mini|hochkant=1.3|Gustav Kuntzsch inmitten seiner Mitarbeiterschaft, 1890er Jahre
Gustav KuntzschIn der Literatur finden sich folgende falsche Schreibweisen: Kautzsch, Knutzsch, Kuhnsch, Kuhntzsch, Künsch, Kunsch, Kuntsch, Kuntz, Kuntzel, Kuntzsche und Kunzsch. Im nicht deutschen Schrifttum liest man die Namenübersetzungen: Gustave Kuntzsch (französisch), Gustava Kuntzscha (polnisch). (vollständiger Name: Carl Gustav Kuntzsch; * 14. August 1848 in Gohlis; † 2. Oktober 1919 in Wernigerode) war ein deutscher Holzbildhauer des Historismus.Taufbuch von Eutritzsch, Jg. 1848, S. 32, Nr. 65 (Gohlis war bis 1870 eingepfarrt nach Eutritzsch.).Sterberegister Standesamt Wernigerode Nr. 230 vom 3. Oktober 1919.Sterberegister der Evangelischen Christusgemeinde Wernigerode-Schierke, Registereintrag 7/1919/60 A.
Leben Gustav Kuntzsch war der Sohn eines Krämers und Markthelfers, der ältere Bruder des Imkers und Bienenforschers Max Kuntzsch (1851–1919).Taufbuch von Eutritzsch, Jahrgang 1851, S. 89, Nr. 22.Erich Schwärzel: Durch sie wurden wir – Biographie der Grossmeister und Förderer der Bienenzucht im deutschsprachigen Raum. Verlag Die Biene, Gießen 1985, S. 134 ff., . Über seinen Ausbildungsweg fehlen detaillierte Daten. Anfang der 1870er Jahre studierte er mittelalterliches Kirchenmobiliar in Nürnberg und München.Mittheilungen aus Vereinen. Architekten-Verein zu Berlin. In: Deutsche Bauzeitung, 19. Jg., Nr. 53/1885, Kommissions-Verlag von Ernst Toeche, Berlin 1885, S. 336.Alexander Schnütgen, Bücherschau. - Musterblätter der Anstalt für kirchliche Kunst in Wernigerode. In: Zeitschrift für christliche Kunst, VI. Jg., 1893, Nr. 8, Sp. 256. Ab Michaelis 1875 war er an der Königlichen Akademie der bildenden Künste zu Leipzig in der Abteilung für Bildhauerei bei Bildhauer Melchior zur Strassen eingeschrieben.Eintrag in der Stammrolle (Matrikelverzeichnis) der Akademie der bildenden Künste zu Leipzig (Aufnahme: Michaelis 1875).Am 14. März 1876 heiratete er in Nürnberg Anna Maria Derr (* 22. Juli 1854 in Kitzingen; † 19. März 1939 in Wernigerode).Heiratsregister 1876 des Standesamts Nürnberg C 27/III Nr. 3, Eintrag 166 [StadtAN].Taufregister 1854 der ev.-luth. Kirchengemeinde Kitzingen, S. 166, Nr. 68.Sterberegister der Ev. Christusgemeinde Wernigerode-Schierke, Registereintrag 7/1939/11.
1876 eröffnete Kuntzsch in der Salzbergstraße 4 in Hasserode (seit 1907 Stadtteil von Wernigerode) die Firma Anstalt für kirchliche Kunst, die um 1889 nach Wernigerode in die Gartenstraße 4 verlegt wurde. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts bevorzugte man bei der Anfertigung von Kirchengeräten den gotischen Stil (NeogotikDie Neogotik des späten 19. Jahrhunderts, jahrzehntelang als Schreiner-, Tischler- oder Brettlgotik diffamiert, ist heute als künstlerisch eigenständiger Ausdruck einer Epoche anerkannt.). Aufgrund der Kuntzsch’en Werkstatt wurde Wernigerode zu einem Hauptsitz dieser modernen Industrie.Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 11. Leipzig 1907, S. 42–43. Kuntzsch-Arbeiten findet man von Wittstedt (heute: Vedsted) bis Freiburg im Breisgau und von Wiefels in Friesland bis Königsberg (heute: Kaliningrad), die Schwerpunkte seines Wirkens lagen in und um Berlin und in der Harzregion. Mit dem Missionar Johannes Arndt der Berliner Mission gelangte ein Kruzifix 1881 sogar als Reisegepäck auf dem britischen Dampfschiff Anglian von Deutschland nach Südafrika.
Die Firma Kuntzsch arbeitete mit namhaften Architekten zusammen, unter anderem mit Friedrich Adler,St.-Eustachius-Kirche Atzendorf, Stadtkirche Biedenkopf und St.-Jakobi-Kirche Luckenwalde. Hermann Blankenstein,Hospital und Siechenhaus in Berlin-Prenzlauer Berg. Wilhelm Böckmann,Erbprinzliches Palais Dessau Georg Eberlein,St. Markus (München). Hermann Ende,Erbprinzliches Palais Dessau Carl Frühling,Carl Frühling (vollständiger Name: Heinrich Johannes Carl Frühling; * 4. August 1839 in Blankenburg/Harz; † 26. März 1912 in Braunschweig) war ein deutscher Architekt und Baumeister; ab 1880 Gräflich Stolberg-Wernigerödischer Schloßbaumeister.St.-Johannis-Kirche Wernigerode. Rudolf Gottgetreu, Hugo Groothoff,Dankeskirche Hamburg-Hamm. Alfred Günther,Alfred Günther (vollständiger Name: Alfred Christian Günther; * 22. Dezember 1857 in Frankfurt am Main; † 9. September 1934) war ein deutscher Architekt.Diakonissenkirche Frankfurt am Main. Max Hasak,St.-Mauritius-Kirche Berlin-Lichtenberg.St.-Hedwigs-Kirche Berlin-Mitte, Krankenhaus der Grauen Schwestern in Berlin-Mitte und St.-Sebastian-Kirche Berlin-Gesundbrunnen. Conrad Wilhelm Hase,St.-Marien-Kirche Lebendorf, Gutskirche Schönfeld (Bismark) und Erlöserkirche Berlin-Rummelsburg. Friedrich Heitmann,Königin-Luise-Gedächtnis-Kirche Königsberg i.’ Pr. Oskar Hossfeld,Evangelische Kirche Olschöwen und Lutherkirche Röxe. Aage von Kauffmann,Lutherkirche Frankfurt am Main. Arthur Kickton,Bethlehemkirche Neuendorf (Potsdam) und Dorfkirche Bornim (Potsdam). Otto Kilburger,St.-Stephanus-Kirche Halle (Saale). Heinrich Klutmann,Heinrich Klutmann (* 18. August 1847; † 8. Juni 1905) war ein deutscher Architekt und hochrangiger preußischer Baubeamter, tätig in Berlin.Verklärungskirche Berlin-Adlershof. Fritz Laske,Hof- und Garnisonkirche Potsdam. Robert Leibnitz, August Menken, Eduard Messow,Bergkirche Schierke Ludwig Neher, Paul Ochs,Paul Ochs (* 15. Dezember 1855 in Magdeburg; † 1929) war ein deutscher Architekt und Baubeamter.St.-Petri-Kirche Thale. August Orth,Friedenskirche Berlin-Gesundbrunnen und Evangelische Kirche Hundsfeld. Otto Penner,Evangelische Kapelle Beuel. Heinrich Reinhardt,Pauluskirche Magdeburg.Rathaus Dessau. Christian Andreas Schmidt,Christian Andreas Schmidt (auch: Christian A. Schmidt; * 21. November 1822 in Egeln; † 16. Juni 1905 in Magdeburg) war ein deutscher Maurermeister und Architekt.St.-Sebastian-Kirche Lemsdorf. Friedrich Schulze,Königliche Augustaschule, Berlin-Kreuzberg, Dreifaltigkeitskirche Berlin-Mitte, Rathaus Schöneberg (altes Rathaus), Berlin-Schöneberg, Preußisches Abgeordnetenhaus, Berlin-Mitte, und Preußisches Herrenhaus, Berlin-Mitte. Franz Schwechten,Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin-Charlottenburg. Max Spitta,Erlöserkirche Berlin-Rummelsburg, Neue Nazarethkirche Berlin-Wedding, Gnadenkirche Berlin-Mitte, Golgatha-Kirche Berlin-Mitte und Evangelische Kirche in Driesen (Neumark). Georg Süßenguth, Ludwig von Tiedemann,Evangelische Kirche Kranz, Pfingstkapelle Potsdam - Nauener Vorstadt, Bethlehemkirche Neuendorf (Potsdam), Bethanienkirche Berlin-Weißensee, Glaubenskirche Berlin-Lichtenberg, Dorfkirche Deetz, Dorfkirche Bornim (Potsdam), Oberlinkirche Babelsberg und Friedenskirche Berlin-Grünau. Carl Vohl,Dreifaltigkeitskirche Berlin-Mitte Johannes Vollmer,Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche Berlin-Tiergarten, Johanneskirche Dortmund. Eduard Wendebourg,Evangelische Kirche Schladen.Evangelische Kirche in Schladen, abgerufen am 25. Januar 2020. Karl WildeGolgatha-Kirche Berlin-Mitte und Evangelische Kirche in Driesen (Neumark). und Ludwig Winter.Burg Dankwarderode Braunschweig.
Orgelprospekte schuf die Werkstatt Kuntzsch für Musikinstrumente von Orgelbaumeister Bruno Goebel, Königsberg,Königin-Luise-Gedächtnis-Kirche Königsberg i. Pr. Orgelbaumeister Albert Hollenbach, Neuruppin,Dorfkirche Deetz. Orgelbaumeister Friedrich Ladegast, Weißenfels,St.-Johannis-Kirche Wernigerode, St.-Sylvestri-Kirche Wernigerode und St.-Jakobi-Kirche Chemnitz. Orgelbaumeister Emil Reubke,Emil Reubke (* 21. Januar 1836 in Hausneindorf; † 1884 in Hausneindorf) war deutscher Orgelbauer. In Hausneindorf befand sich zwischen 1838 und 1884 über zwei Generationen die Orgelwerkstatt von Adolph Reubke und seinem Sohn Emil. 1884 übernahm Ernst Röver die Werkstatt. Hausneindorf,Paul-Gerhardt-Kirche Schnarrtanne. Orgelbaumeister Ernst Röver, Hausneindorf bei Quedlinburg,Lindenhofskirche Neinstedt und St. Johannis Quedlinburg. Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann sen., Zörbig,St. Agnus Köthen, St.-Marien-Kirche Lebendorf, St.-Petri-Kirche Großmühlingen, Basilika St. Georg & St. Pancratius Hecklingen, Evangelische Kirche Quetz, St.-Johannis-Kirche Barby, St.-Katharina-Kirche Mitteledlau, St.-Eustachius-Kirche Atzendorf, St.-Petri-Kirche Staßfurt, Gemeinsaal Gnadau, St.-Veit-Kirche Schwittersdorf, Evangelische Kirche Virchow, St. Stephanus Halle (Saale), Dorfkirche Jütrichau, St.-Eustachius-Kirche Irxleben und Dorfkirche Kölsa. Orgelbaumeister Wilhelm Sauer, Frankfurt (Oder),Evangelische Kirche Schwetz, Bethlehemkirche Neuendorf (Potsdam) und Evangelische Kirche in Driesen (Neumark). Orgelbaumeister August Troch, Neuhaldensleben,St. Sebastian Samswegen. Orgelbaumeister Robert Voigt,Robert Voigt (vollständiger Name: Robert Gottlob Voigt; * 7. Dezember 1834 in Halberstadt; † 29. April 1898 in Stendal) war ein deutscher Orgelbauer. 1862 eröffnete er in Stendal seine Orgelbauwerkstatt, die nach seinem Tod zunächst von seiner Frau Luise, danach von seinen Söhnen Alfred, Reinhold und Bruno weitergeführt wurde. StendalSt.-Marien-Kirche Bellingen, Dorfkirche Berkau, Dorfkirche Demker und Dorfkirche Wittenmoor. und der Orgelbauwerkstatt Gebrüder Dinse, Berlin-Kreuzberg.St. Sebastian Berlin-Gesundbrunnen und St.-Jakobi-Kirche Luckenwalde.
Die Anstalt für kirchliche Kunst beschäftigte zu Spitzenzeiten – 1880er/1890er Jahre – rund 50 Künstler und Handwerker, die speziell für die einzelnen Arbeiten theoretisch und praktisch vorgebildet waren, darunter Mitarbeiter, die später Berühmtheit erlangten, wie Albert Werner, bekannt geworden unter dem Künstlernamen Albert Werner-Schwarzburg, Ernst Pfeifer und Gotthold Riegelmann.
Im Sommer 1895 streikten die Beschäftigten des Kuntzschen Betriebes für höhere Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit.Eine auf Beschluss des Königlichen Amtsgerichts Halberstadt erfolgte Beschlagnahme einer Ausgabe der von der Halberstädter SPD herausgegebenen Sonntagszeitung, in der über den Streik berichtet worden war, wurde vom Königlichen Landgericht Halberstadt aufgehoben.
Um die Jahrhundertwende 1899/1900 unterhielt der Betrieb in Berlin eine Firmenvertretung: August Wagner, Berlin-Schöneberg, Kurfürstenstraße 167.Anzeiger für Architektur, Kunsthandwerk und Bau-Industrie. Beilage der Blätter für Architektur und Kunsthandwerk. Verlag der Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, Berlin. 10. Jg., 1907, Nr. 8–12, S. 123, 139, 157, 173, 189; 11. Jg., 1908, Nr. 1–7, S. 7, 23, 39, 55, 71, 87 u. 99.R. Lang u. J. Habicht (Hrsg.): Deutsches Baujahrbuch für Veranschlagung und Verdingung, 5. Jg., Nord-, Ost- und Mitteldeutsche Ausgabe. Verlag „Das Deutsche Baujahrbuch“ J.J. Arnd, Leipzig 1908, Anzeige zwischen S. 208 u. 209.
Am 1. September 1899 übergab Kuntzsch den Betrieb an den Kaufmann Friedrich Grahmann aus Duisburg und den Bildhauer Georg MaletzGeorg Maletz (* 3. März 1860 in Frankfurt (Oder); † 4. September 1903 in Wernigerode). aus Wernigerode. Der Firmenname blieb erhalten.Gewerberegister Wernigerode Nr. 27/1899.Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt, 6. September 1899.
Nachdem die Erben des am 4. September 1903 verstorbenen Gesellschafters Georg Maletz aus der Gesellschaft ausgeschieden waren, war Friedrich Grahmann ab 12. November 1903 alleiniger Inhaber der Firma Kuntzsch.
Am 1. Juli 1904 wurde die Firma von Paul Knoff übernommen,Gewerberegister Wernigerode Nr. 131 / 1904. der den Betrieb 1916 einstellte.
Am 16. November 1916 ist die Firma G. Kuntzsch in Wernigerode erloschen.
Werke
Firma Gustav Kuntzsch
mini|hochkant|links|Briefverschlussmarke der Firma Gustav Kuntzsch mini|hochkant|Krummelsches Haus, Wernigerode (um 1900) mini|hochkant|Innenansicht der Bergkirche Schierke
mini|hochkant|Blick in den Chor der St.-Martini-Kirche Halberstadt (um 1902) mini|hochkant|Innenansicht der St.-Sylvestri-Kirche Wernigerode (um 1900) mini|hochkant|Orgel der St.-Johannis-Kirche Wernigerode mini|hochkant|Altar der St.-Nikolai-Kirche Baalberge mini|hochkant|Kanzel der Amesdorfer Kirche mini|hochkant|Kanzel der evangelischen Kirche Reppichau (ehemals in der Kirche Thurau)