Diese Liste enthält alle Torpedoboote der Kaiserlichen Marine von Anfang an, mit Ausnahme der Großen Torpedoboote und der Küstentorpedoboote der A-Klassen.
Die Vorläufer deutscher Torpedoboote waren 14 kleinere Hafenfahrzeuge und Schlepper, sowie sieben Ruderfahrzeuge, die ab 1870 die Elbe- und Wesermündung bewachten. Sie wurden behelfsmäßig als Spierentorpedoboote für die sogenannte Freiwillige Seewehr ausgerüstet. Diese Boote wurden Torpedodampfer genannt.
Bereits zwischen 1859 und 1861 waren vier Dampfer vom Stapel gelaufen, welche 1870 durch die Kaiserliche Marine aufgekauft und als Torpedodampfer eingesetzt werden sollten. Diese waren die Adler, die Oscar, die Neuenfelde und die St. Georg. Die Adler wurde durch einen Unfall bereits bei der Überführung versenkt und anschließend abgewrackt. Auf der Neuenfelde ereignete sich kurz nach der Übernahme durch die Kaiserliche Marine ein tödlicher Unfall, sodass die anderen verbleibenden Schiffe ihre Spierentorpedos abgeben mussten. Ihr Einsatz war fortan als Minenboot vorgesehen.
Torpedodampfer 1871 SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Devrient Nr. I . . 1871 Mai 1872 A um 1885 Devrient-Werft Danzig. 8. Juli 1881: Torpedoboote der Hafenverteidigung Wilhelmshaven; nach Streichung aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe am 27. März 1885 Fortifikations-Minenleger beim Torpedoversuchskommando in Wilhelmshaven. Devrient Nr. II . . 1871 . . 1872 A um 1885 Devrient-Werft. 8. Juli 1881: Hafenverteidigung Wilhelmshaven; nach Streichung aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe am 27. März 1885 Fortifikations-Minenleger beim Torpedodepot Friedrichsort Devrient Nr. III . . 1871 November 1872 A um 1885 Devrient-Werft. 8. Juli 1881: Hafenverteidigung Wilhelmshaven; nach Streichung aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe am 27. März 1885 Fortifikations-Minenleger beim Torpedodepot Friedrichsort Waltjen Nr. I . . 1871 September 1872 A April 1906 Waltjen-Werft in Bremen. Spierenversuche; 15. Dezember 1875: Minenleger W 1 der Hafenverteidigung Wilhelmshaven; 1901 als F 1 zum Minendepot Friedrichsort; im April 1906 aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe gestrichen Waltjen Nr. II . . 1871 September 1872 A April 1906 Waltjen. Spierenversuche; 15. Dezember 1875: Minenleger W 2 der Hafenverteidigung Wilhelmshaven; 1901 als F 2 zum Minendepot Friedrichsort; im April 1906 aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe gestrichen Waltjen Nr. III . . 1871 September 1872 A April 1906 Waltjen. Spierenversuche; 15. Dezember 1875: Minenleger W 3 der Hafenverteidigung Wilhelmshaven; 1901 als F 3 zum Minendepot Friedrichsort; im April 1906 aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe gestrichen
Torpedodampfer 1873 Die Torpedodampfer trugen anfangs die römischen Zahlen I bis IV und erhielten später ihre Namen.
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Notus 2. August 1873 20. Juni 1874 A 17. April 1909 AG Vulcan Stettin. Spierenversuche; ab 15. Dezember 1875 Werft-Schleppdampfer und Tonnenleger; Streichung aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe am 17. April 1909, anschließend abgewrackt. Zephir 22. Juni 1874 13. Oktober 1874 A vor 1907 Vulcan. Versuche, ab 1875 Schleppdampfer, bis 1907 in Wilhelmshaven abgewrackt. Rival 2. September 1874 14. Dezember 1874 A 1884 Vulcan. Spieren- und Maschinenversuche; Umbau zum Minenleger; ab 8. August 1881 Minenleger W 4 der Hafenverteidigung Wilhelmshaven; nach Streichung aus dem Verzeichnis der Kriegsschiffe 1884 Schleppdampfer bis Mitte Januar 1916; in Wilhelmshaven abgewrackt. Ulan 3. April 1876 8. Oktober 1876 A 26. Mai 1909 Möller & Holberg; Grabow. Versuche; 1880 Torpedo- und Artillerieschul-Tender; 1909 nach Streichung Prahm; 1919, 1925 und 1926 verkauft, dann abgewrackt.
Torpedofahrzeug I. Klasse 1878–1880 Das Torpedofahrzeug I. Klasse Zieten diente bis 1880 der Erprobung neuentwickelter Torpedos. Ihr Kommandant war dabei ab Mai 1878 der Kapitänleutnant und spätere Großadmiral Alfred Tirpitz, der seit 1877 für die Organisation der neuen Torpedowaffe zuständig war. 1881 wurde die Zieten zum Aviso umgebaut.
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Zieten 9. März 1876 1876/1877 A 6. Dezember 1919 Thames Ironworks London. Torpedoerprobung bis 1880; dann Aviso und Fischereischutzschiff; 1921 abgewrackt.
Torpedoboote I. Klasse 1882 Die Boote trugen anfangs die römischen Zahlen V bis XI und erhielten später ihre Namen. Sie gehören zur Schütze-Klasse.
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Schütze 11. Mai 1882 14. Juli 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser Bremen. Schulboot; nach Streichung 1891 Wachtboot in Wilhelmshaven; nach 1900 abgewrackt. Flink 24. Mai 1882 6. November 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser. Schulboot; nach Streichung 1891 Heizboot; nach 1900 abgewrackt. Scharf 30. Mai 1882 5. September 1882 A 19. Oktober 1891 AG Weser. Schulboot; nach Streichung 1891 Wachtboot in Wilhelmshaven; nach 1900 abgewrackt Tapfer 6. Juni 1882 10. Juli 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser; Minenleger und Hafentorpedoboot; 1891 nach Streichung Zielboot; 1908 wurde der Rumpf für 90 Mark (!) nach Bant verkauft. Kühn 12. Juni 1882 7. April 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser; Schulboot; nach Streichung 1891 Wachtboot in Wilhelmshaven; nach 1900 abgewrackt. Vorwärts 19. Juni 1882 7. April 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser; Schulboot; nach Streichung 1891 Wachtboot in Wilhelmshaven; nach 1900 abgewrackt. Sicher 26. Juni 1882 10. Juli 1883 A 19. Oktober 1891 AG Weser; Schulboot; nach Streichung 1891 Wachtboot in Wilhelmshaven; nach 1900 abgewrackt.
Torpedokanonenboot Torpedokanonenboote gab es in der Kaiserlichen Marine nur für wenige Jahre, sie sind als reine Versuchsboote anzusehen.
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Basilisk 20. August 1862 13. Juni 1863 A 28. Dezember 1876 Lübke Wolgast. 1874 mit einem Torpedorohr bestückt, Versuchsfahrten vor Wilhelmshaven vom 24. März bis zum 16. Mai 1874, dann inaktiv und 1876 gestrichen; viele Jahre Minenprahm; erst nach 1900 abgewrackt. Jäger 27. Januar 1883 24. Juli 1883 A 13. Mai 1889 AG Weser Bremen. Versuchsboot; 1889 ausgelistet und 1900 zum Abbruch nach Hamburg verkauft.
Whitesche Torpedoboote SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung White Nr. I 1885 A ? White Ltd., Cowes. 1 Torpedorohr, reines Beiboot mit 15 Knoten Geschwindigkeit; Verbleib unbekannt. White Nr. II 1886 A 1905–1910 White. Reines Beiboot mit 16 Knoten Geschwindigkeit; Verbleib unbekannt.
Kleine Torpedoboote verschiedener Bauart 1884–1888 SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung Th 1 13. Juni 1884 1. August 1884 A 30. Januar 1899 Thornycroft. Versuchs- und Hafentorpedoboot, 1900 in Hamburg abgewrackt. Y 12. Mai 1884 8. Mai 1885 A 30. Januar 1899 Yarrow. Versuchs- und Hafentorpedoboot, 1900 in Hamburg abgewrackt. Th 2 23. Mai 1884 1. August 1884 A ? Thornycroft. Versuchsboot; später Schlingerkreisel-Versuchsboot Seebär in Hamburg. G 20. Dezember 1884 9. September 1885 A 30. Januar 1899 Germaniawerft in Kiel. Versuchs- und Schulboot; nach 1899 Tender Helga, 1904 als Zielscheibe aufgebraucht. H 17. Juli 1886 12. November 1886 A 12. November 1894 Kaiserliche Werft Wilhelmshaven. Versuchsboot; nach 1894 als Zielscheibe aufgebraucht. K 16. Juli 1887 Juni 1889 A 30. Januar 1899 Kaiserliche Werft Kiel. Versuchsboot; 1899 gestrichen und in Hamburg abgewrackt. A 20. Dezember 1888 10. Oktober 1889 A 21. September 1920Kaiserliche Werft Danzig. Das Boot war Torpedoschulboot, seit 30. Januar 1899 als Schneewittchen Stationsyacht der Ostsee und Wachtschiff in Kiel; 1921 abgewrackt.
Kleines Torpedoboot AG Weser 1884 (W 1–W 6) Die Boote hatten vorher die römischen Zahlen XII bis XVII und wurden am 25. November 1884 auf W 1–W 6 umgeschrieben.
Bauwerft: AG Weser, Bremen
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung W 1 22. April 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und Zielboot, ca. 1910 abgewrackt. W 2 1. Mai 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und Wachboot in Wilhelmshaven, 1911 zum Verkauf freigegeben W 3 13. Mai 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und Wachboot in Wilhelmshaven, 1911 zum Verkauf freigegeben. W 4 24. Mai 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und Wachboot in Wilhelmshaven, 1911 zum Verkauf freigegeben. W 5 31. Mai 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und Wachboot in Wilhelmshaven, 1909 zum Verkauf freigegeben. W 6 13. Juni 1884 . . 1884 A 30. Januar 1899 Zuletzt Schul- und Hafenboot, am 30. Januar 1899 gestrichen und seit 5. Juli 1904 war das Boot als Tender Helga Wachboot in Helgoland, 1912 abgewrackt.
Kleines Torpedoboot Vulcan 1884 (V 1–V 19) Die Boote hatten vorher die römischen Zahlen XVIII bis XXVII und wurden am 25. November 1884 auf V 1–V 10 umgeschrieben.
Bauwerft: AG Vulcan, Stettin
SchiffStapellauf Indienststellung AußerdienststellungBemerkung V 1 1. April 1884 11. August 1884 A 1910 Das Boot wurde wenige Tage in V 11 umbenannt, war zuletzt Hafentorpedoboot und wurde 1910 in Kiel abgewrackt. V 2 28. April 1884 3. September 1884 A 1910 zuletzt Hafentorpedoboot und 1910 in Kiel abgewrackt. V 3 5. Mai 1884 5. September 1884 x 9. September 1885 Das Boot ist am 9. September 1885 in Kiel gesunken, wurde im Oktober gehoben und abgewrackt: Die Maschine wurde in Boot A eingesetzt. V 4 12. Mai 1884 5. September 1884 A 1900 zuletzt Hafentorpedoboot und 1900 in Hamburg abgewrackt. V 5 19. Mai 1884 28. Juli 1884 A 1910 zuletzt Hafentorpedoboot und 1910 in Kiel abgewrackt. V 6 23. Mai 1884 31. Oktober 1884 A 1900 zuletzt Hafentorpedoboot, 1900 aus der Flottenliste gestrichen; 1904 Schute in Hameln, 1908 Anleger auf der Oberweser; 1924 zur Motorfähre Forelle umgebaut, am 1. Juli 1955 auf der Weser gesunken, gehoben und 1966 abgewrackt. V 7 29. Mai 1884 16. September 1884 A 1910 zuletzt Hafentorpedoboot und 1910 in Hamburg abgewrackt. V 8 6. Juni 1884 16. September 1884 A 1910 zuletzt Tender und 1910 in Hamburg abgewrackt. V 9 12. Juni 1884 24. Oktober 1884 A 1910 zuletzt Hafentorpedoboot und 1910 in Kiel abgewrackt. V 10 10. Juli 1884 24. Oktober 1884 A 30. Januar 1899 im Oktober 1885 in V 3 umbenannt; am 30. Januar 1899 aus der Flottenliste gestrichen; Verwendung als Zielboot für Torpedoboote und Küstenartillerie, 1910 in Hamburg abgewrackt. V 11 Bau nur für wenige Tage vorgenommen, dann aber mit V 12 bis V 19 nach Griechenland verkauft V 12–V 19 Nummern waren für die Baunummern 157 bis 161 vorgesehen, dann aber alle nach Griechenland verkauft
Kleines Torpedoboot Schichau 1884 (S 1–S 6) Die Boote hatten vorher die römischen Zahlen XXVIII bis XXXIII und wurden am 25. November 1884 auf S 1–S 6 umgeschrieben.
Bauwerft: Schichau, Elbing