miniatur|Wanderkompasse erleichtern die Orientierung in unübersichtlichem Gelände. Ein Wanderkompass, militärisch auch Marschkompass, ist ein leichter Taschenkompass unterschiedlicher Bauart und meist mäßiger Genauigkeit, der zur Orientierung im Gelände dient. Ein Wanderkompass verfügt meist über eine 360°-Winkelrose, teilweise auch mit einer Einteilung in 60 Teilwinkel wie die Minutenstriche auf einem Uhrenziffernblatt, wobei dann jeder Strich 6° entspricht. Bei einem militärischen Marschkompass wird häufig eine 64(00)'-Strichwinkelrose benutzt. In der Seefahrt wird ein Steuerwinkel von 5° als ausreichend gesehen. Dies entspricht einem Strich bei einer 64'-Strichwinkelrose.
Kompasstypen
Wanderkompasse lassen sich einteilen in verschiedene Bauformen, wie beispielsweise Taschenkompasse Kompasse mit meist rundem Gehäuse, ohne Peil- oder Winkelmessvorrichtung. Linealkompasse, Plattenkompasse Kompasse, bei denen die Kompassdose drehbar auf einer durchsichtigen Grundplatte angebracht ist. Die Grundplatte besitzt eine Anlegekante für die Kartenarbeit, oft auch verschiedene Längen- und Koordinatenskalen. Peilvorrichtungen sind bei reinen Linealkompassen meist nicht vorhanden. Spiegelkompasse Kompasse mit einem klappbaren Spiegel, welcher erlaubt, beim Peilen das Zielobjekt und gleichzeitig die Magnetnadel zu beobachten. Linseatische Kompasse Kompasse mit einer Lupe, welche erlaubt, beim Peilen die Gradeinteilung des Kompasses abzulesen. Prismenkompasse Kompasse, die mittels eines optischen Umlenk- und Vergrößerungssystems erlauben, beim Peilen das Zielobjekt und gleichzeitig die Gradeinteilung des Kompasses zu beobachten. Sie sind für besonders genaue Richtungspeilungen ausgelegt; reinen Prismenkompassen fehlt meist die Ausstattung für die Kartenarbeit oder für die Fixierung der gefundenen Richtung mittels einer drehbaren Kompassdose. Spezialausführungen wie Fernglaskompasse, Daumenkompasse usw. Oft sind auch Kombinationen dieser Grundtypen anzutreffen, besonders häufig z. B. Spiegelkompasse mit transparenter Lineal-Grundplatte.
Wanderkompasse lassen sich andererseits auch in verschiedene Verwendungstypen einteilen, wie etwa Kartenkompasse Kartenkompasse dienen der Kartenarbeit, d. h. der Entnahme einer Kurs- oder Peilrichtung aus der Karte, oder der Übertragung einer Kurs- oder Peilrichtung in die Karte. Voraussetzung dafür ist zumindest die Existenz einer Anlegekante. Eine transparente Grundplatte erleichtert die Arbeit, eine transparente Kompassdose erweitert die Messmöglichkeiten. Peilkompasse Peilkompasse verfügen über Einrichtungen zum genaueren Peilen, wie z. B. einen Spiegel oder eine Prismenoptik. Einrichtungen zur Kartenarbeit sind oft nicht vorhanden.
Genauigkeit Wanderkompasse müssen in der Regel preiswert, leicht und robust sein, während an die Genauigkeit nur verhältnismäßig geringe Anforderungen gestellt werden. Die Genauigkeit der verschiedenen Kompasstypen, die als Wanderkompass in Frage kommen, liegt daher üblicherweise im Bereich einiger Winkelgrade:
Prismen-Peilkompasse: ⅓° – ½° W. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 41 Fernglas-Peilkompasse: ca. 1° W. Kahl: Navigation für Expeditionen, Touren, Törns und Reisen. Orientierung in der Wildnis. Schettler Publikationen, Hattorf am Harz 1996, ISBN 3-88953-301-9, S. 200 Linseatische Peilkompasse: ca. 2° Spiegelkompasse: ca. 1° – 3° Linealkompasse: ca. 3° – 5°
Zu dieser Einstell- und Ableseunsicherheit kommen noch die täglichen Schwankungen des Erdmagnetfeldes (z. B. ± 0,5°), die Unsicherheit in der Kenntnis der aktuellen Deklination (z. B. ± 0,5°) sowie Ungenauigkeiten bei der Übertragung des Kurswinkels in die Karte oder aus der Karte (z. B. ± 0,5°).
Bei besonders hohem Anspruch an die Genauigkeit ist für die Arbeit im Gelände ein Prismen-Peilkompass mit einer klaren Ablesegenauigkeit von 1° oder weniger zu empfehlen (bei gleichzeitiger klarer Zielerkennung). Für die Kartenarbeit ist dann ein Kartenwinkelmesser vorzuziehen, da er genauer ist als ein Wanderkompass und die Magnetnadel auf der Karte obsolet ist.
Missweisung und Nadelabweichung Definitionen Im deutschsprachigen Raum betragen die Unterschiede zwischen geographisch Nord, Gitternord und magnetisch Nord nur ein paar Grad und können für die meisten Orientierungsaufgaben ignoriert werden. Bei höheren Genauigkeitsansprüchen oder in Gegenden mit größerer Missweisung sind die verschiedenen Nordrichtungen jedoch sorgfältig zu unterscheiden:
Geographisch Nord, also die Richtung zum geographischen Nordpol. Die Längenkreise (Meridiane) der Erde verlaufen in geographischer Nord-Süd-Richtung.
Gitternord, also die Richtung der Kartengitterlinien (sofern vorhanden). Während alle Längenkreise auf den Nordpol zu laufen, sich also einander annähern („konvergieren“), verlaufen die Gitterlinien ihrer Definition gemäß parallel zueinander. In einem Meridianstreifen kann daher höchstens eine Gitterlinie mit einem Längenkreis zusammenfallen. Die anderen Längenkreise und Gitterlinien schneiden einander unter Winkeln, welche mit dem Abstand vom Äquator und mit dem Abstand vom Mittelmeridian des Meridianstreifens zunehmen.
Magnetisch Nord, also die lokale Richtung der Feldlinien des Erdmagnetfeldes. Die Magnetnadel des Kompasses zeigt in Richtung magnetisch Nord.
Diese Nordrichtungen sind in der Regel nicht identisch:
Den Unterschied zwischen magnetisch Nord und geographisch Nord bezeichnet man als Missweisung oder Deklination. Sie beträgt im deutschsprachigen Raum gegenwärtig nur etwa 0,5° bis 3,5° OstW. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 97, erreicht aber z. B. in Kanada, USA, Südafrika und Neuseeland teilweise 20° oder mehrW. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 96 und kann dann nicht mehr vernachlässigt werden. Liegt magnetisch Nord westlich von geographisch Nord, so bezeichnet man die Missweisung als westlich oder zählt sie negativ, liegt magnetisch Nord östlich von geographisch Nord, so bezeichnet man die Missweisung als östlich oder zählt sie positiv.
Den Unterschied zwischen Gitternord und geographisch Nord bezeichnet man als Meridiankonvergenz. Sie hat auf dem Mittelmeridian eines Meridianstreifens sowie auf dem Äquator den Wert Null und steigt zu den Streifenrändern sowie zu den Polen hin an – im UTM-Gitter bis maximal ±3°W. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 117 und im Gauß-Krüger-Gitter bis maximal ±1,5°W. Linke: Orientierung mit Karte, Kompaß, GPS. Busse + Seewald GmbH, Herford 1996, ISBN 3-512-03155-2, S. 100. Liegt Gitternord westlich von geographisch Nord, so zählt man die Meridiankonvergenz negativ, liegt Gitternord östlich von geographisch Nord, so zählt man die Meridiankonvergenz positiv.
Den Unterschied zwischen magnetisch Nord und Gitternord bezeichnet man als Nadelabweichung. Sie entspricht der Differenz Deklination - Meridiankonvergenz. Liegt magnetisch Nord westlich von Gitternord, so zählt man die Nadelabweichung negativ, liegt magnetisch Nord östlich von Gitternord, so zählt man die Nadelabweichung positiv.
Die amtlichen topographischen Karten in Deutschland und Österreich sind Gradabteilungskarten, d. h. die seitlichen Begrenzungen des Kartenfeldes sind Meridianlinien,W. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 94 verlaufen also in geographischer Nord-Süd-Richtung. In vielen Karten sind Meridianlinien auch am Kartenrand angerissen, aber nicht durchgezogen; der Benutzer kann sie bei Bedarf selbst mit einem Lineal einzeichnen und als Referenzlinien für geographisch Nord verwenden.
In der Schweiz fallen die Kartenränder der topographischen Karten mit Gitterlinien zusammen.W. Linke: Orientierung mit Karte, Kompass, GPS. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3314-1, S. 95 In diesen Karten können die seitlichen Kartenrahmen als Referenzlinien für Gitternord verwendet werden. In vielen modernen Karten sind Kartengitter auch direkt in das Kartenfeld eingedruckt und können als Referenzlinien verwendet werden. Geodätische Kartengitter sind nicht zu verwechseln mit den auf manchen Karten eingedruckten Suchgittern („Hotel Müller siehe B-7“), welche keine definierte Beziehung zur Nordrichtung haben.
Winkelkorrektur Im Gelände dient die Magnetnadel als Referenzrichtung für Winkelmessungen mit den Kompass; sie zeigt stets nach magnetisch Nord. Soll ein aus der Karte entnommener (also bezüglich geographisch Nord oder Gitternord ermittelter) Winkel ins Gelände übertragen werden, oder soll ein dem Gelände entnommener (also bezüglich magnetisch Nord ermittelter) Winkel in die Karte übertragen werden, so muss der Unterschied zwischen den beteiligten Nordrichtungen berücksichtigt werden. Topographische Karten enthalten in der Regel Angaben zur Missweisung oder Nadelabweichung für das dargestellte Gebiet.
Die folgenden Korrekturmöglichkeiten stehen zur Verfügung: Die Korrektur kann dadurch geschehen, dass die Kompassnadel nicht auf die Nordmarke der Kompassdose ausgerichtet wird, sondern so, dass sie auf der Gradeinteilung der Dose die betreffende Missweisung bzw. Nadelabweichung anzeigt, je nachdem, ob in der Karte geographisch Nord oder Gitternord als Referenzrichtung verwendet werden soll. Manche Kompasse tragen dazu neben der üblichen Gradeinteilung eine Deklinationsskala, welche von Nord ausgehend sowohl nach West als auch nach Ost die Winkel positiv ansteigend zählt.
Einige Kompasse verfügen über eine „Deklinationskorrektur“. Der Benutzer kann per Hand oder mit einem kleinen Schraubendreher die Nordmarke und das Dosengitter (s. u.) um den Korrekturwinkel gegeneinander verdrehen, so dass das Dosengitter auf geographisch Nord (oder Gitternord) zeigt, wenn die Nordmarke anhand der Magnetnadel auf magnetisch Nord ausgerichtet ist. Manchmal stehen auch separate einstellbare Deklinationsmarken zur Verfügung.
Die Kurswinkel können rechnerisch ineinander umgewandelt (und die Stellung der Kompassdose bei Bedarf entsprechend korrigiert) werden. Hierbei ist sorgfältig auf korrekte Vorzeichen zu achten. Eine Merkregel lautet: „Vom falschen zum wahren Kurs mit dem wahren Vorzeichen, vom wahren zum falschen Kurs mit dem falschen Vorzeichen.“ Der „wahre“ Kurs ist dabei der auf geographisch Nord oder Gitternord bezogene Kurs (vgl. rechtweisend), der „falsche“ Kurs der auf magnetisch Nord bezogene (vgl. missweisend). Soll z. B. ein auf magnetisch Nord bezogener Kurs in einen auf Gitternord bezogenen Kurs umgewandelt werden (falsch → wahr), so ist die Nadelabweichung unter Berücksichtigung ihres angegebenen Vorzeichens zu addieren. Soll ein auf Gitternord bezogener Kurs in einen auf magnetisch Nord bezogenen Kurs umgewandelt werden (wahr → falsch), so ist die Nadelabweichung unter Umkehrung ihres Vorzeichens zu addieren.
Der Winkel zwischen den beteiligten Nordrichtungen kann (bereits am Schreibtisch) auf den Kartenrand gezeichnet werden. Die eingestellte Dose wird zur Korrektur so auf die Zeichnung gelegt, dass das Dosengitter (s. u.) parallel zu jenem Winkelschenkel liegt, welcher die zur Einstellung verwendete Referenzrichtung repräsentiert. Die Dose wird dann bei festgehaltenem Gehäuse auf den gewünschten anderen Winkelschenkel „weitergedreht“ und so um den gewünschten Winkelbetrag korrigiert.
Der Benutzer kann am Schreibtisch Gitterlinien parallel zur magnetischen Nordrichtung in die Karte einzeichnen und dann ausschließlich mit magnetisch Nord arbeiten. Korrekturen auf andere Nordrichtungen erübrigen sich in diesem Fall.