mini|Kalksteinbruch und See, im Hintergrund links und rechts die Werksgebäude Flandersbach mini|Rheinkalk-Bruch Rösenbeck mini|Rheinkalk-Hauptverwaltung, Wülfrath. Architekt: Eike Becker mini|Video: Kalksteingewinnung und -verarbeitung im Kalkwerk Flandersbach, 2006

Lhoist Germany Rheinkalk GmbH ist eine Unternehmensgruppe der belgischen Lhoist-Gruppe, dem weltgrößten Hersteller von Kalk- und Dolomit-Erzeugnissen. Sitz des Unternehmens ist Wülfrath im Regierungsbezirk Düsseldorf. Hier befindet sich auch das Werk Flandersbach.

Geschichte Die Rheinisch-Westfälische Kalkwerke AG (später RWK Kalk AG) wurde 1887 von Wilhelm Schüler, Anton Winter und der Gewerkschaft Maximilian gegründet. An ihr beteiligte sich 1993 die belgische Lhoist-Gruppe. Geschäftsführer der Rheinischen Kalkstein- und Dolomitwerke in Wülfrath war von 1973 bis 1984 der Diplom-Bergingenieur Kark Heinz Zepter, der zuvor Geschäftsführer von Ertsoverslagbedrij Europosport war.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1382. 1999 kam es zur Zusammenführung RWK Kalk AG und der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke AG zur Rheinkalk GmbH.

Die Rheinischen Kalksteinwerke in Wülfrath waren 1903 von August Thyssen gegründet worden, um sich Kalksteinvorkommen für die Stahlproduktion zu sichern. Lhoist übernahm das Unternehmen 1997.Eine Aktie der Firma von 1921 vermerkt: „Produktion von Rohkalkstein für die Verhüttung von Eisenerzen; Weißkalk in Stücken für die Rohstahlerzeugung usw. Gegründet am 9. Juli 1887. Gründung als ‚Dornap-Angerthaler AG für Kalkstein und Kalkindustrie‘. 1888 Änderung der Firma in Rheinisch-Westfälische Kalkwerke.“-- Beteiligungen 1943: 1. Westdeutsche Kalk- und Portlandzement-Werke AG, Köln. 2. Trierer Kalk- und Dolomitwerke AG, Wellen (Bez. Trier) u. v. a. -- Großaktionäre (1943): 1. Vereinigte Stahlwerke AG, Düsseldorf (59,7 %); 2. Hoesch AG, Dortmund (25,6 %).

Hönnetal

Untertageverlagerung 1944 Ende August 1944 wurde im versteckt liegenden Hönnetal im Steinbruch Emil 1 der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke mit dem Ausbau einer gigantischen Stollenanlage begonnen, mit dem Ziel der Sicherung der kriegsrelevanten Mineralölindustrie vor der Zerstörung durch alliierte Luftangriffe.

Die Anlage wird zur Zeit neu erforscht:

Dokumentiert wird die Untertage-Verlagerung seit 2020 unter der Leitung von Manuel Zeiler, wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie für Westfalen, zusammen mit der Speläogruppe Sauerland e. V.

Klimaneutralität Gebrannter Kalk ist eine relevante Kohlendioxidquelle, weil beim Brennvorgang etwa 65 Prozent der Masse als gasförmiges Kohlendioxid ausgetrieben werden (Entsäuerung des Kalksteins).

Zur Vermeidung von CO2-Emissionen plant Lhoist Germany für das Werk Hönnetal die CO2-Abspaltung und Speicherung in der Erdkruste (CCS). „Sobald wir Investitionssicherheit haben, gehen wir die Investition auch an“, versprach der frühere Lhoist-Deutschland Chef Perterer 2022 im Gespräch mit der Westfalenpost. Er sprach von einer Umsetzungszeit von drei bis fünf Jahren, bis das Kohlendioxid aufgefangen werden könne. Voraussetzung dafür sei allerdings Planungssicherheit im Hönnetal für den Ausbau des Kalksteinabbaus zwischen Menden und Balve. Das Projekt habe eine enorme Strahlkraft: Laut Lhoist komme jede zehnte in Deutschland produzierte Tonne Kalk aus dem Werk Hönnetal.

Kritiker verweisen auf die Risiken der CO2-Abspaltung und die katastrophale Energiebilanz des CCS-Verfahrens. Sie empfehlen mit Blick auf den absehbaren Klima-Kollaps die konsequente Vermeidung der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Kalk. Näheres siehe Lhoist-Gruppe.

Schmalspurbahnen Das Unternehmen von Wilhelm Schüler in Dornap betrieb ab 1887 eine über 768 m lange Feldbahn mit zwei Lokomotiven und 20 Kippwagen mit je 2,5 t Ladefähigkeit. Das Unternehmen Schürmann Söhne betrieb zur gleichen Zeit eine 475 m lange Feldbahn mit einer Lokomotive und 19 Transportwagen. Die beiden Unternehmen fusionierten 1887 zur Rheinisch-Westfälische Kalkwerke AG. Nach einer dynamischen Entwicklung betrieb die RWK bereits über 11,2 km Schmalspurbahnen, die sie mit 6 Lokomotiven und 138 Waggons zu je 2,5 t befuhr. Zehn Jahre später war das Netz der RWK auf knapp 50 Kilometer angewachsen und die Anzahl der Waggons hatte sich verdoppelt. Thyssens noch relativ jungen Rheinischen Kalksteinwerke verfügten über weitere sieben Kilometer Schmalspurbahnen.Sebastian Haumann: Kalkstein als »kritischer« Rohstoff: Eine Stoffgeschichte der Industrialisierung, 1840-1930. transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8394-5240-0, S. 1–4.

Konzernstruktur Zur Gruppe zählen:

Rheinkalk GmbH, Wülfrath Rheinkalk GmbH, Werk Flandersbach, Wülfrath Rheinkalk GmbH, Werk Hönnetal, Menden (Sauerland) Rheinkalk GmbH, Werk Hagen-Halden, Hagen Rheinkalk GmbH, Werk Messinghausen, Brilon (Sauerland) Rheinkalk GmbH, Werk Pelm, Pelm Rheinkalk GmbH, Werk Salzhemmendorf, Landkreis Hameln-Pyrmont Rheinkalk GmbH, Werk Hastenrath, Eschweiler Rheinkalk GmbH, Werk Istein, Efringen-Kirchen Rheinkalk GmbH, Werk Rheine, Rheine Rheinkalk Grevenbrück GmbH, Lennestadt Rheinkalk GmbH, Werk Scharzfeld, Herzberg Rheinkalk Lengerich GmbH, Lengerich – im Jahr 2010 geschlossen Walhalla Kalk GmbH & Co.KG, Werk Regensburg, Regensburg AWA-Institut, Gesellschaft für angewandte Wasserchemie mbH, Pelm

Das Kalkwerk Flandersbach der Rheinkalk-Gruppe ist das größte Kalkwerk Europas. Allein hier werden jährlich rund 7,5 Mio. t Kalkstein gefördert und gebrannt. Die Öfen im Werk Flandersbach werden mit Kohlenstaub, Gas und Ersatzbrennstoffen betrieben. Der produzierte Kalk wird größtenteils auf der Schiene über die Angertalbahn transportiert.

Der Bedarf an Kalk besteht in vielen Bereichen der Industrie (zum Beispiel Stahlerzeugung, Bauindustrie, Papierindustrie) und der Landwirtschaft.

Literatur mini|Gründeraktie über 1000 Reichsmark der Dornap-Angerthaler AG für Kalkstein und Kalkindustrie vom 1. Juli 1887 mini|Aktie über 1000 RM der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke zu Dornap vom September 1921

Rolf Reckers: Rheinkalk-Werk Hönnetal, Menden: Die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke im Hönnetal. Entstehung des Werkes und die Werkbahnen. (PDF; 20,3 MB) In: Bahn-Express, 2/1987, S, 63–76; abgerufen am 24. August 2014.

Weblinks

Internetpräsenz der Unternehmensgruppe Rheinkalk

Einzelnachweise

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