Bonn Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof in der Bundesstadt Bonn an der linken Rheinstrecke und östlicher Endpunkt der Voreifelbahn. Er hat IC-, EC-, ICE und Nachtzug-Verbindungen. Unter dem Bahnhof der Deutschen Bahn hält die Stadtbahn Bonn.
Täglich verkehren im Hauptbahnhof Bonn etwa 75 Fern- und 200 Nahverkehrszüge. Rund 67.000 Reisende nutzen täglich den Bahnhof. Das Empfangsgebäude von 1885 steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.
Geschichte mini|Bonn Hbf um 1900 mini|Seitenansicht von 1989 Photo:Bundesarchiv mini|Zur Zeit des Regiebetriebs in den 1920er Jahren waren die Bahnhöfe rot beschriftet.
Der erste Bahnhof in Bonn, etwas weiter südlich als heute an der Poppelsdorfer Allee gelegen,Olga Sonntag: Verliert der Bonner Bahnhof zu seinem 100. Geburtstag sein Gesicht? Ein stadtgeschichtlicher und kunsthistorischer Beitrag zur gegenwärtigen Planungsdiskussion um den Bonner Bahnhofsbereich. In: Bonner Heimat- und Geschichtsverein, Stadtarchiv Bonn (Hrsg.): Bonner Geschichtsblätter: Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins e. V., , Band 34, Bonn 1982, S. 173–224, hier: S. 179, 210. wurde im Jahre 1844 im Zuge des Baus der linken Rheinstrecke zwischen Bonn und Köln durch die Bonn-Cölner Eisenbahn eröffnet.Zwei Gutachten von 1842: Gutachten über die Anlegung des Bahnhofes zu Bonn für die Bonn-Cölner Eisenbahn. Maertens, Kreisbaumeister. Georgi, Bonn 1842 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Gutachten über die Anlegung des Bahnhofes zu Bonn, für die Bonn-Kölner Eisenbahn: nebst detaillierter Beleuchtung des Gutachtens vom Kreis-Baumeister Märtens zu Braunschweig über dieselbe Anlage; auf Veranlassung der Einwohner von Bonn. Bonn 1842 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Über zehn Jahre später am 21. Januar 1856 wurde die Verlängerung der linken Rheinstrecke in Richtung Süden von Bonn bis zum Bahnhof Rolandseck in Betrieb genommen. Ab 1870 endete die Trajektbahn auf die rechte Rheinseite am Bahnhof Bonn. Mit der Eröffnung der Voreifelbahn nach Euskirchen im Juni 1880 wurde der Bahnhof endgültig zum Knotenpunkt. Am 1. März 1883 wurde der Grundstein für ein neues Empfangsgebäude gelegt, das nach einem Entwurf des Baumeisters Carl Schellen entstand und im April 1885 eingeweiht wurde; mit der Ausführung und der Durcharbeit der dekorativen Formen war der bauleitende Architekt Traugott Unger betraut.Olga Sonntag: Verliert der Bonner Bahnhof zu seinem 100. Geburtstag sein Gesicht? Ein stadtgeschichtlicher und kunsthistorischer Beitrag zur gegenwärtigen Planungsdiskussion um den Bonner Bahnhofsbereich. In: Bonner Heimat- und Geschichtsverein, Stadtarchiv Bonn (Hrsg.): Bonner Geschichtsblätter: Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins e. V., , Band 34, Bonn 1982, S. 173–224, hier: S. 187–189, 204.
In den 1930er-Jahren wurde das Bahnhofsgebäude umgebaut – unter anderem 1939 das Obergeschoss zu Wohn- und Lagerzwecken ausgebautAndreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 16. – und dabei im Eingangsportal des Mitteltraktes die ursprünglichen rundbogigen Türen und die Glasmalerei unter dem Triumphbogen entfernt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete der Bahnhof ab 1949, als Bonn Bundeshauptstadt wurde, einen signifikanten Bedeutungszuwachs. Viele Politiker, Bundesbedienstete und Verwaltungsangestellte reisten mit der Bahn an, und die amtierenden Bundeskanzler und Bundespräsidenten (beispielsweise Adenauer, Brandt, Heuss und Lübke) nutzten für zahlreiche Reisen ab dem Bonner Hbf den Regierungszug, für welchen 1949 ein eigener Regierungsbahnsteig auf der stadtabgewandten Seite des Bahnhofs errichtet wurde. Dieser befand sich am südöstlichen Ende der Quantiusstraße im Bereich der heutigen „Radstation“ und war mit einer Zufahrt versehen, so dass besonders wichtige bzw. schutzbedürftige Personen mit dem Pkw direkt auf den Bahnsteig gefahren werden konnten.
Über viele Jahre hinweg wurden im Bonner Bahnhof auch Staatsgäste empfangen. Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt reiste am 8. November 1954 in einem Sonderzug der äthiopische Kaiser Haile Selassie zu einem Staatsbesuch der noch jungen Bundesrepublik nach Bonn; er wurde dort am geschmückten Gleis 1 von Bundespräsident Heuss begrüßt.Vor 35 Jahren starb Kaiser Haile Selassie – Erster Gast der Bonner Republik. domradio.de, 27. August 2010.Haile Selassie in Deutschland, 08.11.1954 (Filmbericht mit Szenen vom Bonner Hbf) Im Laufe der Jahrzehnte verlagerten sich die Reisen der Regierungsmitglieder und Staatsgäste zunehmend von der Schiene auf Straße und Flugzeug, so dass der Regierungsbahnsteig immer seltener benutzt und schließlich beim Bahnhofsumbau von 1991/92 abgerissen wurde.
Nachdem Bonn 1969 durch Eingemeindungen deutlich gewachsen war und nun auch die Bahnhöfe Bad Godesberg, Beuel, Duisdorf, Oberkassel und Mehlem auf Bonner Gebiet lagen, wurde der Bahnhof im Sommer 1971 in Bonn Hauptbahnhof umbenannt. Am 20. Oktober 1976 wurde ein Fußgängertunnel zwischen dem Hauptbahnhof und der neuen Stadtbahnhaltestelle eröffnet, der zugleich auch als Durchgang von der Quantiusstraße in Richtung Innenstadt dient. Fußgängerunterführung am Hauptbahnhof Bonn. In: Der Stadtverkehr, 22. Jahrgang, Heft 1/1977 (Januar 1977), S. 13.Hans Schmitt: Der Stadtbahnbau in Bonn. In: Der Stadtverkehr, 24. Jahrgang, Heft 2/1979 (Februar 1979), S. 53–57 (hier: S. 53). Ein zusätzlicher, kürzerer Fußgängertunnel zwischen DB-Hauptbahnhof und Stadtbahn wurde ab 1986 im Zuge einer Renovierung des Bahnhofs und seines Umfelds bis 1989 aus Anlass der 2000-Jahr-Feier Bonns errichtet.Bis zur 2 000-Jahr-Feier soll die Baustelle abgeräumt sein, General-Anzeiger, 15. Mai 1986 (genios.de)Die Tunnelbaustelle im Hauptbahnhof wird für die Anwohner immer mehr zum Ärgernis, General-Anzeiger, 16. Juli 1987 (genios.de)„Schnelle Züge und moderne Bahnhöfe“: Bahnhofsfest mit Bahnen aus drei Epochen eröffnet, General-Anzeiger, 11. März 1989 (genios.de)
mini|1991–92 diente in Bonn Hbf ein provisorisches Gleis namens 9 Süd als Zwischenlösung zur Überholung von Zügen, hier wartet E 3520 (Koblenz – Wuppertal) auf IC 618 (Stuttgart – Münster) mini|Bahnhofshalle Bonn Hbf, Blick auf den Service Point (2009)
Am 2. Juni 1991 wurde auf der linken Rheinstrecke ein neues und wesentlich dichteres Fahrplankonzept eingeführt. Es beruhte auf Überholungen zwischen Nah- und Fernverkehrszügen in allen Knotenbahnhöfen. Da in Bonn Hbf zu diesem Zeitpunkt für Fahrten nach Norden regulär nur Gleis 1 verfügbar war, wurde provisorisch ein abseits gelegenes Gleis 9 Süd mit Holzbahnsteig errichtet, an welchem die Regionalzüge in Richtung Köln hielten, während IC und IR auf Gleis 1 verkehrten.Fahrgäste über „Katzenbahnsteig“ verärgert – Bundesbahn musste Haltepunkt für die Bummelzüge verlegen. Bonner General-Anzeiger, 4. Juni 1991. Auf Bahnsteig 1 waren zahlreiche gelbe Pfeile aufgeklebt, die den Reisenden den überaus weit wirkenden Fußweg nach Gleis 9 Süd wiesen. Dieses Gleis lag auf der Trasse des ehemaligen Trajektgleises nach Oberkassel und verfügte über einen aus Holz zusammengezimmerten Behelfsbahnsteig samt Zugzielanzeiger, der auch von der Kaiserstraße aus am Bahnübergang Königstraße einen offiziellen Zugang hatte. Am 26. Oktober 1992 waren die Erweiterungen der Bonner Gleisanlagen so weit abgeschlossen, dass von da an die Nahverkehrszüge nach Norden von Gleis 2 verkehrten und Gleis 9 Süd samt Weichen und Behelfsbahnsteig anschließend wieder abgebaut wurde.Das Gleis 9 Süd hat seinen Dienst getan. Bonner General-Anzeiger, 23. Oktober 1992. In Richtung Süden verkehrten ab dann die Fernzüge von Gleis 3 (vormals 2) und die ihre Überholung abwartenden Nahverkehrszüge von Gleis 4.
Am 12. Juli 2001 wurde der Hauptbahnhof Bonn der erste Nichtraucherbahnhof im Netz der DB. Das Pilotprojekt, das Rauchen nur noch in festgelegten Zonen erlaubte, wurde später auf andere Bahnhöfe ausgedehnt. Nordwestlich des Personenbahnhofs bestand als Bahnhofsteil ein heute stillgelegter Güterbahnhof mit kleinem Rangierbahnhof, der zum 12. Dezember 2001 teilweise durch das Eisenbahn-Bundesamt entwidmet und bis heute teilweise zurückgebaut wurde. Die verbliebenen Gleise werden für Überholungen von Güterzügen und als Abstellanlage für wendende Reisezüge und abgestellte Gruppen von Güterwagen genutzt.
Während der Planungsphase der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main wurde in den 1980er und frühen 1990er Jahren eine Führung der Neubaustrecke über den Bonner Hauptbahnhof diskutiert. Vorgesehen war dazu eine Untertunnelung der Stadt. Dieser Tunnel sollte in der nördlichen Peripherie beginnen und in 35 m Tiefe unter dem Straßenniveau Zügen den Halt ermöglichen. Nach Unterquerung von Bundesviertel und Rhein sollte die Trasse das Siebengebirge erreichen und von dort auf der von der damaligen Deutschen Bundesbahn favorisierten Variante 0 über Limburg an der Lahn nach Frankfurt (Main) Hauptbahnhof folgen. Die Mehrkosten dieser Variante wurden auf etwa eine halbe Milliarde Euro geschätzt.Ohne Autor: Das Planungsstadium. In: Eisenbahn Journal: Tempo 300 – Die Neubaustrecke Köln–Frankfurt. In: Eisenbahn Journal, Sonderausgabe 3/2002, ISBN 3-89610-095-5, S. 12–17. Darüber hinaus wurde auch eine Führung über den Bahnhof Bonn-Beuel diskutiert. Dabei sollte die Strecke im Logebachtal bei Aegidienberg, nahe der Bundesautobahn 3, in einem 14 Kilometer langen Tunnel gebaut worden. Heute ist Bonn indirekt über den, ab Bonn Hbf per Stadtbahn (Linie 66) erreichbaren, Bahnhof Siegburg/Bonn an die Schnellfahrstrecke angebunden. Trotz dieser an Bonn vorbeiführenden ICE-Strecke ist Bonn Hauptbahnhof nach wie vor ein wichtiger Fernverkehrshalt.
Im Dezember 2012 wurde auf dem Hausbahnsteig (Gleis 1) in einer abgestellten Tasche ein Sprengsatz gefunden. Der Bahnhof wurde daraufhin gesperrt und der gefährliche Gegenstand entschärft.
Im Zuge des Ausbaus und der Aufwertung der Voreifelbahn wurden im zweiten Halbjahr des Jahres 2013 im ehemaligen Bonner Güterbahnhof zwei neue Gleise und sechs neue Weichen verlegt, um die Züge der Voreifelbahn mit den Zügen der linken Rheinstrecke zu entflechten. Nach Vorarbeiten ab Mitte November 2015 wurde das Bahnhofsdach von November 2016 bis November 2020 saniert und dabei auch ein neues Entwässerungssystem installiert und die Oberleitungen sowie die Lautsprecher und Beleuchtungsanlagen erneuert.Sanierung nun doch ab Herbst. General-Anzeiger, 5. Februar 2015.Gleis 1 am Hauptbahnhof ist gesperrt. General-Anzeiger, 27. Oktober 2015., WDR-Lokalzeit aus Bonn, 18. Juli 2016.Sanierung geht in die heiße Phase. General-Anzeiger, 4. November 2016.Bahn beendet Dachsanierung am Bonner Hauptbahnhof. Radio Bonn/Rhein-Sieg, 18. November 2020. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 8,7 Millionen Euro erhöhten sich aufgrund eines deutlich schlechteren Zustands des Daches und der Stützen als angenommen auf 33 Millionen Euro.
Am 28. November 2015 fuhr ein Thalys-Sonderzug mit rund 100 Mitarbeitern des in der Bundesstadt Bonn angesiedelten Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von Bonn Hauptbahnhof zur UN-Klimakonferenz in Paris.
mini|Saniertes Bahnhofsdach (2021) Ab November 2016 war Gleis 1 aufgrund der Sanierung des Hallendaches gesperrt. Alle normalerweise von Gleis 1 abfahrenden Züge verkehrten seitdem vom Gleis 2. Vor allem in der Hauptverkehrszeit kam es dadurch zu sehr vollen Bahnsteigen, da sich Fahrgäste in Fahrtrichtung Norden und Süden einen Bahnsteig teilen mussten. Die Bahn versuchte das Problem dadurch zu entschärfen, dass die Nahverkehrszüge an den Gleisen 2 und 3 jeweils bis zum Bahnsteigende fahren, wodurch sie versetzt zueinander standen und die Fahrgastströme entzerrt wurden.