Das Werra-Fulda-Kalirevier ist ein Bergbaurevier in Osthessen und Westthüringen, in dem untertägig Kalisalze gewonnen werden. Namensgebend sind die Flüsse Werra und Fulda, welche die Region durchfließen. Es wird in das größere Werrarevier und das kleinere, südwestlich davon gelegene Fuldarevier unterteilt. Die K+S AG betreibt zwei Kaliwerke: das Verbundbergwerk Werra sowie das Kaliwerk Neuhof-Ellers.

Geologie mini|Natriumchloridkristalle im Salzbergwerk Merkers Das Kalirevier Werra erschließt die Kaliflöze der Werra-Folge (Zechstein 1, Perm) unterhalb des Plattendolomits, ein vorzugsweise ebenplattiger Dolomit des oberen Zechsteins, die in diesem Bereich, der nördlichen Rhön, im Normalfall zwischen 200 und 400 Metern mächtig sind. Insgesamt sind in der Werra-Folge drei Steinsalzablagerungen („Unteres“, „mittleres“ und „oberes“ Werrasteinsalz) und zwei Kalilager entstanden. Die verschiedenen Salze kommen je nach mineralischer Beimengung in unterschiedlicher Färbungen vor.

Die in den beiden Kaliflözen mengenmäßig vorherrschenden Steinsalzschichten bestehen fast vollständig aus dem Mineral Halit. Je nach Zusammensetzung und dem Anteil nutzbarer Kalium- und Magnesiumminerale werden drei Gesteine unterschieden, aus denen die Kaliflöze aufgebaut sind: Sylvinit, Hartsalz und Carnallitit. Neben den Salzen sind in späteren Zechstein-Folgen weitere Gesteine gebildet worden, die zum Teil von größter Bedeutung sind, weil sie die Salzlagerstätte schützen, wassersperrende Tonschichten wie z. B. der Braunrote Salzton und die unteren Letten („Staßfurt-Ton“). Der Braunrote Salzton ist ca. 10 m mächtig und über das gesamte Werra-Fulda-Gebiet verbreitet. Eingeschaltet in das Tongestein sind einzelne dünne Lagen von Anhydrit, Gips und Salz. Als weiteres klastisches Sediment bildete sich der bergmännisch als untere Letten bezeichnete Staßfurt-Ton mit einer Mächtigkeit von 15 bis 35 m. Dem gegenüber steht der im Zechstein III (Leine-Folge) abgelagerte, stark grundwasserführende Plattendolomit mit einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 5 bis 40 m. Die Dolomite sind härter und dichter als Kalksteine und werden durch Einlagerung von Kalzit in Kalkstein bei der Verfestigung von Lockergesteinen durch Druck gebildet. Die im Plattendolomit vorhandenen Wasservorkommen sind von Natur aus salzhaltig, was beim Abteufen der ersten Kalischächte große Probleme bereitete. Daneben zeichnet den Plattendolomit ein großes Porenvolumen aus, was die Kaliindustrie zur Versenkung flüssiger Salzabwässer nutzt.Hermann-Josef Hohmann: , Rhön-Portal, abgerufen am 22. Januar 2014.

Die in dieser Region vergleichsweise häufigen Kohlensäure-Einschlüsse, die bei Freisetzung im Zuge des Bergbaus wiederholt zu plötzlichen, explosionsartigen Kohlendioxid-Ausbrüchen führten, werden auf den vulkanischen Ursprung des Werra-Kalireviers zurückgeführt.Jörg Lessing: Ein Unglück wie aus dem Nichts. Abschnitt Geologische Besonderheiten. In: inSüdthüringen.de. 3. Oktober 2013, abgerufen am 22. Januar 2014.

Geschichte Anfänge mini|200px|Abteufmannschaft am Schacht Grimberg I (1901) Nachdem ab den 1880er Jahren bei Bleicherode im Südharz erfolgreich Kalivorkommen aufgesucht wurden, begann nach 1890 auch die erfolgreiche geologische Erkundung der südwestlich des Thüringer Waldes an Werra und Ulster gelegenen Region im Raum zwischen Bad Salzungen und Vacha. 1893 gelang der Nachweis der Kalisalze im Werratal, indem am 5. Oktober 1893 ein vier Meter langer Bohrkern im Grubenfeld der Saline Kaiseroda zu Tage gefördert wurde."125 Jahre Kalibergbau im Werratal" in Südthüringer Zeitung, Lokalteil Bad Salzungen vom 22. September 2018 Im Raum Heringen (Werra) wurde durch die am 13. Februar 1894 in Bochum gegründete Gesellschaft Wintershall nach dem Rohstoff gebohrt. Der erste Schacht Salzungen wurde 1899 in Leimbach unmittelbar westlich von Bad Salzungen fertiggestellt, ging aber wegen starken Austritten von Kohlensäure nicht in Betrieb und wurde 1901 endgültig stillgelegt. An dem Standort entstand eine Aktiengesellschaft zur Förderung von Kohlensäure.Geschichte vom Kali und Salz, aufgerufen am 19. August 2014. Als erstes Kaliwerk im Werra-Kalirevier ging 1901 die Schachtanlage Kaiseroda I westlich von Leimbach in Betrieb.

Am 23. April 1900 erfolgte bei Widdershausen der erste Spatenstich zum Abteufen des Schachtes Grimberg (benannt nach dem Wintershall-Gründer Heinrich Grimberg). Am 9. Dezember 1901 wurde der Plattendolomit im Schacht erreicht, am 12. Februar 1902 war er durchteuft, zum ersten Mal per Hand, wobei große Wassereinbrüche zu bewältigen waren. Im September 1902 wurde das obere Kalilager in 424 Meter Teufe angetroffen und schließlich die Endteufe des Schachtes im Dezember 1902 erreicht. Bei Heringen wurde das Werk Wintershall zur Verarbeitung der geförderten Kalisalze errichtet, am 1. Juni 1907 folgte der erste Spatenstich für die Bohrung des Schacht Heringen.

1905 wurde die Kaligewerkschaft Großherzog Sachsen gegründet, die bei Dorndorf und Dietlas erste Erkundungen vornahm und schließlich bei Dietlas und dem fünf Kilometer entfernten Menzengraben Schächte abteufte. Am westlichen Ortsrand von Dorndorf wurde eine Kalisulfatfabrik errichtet und eine Werksarbeitersiedlung („Die Kolonie“) erbaut.

Die Gewerkschaft Heiligenroda teufte im Abbaufeld zwischen Frauensee, Dönges, Kieselbach, Oberzella und Vitzeroda ab 1909 drei Schächte in der Flur von Springen (Schacht I bis III) und zwei Schächte in Möllersgrund. Die Gewerkschaft errichtete eine zweite Kaliumsulfat- und Chlorkaliumfabrik in Dorndorf, die 1913 in Betrieb ging.

Von 1895 bis 1913 wurden im Werratal insgesamt 28 Kalischächte abgeteuft, davon sieben lagen auf preußischer und 21 auf thüringischer Seite. Einige Bohrungen, z. B. bei Dankmarshausen und Buttlar blieben wegen geologischer Probleme, insbesondere mit Wassereinbrüchen beim Erteufen des Plattendolomits erfolglos und gingen nicht in Betrieb. Auch die von den Kaligewerkschaften Heiligenmühle und Mariengart 1909 in Niederoechsen abgeteuften Kalischächte kamen wegen Wassereinbrüchen bereits im Jahr 1914 zum Erliegen. 1914 waren im thüringischen Teil des Werra-Kalireviers 15 Schächte als Förder- oder Wetterschächte betriebsbereit.

1914 begann die Förderung im Schacht Abteroda der Gewerkschaft Alexandershall bei Dippach, die bereits 1922 wieder eingestellt wurde; der Schacht diente nachfolgend noch als Wetterschacht.

1925 wurde im Zuge der Erweiterung der Gewerkschaft Kaiseroda bei Merkers das Kaliwerk Merkers als zu dieser Zeit größtes Kaliwerk der Welt in Betrieb genommen, welches die in den Schächten Kaiseroda I (abgeteuft ab 1895), II und III (beide abgeteuft ab 1911) geförderten Salze verarbeitete.

Durch technische Probleme musste der Kaliabbau in Dietlas im Jahr 1926 eingestellt werden, damit wurde auch das ältere Kaliwerk bei Dorndorf stillgelegt, das Salz aus dem Schacht Menzengraben fortan zum Werk der Gewerkschaft Heiligenroda in Dorndorf verbracht.

Zweiter Weltkrieg und Deutsche Teilung mini|Eingelagerte Geld- und Goldbestände der Reichsbank im Schacht Merkers 1945 Im Zweiten Weltkrieg kam die Kaliproduktion teilweise zum Erliegen. Einige der Schachtanlagen wurden zweckentfremdet genutzt, so wurden im Schacht Merkers große Geld- und Goldbestände der Reichsbank sowie Kunstgegenstände (unter anderem die Büste der Nofretete) eingelagert und am 8. April 1945 durch amerikanische Truppen entdeckt. Der stillgelegte Schacht Abteroda der früheren Gewerkschaft Alexandershall wurde ab 1937 zu einem unterirdischen Munitionsdepot ausgebaut und ab 1944 von BMW für die Produktion von Flugzeugmotoren genutzt. Nach Kriegsende lag der thüringische Teil des Werrareviers in der Sowjetischen, der hessische Teil in der Amerikanischen Besatzungszone.

Wintershall / K+S in Osthessen mini|Kaliwerk Wintershall bei Heringen (Hessen) Die hessischen Betriebe verblieben nach dem Zweiten Weltkrieg im Eigentum der Wintershall AG, die 1969 von der BASF-Gruppe übernommen wurde. Der Kalibergbau der Wintershall AG wurde 1970 in die Kali und Salz GmbH (ab 1972: Kali und Salz AG) mit Sitz in Kassel eingebracht. Seitdem konzentriert sich die Arbeit der Wintershall AG auf die Bereiche Erdöl und Erdgas.

Die verbliebenen Werke Wintershall in Heringen und Hattorf in Philippsthal lagen nunmehr unmittelbar an der innerdeutschen Grenze, was zeitweise den Abtransport des geförderten Rohstoffes erschwerte. Die im Werratal verlaufende Bahnstrecke Gerstungen–Vacha, die hauptsächlich dem Abtransport diente, querte zweimal die innerdeutsche Grenze und war nur über den in der DDR liegenden Grenzbahnhof Gerstungen oder die steigungsreiche und wenig leistungsfähige Strecke der Hersfelder Kreisbahn von Heimboldshausen nach Bad Hersfeld mit dem restlichen westdeutschen Schienennetz verbunden. Mehrfach musste aufgrund von Streckensperrungen der gesamte Kaliverkehr über die Kreisbahn abgewickelt werden, so zwischen 1952 und 1954 sowie zwischen 1967 und 1969.Hans-Joachim Fricke, Hans-Joachim Ritzau: Die Innerdeutsche Grenze und der Schienenverkehr. 3. Auflage, Verlag Zeit und Eisenbahn, Pürgen 1992, ISBN 3-921304-45-8, S. 95 f.

Volkseigener Betrieb in Westthüringen mini|Das Kaliwerk Merkers 1974 Die in Thüringen gelegenen Kaliwerke wurden 1946 zunächst als Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Kali in sowjetisches Eigentum überführt und deren frühere Eigentümer enteignet. 1952 wurden die Kaliwerke der SAG Kali an die DDR zurückgegeben und zusammen mit den Werken der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Kali- und Salze Halle (Saale) der Hauptverwaltung Kali- und Nichterzbergbau, ab 1956 mit Sitz in Erfurt übergeben. 1958 ging daraus die VVB Kali in Erfurt hervor, 1959 das VEB Kalikombinat Werra. Kali entwickelte sich zu einem wichtigen Exportgut in das „nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet“ und hatte dadurch für das Wirtschaftssystem der DDR eine hohe Bedeutung. 1970 wurden die Kalibetriebe der DDR im Kombinat Kali zusammengefasst, zu dem auch der auf dem ehemaligen Schachtgelände in Dietlas angesiedelte VEB Bergwerksmaschinen Dietlas gehörte, der Bergwerke im In- und Ausland mit Bergwerksmaschinen belieferte. Die übergeordneten Kombinatsstrukturen dienten weitestgehend einer planwirtschaftlichen Koordinierung in Fragen des gesamten Industriezweigs und bezüglich des Exports, ansonsten wurden die Werke weitgehend autark verwaltet.

Die Kaliproduktion in der DDR wurde ständig gesteigert und die Kaliwerke im thüringischen Werrarevier wurden hierfür ausgebaut und modernisiert. Von 1955 bis 1964 wurde bei dem Sünnaer Ortsteil Mühlwärts der einzige neue Kalischacht in Thüringen abgeteuft (heute Schacht II des Werkes Unterbreizbach). Wegen des allmählichen Rückgangs der Sylvinit- und Hartsalzvorräte wurde im Werra-Kalirevier zunehmend Carnallitit abgebaut und verarbeitet. Die Kaliproduktion der DDR in den beiden Revieren Werra und Südharz erreichte 1985 mit 3,5 Mio. Tonnen hinter Kanada und der Sowjetunion die drittgrößte Fördermenge weltweit.

Gegenwart mini|Kaliwerk Unterbreizbach