Matthias Taatz (* 15. Oktober 1959Andreas Weigelt: Chronik der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. Mit einer einleitenden Betrachtung zur Wahrnehmung der Speziallager in der Zeit zwischen dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 und der Gründung der Initiativgruppe 1991. Initiativgruppe Lager Mühlberg, Mühlberg/Elbe, 2010. S. 202 ) ist ein evangelischer Pfarrer und Aktivist der Bürgergesellschaft.
Leben und Wirken 1988 wurde Matthias Taatz Pfarrer in der Stadt Mühlberg/Elbe.A. Weigelt: Chronik..., S. 201 Bereits damals begann er damit, Informationen über das nahegelegene ehemalige sowjetische Speziallager Nr. 1 Mühlberg zu sammeln.Adam von Watzdorf, Agnes von Kopp-Colomb, Henning von Kopp-Colomb: Schicksalsbuch des sächsisch-thüringischen Adels: 1945. C.A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn, 2005, S. 555 ISBN 3-7980-0605-9 Im Zuge des politischen Umbruchs in der DDR im Jahre 1989 wurde in Mühlberg ein Runder Tisch eingerichtet, der Ende März 1990 einen Arbeitskreis Mühlberger Lager bildete, an dem Taatz maßgeblich beteiligt war.A. Weigelt: Chronik..., S. 42 ff. 1990 war Taatz gleichzeitig Präsident der Mühlberger Stadtverordnetenversammlung.A. Weigelt: Chronik..., S. 55 Achim Kilian schrieb über ihn: „Im Herbst 1989 hat der Mühlberger Pfarrer Matthias Taatz mutig das Tor zur Wahrheit über beide Lager aufgestoßen und deren Geschichte eingefordert.“.Achim Kilian: Mühlberg 1939–1948: Ein Gefangenenlager mitten in Deutschland. Böhlau, Köln 2001, S. 7, ISBN 3-412-10201-6. Eingeschränkte Vorschau auf Google Books
Taatz setzte sich wesentlich dafür ein, auf dem Lagergelände bei Mühlberg eine Gedenkstätte sowohl für die Kriegsgefangenen des Stammlagers IV B als auch für die Inhaftierten des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 Mühlberg zu errichten.Ulrike Puvogel, Martin Stankowski (Hrsg.): Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus: Eine Dokumentation. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen. Bundeszentrale für Politische Bildung, 1999, S. 314, ISBN 3-89331-391-5 Taatz hatte eine Rundbriefaktion ins Leben gerufen und bis 1991 rund 1500 Briefe zur Geschichte des Lagers Mühlberg erhalten.A. Weigelt: Chronik..., S. 68 Im Juli 1991 trat der Arbeitskreis Mühlberger Lager um Taatz der Initiativgruppe Lager Mühlberg bei und Taatz wurde Mitglied des erweiterten Vorstands und 1992 zweiter Vorsitzender der Initiativgruppe.A. Weigelt: Chronik..., S. 62, S. 73 Im Januar 1992 verließ er Mühlberg und übernahm eine Pfarrstelle in Schenkenberg bei Delitzsch, ohne jedoch an seiner Mitarbeit in der Initiativgruppe Lager Mühlberg Abstriche zu machen. 1993 betonte Markus Meckel, damals Mitglied des Deutschen Bundestages, auf einer Gedenkfeier, dass „Pfarrer Taatz wohl ein großes Verdienst mit daran hat, dass beide Opfergruppen sich zueinandergehörig wissen“.A. Weigelt: Chronik..., S. 77, zitiert nach: Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V.: Rundbrief Nr. 9, März 1994 Seit 2001 ist Taatz Vorsitzender der Initiativgruppe Lager Mühlberg.A. Weigelt: Chronik..., S. 133 2003 erhielt er für seinen Einsatz an der Gedenkstätte Lager Mühlberg die Verdienstmedaille Comitas Gentium der Kontaktgruppe der ehemaligen niederländischen Kriegsgefangenen im Bond van Wapenbroeders.A. Weigelt: Chronik..., S. 146
Gleichzeitig mit Antritt der Pfarrstelle in Schenkenberg im Jahre 1992 wurde Taatz evangelischer Militärpfarrer, zunächst der Heeresunteroffizierschule IV und seit 1. Oktober 2003, nach Umgliederung, der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch. Dieses Amt hatte er bis 2007 inne. Taatz wurde ein Initiator der Integration der Bundeswehr und der Soldaten in das gesellschaftliche Leben der Stadt Delitzsch und der Region. Er trug wesentlich zur Schaffung eines Seelsorge- und Begegnungszentrums in der Feldwebel-Boldt-Kaserne bei.Leonhardt Krause: Schön schräg mittendrin. Pressemeldung der Evangelischen Militärseelsorge in der Bundeswehr vom 24. Oktober 2007, abgerufen am 22. Januar 2014 Für seine besonderen Verdienste um die Bundeswehr wurde ihm im September 2005 das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold verliehen.Verabschiedung des Standortpfarrers in Delitzsch. Pressemeldung des Ausbildungskommandos der Bundeswehr vom 24. Oktober 2007, abgerufen am 22. Januar 2014
Taatz war einer der wichtigsten Aktivisten für die Errichtung und den Betrieb des alternativen Gemeindezentrums Pfarrscheune Schenkenberghttp://www.pfarrscheune-schenkenberg.de/ sowie des Ausstellungszentrums Generationenhaus Alte Pfarre Lissa in einem Ortsteil von Neukyhna.
Seit 2005 ist Matthias Taatz zweiter Vorsitzender des Vereins für Pfarrerinnen und Pfarrer in der evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e.V., abgerufen am 21. Januar 2014 Im Frühjahr 2013 übernahm Taatz für einige Monate vertretungsweise die Stelle des Superintendenten, am 29. März 2014 wurde Taatz dann zum Stellvertretenden Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Torgau-Delitzsch gewählt., abgerufen am 22. Juni 2015 Darüber hinaus ist er Mitglied im Vorstand des Diakonischen Werkes Delitzsch/Eilenburg e.V., abgerufen am 2. Februar 2014
Nach dem Hochwasser 2013 war Taatz Vorsitzender des Spendenkuratoriums des Landkreises Nordsachsen zur Koordinierung der Hilfsangebote.Knapp 100 000 000 Euro Hochwasserschäden. Torgauer Zeitung vom 28. Juni 2013, abgerufen am 2. Februar 2014
Veröffentlichungen Im Gedenken an die Opfer des ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlagers STALAG IV B Mühlberg/Elbe 1939–1945 und des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 Mühlberg/Elbe 1945–1948. Ein persönlicher Bericht zum Entstehen und Wirken der Initiativgruppe Lager Mühlberg e. V., In: Erinnern! Aufgabe, Chance, Herausforderung. Nr. 2, 2018, Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, S. 20–25 ()
Ehrungen und Auszeichnungen Verdienstmedaille Comitas Gentium der Kontaktgruppe der ehemaligen niederländischen Kriegsgefangenen im Bond van Wapenbroeders 2003 Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold 2005 Ehrung für sein ehrenamtliches Engagement durch den Sächsischen Landtagspräsidenten Matthias Rößler 2011. Amtsblatt Landkreis Nordsachsen. Ausgabe Torgau-Oschatz. 2/2012, S. 1 Auszeichnung der Bundeszentrale für politische Bildung für herausragendes Engagement bei der Vermittlung der friedlichen Revolution und des Mauerfalls 2014Gerald Praschl: Erinnerung an schwierige DDR-Geschichte. Ein Preis für Pfarrer Matthias Taatz aus Mühlberg. In: Superillu, November 2014, , abgerufen am 5. November 2014. Verdienstorden des Landes Brandenburg 2017„Um unser Gemeinwesen verdient gemacht“ – Woidke überreicht Landesverdienstorden zum Verfassungstag, Pressemeldung der Brandenburgischen Staatskanzlei vom 15. Juni 2017
Filmporträts Das Schweigen ist gebrochen – Internierungslager in der ehemaligen sowjetisch besetzten Zone, Regie: Ulrike Bürger und Hans H. Wacker, 44 Min., Bayerischer Rundfunk, 1991. Taatz ist einer von sechs Interviewten.Günter Agde: Bilder neben den Bildern. Filmische Wahrnehmung der Speziallager. In: Petra Haustein, Anne Kaminsky, Volkhard Knigge, Bodo Ritscher (Hrsg.): Instrumentalisierung, Verdrängung, Aufarbeitung: die sowjetischen Speziallager in der gesellschaftlichen Wahrnehmung 1945 bis heute. Wallstein Verlag, 2006, S. 266, ISBN 3-8353-0051-2 Der Aufbrecher – Pfarrer Taatz bewegt die Provinz, Regie: Peter Grimm, 30 Min., MDR, 2007
Einzelnachweise
Kategorie:Militärpfarrer Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (21. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (DDR) Kategorie:Person (Mühlberg/Elbe) Kategorie:Person des Christentums (Delitzsch) Kategorie:Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Brandenburg Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Mann