mini|hochkant=1.5|Silhouette der Amtsstadt Grüningen vor 1800 mini|hochkant=1.5|Gesüdete Karte des Amts Grüningen um 1575 – vorerst erweitert um die ans Herzogtum Württemberg gefallene Herrschaft Sachsenheim

mini|hochkant=1.5|Amtsbezirke von Gröningen und Ludwigsburg um 1800. Bei Gröningen fehlen Unterriexingen und Münchingen mini|hochkant=1.5|Zuständigkeitsbereich des Gröninger Superintendenten Das Oberamt Gröningen (bis 1758 Amt Grüningen) war ein württembergischer Verwaltungsbezirk mit der ehemaligen Reichsstadt Grüningen, heute Markgröningen, als Amtssitz, der 1807 in das Oberamt Ludwigsburg integriert wurde. Bis 1819 verblieben in Markgröningen noch ein Kameralamt und bis 1812 eine Spezialsuperintendenz.

Geschichte Nachdem Ludwig der Bayer die ehemals Freie Reichsstadt Grüningen 1336 den Württemberger Grafen als erbliches Reichslehen übertragen hatte,1336 September 22, bei Freising auf dem Feld. [RI VII] H. 1 n. 264 in der bibliografischen Datenbank der Regesta Imperii. machte sie Graf Ulrich III. von Württemberg zur Residenz- und Amtsstadt.Siehe Leo BW online Die Amtsverwaltung, Jurisdiktion und politische Vertretung des Grafen bzw. Herzogs oblag fortan einem württembergischen Vogt, der wie Philipp Volland häufig aus einem der ortsansässigen Patriziergeschlechter rekrutiert wurde. Vermutlich bis ins 18. Jahrhundert saß in Grüningen zudem ein meist ortsfremder adeliger Obervogt, der die Aufsicht über mehrere Vögte und die für die Kameralverwaltung des herrschaftlichen Eigenbesitzes zuständigen Keller ausübte.

Amtsflecken Zum oft veränderten Grüninger Amtsbezirk im Strohgäu zählten die württembergischen „Amtsflecken“ Bissingen, Tamm und vermutlich das abgegangene Brachheim, Eglosheim, Geißnang bzw. Fuchs-, Schaf- und Erlachhof, Oßweil, Pflugfelden, Möglingen, Münchingen und Mauer, Schwieberdingen und das abgegangene Vöhingen, Talhausen und die Schlüsselburg, weitere abgegangene Weiler auf Grüninger Markung sowie ein links der Glems gelegener Teil von Unterriexingen. Laut Karl Pfaff gehörten im 15. Jahrhundert auch Bietigheim (bis 1510), Hoheneck und Burg Harteneck, Aicholtz und Remmigheim dazu.Karl Pfaff: Geschichte des Fürstenhauses und Landes Wirtemberg – nach den besten Quellen und Hülfsmitteln neu bearbeitet. Metzler, Stuttgart 1839, S. 351 und 356. Google-Digitalisat

Ab dem 16. Jahrhundert haben zum Grüninger Amt bzw. zur Kellerei teil- bzw. zeitweise auch Hochdorf an der Enz, Oberriexingen und Sachsenheimer Amtsflecken gehört.Siehe Amtslagerbuch-Übersicht – Landesarchiv BW online Nachdem die Herrschaft der 1561 ausgestorbenen Herren von Sachsenheim an das Herzogtum Württemberg gefallen war, wurden deren Orte als Unteramtsbezirk 1565 dem Grüninger Amt zugeordnet. Landesarchiv Baden-Württemberg So umfasste der Amtsbezirk um 1600 die Orte Asperg, Bissingen, Eglosheim, Erlach-, Fuchs- und Schafhof im Bereich Ludwigsburgs, Egartenhof („Zur Eyssern Burg“), Groß- und Kleinsachsenheim, Grüningen, Metterzimmern, Möglingen, Münchingen, Nippenburg, Oßweil, Pflugfelden, Schwieberdingen, Sersheim, Tamm und Untermberg (siehe Karte de Grüninger Amtsgebiets) sowie Anteile von Unterriexingen und Hochdorf. Die beiden letztgenannten Dörfer sind in den um 1575 und um 1600 erstellten Amtskarten nicht verzeichnet, weil sie zu einem wesentlichen Teil noch dem Ortsadel gehörten. Unklar ist, warum Talhausen auf beiden Karten fehlt. Möglicherweise war das Dorf wie Remmingen und Vöhingen derzeit bereits wüst gefallen oder war zumindest teilweise noch nicht in württembergischer Hand. Metterzimmern kam im 17. Jahrhundert zum Amt Bietigheim. Groß- und, Kleinsachsenheim, Untermberg und Sersheim kamen im 17. Jahrhundert zum nun selbständigen Amt Großsachsenheim. Ditzingen wurde im 18. Jahrhundert vorübergehend dem Oberamt Gröningen zugeteilt.

Durch Ludwigsburg ersetzt Mit dem Bau des Schlosses in Ludwigsburg ab 1704 verlor Grüningen erst die Funktion als Residenzstadt und mit der Stadterhebung Ludwigsburgs im Jahr 1718 sukzessive auch die Funktionen als Sitz eines adeligen Obervogts, als Amtsstadt, Kellerei, Hochgericht und Dekanat an Ludwigsburg. Im Mai 1718 wurden der Grüninger Vogt Georg Christoph Andler, der Stadtschreiber und ein Mitglied des Stadtgerichts nach Stuttgart zitiert und dort so lange festgehalten, bis sie den vorgesehenen Eingriffen ins Grüninger Statut und Amt zustimmten.Gerhard Liebler: Markgröningen – Kurzweilige Begegnungen mit der Stadt und ihrer Geschichte. Hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen. Markgröningen 2011, S. 90ff

mini|hochkant=0.7|links|Herzog Eberhard Ludwig um 1720 mini|hochkant=1.5|Der Südflügel des 1724 aufgegebenen Schlosses diente bis 1807 als Oberamteigebäude. 1808 wurde es in ein Arbeitshaus des Strafvollzugs umgewandelt Der nun meist „Gröningen“ geschriebenen Amtsstadt blieb vorerst nur der Status eines Unteramts und die undankbare Aufgabe, den Aufbau Ludwigsburgs mitzutragen. Die dafür den Bürgern abverlangten Frondienste und dem städtischen Haushalt entzogenen Gelder sorgten für so große Unruhe, dass sich Herzog Eberhard Ludwig 1722 gezwungen sah, das ursprünglich bis zum Neckar reichende Amt Gröningen in verkleinerter Form wiederherstellen: Die „Amtsflecken“ Eglosheim, Pflugfelden und Oßweil verblieben im neuen Amt Ludwigsburg. Mit diesem Zugeständnis wollten sich führende Kreise in Gröningen jedoch noch lange nicht zufriedengeben. Besonders renitent erschienen der Spitalverwalter Laux und der „Rathsverwandte“ Urban Keller, die deshalb vom Ludwigsburger Obervogt Friedemann von Pöllnitz suspendiert wurden.Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, S. 129.

Restauration des Dekanats Nach dem Tod Eberhard Ludwigs (1733) schien die von Herzog Carl Alexander vollzogene Rückverlagerung der Residenz nach Stuttgart neue Verhandlungsspielräume zur Wiederherstellung des Gröninger Amts zu eröffnen. Dabei wurde 1735 die Rückgabe von Pflugfelden, Eglosheim und Oßweil gegen Zahlung der stattlichen Summe von 4000 Gulden zwar in Aussicht gestellt, jedoch nie eingelöst. Als Kompensation erhielt Gröningen lediglich Unterriexingen hinzu. Immerhin wurde die Verlagerung des Dekanats revidiert: Nachdem der in Gröningen residierende evangelische Dekan Michael Mörleth am 18. April 1719 zum Dekan der neuen Diözese Ludwigsburg ernannt worden war, sollte er in diese seine bisherige Diözese integrieren, sobald der Bau von Kirche und Dekanat in Ludwigsburg abgeschlossen sei (1726 vollzogen). Zur 1736 wieder eingerichteten Gröninger Diözese zählten vorerst die Pfarreien von Tamm, Bissingen, Heutingsheim, Beihingen, Stammheim, Münchingen, Schwieberdingen, Unterriexingen und zeitweise Oberriexingen.Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, S. 199ff. Asperg, Eglosheim, Oßweil, Pflugfelden und Möglingen wurden 1762 allerdings der neu errichteten Spezialsuperintendenz Ludwigsburg zugeteilt. 1812 wurde die Spezialsuperintendenz Markgröningen in die Ludwigsburger integriert.Quelle: Landesarchiv BW A 349L zur Geistl. Verwaltung Markgröningens.

Oberamt Gröningen 1758 wurde das Amt Gröningen wie andere verbliebene Ämter zum Oberamt umbenannt. Das Oberamtssiegel zeigte fortan zwei Wappen: den herzoglichen Herzschild an heraldisch erster und das frühere Gröninger Amtswappen mit fünf Sternen im Schildhaupt an zweiter Stelle. Der traditionell Vogt genannte herzogliche Beamte, der auf Amtsebene die Verwaltung leitete und dem Amtsgericht vorstand, führte ab 1759 den Titel Oberamtmann. Ungeachtet erneuter Zahlungen der Gröninger Bürgerschaft wurde dessen Amtsbezirk jedoch wieder verkleinert: Nachdem die weiteren Verluste an Ludwigsburg vorübergehend durch Ditzingen und Oberriexingen kompensiert worden waren, gehörten ab 1771 außer Gröningen nur noch Bissingen, Tamm, Schwieberdingen und Münchingen sowie einige Weiler und die württembergischen Ortsteile in Unterriexingen und Hochdorf zum Oberamt.Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, S. 130 ff. Laut Röder lebten 1787 in der Stadt Gröningen 1842 Menschen, in Bissingen 1018, Tamm 659, Schwieberdingen 920, Münchingen 1067 und in Unterriexingen 657 Einwohner. Von Unterriexingen waren 1787 noch dreieinhalb Sechzehntel und das Schloss in der ortsherrschaftlichen Hand des Barons von Hopfer.Die Stadt und das Amt Gröningen. In: Philipp Röder: Geographie und Statistik Wirtembergs. Band 1. Korn, Laybach in Krain 1787, S. 358–361; .

Im Rahmen der Neugliederung des Königreichs Württemberg gemäß dem OrganisationsediktOrganisationsedikt vom 18. März 1806 von 1806 wurde das Oberamt Gröningen bis 1807 endgültig aufgelöst und in das Oberamt Ludwigsburg eingegliedert.Quelle: Landesarchiv BW online Die bis 1805 teils ortsherrschaftlich, teils von Gröningen aus verwalteten Orte Hochdorf und Unterriexingen kamen zum Oberamt Vaihingen.

mini|hochkant|Kameralamt (1807–1819) Heyd schilderte diese folgenschweren Eingriffe aus der Sicht der Betroffenen: „Mehr als durch Kriege, deren Wunden mit der Zeit heilen, wurde der Stadt und dem Amt Gröningen ein bleibender Schaden durch die Gründung einer Stadt zugefügt, die, nachdem sie aus dem Schoße des Oberamtsbezirks hervorgegangen, der Mutter ein Erbstück nach dem anderen abrang, und endlich sogar, als die Alte keine eigene Haushaltung mehr auszutragen schien, sie ganz zu ihrem Herde heranzog.“Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, S. 120. Die in seiner 1829 erschienenen Stadtgeschichte offenbar zu respektlos geäußerte Kritik an der landesherrlichen Raumordnung zulasten Gröningens war politisch nicht opportun und wurde ihm laut Erhard Lenk in den maßgeblichen Kreisen so sehr „verübelt“, dass ihm die angestrebte Rückkehr in den Wissenschaftsbetrieb ebenso wie die empfohlene Ehrung verweigert wurde.Erhard Lenk: Magister Ludwig Friedrich Heyd – Pfarrer, Geschichtsforscher und Historiograph, 1792-1842. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter Heft 17/1967, S. 99.

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