Das Info BUG war eine linksradikale Wochenzeitschrift, die von 1974 bis 1977 in Berlin veröffentlicht wurde. Insgesamt erschienen 179 Nummern. Vorläufer war die Zeitschrift 883.
Die Zeitschrift Info BUG (Berliner Undogmatischer Gruppen) setzte sich mit Ideen der undogmatischen Linken auseinander und veröffentlichte Berichte, Meinungen, Termine und Kleinanzeigen. Auch dem Themenkreis „Bewaffneter Kampf“ gab man Raum. Die Publikation wurde von wechselnden Redaktionsgruppen erstellt. Info BUG wurde zwar in Berlin produziert, hatte aber auch eine überregionale Verbreitung. Die Zeitschrift erschien im Format DIN A4, die Druckauflage hatte bis zu 3000 Exemplare, der Preis belief sich auf 0,50 DM.
Es veröffentlichten die Bürgerinitiative Westtangente, die erfolgreich eine Autobahn quer durch Berlin ab dem Bezirk Schöneberg verhinderte, Frauengruppen, Schwule Gruppen wie die HAW (Homosexuelle Aktion Westberlin), Betriebsgruppen, Chile-Komitee, Portugal-Spanien-Gruppe, ergänzt durch Comics u. a. von Gerhard Seyfried sowie Bekennerschreiben der bewaffneten Gruppen RAF (Rote Armee Fraktion) oder Bewegung 2. Juni (benannt nach dem am 2. Juni 1967, anlässlich einer Anti-Schah-Demonstration durch einen Polizeibeamten ermordeten Studenten Benno Ohnesorg.) Die Redaktion machte die Erfahrung, dass die texte der RAF immer weniger verständlich wurden. Die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, seines Fahrers und eines Justizbeamten am 7. April 1977 in Karlsruhe, kommentierte ein Mescalero (Klaus Hülbrock) mit den einleitenden Worten: „Ich konnte und wollte eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.“ Die restlichen Zeilen waren eine Kritik an der RAF. Seine „klammheimliche Freude“ ging durch sämtliche Medien, seine Kritik an der RAF wurde verschwiegen. Das Info BUG publizierte den ganzen Text – und wurde beschlagnahmt. Die Republik diskutierte über einen Text, den sie nicht lesen durfte.
Die Zeitschrift, ihre Mitarbeiter und die Druckerei (AGIT-Druck) gerieten bald ins Visier der Strafverfolgung. Im April 1975 wurde die Zeitschrift zum ersten Mal an einigen Vertriebsstellen eingezogen. Zu den Ausgaben, die beschlagnahmt wurden, gehörten die Nummern 49, 51, 52, 79, 80, 105, 114, 115, 117, 121, 123, 143b, 145, 147, 151, 153, 157, 158, 177 und 178. Im Februar 1977 folgten Strafen wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole. Die Zeitschrift wurde mit der Nummer 179 offiziell eingestellt,Holger Jenrich: Anarchistische Presse in Deutschland 1945–1985. Trotzdem Verlag, Grafenau-Döffingen 1988, ISBN 3-922209-75-0, S. 89 f., S. 149–1575. nachdem die Druckerei der Zeitschrift am 17. Oktober 1977 vom Staatsschutz besetzt worden war. Die AGIT-Drucker wurden unter dem Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung festgenommen und zu Freiheitsstrafen von 9 bis zu 13 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Versprengte Reste der Redaktion gaben eine Zeitlang Untergrundausgaben heraus, von der fast jede Ausgabe mit einem Beschlagnahmebeschluss belegt wurde.Kurzinformation über das INFO BUG.
Weblinks Mord beginnt beim bösen Wort Spiegel-Serie über Sympathisanten und sogenannte Sympathisanten IV: Spontis, Anarchos, Buchläden, 31. Oktober 1977
Einzelnachweise
Kategorie:Anarchistische Zeitschrift Kategorie:Antiquarische Zeitschrift (Berlin) Kategorie:Ersterscheinen 1974 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1977