mini|hochkant=1.8|Heutige Indianerreservate im Südwesten der USA
Die Yavapai sind ein Indianervolk im Südwesten der USA und zählen sprachlich, kulturell sowie geographisch zusammen mit den verwandten Hualapai (Walapai) und Havasupai zur Gruppe der Hochland-Yuma (Upland Yuma) oder Nördliche Pai im Nordwesten, Südwesten und westlichen Zentral-Arizona.
Ursprünglich lebten die Nördlichen Pai am Oberen Colorado River nördlich der mächtigen und kriegerischen Quechan (Yuma) in Arizona und zogen – lange bevor die ersten Konquistadoren den heutigen Südwesten der Vereinigten Staaten betraten – ostwärts in die Canyonlands und Schluchten des Colorado-Plateaus einschließlich des Grand Canyon. Aus dieser Originalgruppe entstanden laut traditioneller Überlieferung auf Grund interner Streitigkeiten zwei separate Stammesgruppen, die sich nun auch feindlich gegenüberstanden: die Yavapai, die weiter ins südwestliche sowie südliche Zentral-Arizona zogen, und die Hualapai (Walapai), die im Nordosten und Norden blieben.
Erst mit der Errichtung des Havasupai-Reservats in den 1880er Jahren für die Havasooa Pa’a / Hav’su Ba: Lokalgruppe der Hualapai (Walapai), die sich zuvor Schutz suchend bereits immer tiefer in die Canyons zurückgezogen hatten, begannen sich diese allmählich nicht mehr als Hualapai (Walapai), sondern als eigenständiger Stamm zu identifizieren.Jeffrey P. Shepherd: We Are an Indian Nation: A History of the Hualapai People, University of Arizona Press (April 2010), Seite 229, ISBN 978-0-8165-2904-9
Sprache Ihre Sprache, das Yavapai, gehört zusammen mit dem eng verwandten Havasupai-Hualapai (Hochland Yuma) der Havasupai und Hualapai zur Hochland Yuma (Nördliches Pai)-Zweig der Pai oder Nördlichen Yuma-Untergruppe der sog. eigentl. Yuma-Sprachen der Cochimí-Yuma-Sprachfamilie, die oftmals zu den Hoka-Sprachen gezählt wird. Ihre Sprache unterteilt sich den vier Stammesgruppen der Yavapai entsprechend in vier Dialekte: Ɖo:lkabaya/Tolkepaya-Dialekt (Westlicher Dialekt) Yavbe'/Yavepe-Dialekt (Nordwestlicher, Zentraler oder Prescott-Dialekt) Guwevkabaya/Kewevkapaya-Dialekt (Südlicher oder Südöstlicher Dialekt) Wi:pukba/Wipukepaya-Dialekt (Nordöstlicher oder Verde Valley-Dialekt)
Die Wi:pukba/Wipukepaya und Guwevkabaya/Kwevkepaya der Yavapai lebten oftmals mit Gruppen der Tonto-Apachen und San-Carlos-Apachen der Westlichen Apachen zusammen, die jedoch jeweils Dialektvarianten des Westlichen Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') der südathapaskischen Apache-Sprachen der athapaskischen Sprache aus der Na-Dené-Sprachfamilie sprechen.
Diese gemischten Yavapai-Apache-Gruppen waren meist zweisprachig – und sprachen somit sowohl Yavapai als auch Westliches Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati'), die Zugehörigkeit entweder zu den Yavapai oder zu den Apache richtete sich nach der jeweiligen Muttersprache; und somit hatten die Wi:pukba/Wipukepaya und Guwevkabaya/Kewevkapaya-Dialekte einen starken Apache-Akzent, während der Tonto (Dilzhę́’é)-Dialekt (sowie zwei Idiome des Dialekts der San-Carlos-Apachen) einen starken Yavapai-Akzent aufwiesen. Beiden gemeinsam war – im Gegensatz zu den anderen Varianten des Westlichen Apache (Ndee biyati'/Nnee biyati') – eine markante und für andere Apachen eigenartig klingende Sprachmelodie, die häufig auch als „Singsang“ bezeichnet wird.
Heute sprechen von ca. 1.500 Yavapai noch ca. 100 bis 150 meist ältere Stammesangehörige ihre Muttersprache (Golla 2007)Ethnologue - Languages of the World - Havasupai-Walapai-Yavapai sowie ca. 1.000 Stammesangehörige der Tonto Apache den Tonto oder Dilzhę́’é-Dialekt (Stand: 2007)Tonto Apache and its position within Apachean, wobei das Northern Tonto-Idiom in zwei mit Yavapai geteilten Reservationen gesprochen wird (der Yavapai-Apache Nation Indian Reservation (vormals Camp Verde) und Yavapai-Prescott Indian Reservation) und das Southern Tonto-Idiom in der Tonto Apache Reservation sowie in der ebenfalls mit Yavapai geteilten Fort McDowell Indian Reservation und in zwei von anderen Stämmen der Westlichen Apache dominierten Reservationen (der San Carlos Apache und Fort Apache Indian Reservation). Obwohl es ebenfalls Nachfahren von Nördlichen Tonto-Apache in der San Carlos und Fort Apache Indian Reservationen gibt, gibt es heute keine Sprecher des Northern Tonto-Idioms unter ihnen. Ältere Stammesangehörige der Yavapai und Tonto-Apachen sind zweisprachig.
Namensgebung Kulturell sowie oftmals auch sprachlich haben die verschiedenen Gruppen der Yavapai jeweils viel von den jeweils benachbarten Stämmen übernommen – so dass die Yavapai von Spaniern/Mexikanern sowie später Amerikanern fälschlicherweise oftmals als Untergruppen dieser Stämme betrachtet wurden.
Die Ɖo:lkabaya/Tolkepaya („Westliche Yavapai“) wurden, da sie enge kulturelle sowie sprachliche Kontakte und Bindungen mit Quechan (Yuma), Mohave (Mojave) und Cocopa entlang des Colorado River unterhielten, oft als Yuma-Apache oder Apache-Yuma bezeichnet. Auch die Hualapai (Walapai) sowie Havasupai wurden als Yuma-Apache (Apache-Yuma) bezeichnet.
Die Wi:pukba/Wipukepaya („Nordöstliche Yavapai“) wurden meist als Mohave-Apachen (Apache-Mojave), manchmal auch einfach als Tonto-Apachen bezeichnet, da sie meist mit Gruppen der süd-athapaskischen Nördlichen Tonto-Apachen bilinguale Gruppen bildeten.
Die Guwevkabaya/Kwevkepaya („Südöstliche Yavapai“) lebten ebenfalls oftmals gemeinsam mit Gruppen der süd-athapaskischen Südlichen Tonto-Apachen und der San-Carlos-Apachen in bilingualen Gruppen, da sie neben der Sprache zudem auch viel von der Kultur der Apachen übernommen hatten, wurden sie einfach als Tonto-Apachen bezeichnet.
Die Yavbe'/Yavapé („Nordwestliche Yavapai“ oder „Zentrale Yavapai“) werden oft auch als echte/wirkliche Yavapai bezeichnet, da sie kulturell von benachbarten Völkern fast nicht beeinflusst waren – und meist nur Kontakte zu anderen Yavapai unterhielten.
Eine weitere Gruppe der Yavapai waren die Mađqwadabaya/Matakwadapaya („Wüsten-Volk“) bzw. Mahtagwatapaya („Red Dirt People“), die bis Ende des 18. Jahrhunderts zwischen Tucson und der Crater Ranger umherzogen (Coder, 2006), später schlossen sie sich entweder benachbarten Yavapai-Gruppen an oder siedelten unter Fluss-Yuma-Gruppen (Mohave/Mojave und Quechan/Yuma). Heute haben sie ihre Identität als eigenständige Gruppe verloren – jedoch führen mehrere Mohave und Quechan-Familien ihre Wurzeln auf Mađqwadabaya-Yavapai zurück.
Oftmals werden innerhalb der Nördlichen Pai (Yavapai, Hualapai und Havasupai) die Hualapai (Walapai) und Havasupai als Nordöstliche Pai von den südlich lebenden Yavapai unterschieden; seit der erzwungenen Ansiedlung in zwei Reservationen – der Hualapai Indian Reservation im Westen sowie der Havasupai Indian Reservation im Osten des ursprünglich gemeinsamen Stammesgebiets – werden die Hualapai (Walapai) als Westliche Pai und die Havasupai als Östliche Pai bezeichnet.
Herkunft und Bedeutung des Namens Yavapai Die Bedeutung und Herkunft des Namens Yavapai ist unklar und umstritten, möglicherweise stammt er von zwei Yavapai-Wörtern ab: Enyaleva („Sonne“) und Pai („Person“) bzw. Paya („Volk“), was in etwa („Volk der Sonne, d. h. Volk im Osten“) bedeutet; die Guwevkabaya/Kwevkepaya („Südöstliche Yavapai“) behaupten der Name leite sich von Yawepe ab („Crooked Mouth People“ – „Volk mit schiefem, d. h. grimmigen Mund“) (Handbook of American Indians, Hodge, 1907, 1910) oder („beleidigtes, eingeschnapptes Volk“), d. h. („Volk, das sich nicht mit anderen Völkern versteht“) (Gifford 1936).
Benachbarte ebenfalls Yuma-sprachige Völker hatten alle ähnliche Bezeichnungen für die Yavapai: die westlich am Colorado River lebenden Mohave nannten sie Enyaéva-pai und die Quechan (Yuma) Yav'apai, die südlich lebenden Maricopa ebenfalls Yavˀi pay und die nördlich lebenden Hualapai (Walapai) und Havapai als N'avpeˀ / N'avpeˀe, was alles in etwa („Volk der (aufgehenden) Sonne, d. h. Volk im Osten“) bedeutet.
Die Yavapai hingegen nannten die zwar verwandten, jedoch feindlichen, Hualapai und Havasupai Matávĕkĕ-Paya/Täbkĕpáya („Volk im Norden“, lt. Corbusier) oder Páxuádo ameti („Volk weit flussabwärts“, lt. Gatschet)Access Genealogy - Walapai Indians, diese wiederum bezeichneten die Yavapai einfach als Ji'wha („Der Feind“) – zudem war die größte und südlichste Großgruppe (Unterstamm) der Hualapai auch als Yavapai Fighters bekannt.
Sie selbst bezeichneten sich je nach Dialekt wie viele indigene Völker einfach als Pa, 'Ba:, Pai, Báy, Pe, Apa („Person, Mensch“) bzw. Paya, Paia, Pa'a, 'Ba:a, Pa'a, Apaja, Abaja („die Leute von ...“ oder „das Volk“).
Historische und weitere Bezeichnungen Die Hopi hingegen nannten alle Nördlichen Pai (Yavapai, Hualapai und Havasupai) Co'on / Coconino („Wood Killers“), wobei der Name sich auf die Art und Weise bezieht, wie diese die Äste von den Bäumen mittels Äxten abschlugen. Die feindlichen Navajo übernahmen diese Benennung und bezeichneten die Havasupai als Góóhníinii; jedoch könnte die Navajo-Bezeichnung für die Havasupai die gleiche Etymologie haben, wie Koun'Nde / Go'hn („wildes, raubeiniges Volk“) der Westlichen Apache, die so die Yavapai und deren Tonto-Apache-Verwandten bezeichneten.
Die unter den Raubzügen der verbündeten Yavapai und Westlichen Apache leidenden O’Odham (Oberen Pima) nannten alle Nördlichen Pai sowie die Apache und Opata einfach Ohp oder O'Ob („Feinde“).
Die ersten spanischen Entdecker unterschieden drei Yavapai-Gruppen; die „Nordöstlichen Yavapai“ wurden als Cruzados bezeichnet, da sie Schilf-Kreuze auf der Stirn trugen, die an einer Locke befestigt waren; die „Südöstlichen Yavapai“ wurden hingegen als Nijoras und die „Westlichen Yavapai“ als Tejunas bezeichnet.
Weitere übliche Bezeichnungen der Spanier (und Mexikaner) für Yavapai sowie für die mit ihnen teilweise verwandten und verbündeten Westlichen Apache sind Garroteros („Keulenmänner“, nach der bei den Apache beliebten Kampftechnik mit Kriegskeulen) oder Gileños/Apaches de Gila (ein Sammelbegriff für alle Apache- sowie Nicht-Apache-Gruppen die westlich des Rio Grande (im Südosten Arizonas und Westen New Mexicos) sowie entlang des Gila River oder der Gila Mountains lebten; einige der sog. Gila Apaches gehörten jedoch der Bedonkohe Band sowie der Copper Mines-Lokalgruppe der Chihenne Band der Chiricahua Apache an; nach 1722 bezeichneten die Spanier jedoch mit Gileños nur noch die heutigen White Mountain Apache sowie die Akimel O’Odham (Pima) als „Gileños“).
Da später die Amerikaner jedoch den Begriff Gileños oder Gila Apaches wiederum auf fast alle Apachen-Gruppen westlich des Rio Grande erweiterten, wurden unter diesem Sammelbegriff auch die mit Yavapai verwandten Tonto-Apachen sowie die Pinaleño/Pinal-Apachen und die Arivaipa/AravaipaGruppen der San-Carlos-Apachen zusammengefasst; die Yavapai wurden daher oftmals auch einfach als Yabipais Gileños bezeichnet.
Später jedoch wurden alle Yavapai durch Spanier, Mexikaner und Amerikaner meist als Mohave-Apachen (Apache-Mojave), Yuma-Apachen (Apache-Yuma), Yavapai-Apachen, Tonto-Apache oder einfach zusammenfassend als Apachen bezeichnet, da im Norden Mexikos sowie im Südwesten der USA das Wort Apache oft zur Bezeichnung für „feindliche, kriegerische, räuberische Indianer“ gebraucht wurde, ohne sprachliche, ethnische und kulturelle Differenzierung (auch Mohave [Mojhave] und sogar Comanchen wurden vormals als Apachen bezeichnet). In historischer Fachliteratur und in Abenteuerromanen (wie bei Karl May: Nijjorras-Apatschen) sind diese irreführenden Bezeichnungen immer noch gebräuchlich; jedoch ist die Herkunft der heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung Apachen für alle Stämme und Gruppen der Südlichen Athapasken – außer den Navajos – unsicher und umstritten.
Herkunft des Namens Apache