Neunkirchen () ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Neunkirchen mit Einwohnern (Stand ) und Verwaltungssitz des Bezirkes Neunkirchen.
Geografie Die Stadt liegt im Südosten Niederösterreichs im Steinfeld im Industrieviertel. Die Stadt wird von der Schwarza durchflossen.
Stadtgliederung Das Gemeindegebiet umfasst drei Katastralgemeinden bzw. gleichnamige Ortschaften (Fläche Stand ; Einwohner Stand ): Mollram (; Ew.) Neunkirchen (; Ew.)Stadtteile: Innere Stadt, Tal, Steinplatte, Mühlfeld, Au, Steinfeld, Lerchenfeld, Blätterstraßensiedlung Peisching (; Ew.)
Eingemeindungen Im Jahre 1960 wurde die Blätterstraßensiedlung (Stadtteil nördlich der Südbahn) eingemeindet. Die Gemeinden Mollram und Peisching kamen bereits vor der großen NÖ. Kommunalstrukturverbesserung, die im Jahr 1971 stattfand, im Jahr 1969 zu Neunkirchen.
Nachbargemeinden
Geschichte Neunkirchen ist eine der ältesten Ansiedlungen des Wiener Beckens. Bereits in der Stein- und Bronzezeit durchstreiften Menschen das heutige Siedlungsgebiet, wie einzelne Funde belegen. Dauerhaft war die heutige Stadt seit der Latènezeit (150–15 v. Chr.) besiedelt, wie ein keltisches Gräberfeld aus mittlerer und später Latènezeit zeigt.
Zwischen 1913 und 1928 (und auch 1964) wurde dieses Gräberfeld im Bereich der Josef-Berr-Gasse mit sechs Körper- und sieben Brandbestattungen freigelegt. Einige der Grabstellen hatten Steinpackungen, auch gab es nicht zuzuordnende Einzelfunde. Im Grab 1 fand man bronzene Hohlbuckelringe und zwei Latène-Fibeln, im Grab 2 eine Schwertkette, eine Lanzenspitze, einen Schildbuckel sowie ein Schwert mit Scheibengriffangel und Scheide. Im Grab 10 wurde ein Gefäß gefunden, das einen Stempelabdruck trägt, wie er auch in den Gräberfeldern Mannersdorf, Pottenbrunn und Sopron-Krautacker festgestellt werden konnte. Das Grab 14 enthielt einen Bärenzahn, eine Kaurischnecke und aufwendig verzierte Glasperlenaugen, Grab 15 eine mittellatènezeitliche Schwertscheide, Grab 17 wies eine kreisrunde Steinsetzung mit doppelter Überdeckung auf.Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: „Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K; L–Z“. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1365 f.
Von etwa 30 bis 400 n. Chr. bestand im Bereich der Innenstadt eine große römische Siedlung, die sich aufgrund ihrer Lage an der „Blätterstraße“, einem wichtigen römischen Verbindungsweg zwischen dem Donauraum und den Alpenländern, zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt entwickelte. Es ist nicht bekannt, wie das „römische Neunkirchen“ hieß.
Bereits seit dem frühen Mittelalter (ab dem 9. Jahrhundert) entstand erneut eine bedeutende Siedlung mit einer großen Pfarrkirche, die ihre erste urkundliche Erwähnung 1094 fand. Dieser Kirche verdankt der Ort auch seinen Namen: Aus der Bezeichnung „bei der niuwen kirchen“ wurde „Neuenkirchen“ und dann „Neunkirchen“. Der Ortsname leitet also nicht von der Zahl 9 ab, sondern von neu. Bevor Wiener Neustadt errichtet wurde, war Neunkirchen der Verkehrsknoten der Region mit Markt- und Münzrecht, welche abgetreten werden mussten.
Im Zuge eines Krieges gegen die Türken, welche in die Steiermark und in Kärnten eingefallen waren, wurde zur Finanzierung des Krieges die jüdische Gemeinde enteignet. Die Juden mussten im Jahre 1496 Neunkirchen verlassen. Im Jahre 1998 wurde am Mühlplatz 2 ein Mauerrest der mittelalterlichen Synagoge gefunden.
Graf Hoyos, der hier im Bezirk seine Besitzungen hatte, gründete 1631 das Minoritenkloster Neunkirchen. Dieses bildete in den folgenden Jahrzehnten das Zentrum der Verteidigung und einen Zufluchtsort für die Bevölkerung gegen Einfälle der Osmanen. Dennoch wurde der Ort 1683 erobert und zerstört. Das Kloster und die Kirche blieben im Jahr 1752 bei einem Brand, der fast den gesamten Ort zerstörte, erhalten. Die Cholera- und Pestepidemien des 18. Jahrhunderts zogen Neunkirchen arg in Mitleidenschaft, woran eine Dreifaltigkeitssäule am Hauptplatz erinnert.
Im 19. Jahrhundert erlebte Neunkirchen und das Schwarzatal eine starke Industrialisierung. Angetrieben von der Textilindustrie kamen allmählich auch andere Industriezweige hinzu.Günter Spreitzhofer: Neunkirchen – Ein Bezirk und seine Industrie. Regionalentwicklung im südlichen Niederösterreich. Wien, Univ. Dipl. Arb. 1989. Zu den bedeutendsten Betrieben zählten die k.k. priv. Neunkirchner Druckfabriks-Aktien-Gesellschaft die k.k. priv. Neunkirchner Spinn-Fabrik Friedrich Eltz Erben die k.k. priv. Schrauben und Metallwarenfabrik, Brevellier & Co (1823 gegründet, 1900 fusioniert zu Brevellier & Urban), größter Konzern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Mit dem Ersten Weltkrieg stieg die Mitarbeiterzahl von 4000 auf den Höchststand von 5000, Insolvenz 1983, großteils Abriss 1998. Herstellerbezeichnung auf (Sechskant-)Schrauben: BUNDU. Erhalten blieb der Firmenname Brevellier & Urban mit der 1863 gegründeten Bleistiftproduktion, bis heute (Markenname Jolly, Farb- und Bleistifte) in Graz – das Gelände wird heute noch „NSW“ (Neunkirchner Schraubenwerk) genannt. Johann Sochor’s Söhne, Kunstschlosserei und Kettenfabrik die Vereinigte Papier- und Ultramarinfabriken Jacob Kraus, Joh. Setzer und N. Schneider jun. AG die Papierspulenfabrik M. Pam & Co.Martin Fasan, Wolfgang Haider-Berky: Die Industrie. Von den Anfängen bis Heute. (Geschichte von Neunkirchen. Bd. 4) Neunkirchen 1987Gerhard Milchram: M. Pam & Co. Zur Geschichte eines Neunkirchner Industriebetriebes, in: Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, Jg. 84, Heft 1–4, 2013, S. 24–50.
Ein Kirchenbrand der Stadtpfarrkirche Neunkirchen am 1. Juli 1907 richtete schwere Schäden an, die Kirche wurde in den Jahren 1908/1909 wieder hergestellt.
Am 17. August 1920 wurde Neunkirchen zur Stadt erhoben.Geschichte am Portal der Stadt Neunkirchen, abgerufen am 4. Oktober 2018
Neunkirchen beherbergte wiederum eine jüdische Gemeinde, die im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1940 aufgelöst wurde. Von den rund 350 Mitgliedern der IKG-Neunkirchen wurden zwei Drittel vertrieben und ein Drittel in den Konzentrations- oder Vernichtungslagern des NS-Regimes ermordet.Gerhard Milchram: Heilige Gemeinde Neunkirchen. Eine jüdische Heimatgeschichte. Wien 2000. Die Synagoge Neunkirchen wurde 1944–1945 als Lager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter verwendet. 1984 wurde sie abgerissen.
Bevölkerungsentwicklung
Nach starkem Wachstum der Bevölkerung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erreichte Neunkirchen bei der Volkszählung von 1910 mit 12.920 den vorläufigen Einwohnerrekord, der erst 2025 eingestellt werden konnte. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Bevölkerung zunächst wieder ab. Besonders deutlich war dieser Trend in den Jahren des Zweiten Weltkrieges (von 1939 bis 1953 −5,9 %), setzte sich aber auch (in geringerer Stärke) in der Nachkriegszeit fort. Nur zwischen 1961 und 1971 war ein geringes Wachstum von 1,2 % zu verzeichnen. 1991 erreichte die Bevölkerungszahl mit 10.216 den niedrigsten Stand seit 1900. Seither ist jedoch bis 2001 ein Bevölkerungszuwachs von 7,9 % zu verzeichnen, der auf die positive Wanderungsbilanz (+9,8 %) zurückzuführen ist; die Geburtenbilanz ist weiterhin negativ (−1,9 %).
Religionen Nach den Daten der Volkszählung 2001 waren 60,7 % der Einwohner römisch-katholisch, 5,5 % evangelisch, 13,1 % Muslime, 0,6 % gehörten orthodoxen Kirchen an, 17,1 % der Bevölkerung hatten kein religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadtpfarrkirche Neunkirchen mini|Evangelische Pfarrkirche Neunkirchen mini|Rathaus Neunkirchen mini|hochkant|Dreifaltigkeitssäule mini|Nordwestbereich des Hauptplatzes
Bauwerke Katholische Stadtpfarrkirche Neunkirchen Mariä Himmelfahrt: Erste urkundliche Erwähnung 1094. Anstelle älterer, offensichtlich sehr groß dimensionierter Kirchenbauten (vom spätromanischen Bau des 13. Jahrhunderts hat sich die zwischen Chor und Schiff gelegene Halle erhalten) wurde im 14. Jahrhundert ein frühgotisches, dreischiffiges Landhaus (Basilika) errichtet. Der hohe gotische Chor mit Netzrippengewölbe, fünf hängenden Schlusssteinen sowie figuralen Konsolen stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Vermutlich im 16. Jahrhundert wurde die Pfarrkirche befestigt (Tabor) und bildete so während der Zeit der Türkenkriege für die Bürger eine sichere Zuflucht. Seit 1548 hatten die Freiherren und späteren Grafen Hoyos die Vogtei über die Pfarrkirche. Die bemerkenswerte Rokokoeinrichtung der Kirche geht auf die Familie Hoyos zurück. 1630/31 stiftete Hans Balthasar von Hoyos in Neunkirchen ein Minoritenkloster. Seit dieser Zeit ist die Pfarrkirche zugleich auch Klosterkirche. Nach dem Kirchenbrand im Jahre 1907 wurden romantisierende bauliche Veränderungen an der Außenseite des Chors sowie am Kirchturm vorgenommen. Das stattliche Geläute besteht aus vier Glocken der Gießerei Pfundner aus dem Jahr 1951, in der Turmlaterne hängt außerdem noch eine kleine Glocke aus dem Jahr 1907. Evangelische Pfarrkirche Neunkirchen: Einem kaiserlichen Gnadenakt zufolge war den Neunkirchner Protestanten bereits seit 1826 erlaubt, Gottesdienste in einem dafür adaptierten Fabrikssaal zu halten. 1862/63 entstand in der Stockhammergasse ein imposanter Kirchenneubau; er zählt zu den ältesten Zweckbauten für evangelische Kirchen in ganz Österreich. Den Entwurf lieferte der Wiener Architekt Hans Petschnig, der sich dabei von den Backsteinkirchen Norddeutschlands inspirieren ließ. Im Jahr 2008 erhielt die Kirche zwei neue Glocken aus der Gießerei Grassmayr. Die kleinere Glocke des alten Geläutes aus dem Jahr 1862 befindet sich seither im Stadtmuseum. Im Jahr 2014 wurde eine Außenrenovierung mit einem Aufwand von 550.000 Euro durchgeführt.Evangelische Kirche – Restaurierung der Kirchenfassade 2014, abgerufen am 1. Jänner 2015.meinbezirk.at: „110.500 Euro für Evangelische Kirche“, Artikel vom 9. Oktober 2014, abgerufen am 1. Jänner 2015.„Geschichte der evangelischen Kirche Neunkirchen“, abgerufen am 1. Jänner 2015.
Rathaus: Im Jahre 1889 musste das kleine barocke Rathaus einem mächtigen, im Stile des Historismus errichteten zweistöckigen Neubau weichen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte ein Großbrand das Gebäude. Anstelle der Brandruine entstand 1948–1950 nach Plänen des Wiener Architekten Leo Kammel das neue Rathaus. Die Sgraffiti an der Rathausfassade sind ein Gemeinschaftswerk der Neunkirchner Künstler Karl Steiner und Fritz Weninger.
Dreifaltigkeitssäule: Die besonders schöne 14 Meter hohe Säule aus Sandstein, bekrönt von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, wurde 1725 fertiggestellt und geweiht zur Erinnerung an das Pestjahr 1713. Sie ist das Werk von zwei Wiener Neustädter Künstlern: des Malers Michael Hackhofer (Entwurf) sowie des Bildhauers Andreas Schellauf (Ausführung). Um zumindest einen Teil der Restaurierung der Dreifaltigkeitssäule in den Jahren 1983/84 finanzieren zu können, wurde vom „Verein zur Förderung von Wirtschaft und Kultur in Neunkirchen und Umgebung“ eine Gedenkmünze gestaltet, geprägt und aufgelegt. Diese Münze ist aus massiver Bronze, 46 g schwer, beidseitig reliefgeprägt und in Altsilber abgetönt. Bei einer Stärke von 3 mm und einem Durchmesser von 50 mm ist auf der Vorderseite die Dreifaltigkeitssäule abgebildet und auf der Rückseite u. a. eine polierte Fläche für eine Gravur freigehalten. Die Münze war zu einem Kostenbeitrag in Höhe von 200 Schilling (etwa 14,50 Euro) zu erwerben. Aufgrund des schlechten Zustands des Bauwerks wurde 2018 eine neuerliche Sanierung in die Wege geleitet. Aus diesem Anlass wurde auch ein 0-Euro-Souvenirschein als Bausteinaktion aufgelegt.
Hauptplatz und Holzplatz mit Bürgerhäusern aus dem 17./18. Jahrhundert
Denkmäler 1991 wurde beim Geburtshaus des Philosophen Franz Fischer an der Triester Straße 58 ein Gedenkstein, der „Meilenstein Nr. 1“, gesetzt. Dieser wurde vom Bildhauer Johannes Seidl gestaltet., abgerufen am 17. März 2015.
Museen