350px|Völkischer-Beobachter-18.8.1934 cut Am 18. August 1934, dem Vorabend der Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs, erscheint im Völkischen Beobachter, dem Parteiorgan der NSDAP, das von Joseph Goebbels formulierte Manifest Aufruf der Kulturschaffenden. Unter den 37 Unterzeichnern sind auch Wilhelm Furtwängler, Gustav Havemann, Hans Pfitzner, Richard Strauss und Heinz Tietjen. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1934.

Ereignisse 19. Januar: In den USA beantragt Laurens Hammond Patentschutz für eine von ihm entwickelte elektronische Orgel, die Hammondorgel. Hammond erhält am 24. April in Washington, D.C. das Patent unter dem Namen Electrical Musical Instrument. 18. August: Im Völkischen Beobachter erscheint der Aufruf der Kulturschaffenden zugunsten Adolf Hitlers. Herbst: Adolf Hitler lässt die geplante Aufführung der Oper Mathis der Maler des verfemten Komponisten Paul Hindemith verbieten. Daraufhin setzt sich Wilhelm Furtwängler am 25. November in dem aufsehenerregenden Zeitungsbeitrag Der Fall Hindemith in der Deutschen Allgemeinen Zeitung für Hindemith ein. Da das erhoffte Einlenken der NS-Führung nicht erfolgt, tritt Furtwängler am 4. Dezember nicht nur von seinem Amt als Staatsoperndirektor zurück, sondern legt auch die Leitung des Berliner Philharmonischen Orchesters nieder und lässt sich vom Amt des Vizepräsidenten der RMK entbinden. Auf Bitte von Erwin Piscator schreiben Bertolt Brecht (Text) und Hanns Eisler (Musik) das Einheitsfrontlied („Und weil der Mensch ein Mensch ist …“) für die Erste Internationale Musikolympiade 1935 in Straßburg.

Uraufführungen mini|links|hochkant|Franz Lehár 20. Januar: An der Wiener Staatsoper erfolgt die Uraufführung der Operette Giuditta von Franz Lehár unter der Leitung des Komponisten. Das Libretto stammt von Paul Knepler und Fritz Löhner-Beda. In der Titelrolle ist Jarmila Novotná zu sehen, die männliche Hauptrolle singt Richard Tauber. 22. Januar: Die Oper Lady Macbeth von Mzensk (Orig.: Леди Макбет Мценского уезда) von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch auf ein Libretto von Alexander Germanowitsch Preis nach der gleichnamigen Novelle von Nikolai Semjonowitsch Leskow aus dem Jahr 1865 wird mit überwältigendem Erfolg am Mariinski-Theater in Leningrad uraufgeführt. Bis zum 28. Januar 1936 feiert die Oper einen Erfolg nach dem anderen. 23. Januar: Am Teatro Reale in Rom wird die Oper La Fiamma von Ottorino Respighi uraufgeführt. 31. Januar: Die Uraufführung der Kammeroper The Wandering Scholar von Gustav Holst findet in Liverpool statt. 7. Februar: Die Oper Four Saints in Three Acts (deutsch: Vier Heilige in drei Akten) von Virgil Thomson (Musik) mit einem Libretto von Gertrude Stein wird im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut uraufgeführt. 12. März: In der Berliner Philharmonie wird unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler die Symphonie Mathis der Maler von Paul Hindemith mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Wenige Monate später erhalten alle Werke Hindemiths ein Aufführungsverbot im Deutschen Reich. 24. März: Uraufführung der Suite für Jazzorchester Nr. 1 von Dimitri Schostakowitsch 29. März: Die Uraufführung der Operette Märchen im Grand-Hotel von Paul Abraham auf ein Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda erfolgt am Theater an der Wien in Wien. 31. März: Walter Wilhelm Goetzes Operette Der goldene Pierrot wird im Theater des Westens in Berlin uraufgeführt. Das Libretto stammt von Oskar Felix und Otto Kleinert. 28. Mai: Die Uraufführung der Oper Rolande et le mauvais garçon von Henri Rabaud erfolgt an der Grand Opéra Paris. Juli: Victor de Sabata schreibt die Schauspielmusik zu Der Kaufmann von Venedig die auf der Biennale di Venezia aufgeführt wird 7. November: Rhapsodie über ein Thema von Paganini wird in Baltimore von Sergei Rachmaninow am Flügel und dem Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski uraufgeführt. mini|links|hochkant|Cole Porter (1934) 21. November: Am Alvin Theatre in New York City findet die Uraufführung der Musical Comedy Anything Goes von Cole Porter statt. Das Buch stammt von Guy Bolton und P. G. Wodehouse, die Überarbeitung von Russel Crouse und Howard Lindsay, der auch Regie führt. Produziert wird die Show von Vinton Freedley. Es ist das erste von fünf Broadway-Musicals von Cole Porter, in dem Ethel Merman die Hauptrolle spielt. In weiteren Hauptrollen sind William Gaxton und Victor Moore zu sehen. 22. Dezember: In Berlin erfolgt die Uraufführung der Operette Die Tänzerin Fanny Elßler mit nachgelassener Musik von Johann Strauss (Sohn), zusammengestellt und für die Bühne bearbeitet von Bernard Grun und Oskar Stalla. Das Libretto stammt von Hans Adler.

Jazz/Swing/Pop 6. Januar: Das Casa Loma Orchestra mit dem Bandvokalisten Pee Wee Hunt kommt auf #12 der US-Charts mit You’re Gonna Loose That Gal, mit dem auch Harry Reser und sein Orchester in dieser Woche erfolgreich (#13) in den Hitparaden sind. 13. Januar: Benny Goodman kommt mit I Gotta Right to Sing the Blues in die Top 20; sein Bandsänger ist Jack Teagarden, der hier auch Posaune spielt. 27. Januar: Benny Goodman verhilft mit seinem Song Riffin’ the Scotch Billie Holiday zu ihrem ersten Charterfolg (#6). In derselben Woche sind auch die Orchester von Claude Hopkins (Washington Squabble) und Ben Pollack (Got the Jitters) erfolgreich in den Charts. mini|links|hochkant|Jack Teagarden 3. Februar: Love Me or Leave Me von Gus Kahn und Walter Donaldson, mit dem zuletzt Ruth Etting 1929 erfolgreich war, kommt in der Version von Benny Goodman in die Hitparaden (#16). 17. Februar: My Little Grass Shack bringt Ben Pollacks Orchester auf #10, Daybreak Express vom Duke Ellington Orchestra gelangt auf #20 der US-Charts. 24. März: Ben Pollack ist erneut erfolgreich in den Charts mit Johnny Burkes The Beat of My Heart; der erstmals von Paul Whiteman aufgenommene Song kommt auf Position 2 und verbleibt 14 Wochen in der Hitparade. 18. April: Cab Calloway schafft es mit Jitter Bug knapp in die Top 20. 25. April: Das Casa Loma Orchestra ist gleich mit zwei Titeln in den Hitparaden, mit The Champagner Waltz (#7) und The House Is Haunted (By the Echo of Your Last Goodbye), letzter aus dem Broadway-Musical Ziegfeld Follies. 5. Mai: Mit Cocktails for Two gelingt Duke Ellington der zweite Nummer-1-Hit in seiner Karriere; der Song stammte aus dem Film-Musical Murder at the Vanities. In derselben Woche kommt der „Basin Street Blues“ in der Version von Benny Goodman und Jack Teagarden auf #14. 19. Mai: Jack Teagarden kommt mit seiner Eigenkomposition I’ve Got’ It’ auf #16 der Charts. Weil ihm aber sein Bandleader Paul Whiteman keine Alleingänge erlaubt, gelingt es ihm erst wieder 1939 mit The Sheik of Araby in die Hitparade zu kommen. In derselben Woche ist auch Ethel Waters erfolgreich mit Come Up and See Me Sometime, außerdem Claude Hopkins mit dem populären Song Three Little Words. 26. Mai: Mit dem Song I Ain’t Lazy, I’m Just Dreaming, den Isham Jones populär machte, sind Benny Goodman/Jack Teagarden erneut erfolgreich (#6). mini|Joe Sullivan, ca. Januar 1947. Fotografie von William P. Gottlieb 2. Juni: Die Mills Brothers erreichen mit Swing It, Sister Position 2 der US-Hitparaden. In derselben Woche kommt der Pianist Joe Sullivan erstmals in die Charts mit Onyx Bringdown (#9); zum ersten Mal auch der Bandleader Chick Webb mit I Can’t Dance (I Got Ants in My Pants) (#20). 9. Juni: Red Allen und sein Orchester sind erfolgreich mit Frank Loessers Lied I Wish I Were Twins (#20); in seiner Band spielen u. a. Dickie Wells, Buster Bailey und John Kirby. 16. Juni: Will Hudsons Moonglow ist der erste von insgesamt vierzehn Nummer-1-Hits von Benny Goodman; ein Titel, der von da an ständig in Goodmans Repertoire bleibt. In derselben Woche schafft es I Wish I Were Twins erneut in die Hitparade, diesmal in der Version von Fats Waller (#8); das Casa Loma Orchestra kommt mit dem Limehouse Blues auf #20 der Charts. 23. Juni: In den Hitparaden ist Ben Pollack gleich zweimal vertreten, mit Freckle Face, You’re Beautiful (#8) und mit „Sleepy Head“. Die Mills Brothers sind mit Money in My Pockets (#12) vertreten. 30. Juni: Sleepy Head, diesmal in der Version der Mills Brothers kommt auf #2; Chick Webb mit Stomping at the Savoy auf #10. Den Song, der auf den Savoy Ballroom anspielt, schrieb Edgar Sampson zu einem Text von Andy Razaf. 14. Juli: Margie von Claude Hopkins kommt auf #5 der Hitparaden, der letzte von den vier Hits des Bandleaders. 11. August: Moonglow ist abermals in den US-Charts erfolgreich (#8), diesmal in der Version des Casa Loma Orchestra. In der folgenden Woche bringt auch Cab Calloway den Titel auf #7. 25. August: Pardon My Southern Accent gehört zu den populären Tagesschlagern der Ära, mit denen Glen Grays Casa Loma Orchestra auf #13 gelangt. 15. September: In den US-Hitparaden erfolgreich sind Benny Goodman (Take My Word, #5) und das Casa Loma Orchestra mit Two Cigarettes in the Dark und Luis Russell mit dem Evergreen Ol’ Man River von 1927. 29. September: Fats Wallers Then I’ll Be Tired of You gehört zu den vielen ungalanten Song des Pianisten, mit dem er auf #9 kommt. Die Nummer schrieben E. Y. Harburg und Arthur Schwartz. 6. Oktober: Das Duke Ellington Orchestra knüpft an den aktuellen Erfolg von Moonglow an und gelangt mit dem Song auf #2; Ellington bleibt damit 16 Wochen in den Hitparaden. 13. Oktober: Mit dem Bugle Call Rag kommt Benny Goodman auf #5 der Charts; 1936 nimmt er ihm im Arrangement von Jimmy Mundy erneut auf. Fats waller ist erfolgreich in der Hitparade mit Don’t Let It Bother You von Mack Gordon und Harry Revel, eine Melodie aus dem Film Gay Divorce, wo sie Fred Astaire sang. 20. Oktober: In den Hitparaden erfolgreich sind Cab Calloway (Chines Rhythm, #6), Fletcher Henderson (Tidal Wave, #19) und Fats Waller mit Sweetie Pie (#7), den auch Anson Weeks in dieser Zeit im Programm hat. 20. Oktober: Duke Ellington kommt mit seiner eigenen Version von Solitude für eine Woche auf Position 2 der Charts; er wird ein Evergreen in Ellingtons Repertoire und seit dieser Aufnahme zu einem bekannten Jazzstandard, mit dem im selben Jahr auch die Mills Blue Rhythm Band in die Hitparade kommt. 3. November: Lost in a Fog von Jimmy McHugh und Dorothy Fields ist ein Hit für das Dorsey Brothers Orchestra (#15); das Casa Loma Orchestra kommt in derselben Woche mit You’re a Builder Upper auf #11. 10. November: Jimmy Lunceford kommt mit seiner Version des Ellington-Songs Mood Indigo auf #19 der Hitparaden. 17. November: Das Dorsey Brothers Orchestra mit Sänger Bob Crosby erreicht die Top 20 mit I’m Getting Sentimental Over You, das George Bassman für das Orchester schrieb. Ebenfalls in den Charts vertreten ist Duke Ellington mit Saddest Tale (#9); die Solisten sind Barney Bigard, Tricky Sam Nanton, Johnny Hodges, Cootie Williams und Harry Carney. mini|Elsa Maxwell (Mitte), mit William Rhinelander Stewart (links) und Cole Porter, 1934 8. Dezember: Ethel Waters kommt auf #19 mit dem Song Miss Otis Regrets (She’s Unable to Lunch Today), den Cole Porter der Kolumnistin Elsa Maxwell widmete. Später nehmen ihn auch Nat King Cole und Cab Calloway auf. 15. Dezember: Georgia’s Gorgeous Gal stammt von Frank Perkins, der mit Mitchell Parish Stars Fell on Alabama schrieb. Es ist der einzige Hit der Damenband Ina Ray Hutton & Her Melodears; der Song wird 1934 auch in Deutschland von Hans Bund und seinem Tanzorchester aufgenommen.Alle Chartinformationen stammen aus Gerhard Klußmeier: Jazz in the Charts. Another view on jazz history. Liner Notes und Begleitbuch der 100-CD-Edition. Membran International GmbH., ISBN 978-3-86735-062-4. 28. Dezember: Django Reinhardt spielt mit dem Quintette du Hot Club de France in Paris die ersten vier Titel ein und präsentiert damit eine originär europäische Form des Jazz.