mini|Gentile Bellini: Porträt der Caterina Cornaro, Königin von Zypern, um 1500 Caterina Cornaro ossia La Regina di Cipro (Caterina Cornaro oder Die Königin von Zypern) ist eine Oper („tragedia lirica“) in einem Prolog und zwei Akten von Gaetano Donizetti auf ein Libretto von Giacomo Saccero. Das heute weitgehend vergessene Werk wurde am 12. Januar 1844 im Teatro San Carlo in Neapel erstmals aufgeführt und ist die letzte seiner Opern, deren Uraufführung Donizetti noch erlebte. Von Caterina Cornaro gibt es zwei Fassungen mit unterschiedlichem Schluss.
Handlung Historischer Hintergrund Die Handlung der Oper spielt im 15. Jahrhundert vor dem Hintergrund der Unterwerfung des Königreichs Zypern unter die Kolonialherrschaft der Republik Venedig.
Die historische Caterina Cornaro (* 25. November 1454 in Venedig; † 10. Juli 1510 in Asolo) war die älteste von fünf Töchtern des venezianischen Patriziers und Dogen Marco Corner und seiner Frau Fiorenza Crispo, einer byzantinischen Prinzessin. 1468 wurde Caterina, die erst vierzehn Jahre alt war, mit dem zyprischen König Jakob II. von Lusignan (1440–1473) verheiratet. Dieser war der uneheliche Sohn von König Johann II., seine Ansprüche auf den Thron waren umstritten, so dass er erst in militärischen Auseinandersetzungen seine Halbschwester Charlotte vertreiben musste, ehe er die Herrschaft antreten konnte.Jeremy Commons: Caterina Cornaro, in: Caterina Cornaro, Beiheft zur CD von Opera Rara, S. 10.
Caterina kam 1472 im Alter von 18 Jahren nach Zypern und wurde dort zur Königin gekrönt. König Jakob starb bereits wenige Monate später, mutmaßlich von venezianischen Agenten vergiftet. Bei Tod des Königs war Caterina schwanger, ihr Sohn Jakob III. (1473–1474), der formell der letzte König von Zypern war, starb noch, ehe er ein Jahr alt war; auch er wurde vermutlich vergiftet.Jeremy Commons: Caterina Cornaro, in: Caterina Cornaro, Beiheft zur CD von Opera Rara, S. 11.
Caterina Cornaro wurde zunächst Regentin und war ab 1475 Königin von Zypern. Da Venedig im Falle einer Wiederverheiratung Caterinas seine Ansprüche auf Zypern gefährdet sah, wurde sie 1489 von ihrem Bruder im Auftrag der Republik zur Abdankung gezwungen. Die Herrschaft Venedigs über Zypern dauerte schließlich 82 Jahre, von 1489 bis zur Eroberung von Famagusta durch osmanische Truppen 1571.
Caterina erhielt als Ausgleich Stadt und Burg des norditalienischen Asolo, wo sie unter der Oberhoheit Venedigs bis zu ihrem Lebensende 1510 residierte. Ihr Hof in Asolo bildete einen legendären Treffpunkt von Renaissance-Künstlern wie Giovanni Bellini, Bonifazio Veronese oder Giorgione.
Prolog (Venedig) Erstes Bild: Saal im Palast Cornaros
Die venezianische Patriziertochter Caterina Cornaro bereitet sich auf die Hochzeit mit dem französischen Edelmann Gerardo vor. Ein maskierter Gast fordert die Verschiebung der Hochzeit. Caterinas Vater Andrea Cornaro gegenüber gibt sich dieser als Mocenigo, Beauftragter des Rats der Zehn (der venezianischen Regierung), zu erkennen. Er fordert, dass Caterina im Interesse Venedigs den König von Zypern heiraten müsse und, sollte sie sich widersetzen, müsse Gerardo sterben. Unter dieser Drohung willigt Andrea Cornaro ein und untersagt die Hochzeit, zum Entsetzen Caterinas und der Hochzeitsgäste.
Zweites Bild: Kabinett Caterinas
Caterina Cornaro hat mit Gerardo verabredet, dass dieser sie entführen solle. Mocenigo sucht sie auf und erklärt auch ihr, dass er Gerardo ermorden lasse, wenn sie sich den Plänen der Republik widersetzen würde; die Mörder hat er schon mitgebracht, sie verbergen sich im Nebenzimmer. Als darauf Gerardo erscheint, um Caterina zu entführen, erklärt ihm diese, dass sie ihn nicht mehr liebe. Gerardo ist außer sich und verflucht Caterina.
Erster Akt (Zypern) Erstes Bild: Platz in Nikosia
Mocenigo sieht sich schon als Herrscher Zyperns; sein Handlanger Strozzi teilt ihm mit, dass Gerardo, der sich mittlerweile dem Johanniter-Orden angeschlossen hat, in Zypern sei und sich am König rächen wolle. Da dies ihre Pläne gefährden würde, machen sich Mocenigo und Strozzi mit ihren Gefolgsleuten auf, um Gerardo zu ermorden. Gerardo wird jedoch von dem verkleideten König Lusignano vor Mocenigos Schergen gerettet. In einem Wortwechsel erkennen sich Gerardo und Lusignano als Rivalen, aber angesichts des gemeinsamen Gegners Mocenigo versöhnen sie sich und werden beste Freunde.
Zweites Bild: Kabinett der Königin
In ihren Gemächern ist Caterina in trübe Gedanken versunken. Lusignano kündigt ihr einen fremden Besucher an, ohne dessen Namen zu nennen. Als Gerardo die Gemächer der Königin betritt, wird er von Strozzi erkannt, der sogleich Mocenigo alarmiert. Gerardo und Caterina sprechen sich aus und Gerardo bekennt, dass er als Ordensritter ohnehin keine Ambitionen mehr auf Caterina habe. Mocenigo kommt dazu und beschuldigt Caterina angesichts des fremden Ritters im Zimmer des Ehebruchs, niemand würde ihr Glauben schenken. Doch da tritt Lusignano selbst hervor, er hat die Intrige längst durchschaut und will Mocenigo verhaften lassen. Dieser flüchtet auf den Balkon und gibt den wartenden Venezianern das Zeichen zum Angriff.
Zweiter Akt Atrium im Palast Lusignanos
Gerardo sammelt die Zyprioten zum Kampf gegen die venezianischen Angreifer. Der Hofstaat verfolgt vom Fenster aus den Kampf, Caterina betet für den Sieg Lusignanos. Der Siegesruf ertönt, doch da trägt man den tödlich verwundeten Lusignano herein, sterbend fordert er die Zyprioten auf, Caterina als Königin anzuerkennen. Gerardo verabschiedet sich von Caterina. (In der zweiten Fassung tritt Gerardo in der Schlussszene nicht mehr auf; hier ist auch er im Kampf gefallen.)
Werkgeschichte Die Geschichte von Caterina Cornaro, der legendären Königin von Zypern und späteren Renaissance-Fürstin, haben nahezu gleichzeitig mit Donizetti auch andere Komponisten vertont: Fromental Halévy und Franz Lachner (jeweils 1842), Michael William Balfe (1844), sowie Giovanni Pacini (1846).
Donizetti schrieb seine Caterina Cornaro während einer „unbegreiflich arbeitsamen“Norbert Miller: Caterina Cornaro. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München / Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 52. Lebensphase. Nach dem großen Erfolg, den er mit Linda di Chamounix in Wien erzielt hatte, arbeitete er von Herbst 1842 bis Sommer 1843 teilweise gleichzeitig an vier Opern: an Caterina Cornaro, Don Pasquale, Maria di Rohan, und an Dom Sébastien. Ursprünglich hatte Donizetti geplant, für Neapel eine Oper unter dem Titel Ruy Blas (nach einem Stoff von Victor Hugo) zu schreiben, und für Wien Caterina Cornaro, während Dom Sebastien und ein zu dieser Zeit noch nicht näher bezeichneter Stoff (später Don Pasquale) für unterschiedliche Theater in Paris geplant waren.Robert Steiner-Isenmann: Gaetano Donizetti. Sein Leben und seine Opern. Bern 1982, S. 294 ff.
Donizetti unterzeichnete den Vertrag für die Komposition der zukünftigen Caterina Cornaro am 5. Juni 1842, während seines ersten Aufenthaltes in der österreichischen Donau-Metropole.William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 180 Zunächst dachte er an Salvadore Cammarano als Librettist, aber da dieser nicht verfügbar war, übernahm Giacomo Sacchero diese Arbeit. Im Oktober 1842 begann Donizetti mit der KompositionWilliam Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 180–181 (1. Phase), musste aber während der Arbeit erfahren, dass in Wien bereits kurz zuvor eine Oper von Franz Lachner mit demselben Stoff herausgekommen war. Dabei war Lachners Oper vom Publikum nicht gut aufgenommen worden, so dass Donizetti nicht riskieren wollte, dem dortigen Publikum kurze Zeit später denselben Stoff erneut vorzusetzen. Er unterbrach die Arbeit zunächst, um Don Pasquale zu schreiben und disponierte dann um: Caterina Cornaro sollte in Neapel statt Ruy Blas herausgebracht werden (Ruy Blas kam nie mehr zustande); Wien bekam dafür die Oper Maria di Rohan, die dort am 5. Juni 1843 mit sehr großem Erfolg uraufgeführt wurde. Noch während der Vorbereitung von Maria di Rohan nahm Donizetti im März 1843 die Arbeit an Caterina Cornaro wieder auf und stellte die Orchestrierung Ende Mai fertigWilliam Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 180 und 181 (2. Phase).
Caterina Cornaro wurde am 18. Januar 1844 in Neapel uraufgeführt, ungewöhnlicherweise in Abwesenheit Donizettis, der nach einem weiteren Parisaufenthalt (zur Premiere von Dom Sébastien) zu dieser Zeit wieder in Wien war und mittlerweile erste beunruhigende Anzeichen seiner späteren schweren Krankheit zeigte.William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 190 Die Sänger waren Fanny Goldberg (Caterina Cornaro), Marco Arati (Andrea Cornaro), Gaetano Fraschini (Gerardo), Filippo Coletti (Lusignano), Anafesto Rossi (Strozzi), Nicola Benevento (Mocenigo), Domenico Ceci (un cavaliere del re) und Anna Salvetti (Matilde).William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 182 Das Bühnenbild erstellten Antonio Niccolini und Angelo Belloni, die Maschinen Fortunato Queriau und Domenico Pappalardo und die Kostüme Carlo Guillaume und Filippo Buono..
Die Oper war jedoch kein Erfolg und wurde nach nur sechs Aufführungen wieder abgesetzt. Die Presse warf Donizetti vor, er habe seinen Auftrag für Neapel nicht recht ernst genommen bzw. dem dortigen Publikum und der Direktion des San Carlo absichtlich ein schwaches Stück vorgesetzt. Donizetti verwahrte sich heftig gegen diese Vorwürfe, gestand aber zu, dass die Oper wohl „kein Meisterwerk“ geworden sei.Jeremy Commons: Caterina Cornaro, in: Caterina Cornaro, Beiheft zur CD von Opera Rara, S. 36 f. Einige Umarbeitungen, die er etwa ein Jahr später für Parma vornahm, teilweise in großer Eile in der letzten Woche vor der Premiere am 2. Februar 1845,William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1982 (2. edition), S. 183Robert Steiner-Isenmann: Gaetano Donizetti. Sein Leben und seine Opern. Bern 1982, S. 326. betrafen vor allem den stark kritisierten Schluss der Oper. Trotz einer Starbesetzung mit Marianna Barbieri-Nini in der Titelrolle, Nicola Ivanoff als Andrea Cornaro und Felice Varesi als Lusignano (Verdis erstem Macbeth und Rigoletto) hatte die Oper auch in Parma keinen Erfolg. Die musikalische Leitung hatte Nicola De Giovanni. Die weiteren Sänger waren Cesare Castelli (Gerardo), Stefano Luciano Bouché (Mocenigo), Vincenzo Gobetti (Strozzi) und Luigia Zay (Matilde)., abgerufen am 1. August 2019.
Zu weiteren Bearbeitungen, die vor allem den Schluss der Oper in eine publikumswirksamere Form hätten bringen können, kam es jedoch nicht mehr. Donizetti erkrankte und starb 1848, so dass Caterina Cornaro die letzte seiner Opern war, deren Uraufführung noch zu seinen Lebzeiten stattfand.