mini|hochkant|Friedrich Schneider, Stahlstich um 1855 von L. Sichling nach einem Porträt von G. Völkerling (1852) Friedrich Schneider, mit vollem Namen Johann Christian Friedrich Schneider (* 3. Januar 1786 in Altwaltersdorf; † 23. November 1853 in Dessau) war ein deutscher Komponist, Organist und Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister.

Leben Frühe Jahre: 1786–1804 mini|Geburtshaus Friedrich Schneiders in Waltersdorf (Großschönau) mini|Gedenktafel am Geburtshaus Friedrich Schneiders in Waltersdorf (Großschönau)' mini|hochkant|Denkmal in Waltersdorf von Hermann Schubert (1888) Schneider wurde als erster von drei Söhnen des Schullehrers und Organisten Johann Gottlob Schneider senior (1753–1840) geboren, bei dem er auch ersten allgemeinbildenden Unterricht und Unterweisung im Instrumentalspiel (u. a. Klavier, Orgel, Violine, Violoncello und diverser Blasinstrumente) erhielt. Bereits während seiner Zeit am Zittauer Gymnasium, das er seit 1798 besuchte, entfaltete er bemerkenswerte kompositorische Begabung. Schnell stieg er als Mitglied des dortigen Schulchores zum Tenorsolisten auf und hatte zwischen April 1804 und Juli 1805 die Position des Präfekten inne.

Leipziger Jahre: 1805–1821 1805 nahm er in Leipzig das Studium der „Humaniora“ auf und vertiefte seine musikalischen Kenntnisse bei August Eberhard Müller und Johann Gottfried Schicht; auch Johann Friedrich Rochlitz, der Begründer der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung, förderte ihn. Binnen kurzer Zeit bekleidete er eine Vielzahl musikalischer Ämter und Funktionen – u. a. war er ab 1810 Musikdirektor der Seconda’schen Operngesellschaft, wurde 1813 Organist an der Thomaskirche, übernahm 1816 die Leitung der Singakademie und war seit 1817 als Musikdirektor des Stadttheaters tätig – wodurch er nach und nach zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Leipziger Musiklebens wurde.

Als Solist der ersten glanzvollen Aufführung von Beethovens 5. Klavierkonzert im Leipziger Gewandhaus 1811 bewies er seine Fähigkeiten als hervorragender Konzertpianist. 1812 heiratete er die Sängerin Elisa Geibel, die im darauffolgenden Jahr bei einer Totgeburt starb. Am 3. Januar 1815 vermählte er sich mit deren Schwester Katharina Maria. Aus dieser Ehe gingen vier Jungen und vier Mädchen hervor.

Obwohl er sich während seiner Leipziger Jahre unterschiedlichsten musikalischen Gattungen widmete, war er als Komponist vor 1820 noch wenig bekannt. Erst der unerwartete Erfolg seines zweiten Oratoriums Das Weltgericht, das am 6. März 1820 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wurde, brachte den Durchbruch. Der Siegeszug des Werkes setzte sich in einer Vielzahl von weiteren Aufführungen fort und brachte Schneider überregionale Bekanntheit und nachhaltige Anerkennung ein. Er begründete damit seinen Ruf als Komponist, Hofkapellmeister, Dirigent, Pianist, Organist, Pädagoge und Organisator zahlreicher Musikfestspiele.

Hofkapellmeister zu Anhalt-Dessau: 1822–1853 mini|hochkant|Denkmal im Stadtpark Dessau von Hermann Schubert (1893) mini|hochkant|Grabmal Friedrich Schneiders auf dem historischen Friedhof in Dessau. 2017 wurde das Medaillon mit dem Bildnis des Komponisten durch Unbekannte gestohlen und ist seither verschollen. Im darauffolgenden Jahr trat er die Nachfolge des 1820 verstorbenen Leopold Carl Reinicke als Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister an und führte das Dessauer Musikleben zu neuer Blüte. Unmittelbar nach Dienstantritt reorganisierte er die Hofkapelle und hatte schon nach kurzer Zeit ein leistungsfähiges, weithin anerkanntes Orchester formiert. Bereits ab 1822 veranstaltete er nach dem Leipziger Vorbild regelmäßige Abonnementkonzerte, gründete eine Singakademie und rief zusammen mit dem Dichter Wilhelm Müller die „Dessauer Liedertafel“ ins Leben. Mit dem eigens organisierten Gymnasialchor und dem Männerchor des Lehrerseminars führte Schneider regelmäßige Kirchenmusiken in den drei Kirchen der Stadt ein. Im Zuge der deutschen Konservatoriumsgründungen eröffnete er 1829 eine Musikschule, aus der bis zu ihrer Schließung im Jahre 1844 mehr als 120 Absolventen hervorgingen.Kempe (1859), S. 451–456.

Sein überregionales Ansehen wurde auch dadurch gefestigt, dass Schneider neben seiner Kapellmeistertätigkeit bei zahlreichen Musikfesten regelmäßig als Dirigent in Erscheinung trat. Engagements dieser Art übte er noch bis ins hohe Alter aus. Während seiner Dessauer Zeit entstanden vor allem Oratorien und andere geistliche Werke sowie Kompositionen für Männerchor. Ab etwa 1830 komponierte er zunehmend weniger und zog sich immer häufiger nach Zerbst zurück, um sich seiner Vorliebe für Gartenliteratur und Astronomie zu widmen. Zu dieser Zeit gehörte Schneider mehr als 25 musikalischen Vereinigungen an.

Unter den zahlreichen Ehrungen, die ihm zeitlebens zuteilwurden, ragen besonders die beiden im Jahre 1830 verliehenen Ehrendoktorwürden der Universitäten Halle und Leipzig heraus sowie die Ehrenmitgliedschaften in der New York Philharmonic Society (1853), der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde und der Königlichen Musikakademie zu Stockholm.

Seine Bedeutung und Anerkennung als Komponist hat Schneider im Wesentlichen dem Erfolg seines Weltgerichts zu verdanken. Begünstigt wurde Schneiders Erfolg auch dadurch, dass er die Anliegen der überall aufkommenden Musikfeste (etwa nach Kompositionen mit einer großen Anzahl von leicht zu singenden Chören) und des aufblühenden Chorgesangwesens zu bedienen verstand. In der zeitgenössischen Presse wurde er sogar als „Händel unserer Zeit“ tituliert. Überdies wurden auch seine übrigen Oratorien und Werke anderer Gattungen von Publikum und Kritikern geschätzt und gewürdigt. Durch sein Engagement als Dirigent, Organisator und Komponist übte er maßgeblichen Einfluss auf die Musikfestentwicklung aus. So waren bereits die seit 1826 stattfindenden „Elbmusikfeste“ untrennbar mit seinem Namen verbunden. Große Wertschätzung erwarb er sich unter Zeitgenossen auch als Chor- und Orchestererzieher sowie als Förderer des Männerchorwesens. Neben seinen Messen und Opern stießen namentlich auch Schneiders Lieder und Chöre bei Rezipienten auf wohlwollende Resonanz. Er galt als äußerst kreativer Komponist. 1807 wurde er in die Leipziger Freimaurerloge Balduin zur Linde aufgenommen.

Am 22. Oktober 1845 fand in Berlin eine Feier zu Schneiders 25-jährigem Jubiläum "seines Bekanntwerdens und seiner Einbürgerung in Berlin statt", wo sein Werk Das Weltgericht mit einem rund 500 Personen starken Chor und fast 3000 Zuschauern aufgeführt wurde. Im Lauf des Fests erhielt er von König Friedrich Wilhelm IV., der zu diesem Anlass persönlich aus Potsdam angereist war, den Roten Adlerorden dritter Klasse für seine Leistungen verliehen.Augsburger Tagblatt. No. 299. Donnerstag 30. Oktober 1845, S. 1279. Als Digitalisat opacplus.bsb-muenchen.de, abgerufen am 26. August 2020, darin: "Vermischte Nachrichten. Am 22. Okt. fand in Berlin eine Aufführung des Oratoriums: „das Weltgericht“ vom Kapellmeister Fr. Schneider aus Dessau, unter des Komponisten eigener Leitung, statt. Das Werk feierte bei diesem Anlaß das 25jährige Jubiläum seines Bekanntwerdens und seiner Einbürgerung in Berlin. Der König war zu der Aufführung eigens von Potsdam gekommen, die Zahl der Zuhörer betrug fast 3000; der Chor war über 500 Personen stark. Nach der Aufführung fand ein Festmahl von 600 Gedecken statt. Im Verlauf desselben bekränzte Fräulein Tuczek die Büste Schneiders, wobei der schöne, getragene Saz [sic] der Engelstimmen aus dem „Weltgericht“ ertönte. Später wurde dem gefeierten Komponisten durch ein junges Mädchen der vom König verliehene rothe Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife unter allgemeinem Lebehoch überreicht. Eben so erhielt der Musikdirektor Julius Schneider, der bei dieser und ähnlichen Aufführungen große Thätigkeit entwickelt hatte, den rothen Adlerorden vierter Klasse."

Kompositionen Sein musikalisches Œuvre setzt sich aus 16 Oratorien, darunter Die Totenfeier (UA: 1821, Berlin), Die Sündfluth (1824, Köln), Das verlorene Paradies (1825, Magdeburg) und Christus der Meister (1828, Nürnberg) sowie weiteren geistlichen Vokalkompositionen, aber auch sechs Opern und einer ganzen Reihe von Instrumentalmusikwerken zusammen. Darunter befinden sich 23 handschriftlich überlieferte Sinfonien, etwa 20 Ouvertüren, zwei Klavierkonzerte und eine große Anzahl von Kammermusikkompositionen. Er schrieb u. a. zehn Streichquartette, eine Anzahl von zwei- und vierhändigen Klaviersonaten, Tänzen und Variationen sowie zahlreiche Klavierauszüge und sonstige Arrangements von Opern und Instrumentalwerken von Beethoven, Cherubini, Mozart, Spontini u. a. sowie Lieder und etwa 400 Chorwerke.

Als sein berühmtestes Werk gilt das Oratorium Das Weltgericht in 3 Teilen für Soli, Chor und Orchester (1821). Der Leipziger Pfefferkorn Musikverlag legte erstmals eine quellenkritische Urtextausgabe vor. Homepage des Verlags Der Nachlass Schneiders wird in der Anhaltischen Landesbücherei Dessau verwahrt.

Richard Wagner kritisiert 1834 in seinem Aufsatz zur Musikgeschichte Die deutsche Oper namentlich Friedrich Schneider als Beispiel für die Verkennung der Gegenwart nach Form und Gehalt.

Werke (Auswahl) Oratorien Die Höllenfahrt des Messias, 1810 Leipzig Das Weltgericht op. 46, 1819 Leipzig – Kritische Urtextausgabe 2011, Pfefferkorn Musikverlag Leipzig Die Totenfeier, 1821 Leipzig Die Sündflut, 1823 Dessau Das verlorene Paradies, 1824 Dessau Jesus Geburt, 1825 Dessau Christus, der Meister, 1827 Dessau Pharao, 1828 Dessau Christus, das Kind, 1829 Dessau Gideon, 1829 Dessau Absalon, 1830 Dessau Das befreite Jerusalem, 1835 Dessau Salomonis’ Tempelbau, 1836 Dessau (unvollendet) Bonifacius, 1837 Dessau (unvollendet) Gethsemane und Golgatha op. 96, 1838 Dessau (Kritische Urtextausgabe 2012, Pfefferkorn Musikverlag Leipzig) Christus, der Erlöser, 1838 Dessau

Messen, Te Deum 1. Messe (C-Dur) für 4 Singstimmen und Orchester, 1803 2. Messe (D-Dur) für 4 Singstimmen und Orchester, 1803 3. Messe (Es-Dur) für 4 Singstimmen und Orchester, 1804 4. Messe (C-Dur) für 4 Singstimmen und Orchester, 1805 5. Messe (Es-Dur) für 4 Singstimmen und Orchester, 1807 6. Messe für 3 Singstimmen und Klavier (Orgel), 1810 7. Messe (F-Dur) op. 39 für Soli, Chor und Orchester, 1815 8. Messe (a-Moll) Doppelchörig a cappella, 1815 (Erstdruck der Urtextausgabe, 2014 Pfefferkorn Musikverlag, Leipzig) 9. Messe (G-Dur) für Soli, Chor und Orchester, 1816 10. Messe (Es-Dur) Doppelchörig a cappella, 1817 11. Messe fünfstimmig a cappella, 1817 12. Messe (C-Dur) op. 55 für Soli, Chor und Orchester, 1819 13. Messe (F-Dur) für Soli, Chor und Orchester, 1826 14. Messe „Orgelmesse“, 1832 Gloria (D-Dur) für 4 Männerstimmen, 1825 Te Deum für die Universität Leipzig, 1830

Kantaten, Hymnen, Psalmen 1. Kantate „Heilig, heilig!“, 1800 2. Kantate „Wie der Wind bläset“, 1800 3. Kantate „Der Tod“, 1801 4. Kantate „Groß sind die Werke des Herrn“, 1801 5. Kantate „Jedes Werk zeigt deine Größe“, 1801 6. Kantate „Heilig“, 1802 7. Kantate, 1810 8. Kantate „Abschiedskantate“, 1811 9. Kantate Arie mit Chor, 1817 10. Kantate, 1808 11. Kantate zur Kirchenweihe in Gersdorf, 1810 12. Kantate „Ariadnes Apotheose“, 1810 13. Kantate „Trauungskantate“, 1811 14. Kantate „Hochzeitskantate“, 1817 15. Kantate „Osterkantate“ nach Worten der heiligen Schrift, 1817 16. Kantate zur Einweihung der Georgenkirche in Dessau, 1821 17. Kantate „Pfingstkantate“, 1822 18. Kantate „Weihnachtskantate“, 1823 19. Kantate „Osterkantate“. 1824 20. Kantate zur Orgelweihe in der Schlosskirche Dessau, 1824 21. Kantate zum Buß- und Bettag, 1824 22. Kantate „Karfreitagskantate“, 1826 23. Kantate zum Kirchgang der Herzogin [von Anhalt-Dessau], 1831 24. Kantate „Die Seefahrt“, 1836 25. Kantate zur Einweihung der Johanniskirche in Zittau, 1836

1. Hymnus „Das große Halleluja“, 1804 2. Hymnus für 3 Chöre, 1804 3. Hymnus „Die Gottheit“, 1808