mini|Lageplan des Kennelgebiets (openstreetmap.org 2014) Der Kennel, auch Kennelgebiet oder Kennelteiche, ist ein Ensemble künstlich angelegter Teiche in der Braunschweiger Okeraue südlich des Eisenbütteler Wehres. Das Gebiet westlich der Oker gegenüber dem Schloss Richmond wurde im 18. Jahrhundert in die Planung des Richmondparks einbezogen und in verschiedenen Etappen umgestaltet.

Die erste teichartige Erweiterung der Oker erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Anlage von Neu-Richmond. Die heutigen zwei Kennelteiche, von denen einer als Freibad genutzt wird, sind 1883 für die Braunschweiger Wasserversorgung eingedeicht worden, die in diesem Gebiet bis in die 1960er Jahre präsent war. Der unterhalb des Schlosses gelegene Spielmannsteich wurde erst um 1960 ausgebaggert, der Säulentempel im Jahr 2000 aufgestellt.

Das Kennelgebiet verbindet den Braunschweiger Bürgerpark mit dem südlich gelegenen Südseegebiet zu einer Naherholungsfläche und ist in Teilen Bestandteil des Richmondparks. mini|Blick auf den Badestrand des Kennelbads mit Badehaus (September 2013). mini|Blick über den Spielmannsteich zum Schloss Richmond (2014).

Geographie Lage und Landschaftsbild Der Kennel liegt in der zur Braunschweiger Kernstadt gehörenden Feldmark Wilhelmitor westlich der Oker und grenzt an die südlich gelegene Feldmark Rüningen und im Südosten an Melverode. Beide Orte gehören heute zum Stadtgebiet Braunschweig. Der historische Flurname Auf der Doven Hufe im südwestlichen Kennelgebiet deutet auf unergiebiges Land hin, der Name Papendieck oder Papenbruch im Bereich der heutigen Teiche auf sumpfiges Gelände.

Im Norden liegen das Eisenbütteler Wehr, das Messegelände im früheren Einzugsbereich des Alten Bahnhofs und ein Kleingartenverein. Landschaftsprägend sind die in West-Ost-Richtung verlaufenden bis zu 20 Meter hohen Bahndämme mit ihren Brücken, von denen die hohe bogenförmige südliche Okerbrücke mit ihrem ausgeprägten Echo am auffälligsten ist. Die Dämme schneiden das Gebiet der Okeraue optisch und kleinklimatisch vom Bürgerpark und der Braunschweiger Innenstadt ab. Zwischen den Dämmen befindet sich ein Parkplatzgelände, das in der Vergangenheit gelegentlich für Open-Air-Konzerte genutzt wurde.

Im Süden wurde auf Rüninger Gebiet 1965 der als Südtangente bezeichnete Abschnitt der heutigen Bundesautobahn A 39 errichtet. Das für den Damm benötigte Material wurde aus dem dadurch entstandenen Südsee gewonnen. Fahrdamm und Brücken der Autobahn begrenzen das Gebiet heute nach Süden. Am westlichen Rand verläuft die Bahnstrecke Braunschweig–Bad Harzburg, so dass lediglich im Osten eine natürliche landschaftliche Abgrenzung durch die Oker und den Zuckerberg vorhanden ist.

Geologie und Höhenangaben mini|Hochseilgarten auf einer leichten Geländeerhebung der ehemaligen Insel. Die Okeraue ist durch neuzeitliche Ablagerungen von Schluff, Sand, Kies und Lehm geprägt. Sie ist von Natur aus flach und liegt im Kennelgebiet auf einer Höhe zwischen 71 und . Das Schloss Richmond ist auf etwa an der Westseite des Zuckerbergs gelegen, wo Ton- und Mergelstein aus der Kreidezeit anstehen. Gemäß der Geologischen WanderkarteStadt Königslutter, Naturhistorische Gesellschaft Hannover und Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung (Hrsg.): Geologische Wanderkarte 1:100.000 Braunschweiger Land. Hannover 1984, . wird dieser dem Albium, laut dem Braunschweiger UmweltatlasStadt Braunschweig, Umweltamt, Abt. Umweltplanung und -vorsorge (Hrsg.): Umweltatlas Braunschweig. Braunschweig 1998, . dem Santonium zugeordnet. Das Gebiet gehört naturräumlich zum Börßum-Braunschweiger Okertal.

Im Eingangsbereich des heutigen Kennelbads und beim Hochseilgarten steigt das Gelände auf an, in älteren Karten sind sogar 75 Meter angegeben. Es handelt sich vermutlich um die Überreste der früher hier angelegten Insel.

Geschichte des Kennelteichs Landschaftspark Schloss Richmond mini|Heutige Blickachsen vom Schloss Richmond in den Park bzw. das Kennelgebiet (2014). Im 18. Jahrhundert bot die Landschaft vom Zuckerberg aus noch zahlreiche Blickachsen zur Braunschweiger Innenstadt, nach Broitzem und zum Harzvorland, was für die Standortwahl des Schlosses und die Anlage des Parks ausschlaggebend war. Die seit 1838 im Westen verlaufende Bahnlinie liegt nahezu auf Geländeniveau und griff im Gegensatz zu den späteren Verkehrswegen kaum in das Landschaftsbild ein, das durch die Okeraue bestimmt wurde.

Das Kennelgebiet unterhalb des Schlosses auf dem linken Ufer der Oker wurde zusammen mit dem Zuckerberg vom damaligen Herzog für seine Gattin Augusta von Hannover erworben und von Lancelot „Capability“ Brown in die Planung eines Landschaftsgartens einbezogen. Der Schlosspark erstreckte sich ab 1768 vorwiegend an den Hängen des Zuckerbergs, an der Oker ist ein überdachter Kahnanleger überliefert.Heinz-Joachim Tute, Marcus Köhler, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Gartenkunst in Braunschweig. Von den fürstlichen Gärten des Barock zum Bürgerpark der Gründerzeit. Stadtbibliothek, Braunschweig 1989, ISBN 3-87884-037-3.

Später folgten ein Rundtempel am Ufer und eine Einsiedelei am bewaldeten Südhang. Eine Umgestaltung der Landschaft jenseits der Oker ist für diese Zeit nicht überliefert. Landschaftsbilder des frühen 19. Jahrhunderts zeigen eine eher romantisierte landwirtschaftliche Nutzung.Wilhelm Pätz: Braunschweig Gesamtansicht von Süden. um 1825, Lithographie, Fundstelle: Braunschweig - das Bild der Stadt in 900 Jahren. Städtisches Museum Braunschweig 1985.

Neu-Richmond und der Kennelteich mini|Situationsplan von den herzoglichen Besitzungen zu Richmond, wahrscheinlich um 1850 entstanden. Schloss und Park von Richmond verloren nach der Flucht der Herzogin im Jahr 1806 zunächst an Bedeutung. Neuerliche Wertschätzung erlangte die Anlage, nachdem Herzog Karl II. 1830 aus dem Braunschweiger Schloss vertrieben wurde und sein Bruder Wilhelm als neuer Regent in Richmond Quartier bezog. Er betrieb durch Landaufkäufe die Erweiterung des Parks, auch nach Norden auf das heutige Grundstück des Braunschweig-Kollegs. Dort entstand Neu-Richmond mit den Bauwerken der Herzoglichen Villa und des Kavalierhauses Williamscastle.

Der Hofgärtner Johann Christian Burmester plante die Umgestaltung des Wiesengeländes Papendieck, das sich sowohl auf Braunschweiger wie auf Rüninger Gebiet befand, zu einer Teichlandschaft. Auf einem , der vermutlich um 1850 erstellt wurde, sind die Oker und ein weiträumiger Teich mit einer bewaldeten Insel skizziert. Das südliche Ufer dieser Erweiterung verläuft auffallend geradlinig entlang der Grenze zur Rüninger Feldmark, obwohl auch das auf Rüninger Gebiet gelegene Gelände als Herzogliche Wiesen ausgewiesen wurde.H. Hoffmann: Situationsplan von den herzoglichen Besitzungen zu Richmond. Maßstab 1:3000, vermutlich um 1850, Niedersächsisches Staatsarchiv in Wolfenbüttel. Fundstelle Heinz-Joachim Tute, Gert-Dieter Ulferts: Richmond - Bilder aus 225 Jahren Geschichte. Braunschweig 1993.

Die Lage der Insel entspricht der heute noch vorhandenen Geländeerhebung im nördlichen Bereich des Kennelbads. Die Insel erhielt einen Kahnanleger und um 1842 eine Badegrotte. Der Parkbereich um Neu-Richmond erhielt einen Kanal mit einem kleinen Okerhafen und einem Bootshaus. Auch ein größerer Teich rechtsseitig der Oker ist überliefert. Am Nordufer des Kennelteichs wurde ein Badehaus für den Herzog erbaut. Um 1846 hatte der gesamte Park einschließlich der Charlottenhöhe seine größte Ausdehnung mit etwa 60 Hektar erreicht.

Mit dem Ausbau der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg wurde 1870 ein mehrere Meter hoher Bahndamm in West-Ost-Richtung südlich des Eisenbütteler Wehrs aufgeschüttet, der den Schlosspark nach Norden künstlich begrenzte und eine einschneidende landschaftliche Veränderung darstellte. Das sicherlich nicht lautlose Straßenbahn-Depot in Eisenbüttel wurde 1897 errichtet.

Bereits ab 1848 schwand das Interesse des Herzogs an Neu-Richmond, dessen Park zunehmend verwilderte. 1901 wurden die Gebäude endgültig geräumt und 1906 abgerissen.

Das Kennelgut mini|Ausschnitt aus der Karte der Eisenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel, die 1838 eingeweiht wurde. mini|Die Darstellung zeigt die Eisenbahn mit der Herzoglichen Villa von Neu-Richmond, aus einer Sammel-Lithographie, G. Täubert um 1840. Die dargestellte Windmühle ist auch auf der Gesamtdarstellung von Neu-Richmond vom Zuckerberg aus vorhanden. Der landschaftliche Name Kennel ist auf alten Flurkarten und Stadtplänen vor 1830 nicht enthalten, vielmehr wird das Gebiet südwestlich des Eisenbütteler Wehrs mit Ihlenpfuhls Camp und weiter westlich mit Bergfeld und südlich mit Papendieck benannt. Die Bezeichnung Kennel erscheint erst seit der Anlage von Neu-Richmond auf der Planungskarte der Eisenbahnlinie Braunschweig-Wolfenbüttel, wobei das Gebiet deutlich gegenüber den anderen nicht näher bezeichneten Landschaftsteilen als Siedlungsgebiet dargestellt ist.A. Werth (Lithographie) und C. Wicker (Architekt): Karte zur Eisenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel. Schenck’sche Kunsthandlung in Braunschweig, ohne Jahresangabe, abgedruckt in Hauptbahnhof Braunschweig 1960. Bundesbahndirektion Hannover et al., Braunschweig 1960. Die Okererweiterung zum Teich ist dort noch nicht verzeichnet, jedoch verläuft die südliche Grenze des markierten Gebiets nördlich von Alt-Richmond geradlinig in West-Ost-Richtung etwa entlang der heutigen Kennelteiche.

In dem Gebiet ist eine Ansammlung von Gebäuden skizziert. Diese Gebäude einschließlich einer Windmühle sind auch auf verschiedenen Ansichten dargestellt, beispielsweise der von Täubert um 1840. Auf der Schadt-Karte von 1840W. Schadt: Plan der Stadt Braunschweig und Umgebung um das Jahr 1840. Fundstelle Braunschweig - das Bild der Stadt in 900 Jahren. Städtisches Museum Braunschweig 1985. ist der Teich ebenfalls mit seiner geradlinigen Begrenzung vorhanden. Die Bezeichnung Kennel bezieht sich bereits auf das gesamte Gebiet bis zur Flur Die Große Trift, entlang der im Folgenden bis ins 19. Jahrhundert die Feldmarksgrenze zwischen Wilhelmitor und Rüningen verläuft.

Nördlich des Kennelteichs ist auf dem genannten Situationsplan von 1850 die Herzogliche Meierei verzeichnet, etwa auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes. Laut Tute/Köhler ist seit 1833 eine Fasanerie überliefert und später die Meierei. Die Lage entspricht der in der Eisenbahnkarte und ist in der Grundstücksauflistung von 1870 sowohl unter diesem Namen als auch unter mit der Adresse Eisenbüttel 6 gelistet.Institut für vergleichende Städtegeschichte Münster: Deutscher Historischer Städteatlas Nr. 4 Braunschweig. Münster 2013, CD-Beilage „Verzeichnis der Abschätzungen des Mietwerts von Wohnhäusern der Stadt Braunschweig 1875ff“. Tute/Köhler erwähnen auch eine Verpachtung des Kennelguts an Dr. Wolters für die Eisgewinnung zwischen 1912 und 1924. Die Gebäude mussten schrittweise den Eisenbahndämmen weichen.

Auf dem Stadtplan von 1898 wird das Gebiet irrtümlicherweise mit Kendel betitelt, was ähnlich dem rheinischen Kendel oder dem schweizerischen Wort Kennel auf den Ursprung aus einem Kanal oder Gerinne hinweisen könnte. Möglich ist auch der Ursprung im englischen Wort für Hundezwinger.

Nutzung für die Braunschweiger Wasserversorgung Absetzteiche ab 1883 mini|Ausschnitt aus dem Ortsbauplan von 1889, auf dem das Gebiet mit Kendel betitelt wird. Deutlich sind die Absetzteiche zu sehen. 1865 nahm das Flusswasserwerk im Bürgerpark seinen Betrieb auf, das Okerwasser aus zwei Absetzteichen bezog. Sie lagen gegenüber dem Wasserwerk am westlichen Ufer im damaligen Eisenbahnpark auf der Höhe der heutigen Fußgängerbrücke bei der ehemaligen Eisenbahner-Badeanstalt. Die Verweilzeit des Okerwassers in den Teichen betrug zwei Tage. Das vorgereinigte Wasser wurde nach einem weiteren Filtergang beim Wasserwerk in das Trinkwassernetz der Stadt gepumpt.