mini|Gerhard Frey, 2013 verstorbener Eigentümer und Inhaber, mit einem Exemplar der National-Zeitung (2009) Die National-Zeitung (NZ) war eine rechtsextremeStephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster: Strategien der extremen Rechten: Hintergründe-Analysen-Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009.Wolfgang Benz (Hg.) Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1989.Armin Pfahl-Traughber (Hg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. München. C.H. Beck, 1999. überregionale deutsche Wochenzeitung mit Sitz in München. Sie erschien in der seit 2020 in Liquidation befindlichen Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH (DSZ-Verlag). Bis 1999 wurde außerdem die im Inhalt weitgehend identische Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) herausgegeben. Die letzte Ausgabe 52/2019 der National-Zeitung erschien am 20. Dezember 2019.
Organisation Die National-Zeitung wurde im DSZ-Verlag herausgegeben, bis zu seinem Tod 2013 von dessen Eigentümer Gerhard Frey, dem langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Volksunion (DVU). Die von Presse-Grosso vertriebene Zeitung erreichte 2006 eine geschätzte wöchentliche Gesamtauflage von 38.000 Exemplaren pro Ausgabe. Seither sind keine Zahlen zur Auflage mehr bekannt geworden, sie dürfte jedoch deutlich gesunken sein. Zum Vergleich: 1976 hatte sie auf dem wesentlich kleineren westdeutschen Zeitungsmarkt eine durchschnittliche wöchentliche Auflage von 106.000 Exemplaren.Friedo Sachser: West Germany. In: American Jewish Yearbook 76, S. 339–356, hier S. 341.
Neben dem DSZ-Verlag existierte die „Freiheitliche Buch- und Zeitschriftenverlags GmbH“ (FZ-Verlag) mit einem Buch- und Reisedienst, als deren Geschäftsführerin Freys Ehefrau Regine fungierte (die seit dem Tod ihres Mannes die Geschäftsführung des DSZ-Verlages innehat). Frey verfügte damit über das größte politisch rechts der CSU stehende Medienkonglomerat in Deutschland. Über die Zeitung wurden Produkte wie Medaillen, deren Motive vom ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) bis zum Luftwaffen-Piloten Hans-Ulrich Rudel reichten, Bücher aus den eigenen Verlagen oder antiquarische Bücher beworben und vertrieben.
Trotz ihrer formalen Unabhängigkeit wurde die Zeitung aufgrund der beherrschenden Stellung Freys und wegen des Fehlens einer originären Parteizeitung der DVU bis zu seinem Rückzug aus der Parteipolitik oft als das Presseorgan der Partei betrachtet, obwohl sie auch über die Partei hinaus eine große Wirkung im politischen Spektrum rechts der Unionsparteien ausübte. Daher war es noch im Jahr 2006 das in Deutschland meistverbreitete Presseerzeugnis dieser politischen Richtung. Da die Auflage der Zeitung in den letzten Jahren nach dem Tod des Gründers und der Auflösung der DVU stark rückläufig war, war auch ihre Bedeutung für das rechte Parteienspektrum gesunken.
Geschichte Deutsche Soldaten-Zeitung Die DNZ wurde 1950/51 als Deutsche Soldaten-Zeitung (DSZ) gegründet. In einem amerikanischen Internierungslager in Garmisch-Partenkirchen waren der ehemalige NSDAP-Kreisleiter und Landrat von Preußisch Holland Helmut Damerau, der Wehrmachtsoberst und Landrat von Stendal Heinrich Detloff von Kalben, der SS-Standartenführer der Waffen-SS Joachim Ruoff und der General der Waffen-SS Felix Steiner 1950 übereingekommen, eine Publikation zu gründen, die für einen „antibolschewistischen deutschen Verteidigungsbeitrag“ werben sollte. Vor dem Hintergrund des Koreakrieges, des sich verschärfenden Kalten Krieges und der Diskussion über die deutsche Wiederbewaffnung fand das Vorhaben finanzielle Unterstützung durch die CIAMatthias Schmidt: Die Parlamentsarbeit rechtsextremer Parteien und mögliche Gegenstrategien. Eine Untersuchung am Beispiel der „Deutschen Volksunion“ im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Agenda, Münster 1997, S. 70. – und Privatleute. Weitere Teile des Gründungskapitals brachten Damerau, der 1950 in München den Schild-Verlag gründete, und der Tischlermeister Leo Giess auf. Die DSZ sollte über die Zielgruppe der ehemaligen deutschen Soldaten den westdeutschen Beitritt zur NATO publizistisch vorbereiten.Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung. Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 18.
Im Frühjahr 1951 erwarb Dameraus Schild-Verlag die Zeitung Der deutsche Soldat.Johannes J. Hoffmann: Adenauer, „Vorsicht und keine Indiskretionen!“ – Zur Informationspolitik und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung 1949–1955. Shaker, Aachen 1995, ISBN 978-3-8265-0826-4, S. 213. Als deren Nachfolgerin erschien am 6. Juni 1951 die erste Ausgabe der DSZ in einer Auflage von 30.000 Exemplaren als Wochenzeitung. Die Hälfte der Auflage wurde dabei vom Verband deutscher Soldaten (VdS) abgenommen.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation – Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 13. Vgl. die abweichenden Angaben bei Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung – Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 18, 20.
Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke attestieren der DSZ, sie habe „[m]it ihren aggressiv formulierten antikommunistischen und antigewerkschaftlichen Beiträgen, mit Generälen, Offizieren und PK-Berichterstattern als Autoren, die [die] Schlachten und Feldzüge des II. Weltkrieges verherrlichen, Leitbilder der deutschen Frontsoldaten restaurieren und den (geringen) militärischen Widerstand als ‚Vaterlandsverrat‘ diffamieren […] [,] ein aufnahmebereites Publikum unter den ehemaligen Wehrmachtsangehörigen“ gefunden. Diese hätten „ihre soldatischen und nationalistischen Weltbilder bestätigt bekommen: rechtsradikale Vergangenheitsbewältigung durch Rechtfertigung lebensgeschichtlich erworbener Normen- und Wertemuster“. Leugnung und Verharmlosung nationalsozialistischen Terrors hätten die Zeitung beherrscht.Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung. Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 19–20. [Hervorhebung im Original].
Bereits 1952 geriet die DSZ in Probleme. Chefredakteur Cornelius Pfeiffer hatte sich gegen das Bundeswehr-Konzept der Bundesregierung gewandt. Damerau wurde deshalb vom VdS unter Druck gesetzt und ersetzte Pfeiffer durch Arno Werner Uhlig. Zugleich wurde die DSZ in zwei Ausgaben geteilt. Die eine redigierte Uhlig als politische Zeitung, die andere der Pressereferent des VdS, Irnfried von Wechmar, als VdS-Mitteilungsblatt. Im Mai 1954 wandelte der VdS sein Mitteilungsblatt in die eigenständige Publikation Soldat im Volk um.DNB Eintrag Soldat im Volk
Unter Uhlig nahm die Auflage um ca. zwei Drittel ab. Da ab Ende 1953 die Zahlungen der Amerikaner zurückgingen, geriet Damerau mit seinem Verlag in eine finanzielle Schieflage. Damerau schloss einen „Förderungsvertrag“ mit dem Bundespresseamt, das die Einstellung der Zeitung verhindern wollte und 11.000 DM monatlich zahlte. Da es dem Bundespresseamt jedoch nicht gelang, wie erhofft Einfluss auf die Inhalte und das Personal der Zeitung zu nehmen, stellte es Ende 1954 seine Zahlungen ein.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation. Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 13f.
Über die Verbindungen von Regierungsstellen und DSZ gibt es unterschiedliche Aussagen. Während der Parlamentarisch-Politische Pressedienst 1957 von einer Freundschaft zwischen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und Damerau berichtete, wurde dies vom Verteidigungsministerium dementiert.Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung. Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 22f. Am 20. Oktober 1958 distanzierte sich das Bundesverteidigungsministerium erstmals öffentlich von der DSZ, weil man den Eindruck vermeiden wolle, die DSZ sei die Zeitung der Bundeswehr-Soldaten. Im Frühjahr 1959 charakterisierte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Gerd Schmückle, die DSZ als „Blatt für Unheilbare und Gamaschenknöpfe“. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Adolf Heusinger, informierte am 8. September 1959 die Kommandeure, dass künftig jede Form der Mitarbeit an der DSZ zu unterbleiben habe. Die DSZ diene „nicht der Verwurzelung der Bundeswehr in Staat und Volk“, sondern versuche, „die Entschlossenheit zur Verteidigung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen zu schwächen“.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation. Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 17f.
Ab April 1954 erschien die DSZ nur noch 14-täglich. Anfang 1955 wurden die Schulden des Schild-Verlags auf 90.000 DM beziffert. Die DSZ erschien nur noch monatlich.Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung. Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 20f. Die Auflage sank bis Januar 1958 auf 9.000,Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung. Inhalte, Geschichte, Aktionen. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1981, ISBN 3-88206-023-9, S. 24. zeigte aber bis Ende 1958 mit 27.500 Exemplaren erstmals wieder aufsteigende Tendenz.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation. Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 18.
Nachdem Chefredakteur Uhlig im März 1954 versucht hatte, Damerau aus dem Verlag zu drängen, wurde er durch Hans-Gerd von Esebeck ersetzt, dem wiederum Anfang 1955 Erich Kernmayr nachfolgte. Als die Gesamtschulden des Verlags 1958 auf 150.000 bis 200.000 DM angewachsen waren, kündigte nahezu die gesamte Redaktion ihre Verträge. Damerau sah sich gezwungen, ein Angebot Gerhard Freys anzunehmen. Die DSZ wurde aus dem Schild-Verlag gelöst und mit 70.000 DM Stammkapital als Deutsche Soldaten-Zeitung Verlagsgesellschaft m.b.H mit Sitz München-Lochhausen neu gegründet. Die Hälfte des Stammkapitals stammte von Frey. Dameraus Verlag blieb mit 24 % beteiligt, weitere 26 % hielt Dameraus Ehefrau Hildegard als stille Teilhaberin.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation. Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 14f.
Frey versuchte bald, Damerau aus dem DSZ-Verlag zu drängen, und ließ ihn im März 1959 als Geschäftsführer abberufen. Dagegen klagte Damerau, was Frey mit einer Gegenklage konterte. Damerau nahm Anfang 1960 seinen Einspruch gegen seinen Ausschluss zurück und gab im Juli 1960 nach einer Zahlung in Höhe von 75.000 DM seinen Widerstand endgültig auf. Frey war damit ab August 1960 Alleinbesitzer, Herausgeber und Chefredakteur der DSZ.Günther Paschner: Falsches Gewissen der Nation. Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung. Hase & Koehler, Mainz 1967, S. 15f.
Deutsche National-Zeitung