Friedrich „Fred“ Mayer (* 28. Oktober 1921 in Freiburg im Breisgau; † 15. April 2016 in Charles Town, Jefferson County, West Virginia) war ein deutschamerikanischer Spion und während des Zweiten Weltkriegs Agent des US-amerikanischen Geheimdienstes OSS. Er war Mitglied der Operation Greenup.

Leben Jugend und Flucht Friedrich Mayer wurde 1921 in einer jüdischen Familie in Freiburg geboren und besuchte dort das Rotteck-Gymnasium. Sein Vater Heinrich Mayer diente im Ersten Weltkrieg in der deutschen Armee und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse für Tapferkeit in der Schlacht um Verdun ausgezeichnet. Er hoffte, dass seine Kriegsauszeichnung die Familie schützen würde, aber Mayers Mutter bestand darauf, Deutschland zu verlassen. Die Familie floh 1938 in die USA. Nach Abschluss der High School arbeitete Fred Mayer als Diesel-Mechaniker bei Ford.

Militärische Ausbildung Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor meldete sich Mayer freiwillig zum Militär, jedoch empfand er den Dienst als langweilig und monoton.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 18. Aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse, seiner Herkunft und seiner Bereitschaft, hochriskante Aufträge zu übernehmen, wurde man schnell auf ihn aufmerksam und bot ihm eine Ausbildung beim Office of Strategic Services (OSS) an. Der OSS war kurz zuvor aus dem OCI hervorgegangen und tätigte als Nachrichtendienst Spionage und Sabotage im Ausland.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 29. Die OSS-Agenten waren zwar unterschiedlicher Herkunft, doch der gemeinsame Wille, das nationalsozialistische Deutschland zu besiegen, einte sie und stellte eine besondere Motivation dar. Die einjährige Ausbildung eines OSS-Agenten bestand vorwiegend aus den Methoden des Guerillakrieges wie Messerkampf, Nahkampf, Fallschirmspringen, Umgang mit Sprengstoff, Morsen, Schlösser öffnen und Umgang mit Handfeuerwaffen. Die Überlebenschancen der eingesetzten OSS-Agenten wurden als gering eingestuft.

Operation Greenup Zum Zeitpunkt der alliierten Landungen in der Normandie am 6. Juni 1944 war Mayer in Nordafrika stationiert. Der ‚bürokratische Sumpf‘ verhinderte zunächst den Einsatz des OSS-Agenten, woraufhin Mayer eine Versetzung zum Militärischen Aufklärungsdienst beantragte.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 37. So gelangte Mayer zur Zentrale des Militärischen Aufklärungsdienstes in Bari, Italien, von wo aus Geheimoperationen in Südeuropa und der Alpenregion geplant wurden. Dort wurde die Operation Greenup ins Leben gerufen. Nach Pirkner war Dyno Löwenstein, der Sohn von Kurt Löwenstein, der „Ideengeber und Erfinder der Operation“.Peter Pirker: Codename Brooklyn, S. 12–13

Ziele Die Ziele der Operation Greenup lassen sich in zwei Stoßrichtungen gliedern. Zum einen sollte der Eisenbahnverkehr über den Brennerpass beobachtet werden, der die Hauptversorgungsader der deutschen Truppen in Italien darstellte, da die Bahnlinie zuvor immer wieder vergeblich bombardiert worden war und der Nachschub somit nicht zum Erliegen kam. Zum anderen sollten Informationen über die tatsächliche Stärke der „Alpenfestung“ gesammelt und an die Amerikaner weitergeleitet werden.

Weitere Mitglieder Zur Operation Greenup gehörten neben Mayer noch Hans Wijnberg, ein weiterer OSS-Agent, und Franz Weber, ein desertierter Wehrmachtsoffizier im Rang eines Leutnants.

Hans Wijnberg

Hans Wijnberg wurde 1922 in Amsterdam geboren. 1939 schickte sein Vater ihn zusammen mit seinem Zwillingsbruder nach Amerika, wo sie bei einem Geschäftspartner lebten und ihre Ausbildung an der Brooklyn Technical High School fortsetzten. 1943 trat Wijnberg der US-Armee bei. Zur gleichen Zeit wurden sein Vater, seine Mutter und sein jüngerer Bruder von der SS gefangen genommen und nach Auschwitz gebracht. Sie überlebten den Holocaust nicht.

Auch Wijnberg wurde vom OSS rekrutiert. Während der Ausbildung wurden Mayer und Wijnberg enge Freunde. Zum Zeitpunkt der amerikanischen Landung in der Normandie dienten sie gemeinsam in Nordafrika. Die Versetzung von Mayer zum Militärischen Aufklärungsdienst schloss auch Wijnberg mit ein.

Franz Weber

Franz Weber wurde 1920 in Oberperfuss in der Nähe von Innsbruck geboren. Weber hatte acht Geschwister und wuchs in einer streng katholischen Familie auf. Er besuchte fünf Jahre lang eine örtliche Grundschule und wurde anschließend im Alter von 12 Jahren in das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz aufgenommen. Als im März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschierten, verband Weber damit Hoffnungen auf eine Verbesserung der politischen und ökonomischen Situation. Eine erste Enttäuschung war die Übernahme des Gymnasiums durch den NS-Staat. Weber und einigen anderen Schülern legte der neue Direktor einen freiwilligen Eintritt in die SS nahe. Um dem zu entkommen, meldete er sich zum Dienst in der Wehrmacht und wurde schließlich dem 133. Infanterie-Regiment der 45. Infanterie-Division der Wehrmacht zugeordnet, die zu diesem Zeitpunkt in Polen stationiert war und sich auf Kämpfe mit der Sowjetunion vorbereitete. Wie viele Wehrmachtssoldaten besichtigte Weber das von den Deutschen eingerichtete jüdische Ghetto in Warschau. Er sah das Elend der jüdischen Bevölkerung und Tote auf den Gehsteigen liegen. Dabei kamen Weber erste Zweifel am NS-Regime.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 23. Den Angriff auf die Sowjetunion machte er in der 45. Infanteriedivision mit. Im August wurde er in den 8. Offizierslehrgang der Infanterie in die Militärschule Potsdam berufen. In der Folge wurde er rasch zum Feldwebel und Leutnant der Reserve befördert und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Im Sommer 1942 wurde er als Kompanieführer bei Kämpfen in der Sowjetunion verwundet. Nach seiner Genesung kam Weber mit der 187. Reservedivision nach Kroatien. Aufgabe der Division war die Sicherung von Eisenbahnlinien und die Bekämpfung des Partisanenwiderstandes. Dabei ging die 187. Reservedivision auch brutal gegen Dörfer und Zivilisten vor, die der Unterstützung des Partisanenwiderstandes verdächtigt wurden. Die Radikalität der Partisanenbekämpfung mit dem Niederbrennen von Dörfern, mit Hinrichtungen von Zivilisten und Partisanen stieß Weber ab. Zugleich beeindruckte ihn der unnachgiebige Widerstandswille der Bevölkerung. Im Frühsommer 1944 wurde Weber mit der 42. Jägerdivision nach Italien verlegt. Den letzten Ausschlag, seine Desertion vorzubereiten, gab die intensivierte nationalsozialistische Indoktrination der Wehrmacht nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler. Am 21. September 1944 lief er in der Nähe von Viareggio bei La Spezia zu den Amerikanern über. Die Desertion war ein großer Schritt für ihn. Da er seine Mitschuld an den schweren Verbrechen der Nationalsozialisten erkannte, erklärte er sich gegenüber alliierten Vernehmungsoffizieren bereit, einen aktiven Beitrag zum Kampf gegen das NS-Regime zu leisten.

Ablauf Die Operation Greenup umfasste die drei Männer Mayer, Wijnberg und Weber, wobei Mayer die Führungsrolle einnahm und Wijnberg als Funker aktiv werden sollte. Weber wurde rekrutiert, da er sich in der Region hervorragend auskannte und über viele persönliche Beziehungen verfügte. Gemeinsam beschlossen sie, mit dem Fallschirm in der Nähe von Innsbruck abzuspringen. Da alle ebenen Flächen vom Militär besetzt waren, brachte Mayer den Vorschlag ein, über einem kleinen See zwischen zwei Gletschern, der im Februar zugefroren war, abzuspringen und zu landen. Der Anflug galt als äußerst schwierig, doch schließlich meldete sich ein Pilot namens Billings freiwillig: „Wenn sie verrückt genug sind, dort abzuspringen, werde ich verrückt genug sein, sie dorthin zu bringen.“ Von dort wollten sie sich nach Oberperfuss, Webers Heimatort, durchschlagen. Dieser Ort sollte die Basis für Operationen rund um Innsbruck, dem Amtssitz von Gauleiter Franz Hofer, sein.

Am 26. Februar 1945 startete die Operation. Die Wetterverhältnisse waren zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht, wodurch sich der Absprung als äußerst riskant erwies. Trotzdem entschlossen sich die drei Männer, im Dunklen abzuspringen. Unglücklicherweise landeten sie auf dem Kamm des 3000 Meter hohen Gletschers und nicht auf dem See. Dort fanden sie die abgeworfenen Container, allerdings war der Container mit den Skiern nicht aufzufinden, sodass sie den Abstieg im Tiefschnee zu Fuß in Angriff nehmen mussten. Während des Abstieges entdeckten die Agenten eine Bergbauernsiedlung, gaben sich als verirrte deutsche Gebirgsjäger aus und liehen sich einen Schlitten, mit dem sie den Abstieg fortsetzten.

Als die drei Männer Oberperfuss erreichten, nahm Weber Kontakt zu seiner Verlobten auf. Ihre Mutter Anna Niederkircher, eine strikte Nazi-Gegnerin, willigte ein, Mayer und Weber bei sich unterzubringen und zu verstecken. Hans Wijnberg wurde im Dachstuhl des Hauses eines befreundeten Bauern versteckt. Von dort baute er eine Funkverbindung zum Hauptquartier in Bari auf. Auch Webers drei Schwestern nahmen im weiteren Verlauf der Operation eine wichtige Rolle ein. Luise Weber, eine örtliche Krankenschwester, verschaffte Mayer die perfekte Tarnung: Sie stahl aus dem Lazarett die Uniform eines verstorbenen Offiziers, wodurch Mayer in die Rolle eines Offiziers auf Genesungsurlaub schlüpfen konnte. Die nötigen Papiere fälschte ebenfalls Luise Weber.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 85. Schließlich konnte sich Mayer in das regionale Offizierskasino einquartieren und erlangte Zugang zu geheimen Informationen, die er über Eva Weber an Wijnberg weitergeben ließ. Diese enthielten umfassende Erkenntnisse über die Aktivitäten deutscher Truppen an der Grenze zu Italien, insbesondere Zugfahrpläne, Nachrichten über Waffentransporte und technische Einzelheiten.Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 88/89.

Nach drei Monaten, als er aus Bari einen Sonderauftrag erhielt, entschloss sich Mayer, seine Tarnung zu ändern. Er besorgte sich Papiere, die ihn als einen französischen Elektriker namens Frederick Mayer auswiesen, der vor den anrückenden sowjetischen Truppen flüchtete. So verschaffte er sich Zugang zur Fabrik für Düsenflugzeuge. Sein Auftrag war es, zu überprüfen, über wie viele moderne Düsenjets die Deutschen verfügten, da diese den amerikanischen Luftstreitkräften bei weitem überlegen waren. Mayer fand heraus, dass die Produktion stillstand, da alliierte Bomben den Nachschub unterbrochen hatten, und meldete dies nach Bari. Bei einem Gespräch mit dem Bahnhofsvorsteher erfuhr er darüber hinaus, wann 26 Waggons, beladen mit wichtigem Kriegsmaterial (Panzer, Munition etc.),Gerald Schwaab: OSS Agents in Hitler’s Heartland: Destination Innsbruck. S. 92. den Bahnhof Innsbruck Richtung Italien verlassen würden. Die gesamte Fracht konnte daraufhin durch einen Luftangriff der Alliierten zerstört werden.

Gefangennahme und Folter