mini|Diese 1933 von Hans Himmelheber in der Elfenbeinküste erstandene Baule-Maske wird heute im Tropenmuseum in Amsterdam ausgestellt. Hans Himmelheber (* 31. Mai 1908 in Karlsruhe; † 27. November 2003 in Heidelberg) war ein deutscher Ethnograph und Ethnologe.
Leben Hans Himmelheber war jüngstes Kind von Luitgard Himmelheber und Gustav Himmelheber. Der Vater leitete zusammen mit seinem Bruder Carl die Möbelfabrik Gebrüder Himmelheber in Karlsruhe in der dritten Generation. Seine Mutter war eine der ersten zehn Karlsruher StadträtinnenBarbara Guttmann: Zwischen Trümmern und Träumen – Karlsruherinnen in Politik und Gesellschaft der Nachkriegszeit. [Hrsg.: Stadt Karlsruhe]. – Karlsruhe: Stadt Karlsruhe, Frauenbeauftragte und Stadtarchiv, 1997, ISBN 3-923344-39-2, S. 61 (PDF; 21,6 MB) und in der Frauenbewegung aktiv, der Vater Mitglied im Badischen Kunstverein. Der Erfinder, Unternehmer, Publizist und Pilot Max Himmelheber war sein älterer Bruder. Sein Großvater mütterlicherseits war der badische Finanzminister Max Honsell. Hans und Ulrike Himmelheber, Stationen des Lebens, 31. Mai 2008. In: Website About Africa & the rest of the world. Abgerufen am 27. Februar 2017.
Im Jahr 1944 heiratete er Ulrike Himmelheber. Mit ihr bekam er 1946 eine Tochter, Susanne Himmelheber, und 1953 einen Sohn, Martin Himmelheber. Sein Stiefsohn aus der ersten Ehe seiner Frau, Eberhard Fischer und dessen Tochter Anjali Fischer wurden ebenfalls Ethnologen wie auch Susanne Himmelhebers Tochter Clara Mayer-Himmelheber.Himmelheber, Ulrike; geb. Roemer. In: Bettina Beer: Frauen in der deutschsprachigen Ethnologie: ein Handbuch. Böhlau Verlag, 2007. ISBN 978-3-412-11206-6. Seiten 90–94. (Google Book)
Beruf Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Banklehre in Hamburg. Ab 1929 handelte er mit afrikanischen und ozeanischen Skulpturen, womit er sein Studium in Ethnologie, Geographie und Kunstgeschichte sowie seine erste Forschungsreise nach Afrika finanzierte. Himmelheber studierte in Berlin beim Kunsthistoriker Eckart von Sydow und dem Afrikanisten Diedrich Westermann, danach in München und promovierte schließlich 1934 in Tübingen zum Dr. phil in Völkerkunde.Short Portrait: Hans und Ulrike Himmelheber. In: Interviews with German Anthropologists. Abgerufen am 26. Februar 2017.
Himmelheber unternahm Forschungsreisen in die Elfenbeinküste (1933 und 1934/35), nach Alaska (1936/37), Ghana, Belgisch- und Französisch-Kongo sowie Kamerun (1937–1939). Seine völkerkundlichen Sammlungsstücke umfassen zum Beispiel Masken, Körbe, Schmuckstücke, Silexabschläge, Knochen, Stoffe, Skulpturen, Töpfe, Hämmer, Äxte und gehören zu den besten Exponaten der Afrika-Sammlung des Museums der Kulturen Basel.Himmelhebers Sammlungen im Museum der Kulturen Basel, 1. Juni 2008. In: Website About Africa & the rest of the world. Abgerufen am 26. Februar 2017. Vermutlich war Hans Himmelheber der weltweit einzige freiberufliche Ethnologe. Er hatte sich weder in den Universitätsbetrieb noch in ein Museum ziehen lassen. Finanziert hat er sich über den Handel mit afrikanischen Kulturgegenständen, die entsprechend heute weltweit in vielen anthropologischen Sammlungen zu finden sind.
Während des Zweiten Weltkriegs diente er in der deutschen Wehrmacht und wurde 1942 zum Medizinstudium nach Freiburg abkommandiert. Mit einer Arbeit über „Tätowierung bei den Eskimo“ (Dermatologie) promovierte er 1949 in Heidelberg zum Doktor der Medizin.
Mit seiner Frau Ulrike Himmelheber bildete er ein ethnologisches Forschungsteam. Sie reisten fünf Mal gemeinsam für Feldforschungen nach Afrika, werteten ihre Feldnotizen gemeinsam aus, lasen gegenseitig Korrektur ihrer wissenschaftlichen Manuskripte und publizierten gemeinsam. Das Buch Die Dan, ein Bauernvolk im westafrikanischen Urwald, das sie 1958 gemeinsam veröffentlichten, gilt als Standardmonografie.Eberhard Fischer: Zum Tod des Kunstethnologen Hans Himmelheber. Die Hersteller afrikanischer Kunst, 9. Dezember 2003. In: Neue Zürcher Zeitung. Abgerufen am 27. Februar 2017.
Damals noch ungewöhnlich, setzten sie Ton- und Filmaufnahmen als Forschungs- und Dokumentationsmittel ein. Ihre Informanten nannten sie namentlich und reflektierten die Interviewsituationen und die ethnographische Interaktion.Dieter Haller: Die Suche nach dem Fremden: Geschichte der Ethnologie in der Bundesrepublik 1945–1990. Campus Verlag, 2012. ISBN 978-3-593396002. S. 287. Von 1963 bis 1971 kuratierte Himmelheber in der Mannheimer Galerie Margarete Lauter zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in denen der Öffentlichkeit eine Vielzahl afrikanischer Kunst- und Kulturgegenstände präsentiert wurde.
Über 15.000 Negative incl. der dazugehörigen Notizen sind inzwischen im Fotoarchiv als Fotonachlass Hans Himmelheber im Besitz des Museums Rietberg in Zürich.
Seit 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 2003 war Hans Himmelheber ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Publikationen
Monografien
1935: N—künstler. Ethnographische Studien über den Schnitzkünstler bei den Stämmen der Atutu und Guro im Innern der Elfenbeinküste. Stuttgart. 1938: Eskimokünstler. Ergebnis einer völkerkundlichen Reise in Alaska. Stuttgart (2. Auflage Eisenach 1953). 1948: Die Tätowierung bei den Eskimo (medizinische Dissertation), Heidelberg. 1951: Der gefrorene Pfad. Mythen, Märchen und Legenden der Eskimo. Eisenach und Kassel. 1951: Aura Poku. Mythen, Tiergeschichten und Sagen, Sprichwörter, Fabeln und Rätsel der Baule, Elfenbeinküste. Eisenach. 1957: Der gute Ton bei den N—. Heidelberg. 1957: Egy asszony öt férje : Eszkimó történetek. Budapest (ungarische Übersetzung von Der gefrorene Pfad). 1958: mit Himmelheber, Ulrike. Die Dan, ein Bauernvolk im westafrikanischen Urwald. Stuttgart. 1960: N—kunst und N—künstler. Braunschweig.
1960: Afrikanische Masken. Braunschweig. 1970: mit Himmelheber, Ulrike. N—schicksale. Berichte der Dan in Liberia. Heidelberg. 1979: Masken und Beschneidung. Ein Feldbericht über das Initiationslager der Knaben im Dorf Nyor Diaple der liberianischen Dan. Museum Rietberg Zürich, Reihe "Maskenwesen in Westafrika", Nr. 2. 1993: mit Fischer, Eberhard und Barbara und Ulrike Himmelheber. Boti, ein Maskenschnitzer der Guro, Elfenbeinküste. Notizen zu Persönlichkeit, Werkverfahren und Stil eines traditionellen Bildhauers in Westafrika. Museum Rietberg Zürich.
Posthum publizierte Übersetzungen
2016: The Portrait in African Art. Report on a Series of Experiments. Taylor & Francis Online 2018: mit Ulrike Himmelheber, Barbara Fischer und Eberhard Fischer. Boti. Un sculpteur de masques des Gouro, Côte d'Ivoire. Notes sur la personnalité, les procédés et le style d'un sculpteur traditionnel d'Afrique occidentale. Fondation Koblé des Mande Sud (Man) & Museum Rietberg Zürich. 2018: mit Ulrike Himmelheber. Les Dan. Un peuple d'agriculteurs (Libéria et Côte d'Ivoire 1949/56). Résultat de trois expéditions ethnographiques. Fondation Koblé des Mande Sud (Man) & Museum Rietberg Zürich. 2022: mit Wowoa Tame-Tabmen. Les esprits et leurs manifestations temporelles comme concept fondamental de la religion des Dan (Liberia - Côte d'Ivoire, 1960). Fondation Koblé des Mande Sud (Man) & Museum Rietberg Zürich. 2025: mit Ulrike Himmelheber. Destins Dan. Récits des Dan du Libéria. Museum Rietberg (Zürich) / La Rotonde des Arts Contemporains (Abidjan) / Éditions Passerelle (Abidjan).
Ausstellungskataloge
1967: mit Fischer, Eberhard. "Einführung in das Verständnis afrikanischer Skulpturen". Plastik der Afrikaner, Katalog der Ausstellung des Städt. Museums für Völkerkunde Frankfurt a. M. 1975: mit Fischer, Eberhard. Das Gold in der Kunst Westafrikas. Museum Rietberg Zürich. 1976: mit Fischer, Eberhard. Die Künste der Dan. Museum Rietberg Zürich. 1984: mit Fischer, Eberhard. The Arts of the Dan in West Africa. Museum Rietberg Zürich. 1987: Eskimo Artists. Fieldwork in Alaska, June 1936 until April 1937. Museum Rietberg Zürich. (Paperback edition University of Alaska Press, 1995.). 1991: mit Fischer, Eberhard. "Spoons of the Dan (Liberia/Ivory Coast)", in Spoons in African Art, ed. Lorenz Homberger, Museum Rietberg Zürich, S. 28–40. 1993: mit Fischer, Eberhard und Clara Mayer-Himmelheber, ed. Zaire 1938/39 Photographic documents on the art of the Yaka, Pende, Tshokwe and Kuba / Fotodokumente zur Kunst bei den Yaka, Pende, Tshokwe und Kuba. Museum Rietberg Zürich. 1997: mit Fischer, Eberhard und Clara Mayer-Himmelheber. Die Kultur der Baule, Fotodokumentation an der Elfenbeinküste 1933+34/35. Museum Rietberg Zürich.
Artikel 1935: "Die Baule, ein Stamm an der afrikanischen Westküste". Beiblatt 8 zu den Mitteilungen des Forschungsinstitutes für Kulturmorphologie, Frankfurt a. M., S. 103–111. 1939: "Les Masques Bayaka et leurs Sculpteurs". Brousse, 1. trim., S. 19–39. 1939: "Art et Artistes Batshiok". Brousse, 3. trim., S. 17–31. 1940: "Art et Artistes Bakuba". Brousse, 1. trim., S. 17–32.
1951: "Zur Deutung der vorgeschichtlichen Felsbilder" Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie. Band XLIII, Heft 2, S. 227–231. 1951: "Vom Wesen der N—kunst". Umschau, Heft 21, 51. Jahrgang, S. 653–655. 1952: "Beobachtungen an den ostspanischen Felsbildern" Ruperto Carola, Jahrgang 4, Nr. 7/8, S. 129–132. 1952: "Die Gio, ein N—stamm im westafrikanischen Urwald" Ruperto Carola, Jahrgang 4, Nr. 6, S. 67–70. 1952: "Die Vielweiberei der N—". Umschau, Heft 11, 52. Jhrg., S. 338–341. 1953: "Angeborene triebhafte Verhaltensweisen beim Menschen und ihre Auswirkungen in der menschlichen Kultur". Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. Heft IX, S. 11–20. 1954: "Der N— und das menschliche Schicksal". Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, Band 46, Heft 2, S. 167–169. 1956: "Massa - Fetisch oder Rechtschaffenheit". Tribus, Neue Folge, Band 4/5, 1954 und 1955, S. 56–62. 1957: "Der Frühmensch und das Feuer". Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, Band 48, Heft 2, S. 208–209. 1957: "Gibt es angeborene Denkweisen". Psychologische Beiträge, Band III, Heft 3, S. 468–475. 1959: "Der weite Weg der Afrikaner". Ruperto Carola, XI. Jahrgang, Band 26, S. 3–10. 1960: "Einige Eigentümlichkeiten westafrikanischer Plastiken". Ethnologica, Neue Folge, Band II, S. 407–409 und Tafeln 29, 30. 1963: "Ernährungsprobleme eines westafrikanischen Volkes". Afrika - heute, Jahrbuch der Deutschen Afrika-Gesellschaft, S. 300–306. 1963: "Die Masken der Guéré im Rahmen der Kunst des oberen Cavally-Gebietes". Zeitschrift für Ethnologie, Band 88, Heft 2, S. 216–233. 1963: "Personality and Techniques of African Sculptors". The Museum of Primitive Art Lecture Series, No. 3, S. 79–110. 1964: mit Tame-Tabmen, Wowoa. "Die Geister und ihre irdischen Verkörperungen als Grundvorstellung in der Religion der Dan (Liberia und Elfenbeinküste)". Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XII, S. 1–88. 1964: "Sculptors and Sculptures of the Dan". Proceedings of the First International Congress of Africanists, S. 43–255. 1964: "Gelbgussringe der Guéré (Elfenbeinküste)". Tribus Nr. 13, S. 13–24. 1965: "Le système de la religion des Dan". Les religions africaines traditionelles, ed. Placide Pernot, Paris, S. 75–96. 1965: "Wunkirle, die gastlichste Frau. Eine Würdenträgerin bei den Dan und den Guéré (Liberia und Elfenbeinküste)". Basler Beiträge zur Geographie und Ethnologie, Ethnologische Reihe, Band II, S. 171–181 und 5 S. Abb. 1965: "Die Grossvaterstühlchen der Guéré". Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XIII, S. 539–545. 1965: "Deutung bestimmter Eigenarten der Senufo-Masken (nördliche Elfenbeinküste)". Baessler-Archiv, Neue Folge, Band XIII, S. 73–82. 1965: "Schmuckhaft überladene N—plastik". Paideuma, Band XI, S. 114–118 und Tafeln V-VIII. 1966: "Herstellen von Rindenbaststoff. Baule, Elfenbeinküste." Encyclopedia Cinematographica, E 886. 1966: "Flechten eines kleinen Vorratskorbes. Baule, Elfenbeinküste." Encyclopedia Cinematographica, E 887.