein. Online unter www.landesspital.li. Abgerufen am 20. März 2020.Regierung von Liechtenstein: . 27. Februar 2020. Online unter www.vaterland.li. Abgerufen am 20. März 2020. Positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestete Liechtensteiner werden in Heimquarantäne und bei schweren Verläufen im staatlichen Krankenhaus isoliert. Die erste Person wurde am 3. März unter Quarantäne gestellt.Junger Mann positiv auf Corona-Virus getestet. Bis zum 23. März 2020 stieg die Zahl der Infizierten auf 51 in Liechtenstein wohnhafte Personen.Regierung von Liechtenstein: . 23. März 2020. Online unter www.regierung.li. Abgerufen am 23. März 2020. Bis zu diesem Tag wurden beim Landesspital bereits 750 Corona-Verdachtsfälle getestet.

Am 23. März 2020 gab die Regierung von Liechtenstein mehrere Maßnahmen im Gesundheitssystem bekannt. Da aufgrund der steigenden Fallzahlen im Land auch mit weiteren schweren Krankheitsverläufen gerechnet werden müsse, wolle man neben den bisherigen Betten im Liechtensteiner Landesspital weitere Kapazitäten im Haus St. Peter und Paul schaffen, um sich auf diese Situation vorzubereiten. Ebenfalls solle eine „Drive-Through-Testanlage“ eingerichtet werden, mit der man Verdachtsfälle in Liechtenstein besser testen könne. Bislang fand die Probenentnahme für Labortests im Landesspital statt. Nach telefonischer Voranmeldung können die zu testenden Verdachtsfälle zukünftig mit ihrem eigenen Auto für die Probenentnahme erscheinen und während des Testvorgangs im Wagen sitzen bleiben. Das Spital könne sich so besser auf den regulären Betrieb konzentrieren. Zusätzlich zu den bestehenden Beatmungsgeräten im Landesspital wurden im Zuge der Corona-Krise im März 2020 fünf weitere Beatmungsgeräte angeschafft. Falls es die Lage erfordere, wolle man darüber hinaus noch weitere Beatmungsplätze im Spital einrichten.Vaterland.li: Bisher 750 Personen in Liechtenstein getestet. 23. März 2020. Online unter www.vaterland.li. Abgerufen am 23. März 2020.

Geplanter Neubau Obwohl in den vergangenen Jahren die Infrastruktur des Landesspitals in verschiedenen Bereichen erneuert wurde, blieben verschiedene strukturelle Mängel bestehen (z. B. Zufahrt, Patientenzimmer, technische Installationen).Bericht und Antrag der liechtensteinischen Regierung, Nr.16/2019, S. 48-52. Dieser Umstand veranlasste die Regierung unterschiedliche Varianten für eine umfassende Erneuerung des Spitals zu prüfen, wobei diese zum Schluss kam, dass ein Neubau an einem neuen Standort die beste Lösung darstelle.Bericht und Antrag der liechtensteinischen Regierung, Nr.16/2019, S. 8. Der Landtag hatte sich im Februar 2019 erstmals mit den Neubauplänen auseinandergesetzt: Dabei war einerseits weitgehend unbestritten, dass Liechtenstein weiterhin ein eigenes Spital haben sollte.Regierung soll mehrere LLS-Varianten näher prüfen. In: Liechtensteiner Volksblatt. 28. Februar 2019. Andererseits wurde eine umfassende Sanierung bzw. Erweiterung des bestehenden Gebäudes sowie ein Neubau am bestehenden Standort auch vom Landtag als nicht zielführend beurteilt.Regierung soll mehrere LLS-Varianten näher prüfen. In: Liechtensteiner Volksblatt. 28. Februar 2019. Stattdessen wurde die Regierung beauftragt einerseits eine allfällige Umnutzung eines leerstehenden Privatklinikgebäudes zu prüfen und andererseits einen Neubau an verschiedenen in Frage kommenden Standorten näher zu untersuchen.Regierung soll mehrere LLS-Varianten näher prüfen. In: Liechtensteiner Volksblatt. 28. Februar 2019.