mini|hochkant|Die Johanneskirche in Künzelsau Die Johanneskirche steht in Künzelsau im Hohenlohekreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis 2024 zum Kirchenbezirk Künzelsau und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Künzelsau und Hohenloher Ebene im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Johanneskirche ist das älteste Gotteshaus der Stadt. Wo sie steht, gab es bereits im 11. Jahrhundert eine Kirche. Der heutige Baukörper stammt im Kern aus dem Jahr 1617, er wurde seitdem vielfach verändert.

Geschichte Die Johanneskirche ist die älteste noch bestehende Kirche von Künzelsau, das im Jahr 1096 erstmals in einer Urkunde auftaucht. Aus dem Kontext der Erwähnung lässt sich erschließen, dass es schon damals eine Kirche in der Siedlung gab. Archäologische Grabungen haben gezeigt, dass am Ort der heutigen Johanneskirche nacheinander mehrere Vorgängerbauten gestanden haben, über die es jedoch keine weiteren urkundlichen Nachrichten gibt.

Das Patronatsrecht hatte ursprünglich das Kloster Comburg inne. 1278 bestätigte dies Papst Innozenz IV., seit 1278 war die Künzelsauer Kirche dann ganz im Eigentum des Klosters. Im 14. Jahrhundert sprachen die Päpste Urban V. und Bonifaz IX. dem Kloster auch den Nutzen der Kircheneinkünfte aus Künzelsau zu. Seit dem 14. Jahrhundert gab es Streitigkeiten mit den Fürsten von Hohenlohe, nachdem Kraft II. von Hohenlohe 1333 Schirmherr des Klosters Comburg geworden war und dem Kloster den Künzelsauer Besitz streitig zu machen drohte. Nachdem im 15. Jahrhundert zahlreiche weitere Streitigkeiten gefolgt waren und auch die Herren von Stetten Ansprüche auf kirchliche Rechte in Künzelsau erhoben hatten, verkaufte das Kloster Comburg 1483 seinen gesamten Künzelsauer Besitz und stellte die Kirche unter den Schutz der Fürsten von Hohenlohe, die 1622 de facto und dann endlich de iure nach fast 250 Jahren erst 1725 durch Entscheid des Reichskammergerichts auch das Patronatsrecht für die Kirche erhielten.Rauser 1981, S. 541/542.

Vorgängerbauten Nach den Grabungsbefunden könnte der älteste Kirchenbau um 1290 abgebrannt sein. An seiner Stelle wurde eine frühgotische Chorturmkirche erbaut, von der sich im Turmsockel der heutigen Kirche wohl noch Reste erhalten haben. Erhalten hat sich ein Tympanon (datiert 1290), dessen Inschrift jedoch nicht unbedingt auf einen Neubau in dieser Zeit schließen lässt. Für eine weitere Erneuerung der Kirche gibt es urkundliche Belege aus dem Jahr 1415. Für 1489 sind die Ausmalung eines Sant Hansen Häuslin (Bruderschaftshäuslein?) und der Aufzug neuer Glocken belegt, 1491 wurde ein „Regenbogen“ um den Kopf einer Johannesdarstellung erneuert. 1519 wurde eine Empore eingebaut, 1521 die große Glocke repariert oder erneuert, im selben Jahr ein neues Kruzifix beschafft. 1548 hat man den Kirchturm erneuert und 1599 um eine größere Kirche gebeten, für die Georg Kern, Burgvogt und Baumeister in Neuenstein und Bruder der Bildhauer Michael und Leonhard Kern, am 3. März 1611 einen Kostenüberschlag lieferte.Vita und Werk des Baumeisters siehe: Sabine Eckert-Viereckel: Baumeister Georg Kern. In: Stadt Neuenstein, Homepage, Georg Kern , abgerufen am 1. Juli 2026 1610 bis 1613 folgten verschiedene Arbeiten, die offenbar der Vorbereitung des Neubaus ab 1612 galten. Unter anderem wurde damals Erde aus dem Kirchhof hinausgeführt, die man aus der Kirche von den Gräbern getragen hatte; möglicherweise hat man damals die alten Grablegen in der Kirche ausgeräumt.Rauser 1981, S. 315.

Neubau von 1617 mini|hochkant|links|Kanzel mini|hochkant|Altar und Triumphkreuz von 1704 1612 wurde die alte Kirche abgebrochen und bis zur Einweihung am 30. November 1617, fast pünktlich zum hundertsten Reformationsjubiläum, durch einen Neubau am verbliebenen Turm ersetzt. 1621/22 erhöhte man diesen noch um das oberste Stockwerk. 1686 erhielt die Turmwächterwohnung eine neue Schelle, 1697/98 wurde an die Südseite des Turms eine Beicht-Cammer angebaut.Rauser 1981, S. 315/316.

Die Instandhaltung und Erneuerung der Ausstattung vergab man im 18. Jahrhundert zu weiten Teilen an die Künzelsauer Künstlerfamilie Sommer, darunter den Altarbereich. 1705 zog man in die Kirche eine neue Empore ein. 1727 und 1743 fanden größere Ausbesserungen am Turm statt. 1756 und 1758 führte Johann Andreas Sommer verschiedene Reparaturen an der Ausstattung durch. 1764–68 gestaltete man die Kirche im Inneren weitgehend um, es wurden etwa zwei neue Emporen „hinter der Cantzel“ und über dem „Herrschaftl. Hohenloh. Stand“ (Patronatsloge) eingezogen, die Fenster neu verglast und die Kirche und ihre Ausstattung neu gestrichen. An dieser Renovierung war abermals Johann Andreas Sommer beteiligt, der unter anderem den bis heute erhaltenen Orgelprospekt gestaltete. 1788 baute man nochmals eine Empore ein.Rauser 1981, S. 316–321. 1859 wurde das Kircheninnere nach einem Plan von Christian Friedrich von Leins ein weiteres Mal umgestaltet.Rauser 1981, S. 316.

An- und Einbauten von 1913 mini|Die Johanneskirche nach der Erneuerung von 1913 mit Portalvorbau an der Westseite und zwei Treppentürmen an der Nordseite. Vollständig umgestaltet wurde die Kirche dann 1913 nach Plänen von Martin Elsaesser.Elisabeth Spitzbart, Jörg Schilling: Martin Elsaesser. Kirchenbauten, Pfarr- und Gemeindehäuser. Tübingen/Berlin 2014, Katalog Nr. 35. Die Kirche erhielt dabei nach Westen hin einen Portalvorbau, an die Südseite stellte man einen Vorbau für die Emporentreppe und an die Nordseite zwei runde Treppentürme. Die Einbauten im Innern der Kirche wurden vollständig entfernt und durch zwei neue umlaufende Emporen ersetzt. 1951 wurde die Kirche dann außen neu verputzt.Rauser 1981, S. 316–318.

Sanierung ab 1970 und heutiger Zustand Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche durch die umfassende Sanierung ab 1970, bei der die dreiseitig umlaufenden Doppelemporen und die nun unnötigen Außen-Treppenhäuser von 1913 entfernt und die Zugänge zur Orgel-Westempore nach innen verlegt wurden.Rauser 1981, S. 321. Im Zuge dieser Modernisierung wurde auch der Boden gefliest, die Kanzel umgesetzt und die Kirchenbänke wurden durch Stühle ersetzt. 2009/10 setzte man bei einer erneuten Umgestaltung des Innenraums unter Leitung von Architekt Wolfgang Kuhn (Schwäbisch Hall) die Kanzel wieder an ihren ursprünglichen Platz am östlichen Südpfeiler.

Innen tragen drei Pfeilerpaare die stuckierte Flachdecke des saalartigen Raumes, der sich zum quadratischen, kreuzgewölbten Chor öffnet. Der Sakristeizugang nach Norden führt durch eine alte eisenbeschlagene Tür, die kleine „Beichtkammer“ im Süden liegt drei Stufen tiefer als der Boden des Chorraums.

Der Kirchturm hat im Osten und Süden des Erdgeschosses je ein zweibahniges Maßwerkfenster, unter dem kürzeren Südfenster den „Beichtkammer“-Anbau von 1698 neben einem runden Treppentürmchen. Die Turm-Nordseite wird von dem mehrstöckigen Sakristeianbau mit Wendeltreppe eingenommen. Das Glockengeschoss hat große spitzbogige Schallarkaden unter dem Abschlussgesims. Darüber liegt hinter der steinernen Maßwerkbrüstung das zurückgesetzte Abschlussgeschoss mit einem originellen Helm, einer welschen Haube, darauf eine zweite kleinere, in hohe Spitze auslaufende Haube, von vier Rundbögen getragen.

Ausstattung Altar mit Triumphkreuz Den verhältnismäßig kleinen Altar im Chorbogen gestaltete Johann Friedrich Sommer 1704 mit Bildhauer- und Schreinerarbeiten. Die Steinplatte der Mensa verkleidete er auf allen vier Seiten mit durchbrochener Schnitzerei: Akanthusblätter in Voluten, verflochten mit Kränzen und hängenden Blumengebinden, die ursprüngliche Farbfassung Weiß mit Gold auf blauem Hintergrund.

Die protestantische Praxis, das Abendmahl „in beiderlei Gestalt“ zu feiern und durch so genannte „Doppeladministration“ (zwei austeilende Liturgen) zunächst an der Vorder- oder „Brotseite“ und nach dem Altar-„Umgang“ dann an der Rück- oder „Kelchseite“ zu empfangen, führte häufig zum Verzicht auf ein hinderliches Altarretabel oder Altarkreuz. Als Lösung bot sich die Überwölbung der Altarzone mit einem Triumphkreuz an. Dies schuf im selben Jahr sein Vater Johann Jakob Sommer als Meisterstück hohenlohischer Barockkunst: In den Chorbogen ist ein Balken gespannt, auf dem das Kreuz mit dem Kruzifixus steht. Zu beiden Seiten kniet je ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln in teils eng gefalteten, teils flatternden Gewändern. Der linke Engel hält einen Kelch zur Aufnahme des Blutes aus der Seitenwunde Jesu. Der Balken ist umwuchert von Akanthus-Schnitzerei, die auf die Wand übergreift und noch auf die Volutenkonsolen mit Engelsköpfchen herabhängt.

Kanzel Die Kanzel aus grauem Sandstein hat als Fuß einen großen, im unteren Teil mit vier Akanthusblättern belegten Baluster mit profiliertem Sockel und korinthischem Kapitell. Der runde Kanzelkorb über kannelierter hochschwingender Unterseite enthält in der Brüstung vier Muschelnischen über einer Maskenkonsole, jeweils getrennt durch Fruchtgehänge mit Voluten und bekrönendem Puttenkopf. Das Abschlussgesims trägt in Antiqua-Lettern – bedeutsam im Jubiläumsjahr der Reformation – die goldene Inschrift VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM + IN HOC VINCES + 1617. Das schmiedeeisene Treppengeländer mit ausgeschmiedeten Blattranken und zwei Lilienspitzen dürfte aus der Bauzeit stammen. Den Alabasterschmuck (Evangelistenfiguren und weitere skulpierte Teile) für die damals neu gefertigte Kanzel eines unbekannten Steinbildhauers schuf Michael Kern oder Leonhard Kern. Ihre leicht bräunliche Farbfassung seit der letzten Bearbeitung verbirgt das originale Alabasterweiß und manche in der Regel goldfarbenen Akzentuierungen.

Der hölzerne Schalldeckel ist sechseckig, sechs ausgesägte Voluten steigen zu einer Mittelsäule empor, auf der (erst seit 1913 oder später) eine Johannes-der-Täufer-Figur aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Bekrönungsfigur hinzugefügt ist.

Taufstein Der aus Sandstein gehauene achteckige Taufstein mit Akanthusblättern als Füße steht heute auf einem Gestell, mit welchem der massive Stein bei Konzerten bewegt werden kann. Die acht Ecken des Taufsteins symbolisieren die sieben Tage der Schöpfung und den achten Tag des neuen Lebens in der Taufe.

Glasgemälde Im östlichen Chorfenster war 1859 ein sehr frühes neugotisches Glasgemälde mit der Taufe Jesu als Bildthema eingesetzt worden. Der Künstler und der Verbleib des Fensters sind nicht bekannt.

Die beiden Farbglasfenster im Chor wurden von Professor Emil Wachter (Karlsruhe) geschaffen und an Ostern und Pfingsten 2002 eingeweiht.Evang. Dekanatamt Künzelsau (Hrsg.): Chorfenster Johanneskirche - Ansprache von Prof. Emil Wachter, Karlsruhe, im Gottesdienst am Sonntag, Rogate, 5. Mai 2002 in der Johanneskirche in Künzelsau. Typoskript; Künzelsau 2002. Das östliche Fenster zeigt die Osterbotschaft nach Johannes ().Evang. Dekanatamt Künzelsau (Hrsg.): Die Osterbotschaft des Johannesevangeliums: Predigt im Licht – Das Farbglasfenster von Emil Wachter in der Johanneskirche. Typoskript; Künzelsau 2002. Die einzelnen Szenen von unten nach oben: Maria aus Magdala begegnet dem Auferstandenen Thomas begegnet dem Auferstandenen Die Jünger Jesu begegnen dem Auferstandenen am See Genezareth Über diesen drei Szenen erstreckt sich bis ins Maßwerk hinein der Kosmos mit den Planeten, deutlich sichtbar ist dabei der „blaue Planet“. Drei Engel erfüllen den Kosmos als strahlende Lichtgestalten mit leuchtendem Gold.

Das Thema des Süd-Fensters ist „Ninive – Künzelsau“ ():Evang. Dekanatamt Künzelsau (Hrsg.): Südliches Chorfenster in der Johanneskirche in Künzelsau. Künzelsau 2002. Ebene 1: Die Fische im Meer. Die Umweltbelastung und ihre Folgen für das Leben Ebene 2: Der große Fisch speit Jona an Land Ebene 3: Ninive – Künzelsau (Motive aus Künzelsau); Der große Baum als Lebensmotiv Maßwerk: Seht die Vögel unter dem Himmel

Ölgemälde (ausgemustert)