mini|Trauerinstallation nach einem Verkehrstod an einer Kreuzung in Hamburg-Horn (2018) mini|Ghostbikes zeigen in vielen Ländern Unfallstellen an, wo es zu tödlichen Unfällen mit Radfahrern kam (Berlin, Frankfurter Allee). alternativtext=Vielleicht der erste Verkehrstote in Deutschland?|mini|Vielleicht der erste PKW-Verkehrstote in Deutschland? Unter dem Begriff Verkehrstod werden Todesfälle im Zusammenhang mit dem Verkehrswesen zusammengefasst. Häufig wird unter Verkehrstod ein Unfalltod im Straßenverkehr verstanden, da international mehr als 90 % der Unfalltode im Straßenverkehr auftreten – in wohlhabenden Industriestaaten in der Regel im Individualverkehr. 50 bis 60 % der Verkehrstoten sind keine Autoinsassen (Fahrer und Beifahrer), sondern Fahrer von Motorrädern, Mofas, Fahrrädern oder Fußgänger.

Die Zahlen der Verkehrstoten und der Unfallursachen werden in vielen Ländern in Form einer Unfallstatistik erfasst. Sie kann, bezogen auf die Einwohnerzahl oder auf die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge, als Indiz für die Qualität der Verkehrswege und das Fahrverhalten der Kraftfahrer herangezogen werden. In fast allen Ländern der europäischen Union hat die Zahl der Verkehrstoten in der Zeit zwischen 1970 und 2020 deutlich abgenommen, wobei gleichzeitig das Verkehrsaufkommen stark angestiegen ist. Diese Entwicklung wird als positive Wirkung von in dieser Zeit vorgenommenen Maßnahmen zur Straßenverkehrssicherheit angesehen.

Nicht berücksichtigt sind in dieser Statistik Todesfälle durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung, die in manchen Staaten mehr Verkehrstote verursacht als Verkehrsunfälle.

Straßenverkehr Geschichte Schon vor der Einführung des Autos gab es Verkehrstote durch Kutschen und Fuhrwerke. Der vermutlich erste Mensch, der im motorisierten Straßenverkehr getötet wurde, war Bridget Driscoll, die am 17. August 1896 in London beim Überqueren einer Straße von einem Automobil mit Verbrennungsmotor erfasst wurde und wenige Minuten später an der zugefügten Kopfverletzung starb. Als der erste Unfalltote des motorisierten Verkehrs in Amerika gilt Henry Bliss, der am 13. September 1899 in New York von einem Elektroauto angefahren wurde und an den Verletzungen am folgenden Tag starb.

Angesichts schnell steigender Opferzahlen des motorisierten Verkehrs sorgte in den 1920er Jahren eine massive Kampagne der Automobillobby in den USA dafür, dass die zuvor von allen Verkehrsteilnehmern gemeinsam genutzte Straße dem Automobil vorbehalten wurde und Fußgänger und Radfahrer an die Seite gedrängt wurden.Holger Holzer: Motor-Geschichte: Wie das Auto zum Chef auf der Straße wurde, Die Welt, 14. Juni 2013Joseph Stromberg: The forgotten history of how automakers invented the crime of "jaywalking", Vox, 4. November 2015

Dimensionen alternativtext=Der Jeep von Michael Warshitsky, der am 1. Februar 2016 als Opfer eines illegalen Autorennens in Berlin starb.|mini|Der Jeep von Michael Warshitsky, der am 1. Februar 2016 als Opfer eines illegalen Autorennens in Berlin starb. Bereits die Summe der nationalen Erhebungen ergibt jährlich weltweit etwa 600.000 Todesfälle, also täglich im Durchschnitt circa 1.600 Tote. Die tatsächlichen Zahlen liegen jedoch wesentlich höher, da beispielsweise in einigen Staaten (speziell in Afrika) keine diesbezüglichen Statistiken geführt werden. Nach Erhebungen und Schätzungen von Weltbank und Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich etwa eine Million (Weltbank) bis 1,2 Millionen (WHO) Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen (Stand 2003)., science.orf.at Nach einer Schätzung der WHO von 2018 betrug die Zahl der Verkehrstoten weltweit in jenem Jahr 1,35 Millionen. Die Zahl der Verkehrstoten liegt damit weit über den Opferzahlen von Krieg, Genozid oder Terrorismus. Die Anzahl der Verletzten wird auf jährlich etwa 40 Millionen geschätzt. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von etwa 5-29 Jahren sind Verkehrsunfälle weltweit die häufigste Todesursache. Auch und gerade, wenn sich diese Personen zu Fuß, auf dem Fahrrad oder anderweitig nicht-motorisiert fortbewegen.

In der EU geht die Zahl der im Verkehr getöteten oder verletzten Personen kontinuierlich zurück. Im Zeitraum 2006 bis 2015 ging die Zahl der getöteten Personen von 43.718 auf 26.132 und die der verletzten Personen von 1,34 Mio. auf 1,08 Mio. zurück. Auch in anderen Industrienationen sind die Opferzahlen seit etwa 1970 stark rückläufig. Im globalen Süden sind jedoch die Zahlen generell (zum Teil stark) steigend, da die Massenmotorisierung zunimmt und Zustand der Fahrzeuge und Infrastruktur sowie Einhaltung (und Kontrolle) der Verkehrsregeln nicht denselben Standards genügen wie in Europa oder Nordamerika.

In die Statistik der Verkehrstoten gehen nur Opfer von Verkehrsunfällen ein. Vorzeitiger Tod durch Luftverschmutzung wird daher in ihr nicht erfasst. Anders als die Opfer von Verkehrsunfällen, lässt sich der Einfluss der Luftverschmutzung im Einzelfall nur selten nachweisen. Ihre Wirkung wird daher mit statistischen Mitteln geschätzt. In manchen Ländern übersteigt dieses Risiko die Wahrscheinlichkeit durch einen Verkehrsunfall ums Leben zu kommen.

Verkehrstote nach Ländern

Die Kriterien, nach denen die Zahl der Verkehrstoten erfasst werden, sind je nach Land leicht unterschiedlich. Das gilt insbesondere für die maximale Zeit nach dem Unfall, während der ein Unfallopfer in die Statistik der Verkehrstoten aufgenommen wird. In Europa wird üblicherweise die 30-Tage-Frist verwendet. Das heißt: nur eine Person, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen eines Verkehrsunfalls verstirbt, gilt als Verkehrstoter. Deutschland Bereits im Jahre 1929 wurden in Deutschland 5.867 Verkehrstote gezählt.Deutschland ist zu arm für Luxusstraßen. Welt Online, 3. August 2007 Aufgrund der stetig steigenden Zahl an Verkehrstoten wurden in der BRD ab 1971 Kampagnen wie Hallo Partner – danke schön durchgeführt, um ihre Anzahl zu verringern. Parallel dazu sorgten Änderungen im Verkehrsrecht wie die Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen auf 100 km/h oder die Einführung der Gurtpflicht für einen stetigen Rückgang. Vor allem der Ausbau des Unfallrettungswesens, angefangen mit Notrufsäulen an Autobahnen (Kampagne der Björn Steiger Stiftung) bis hin zu Rettungshubschraubern, wodurch die Zeit zwischen Verletzung beim Unfall und der Einlieferung ins Krankenhaus radikal verkürzt wurde, bewirkte einen Rückgang der Sterbefälle.

Bemerkenswert ist dieser Rückgang vor dem Hintergrund gleichzeitig kontinuierlich ansteigender Kraftfahrzeugbestände.

Die Rate der Verkehrstoten in (Gesamt-)Deutschland ist von über 100 pro 100.000 Fahrzeuge im Jahr 1970 auf unter 10 ab dem Jahr 1995 und unter 5 ab dem Jahr 2020 gefallen. In Europa liegen Verkehrsunfälle als Todesursache deutlich hinter legalen Drogen oder Suizid. Auch der Suizid im Straßenverkehr ist eine Ursache für Verkehrsunfälle.

Für Deutschland wurde im Jahr 2017 die Zahl der Personen, die durch Luftverschmutzung vorzeitig sterben auf etwa 11.000 Menschen geschätzt. Damit ist diese Zahl rund 3,5-mal höher als die Zahl der Todesopfer durch Unfälle.

Jahr Staat Verkehrstote insgesamtQuelle der Angaben in Klammern: gbe-bund.de → Gesundheitliche Lage → Sterblichkeit → Mortalität und Todesursachen → Tabellen → Sterbefälle durch Unfälle nach äußeren Ursachen und Unfallkategorien (ab 1998). Gliederungsmerkmale: Jahre, Region, Alter, Geschlecht, Nationalität, ICD-10 (V-Y), Unfallkategorie Verkehrstod.Einwohnerzahl in MillionenTote pro 100.000 Einwohner In % zum Vorjahr davon Pkw-Insassen motori­sierter Fahrzeug­bestand in MillionenAb 2008 Zahlen für am Straßenverkehr teilnehmende Fahrzeuge ohne vorübergehend stillgelegte Fahrzeuge. Quelle: destatis.de (PDF) destatis.de Tote pro 100.000 Kfzbezogen auf am Verkehr teilnehmende Fahrzeuge, soweit separate Zahlen verfügbar 1912 442 64,2 0,7 k. A. k. A. 0,07 631,4 1938 7.35468,410,8 k. A. k. A. 3,2 229,8 1950 7.40868,410,8 k. A. k. A. 2,4 308,7 1960 16.47772,722,7 +4,2 % k. A. 11,6 142,0 1970 21.33277,827,4 +15,3 % k. A. 20,8 102,6 1980 15.050 (15.719)78,319,2 −1,4 % 6.915 33,8 44,5 1981 13.635 (14.525)78,417,4 −9,4 % 6.210 34,5 39,5 1982 13.450 (14.083)78,317,2 −1,4 % 5.990 35,1 38,3 1983 13.553 (14.204)78,117,4 +0,8 % 6.487 35,8 37,9 1984 12.041 (12.750)77,815,5 −11,2 % 5.612 36,6 32,9 1985 10.070 (10.778)77,613,0 −16,4 % 4.582 37,4 26,9 1986 10.620 (11.365)77,613,7 +5,5 % 5.049 38,5 27,6 1987 9.498 (10.172)77,712,2 −10,6 % 4.655 39,5 24,0 1988 9.862 (10.771)78,112,6 +3,8 % 4.964 40,6 24,3 1989 9.779 (10.497)78,712,4 −0,8 % 4.956 41,7 23,5 1990 11.046 (11.526)79,413,9 +13,0 % 6.256 43,6 25,3 1991 11.300 (11.726)80,014,1 +2,3 % 6.801 38,2 29,6 1992 10.631 (11.062)80,613,2 −5,9 % 6.431 44,1 24,1 1993 9.949 (10.298)81,212,3 −6,4 % 6.128 47,2 21,1 1994 9.814 (10.072)81,412,1 −1,4 % 5.966 48,2 20,4 1995 9.454 (9.574)81,711,6 −3,7 % 5.929 49,2 19,2 1996 8.758 (8.944)81,910,7 −7,4 % 5.622 50,1 17,5 1997 8.549 (8.739)82,110,4 −2,4 % 5.249 50,7 16,9 1998 7.792 (7.803)82,09,5 −8,9 % 4.741 51,2 15,2 1999 7.772 (7.866)82,19,5 −0,3 % 4.640 52,4 14,8 2000 7.503 (7.588)82,29,1 −3,5 % 4.396 53,1 14,1 2001 6.977 (7.012)82,48,5 −7,0 % 4.023 54,1 12,9 2002 6.842 (6.917)82,58,3 −1,9 % 4.005 55,0 12,4 2003 6.613 (6.684)82,58,0 −3,3 % 3.774 55,2 12,0 2004 5.842 (5.972)82,57,1 −11,7 % 3.238 55,7 10,5 2005 5.361 (5.458)82,56,5 −8,2 % 2.833 56,3 9,5 2006 5.091 (5.174)82,46,2 −5,0 % 2.683 56,7 9,0 2007 4.949 (5.011)82,36,0 −2,8 % 2.625 57,4 8,6 2008 4.477 (4.663)82,15,5 −9,5 % 2.368 51,3 8,7 2009 4.152 (4.330)81,95,1 −7,3 % 2.110 51,8 8,0 2010 3.648 (3.812)81,84,5 −12,1 % 1.840 52,3 7,0 2011 4.009 (4.199)80,25,0 +9,9 % 1.986 52,9 7,6 2012 3.600 (3.827)80,44,5 −10,2 % 1.791 53,8 6,7 2013 3.339 (3.614)80,84,1 −7,3 % 1.588 54,5 6,1 2014 3.37781,24,2 +1,1 % 1.575 55,0 6,1 2015 3.45982,24,2 +2,4 % 1.620 53,7 6,4 2016 3.21482,53,9 −7,1 % 1.531 54,6 5,7 2017 3.18082,73,8 −1,1 % 1.434 55,6 5,5 2018 3.26582,83,9 +2,7 % 1.424 56,5 5,8 2019 3.04683,03,7 −6,7 % 1.364 57,3 5,3 2020 2.71983,23,3 −10,6 % 1.170 58,1 4,7 2021 2.56283,23,1 −5,6 % 1.118 59,0 4,320222.78884,33,3 +8,8 % 1.192 59,6 4,720232.83984,73,3 +1,5 % 60,14,720242.78084,73,3 −0,98 % 60,74,620252.814

400x400px|mini|Bei Unfällen in Deutschland innerorts Getötete nach Verkehrsbeteiligungsart, 2019. Quelle: Infrastrukturatlas 2020Infrastrukturatlas - Daten und Fakten über öffentliche Räume und Netze (PDF) Berlin 2020, ISBN 978-3-86928-220-6, dort S. 19 Quelle: Statistisches Bundesamt (destatis.de)

Am gefährlichsten sind dabei Unfälle auf Außerortsstraßen, hier kamen 2018 in Deutschland 1.867 Menschen ums Leben, während es innerhalb geschlossener Ortschaften 984 und auf Autobahnen 424 waren.Unfallstatistiken – Verkehrsunfälle in Deutschland Gefahrenstelle, abgerufen am 4. September 2021.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen 2019 die Mehrzahl der 3.046 Verkehrstoten durch Fehlverhalten der Fahrzeugführer ums Leben, wobei allein 921 Todesopfer auf Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit zurückzuführen waren.Die häufigsten Unfallursachen Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, abgerufen am 4. September 2021.

Als Unfallursache werden mangelnde Aufmerksamkeit sowie das Missachten von Verkehrsregeln durch den Fahrzeugführer, als Fehlerhaftes Fahrverhalten zusammengefasst.Verkehrsunfälle Grundbegriffe der Verkehrsunfallstatistik Statistisches Bundesamt, abgerufen am 4. September 2021. Häufige Faktoren sind hierbei überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand, Fehler beim Abbiegen oder Wenden, das Nichtbeachten der Vorfahrt oder sonstiges Fehlverhalten wie Fehler beim Überholen oder eine falsche Straßenbenutzung. Im Jahr 2018 waren Unfallursachen aus diesem Bereich mit insgesamt 89 % die mit Abstand häufigsten Unfallursachen. Mit über 40 separaten Ursachen ist diese Kategorie mit Abstand die umfangreichste.