East Riding of Yorkshire (engl. für ‚Östliches Drittel von Yorkshire‘) ist eine Verwaltungseinheit (Unitary Authority) in England. Sie grenzt an die zeremoniellen Grafschaften North Yorkshire, South Yorkshire und Lincolnshire und umgibt die Stadt Kingston-upon-Hull, die gleichfalls verwaltungstechnisch selbständig ist. East Riding of Yorkshire ist zugleich eine zeremonielle Grafschaft, zu der auch Kingston-upon-Hull gehört.

Das East Riding of Yorkshire ist ein Teil der traditionellen Grafschaft Yorkshire. Der Name stammt von der früheren Unterteilung Yorkshires in Ridings (Drittel). Das Riding war von 1974 bis 1996 ein Teil der ehemaligen Grafschaft Humberside.

Geographie Geographische Lage Der District East Riding grenzt im Süden an das selbstständige Hull sowie an das Ästuar des Humbers, an dessen gegenüberliegender Seite sich die Distrikte North East Lincolnshire sowie North Lincolnshire befinden. Im Südwesten grenzt nachfolgend der zu South Yorkshire gehörende Metropolitan Borough of Doncaster an. Die weiter im Westen und Norden angrenzenden Distrikte Selby, York, Ryedale und Scarborough gehören allesamt zu North Yorkshire. Im Osten grenzt die Nordsee an den Distrikt.

Geologie mini|links|alt=A black and white line drawing of the geological zones of the East Riding of Yorkshire|Geologie des East Riding Geologisch gesehen ist der East Riding in drei Teile aufgeteilt. Der westliche Teil besteht aus dem östlichen Abschnitt des Vale of York sowie der südlichen Fortsetzung hin zum oberen Teil des Humberästuars. In diesem Gebiet befindet sich ein Sandsteingürtel, welcher von glazialem Schwemmboden überlagert ist. Der mittlere Teil, die Yorkshire Wolds, sind eine von North Ferriby bei Hull bis zur Landspitze Flamborough Head reichende Hügelkette aus Kalkgestein. Der südöstliche dritte Teil ist die tiefliegende Holderness-Ebene, die im Osten von der Nordsee und im Süden vom Humberästuar eingegrenzt wird. Südlich von Flamborough Head liegt das Strandbad Bridlington, und wiederum südlich davon die Halbinsel Spurn.Vernon Wilson: East Yorkshire and Lincolnshire. In: British Regional Geology. 1948, S. 81. Vor der letzten Eiszeit befand sich die Küstenlinie noch weiter westlich unmittelbar am Fuße der Wolds, wo man Überreste von Stränden entdeckt hatte. Als das Gletschereis am Ende der Eiszeit zurückwich, hinterließ es große Mengen an Geschiebelehm und formte so einen nassen, sumpfigen Boden, welcher heute die Holderness darstellt.Vernon Wilson: East Yorkshire and Lincolnshire. In: British Regional Geology. 1948, S. 9. Ein weiterer, das heutige Vale of York bedeckender Gletscher, hinterließ Geschiebemergel an dessen Grundmoräne. Wie die Holderness ist auch das Vale of York heute von sumpfigem Boden gekennzeichnet. Die Wolds hingegen waren nahezu eisfrei.Richard Muir: The Yorkshire Countryside. A Landscape History. 1997, S. 10–11. Nach der Eiszeit wurde die Tundra allmählich von Pflanzen besiedelt, was die Entwicklung der Fauna in dem Gebiet möglich machte. Da das Eis des Nordmeeres immer noch sehr viel Wasser gebunden hatte, lag der Meeresspiegel noch längere Zeit deutlich unter dem heutigen Niveau, und die Küstenlinie befand sich weiter im Osten.

Landschaft mini|alt=A line of white cliffs topped with green turf protruding into the sea.|Flamborough Head Die Wolds haben die Form eines zur Holderness hin sanft abfallenden Plateaus, durchschnitten von einigen tiefen, am Grund jedoch ebenen Tälern glazialen Ursprungs. Das Kalkgestein sorgt für eine gute Entwässerung des Bodens, wodurch kaum Oberflächenwasser in Form von Bächen und Seen vorhanden ist. Bei Flamborough Head steigen die Wolds in Form eines steilen Kliffs in die Höhe; hier befinden sich Felstürme sowie ausgewaschene Höhlen entlang des Ufers. Flamborough Head ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die fortschreitende Erosion entlang des Kliffs stellt eine Gefahr für Spaziergänger dar.

Die Holderness besteht aus von der Weichsel-Eiszeit stammenden Tonschichten. Sie formen eine relativ flache Tiefebene mit einigen torfgefüllten Vertiefungen, welche auf die frühere Existenz von Seen hinweisen. Der fruchtbare Boden in der Ebene ermöglicht intensiven Ackerbau; Waldgebiete gibt es jedoch kaum.

mini|links|Küstenerosion nahe Hornsea Die Küste erleidet die größte Erosionsrate Europas: Jährlich gehen etwa 1,5 m bzw. zwei Millionen Tonnen Landmasse verloren. 3 % dieser Masse lagert sich weiter südlich an der Spurn-Halbinsel wieder ab. Der Erosion sind in den letzten 2000 Jahren viele Siedlungen zum Opfer gefallen. Beispielhaft dafür ist der im 14. Jahrhundert untergegangene Hafen Ravenspurn. Seit 1951 werden von der Behörde des East Riding Versuche unternommen, die fortschreitende Erosion einzudämmen. Die Holderness wird hauptsächlich über den Humber, die Gegend nördlich von Hull über den gleichnamigen Zufluss entwässert.

Das Vale of York im westlichen Teil des Distrikts wird über den Derwent entwässert. Die durch Heide- und Waldkulturen geprägte Gegend ist überwiegend eben, jedoch sorgt manch kleinere Erhebung für eine vielfältige Topografie. Am Derwent sind teilweise auch naturbelassene Aulandschaften anzutreffen.

Klima mini|Winter in den Yorkshire Wolds Im East Riding herrschen bedingt durch den Einfluss des Golfstromes kühle Sommer und relativ milde Winter. Die Wetterbedingungen ändern sich dabei fast jeden Tag. Aufgrund des Breitengrades wird die Gegend oft durch von Westen heranziehende Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten beeinflusst. Die Tiefs sind besonders im Winter für wechselhaftes und windiges Wetter verantwortlich. Große Regensummen sind bedingt durch die Lage im Lee der Pennines jedoch die Ausnahme. Möglich sind oft auch Zwischenhocheinflüsse mit trockenem Wetter. Im Sommer können ausgedehnte Hochdruckgebiete besonders in den Wolds sogar zu Dürrephasen führen.

Bedingt durch deren Höhenlage ist es in den Wolds generell kühler als im Vale of York sowie in der Holderness. Geschlossene Schneedecken sind im Winter in den Hochlagen keine Seltenheit.

Geschichte Als die letzte Eiszeit ihrem Ende zuging, folgten die Jäger und Sammler der Altsteinzeit den Tierherden über das Land zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien. Das milder werdende Klima sorgte für eine zunehmende Tiervielfalt, und die Wanderbewegungen der Menschen nahmen ab. Sie versuchten zunehmend, Flora und Fauna für sich beherrschbar zu machen. Pollenfunde belegen, dass das Gebiet des East Ridings vor dessen Kultivierung von großen Wäldern bedeckt war. Aufgrund ihres breiten Spektrums an natürlichen Ressourcen wurden die Yorkshire Wolds in der Jungsteinzeit zu einem Schwerpunkt der Besiedlung durch den Menschen. Die ältesten Monumente der Gegend sind jungsteinzeitliche Hünengräber. Zwei davon befinden sich nahe den Gemeinden Wold Newton und Kilham. Mittels Radiokarbondatierung wurde ihre Entstehungszeit auf das Jahr 3700 v. Chr. geschätzt.

Von 2000 bis 800 v. Chr. setzten die Menschen der Bronzezeit in den Wolds 1400 Bronzegräber. Man fand sie sowohl einzeln als auch massenhaft in Form von Friedhöfen. Auch heute noch können sie als Besonderheit der Landschaft begutachtet werden. Bis zur späten Bronzezeit wurden große Teile des Waldes abgeholzt und das Land in Form von Weide- und Ackerland urbar gemacht. Auch die Feuchtgebiete in den Niederungen rund um die Wolds wurden für Viehzucht genutzt.Robert Van de Noort: The Humber Wetlands. Landscapes of Britain. 2004, S. 50. Während der Eisenzeit entstand die ausgeprägte Arras-Kultur, benannt nach einem Ort nahe Market Weighton. Hier fand man Gräber, die ihrer Anordnung nach den Gräbern der La-Tène-Kultur in Kontinentaleuropa ähneln. Die Gegend wurde zum Reich des keltischen Volkes der Parisier.Richard Muir: The Yorkshire Countryside. A Landscape History. 1997, S. 58.

Eun Zeugnis der Eisenzeit ist der Einbaum von Hasholme.

Nachdem die Römer 43 n. Chr. in Großbritannien einmarschiert waren, erreichten sie 71 n. Chr. nach der Durchquerung des Humber das historische, den Parisiern gehörende Territorium von Northumbria. Am nördlichen Ufer errichteten sie ein Kastell und legten Straßen an, welche von hier über Derventio, dem heutigen Malton, hin zum Ufer der Ouse führten. Dort erbauten sie ein weiteres Kastell namens Eboracum, aus welchem später die Stadt York hervorging.K. J. Allison: The East Riding of Yorkshire Landscape. The Making of the English Landscape. 1976, S. 38. Es gibt Hinweise auf eine nachhaltige Nutzung des Bodens durch Getreideanbau in der römischen Ära. Die Überreste mehrerer römischer Häuser wurden in der Gegend um Langton und Rudston entdeckt. In den Gegenden rund um die Wolds stieg die Anzahl der Siedlungen zwischen 500 v. Chr. und 500 n. Chr. enorm an, da sich die Landmasse aufgrund eines sinkenden Meeresspiegels mehr und mehr vergrößerte. Das Tiefland wurde überwiegend für Viehzucht genutzt.Robert Van de Noort: The Humber Wetlands. Landscapes of Britain. 2004, S. 53. In den letzten Jahren der römischen Besatzung fielen vermehrt Angelsachsen in das Gebiet ein und errichteten in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts ihre eigenen Siedlungen. Ortsnamen mit den Endungen -ing, -ingham und -ham weisen auf einen angelsächsischen Ursprung des Ortes hin.K. J. Allison: The East Riding of Yorkshire Landscape. The Making of the English Landscape. 1976, S. 47. Als sich ab dem 7. Jahrhundert das Christentum in der Gegend verbreitete, verzichtete man auf zuvor begangene heidnische Bräuche. Im Jahr 867 nahm das aus Dänemark kommende Große Heidnische Heer mit seinem Anführer Halfdan Ragnarsson die angelsächsische Stadt York ein und machte sie zur Hauptstadt des neuen Königreichs Jórvík. Ab 876 begannen die Dänen, dauerhafte Siedlungen im Gebiet des heutigen Yorkshire zu errichten. Ortsnamen mit den Endungen -by und -thorpe weisen auf einen dänischen Ursprung des Ortes hin.K. J. Allison: The East Riding of Yorkshire Landscape. The Making of the English Landscape. 1976, S. 49. Mit dem Tod Erik I. im Jahre 954 endete die Herrschaft der Dänen über Northumbria und der umliegenden Gebiete; das Königreich Jórvík löste sich somit auf.K. J. Allison: The East Riding of Yorkshire Landscape. The Making of the English Landscape. 1976, S. 479.

Nach der Normannischen Eroberung Englands durch Wilhelm I. im Jahre 1066 übergab dieser das Gebiet des heutigen East Riding dem neuen Normannenkönig sowie kirchlichen Institutionen. Regte sich von Seiten der Bevölkerung und der bis dahin regierenden Grafen gegen die neue Regentschaft Widerstand, so wurde dieser von Wilhelm I. stets niedergeschlagen. Diese Politik der Unterdrückung ist heute unter dem feststehenden Begriff Harrying of the North bekannt. Die Herrschaft der Normannen dauerte weit bis ins 16. Jahrhundert hinein an.Richard Muir: The Yorkshire Countryside. A Landscape History. 1997, S. 148–149. mini|Ehemalige Zisterzienserinnenkirche der Swine Priory Durch die Auflösung der englischen Klöster durch Heinrich VIII. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das ehemals kirchlichen Institutionen gehörende Land beschlagnahmt und ging in Privatbesitz über. Die damals einkehrenden Besitzverhältnisse des East Riding dauerten teilweise bis ins 20. Jahrhundert an.K. J. Allison: The East Riding of Yorkshire Landscape. The Making of the English Landscape. 1976, S. 114–146.