Der Große Preis von Belgien 1992 (offiziell L Grand Prix de Belgique) fand am 30. August auf dem Circuit de Spa-Francorchamps in der Nähe von Spa statt und war das zwölfte Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1992. Der spätere Rekordweltmeister Michael Schumacher gewann seinen ersten Grand Prix.

Berichte Hintergrund Aus finanziellen Gründen entschied sich das Traditionsteam Brabham nach 30 Jahren für einen sofortigen und dauerhaften Rückzug aus der Formel 1.

Zugunsten des Debütanten Emanuele Naspetti, der Sponsorengelder mitbrachte, musste Paul Belmondo seinen Platz bei March räumen. Christian Fittipaldi kehrte nach mehrwöchiger verletzungsbedingter Pause anstelle des Ersatzfahrers Alessandro Zanardi ins Minardi-Team zurück.

Die Scuderia Ferrari brachte ein Exemplar einer weiterentwickelten Version des F92A an den Start. Der Wagen trug die Bezeichnung F92AT und wurde von Jean Alesi pilotiert.

Das italienische Team Andrea Moda Formula war hier letztmals bei einem Großen Preis anwesend. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde der Teamchef Andrea Sassetti von der belgischen Polizei wegen des Verdachts auf Scheckbetrug verhaftet. Daraufhin schloss die FISA das Team von der weiteren Teilnahme an der Weltmeisterschaft aus.

Nach dem Großen Preis von Ungarn stand Nigel Mansell bereits nach elf von 16 Rennen als Weltmeister fest. In der Fahrerwertung führte er uneinholbar mit 52 Punkten vor Riccardo Patrese und mit 58 Punkten vor Ayrton Senna. In der Konstrukteurswertung führte Williams mit 74 Punkten vor McLaren und mit 81 Punkten vor Benetton.

Mit Senna (fünfmal), Michele Alboreto und Mansell (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an. Alboreto gewann dabei den Großen Preis von Belgien als dieser in Zolder ausgetragen wurde.

Training Infolge des Rückzugs von Brabham umfasste die Meldeliste genau 30 Piloten. Da dies die zulässige Maximalzahl für die Teilnahme an den Trainings war, konnte auf eine Vorqualifikation verzichtet werden.

Während des ersten freien Trainings am Freitagvormittag verunglückte Érik Comas in der schnellen Blanchimont-Kurve so schwer, dass er für 17 Minuten das Bewusstsein verlor. Er nahm nicht am weiteren Verlauf des Rennwochenendes teil.

Mansell sicherte sich seine zehnte Pole-Position des Jahres vor Senna, Schumacher, Patrese, Alesi und Gerhard Berger. Thierry Boutsen und Mika Häkkinen bildeten die vierte Startreihe vor Martin Brundle und Johnny Herbert.

Die während des ersten Qualifikationsdurchgangs am Freitag erzielten Rundenbestzeiten konnten am Samstag aufgrund von Regen nicht mehr unterboten werden. Trotzdem gingen einige Piloten auf die Strecke, um das Verhalten ihrer Fahrzeuge auf Regenreifen zu testen. Dies führte zu zwei weiteren schweren Unfällen von Berger und Pierluigi Martini, die jeweils durch Aquaplaning verursacht wurden. Beide Piloten blieben allerdings unverletzt.

Rennen Während Senna vor Mansell und Patrese in Führung ging, kam es an Bergers McLaren MP4/7A zu einem Kupplungsdefekt. Den nachfolgenden Piloten gelang es jedoch, dem stehengebliebenen Wagen rechtzeitig auszuweichen. In der zweiten Runde zog Mansell in der Blanchimont-Kurve an Senna vorbei.

Als es nach wenigen Minuten zu regnen begann, steuerte Mansell als einer der ersten die Box an, um Regenreifen montieren zu lassen. Patrese, der kurz zuvor ebenfalls Senna überholt hatte, gelangte dadurch in Führung. Als auch er zum Reifenwechsel in die Boxengasse abbog, übernahm Senna, der darauf spekulierte, dass der Regen nur kurz anhalten würde, die Spitzenposition. Da sich dies als nicht zutreffend herausstellte, ließ auch er nach zehn Runden seine Reifen wechseln, wodurch Mansell wieder in Führung gelangte. Patrese folgte auf dem zweiten Rang vor Schumacher.

Als die Strecke zunehmend abtrocknete, beschloss Schumacher in Runde 30 nach einem kleinen Fahrfehler im Bereich Stavelot, wieder auf Slicks zu wechseln. Die beiden Williams-Piloten reagierten zunächst nicht darauf und verloren mit ihren verschlissenen Regenreifen Zeit gegenüber Schumacher. Dieser übernahm in der 34. Runde die Führung vor den beiden. Sein Teamkollege Brundle lag auf dem vierten Rang vor Häkkinen und Senna. Wegen eines Defektes am Auspuff seines Wagens fiel Mansell gegenüber dem Führenden Schumacher weiter zurück. Patrese hatte mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen, konnte den dritten Rang aber dennoch gegenüber Brundle verteidigen. In der drittletzten Runde überholte Senna Häkkinen und lag damit an fünfter Position.

Schumacher erzielte seinen ersten von insgesamt 91 Grand-Prix-Siegen und das Williams-Team sicherte sich die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft 1992.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren MP4/7A Honda RA122E 3.5 V12 2 3 Tyrrell 020B Ilmor 2175A 3.5 V10 4 5 Williams FW14B Renault RS3C 3.5 V10 6 9 Footwork FA13 Mugen-Honda MF-351H 3.5 V10 10 11 Lotus 107 Ford Cosworth HB 3.5 V8 12 14 Fondmetal GR02 15 16 March CG911 Ilmor 2175A 3.5 V10 17 19 Benetton B192 Ford Cosworth HB 3.5 V8 20 21 Dallara 192 Ferrari 037 3.5 V12 22 23 Minardi M192 Lamborghini 3512 3.5 V12 24 25 Ligier JS37 Renault RS3C 3.5 V10 26 27 Ferrari F92AT Ferrari 040 3.5 V12 28 Ferrari F92A 29 Venturi LC92 Lamborghini 3512 3.5 V12 30 32 Jordan 192 Yamaha OX99 3.5 V12 33 34 Andrea Moda S921 Judd GV 3.5 V10 35

Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur 1. Qualifikationstraining 2. Qualifikationstraining Start Zeit Ø-Geschwindigkeit Zeit Ø-Geschwindigkeit 1 1:50,545 227,115 km/h 2:07,693 196,615 km/h 1 2 1:52,743 222,687 km/h 2:14,983 185,997 km/h 2 3 1:53,221 221,747 km/h 2:11,770 190,532 km/h 3 4 1:53,557 221,091 km/h – – 4 5 1:54,438 219,389 km/h 2:11,360 191,127 km/h 5 6 1:54,642 218,998 km/h – – 6 7 1:54,654 218,975 km/h 2:12,153 189,980 km/h 7 8 1:54,812 218,674 km/h 2:15,987 184,624 km/h 8 9 1:54,973 218,368 km/h 2:12,619 189,312 km/h 9 10 1:55,027 218,265 km/h 2:16,726 183,626 km/h 10 11 1:55,965 216,500 km/h – – 11 12 1:56,075 216,295 km/h 2:15,529 185,247 km/h 12 13 1:56,111 216,228 km/h 2:11,341 191,154 km/h 13 14 1:56,282 215,910 km/h 2:14,734 186,340 km/h 14 15 1:56,674 215,184 km/h – – 15 16 1:56,809 214,935 km/h 2:12,232 189,866 km/h 16 17 1:56,889 214,788 km/h 2:14,037 187,309 km/h 17 18 1:57,039 214,513 km/h 2:14,765 186,298 km/h 18 19 1:57,267 214,096 km/h – – 19 20 1:57,330 213,981 km/h 2:13,415 188,183 km/h 20 21 1:57,794 213,138 km/h 2:16,618 183,771 km/h 21 22 1:57,818 213,095 km/h 2:13,612 187,905 km/h 22 23 1:58,126 212,539 km/h 2:23,090 175,459 km/h 23 24 1:58,499 211,870 km/h 2:15,268 185,605 km/h 24 25 1:58,826 211,287 km/h 2:14,711 186,372 km/h 25 26 1:59,383 210,301 km/h 2:19,247 180,301 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Fittipaldi, Moreno, McCarthy und Comas an der Qualifikation. 1:59,626 209,874 km/h – – – DNQ 2:05,096 200,697 km/h 2:24,830 173,351 km/h — DNQ 2:15,050 185,904 km/h – – – DNQ – – – – – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 44 2 1:36:10,721 3 1:53,791 (39.) 2 44 2 + 36,595 1 1:55,294 (38.) 3 44 2 + 43,897 4 1:57,387 (39.) 4 44 2 + 46,059 9 1:57,398 (41.) 5 44 2 + 1:08,369 2 1:54,088 (42.) 6 44 1 + 1:10,030 8 1:55,929 (42.) 7 44 1 + 1:38,237 16 1:56,676 (40.) 8 43 1 + 1 Runde 13 1:59,376 (39.) 9 43 1 + 1 Runde 25 1:59,482 (39.) 10 43 1 + 1 Runde 15 1:59,097 (42.) 11 43 1 + 1 Runde 18 1:57,817 (39.) 12 43 2 + 1 Runde 21 2:01,032 (38.) 13 42 1 DNF 10 1:56,254 (42.) 14 42 1 + 2 Runden 24 2:01,067 (40.) 15 42 1 + 2 Runden 17 2:03,615 (39.) 16 42 0 + 2 Runden 23 2:00,755 (39.) 17 42 1 + 2 Runden 26 1:59,914 (40.) 18 40 1 DNF 20 1:57,954 (39.) – 27 2 DNF 7 2:16,745 (25.) – 25 1 DNF 12 2:16,933 (25.) – 25 1 DNF 11 2:16,893 (19.) – 20 1 DNF 14 2:17,039 (19.) – 7 1 DNF 5 2:15,494 (1.) – 1 0 DNF 22 2:23,952 (1.) – 0 0 DNF 19 – – 0 0 DNF 6 –

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Williams-Renault 982Williams-Renault 443Benetton-Ford 434McLaren-Honda 36 5McLaren-Honda 246Benetton-Ford 217Ferrari 138Lotus-Ford 99Footwork-Mugen-Honda 510Tyrrell-Ilmor 411Ligier-Renault 412March-Ilmor 313Ferrari 314Dallara-Ferrari 215Lotus-Ford 216Venturi-Lamborghini 117Dallara-Ferrari 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte18Footwork-Mugen-Honda 019Minardi-Lamborghini 020Ligier-Renault 021Jordan-Yamaha 022Minardi-Lamborghini 023Tyrrell-Ilmor 024Venturi-Lamborghini 025March-Ilmor 026March-Ilmor 027Fondmetal-Ford / Brabham-Judd 028Brabham-Judd 029Fondmetal-Ford 030Jordan-Yamaha 0–Fondmetal-Ford 0–Andrea Moda-Judd 0–Minardi-Lamborghini 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 1422 643 60 4 165 116 57 48 4 Pos. Konstrukteur Punkte9 310 211 112 013 014 015 0– 0 Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1 Rennergebnis auf „Motorsportarchiv.de“

Einzelnachweise

#1992 Belgien Kategorie:Sportveranstaltung in Stavelot