Hans Schmidt (* 23. Dezember 1893 in Fürth; † 31. Januar 1971 ebenda),Jürgen Bitter: Die Meistermacher. S. 75. genannt „Bumbes“ (seltener: „Bumbas“),Dazu schreibt Hardy Grüne: „[…] aus seinem Spitznamen ‚Bumbes‘ (fränkisch für ‚Furz‘) wurde in Westfalen aus linguistischen Gründen ‚Bumbas‘ – was bis heute für Verwirrung sorgt.“ In: Glaube, Liebe, Schalke. Die komplette Geschichte des FC Schalke 04. 2. Auflage. Die Werkstatt, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89533-747-5, S. 64. war ein deutscher Fußballspieler und ‑trainer. Er gewann insgesamt acht deutsche Meistertitel: viermal als Spieler und viermal als Trainer.

Mit dem FC Schalke 04 gewann er den Tschammerpokal 1937 und feierte in diesem Jahr das Double. Von 1913 bis 1926 absolvierte Schmidt in der deutschen Fußballnationalmannschaft 16 Länderspiele und gewann mit Süddeutschland 1922 und 1926 den Bundespokal sowie den Kampfspielpokal. Der als Spieler mit „ungewöhnlichen kämpferischen Qualitäten und Willenskraft seine Mitspieler anspornende“Bausenwein, Kaiser, Siegler: Legenden. Die besten Club-Spieler aller Zeiten, S. 117. Franke vermittelte diese Tugenden als Trainer seinen Mannschaften als Grundlage zum Erfolg.

Spielerkarriere Vereine Als der 12-jährige Hans Schmidt im Juli 1906 erstmals mit dem Fußball in Berührung kam, befand sich diese Sportart in Deutschland noch im Aufbau; der Fußball hatte seinen endgültigen Durchbruch als Vereinssport in den 1890er Jahren geschafft.Hardy Grüne: 100 Jahre Deutsche Meisterschaft. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2003, ISBN 3-89533-410-3, S. 21. Die Fußballabteilung des TV 1860 Fürth, die sich im November 1906Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der Deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag. Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 174. als SpVgg Fürth von den Turnern abspaltete, war erst im September 1903 als erste Fürther Mannschaft gegründet worden. Hans Schmidt rückte 1910/11 mit 17 JahrenChristoph Bausenwein: Hans ‚Bumbes‘ Schmidt. In: Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Strategen des Spiels. Die legendären Fußballtrainer. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-475-8, S. 103. in die erste Mannschaft der Weiß-Grünen auf und gehörte als Außenläufer in den nächsten Jahren deren Stammbesetzung an. Fürth zog in der Runde 1911/12 als Ostkreismeister erstmals in die süddeutsche Endrunde ein, gewann 1914 die süddeutsche Meisterschaft und debütierte deshalb in dieser Saison in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Rasch entwickelte sich der junge Schmidt zu einer herausragenden Spielerpersönlichkeit. Durch seine Willensstärke, Dynamik und Kampfkraft gab er nie ein Spiel verloren und spornte oftmals seine Mitspieler zu vermehrtem Einsatz an. Wesentlichen Einfluss auf seine sportliche Entwicklung hatte die Trainertätigkeit von William Townley, der ab April 1911 die „Kleeblattelf“ vom Ronhof betreute.

Mit seinen Engagements beim Karlsruher FV, SpVgg Fürth und dem FC Bayern München wird der Engländer als Begründer der süddeutschen SchuleHardy Grüne: in Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Strategen des Spiels. 2005, S. 46. gewürdigt, die vor allem das Flachpass-Spiel über mehrere Stationen pflegte. Schmidt selbst hielt Townley für seinen entscheidenden Lehrmeister.Bausenwein, Kaiser, Siegler: Legenden, S. 122. Er bewunderte dessen Technik, mit der er jede Übung vorgemacht habe. Statt wie bisher in Deutschland noch nach dem Motto zu verfahren, „möglichst hart und weit zu schießen“, führte der Mann aus Blackburn technische Raffinessen ein, verbesserte die Ballbehandlung, ließ Spielzüge und Angriffskombinationen üben und führte das Flachpass-Spiel ein. All dies waren für deutsche Fußballmannschaften ungewöhnliche Trainingsinhalte. Christoph Bausenwein zitiert Schmidt mit folgender Aussage zu dem Trainer aus England:

Der spätere Trainer „Bumbes“ Schmidt lernte von seinem Fürther Lehrmeister daneben die taktische Schulung, systematisches Training und die für den Leistungssport notwendige Disziplin, die die gesunde Ernährung und Lebensweise einschloss.Bausenwein in Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Strategen des Spiels. Die legendären Fußballtrainer, S. 106.

Vom System und der Taktik her war „Bumbes“ Schmidt mit der alten Abseitsregel aufgewachsen, die bis 1925 galt. Sie besagte, dass jeder Angreifer abseits stand, wenn er vor dem Ball war und keine dreiBernd Rohr, Günter Simon: Fussball-Lexikon. Die große Fußball-Enzyklopädie Copress Sport, München 2004, ISBN 3-7679-0829-8, S. 376. Gegenspieler mehr vor sich hatte; sie begünstigte die Entwicklung zur Ordnung um den offensiven Mittelläufer. Damit verstand es die auf Raum deckende Hintermannschaft, die Stürmer gleich hinter der Mittellinie aufzufangen, obwohl meistens vier Deckungsspieler fünf Angreifern gegenüberstanden. Die Stürmer waren oftmals nur in der Lage, quer zu spielen. Bei einem Steillaufen bestand höchste Abseitsgefahr. Als Folge waren trotz des offensiv ausgerichteten Systems Tore Mangelware;Bisanz, Gerisch: Fußball. Rowohlt TB Verlag. Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-17039-6, S. 14. zu einseitig war die Abwehr begünstigt. Als die Abseitsregel 1925 schließlich geändert wurde, lief das Sturmspiel freier, man spielte vor allem steil und lief in den freien Raum. Die Abseitsfalle war nur schwer zu stellen. Nie wieder sind so viele Tore erzielt worden wie in der Zeit nach Änderung der Abseitsregel.Bisanz, Gerisch: Fußball. Rowohlt TB Verlag. Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-17039-6, S. 15. In Deutschland währte diese Zeit bis ungefähr 1933, als Otto Nerz die Umstellung der deutschen Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 1934 in Italien auf das in England – durch Trainer Herbert Chapman bei Arsenal London – schon einige Jahre praktizierte WM-System mit dem zurückgezogenen Mittelläufer als Manndecker des gegnerischen Mittelstürmers vollzog.Hennes Weisweiler: Der Fußball. Taktik – Training – Mannschaft. Verlag Karl Hofmann, Schorndorf bei Stuttgart, 5. Auflage 1970, S. 69/70. In der Zeit seiner Spielerkarriere hatte „Bumbes“ Schmidt das offensive System erlebt, insbesondere verkörpert in der Fußball-Hochburg Nürnberg-Fürth durch die zwei offensiven Mittelläufer Hans Kalb und Ludwig Leinberger. In seinen Trainerjahren musste er die Anpassung an das WM-System vollziehen.

Noch als 19-jähriger Nachwuchsspieler debütierte der Fürther am 18. Mai 1913 beim Länderspiel in Freiburg gegen die Schweiz in der Fußballnationalmannschaft.Chronik des deutschen Fußballs. Die Spiele der Nationalmannschaften von 1908 bis heute. Chronik Verlag im Wissen Media Verlag. Gütersloh 2005, ISBN 3-577-16409-3, S. 25. An der Seite der Stammspieler Karl Wegele und Eugen Kipp agierte er als Außenläufer. Die Eidgenossen gewannen das Spiel mit 2:1 Toren. Die Spielvereinigung setzte im nachfolgenden Spieljahr 1913/14 mit den Mitspielern Karl Burger, Georg Wellhöfer, Georg Wunderlich, Fritz Weicz, Karl Franz und Julius Hirsch zu einem Höhenflug an. In der süddeutschen Ostkreisliga wurde der Titelgewinn mit sieben Punkten Vorsprung vor dem 1. FC Nürnberg, in der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft mit drei Punkten Vorsprung vor der Konkurrenz aus Frankfurt, Mannheim und Stuttgart errungen. Das Finale um die deutsche Meisterschaft gewann Fürth am 31. Mai 1914 mit 3:2 Toren nach Verlängerung und insgesamt 160 Spielminuten gegen den Titelverteidiger VfB Leipzig. „Bumbes“ wurde in der 138. Minute des Feldes verwiesen. Fürth wurde ein „technisch perfektes Flachpass-Spiel“ zugeschrieben, mit dem die Spieler das „Publikum regelrecht mitzureißen vermochten“. Mit ihrer Aura erreichten sie eine über die Stadtgrenzen hinausreichende Wirkung; sie wurden zum ersten „Lieblingsklub“ vieler Fußballfans in ganz Deutschland.Hardy Grüne: 100 Jahre Deutsche Meisterschaft, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-410-3, S. 76.

Durch den Beginn des Ersten Weltkriegs Anfang August 1914 wurde der Aufschwung des Fußballbetriebs in den Vereinen und der Nationalmannschaft massiv betroffen. Schmidt, der seit 1913 beim bayerischen 19. Infanterie-Regiment in Erlangen diente, machte den ganzen Krieg an der Westfront mit, wurde mehrfach ausgezeichnet und 1919 als Unteroffizier entlassen.Bayerisches Hauptstaatsarchiv IV; digitalisierte Kopie (Kriegsstammrolle 7127, Bild 266) bei ancestry.com, eingesehen am 18. Juli 2018 Die Fürther Meisterspieler Karl Franz, Sebastian Seidel, Hans Jakob und Fritz Weicz verloren im Krieg ihr Leben.Hardy Grüne: 100 Jahre Deutsche Meisterschaft, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-410-3, S. 77. Süddeutsche und deutsche Meisterschaften konnten von 1915 bis 1919 nicht ausgetragen werden; die Nationalmannschaft hatte nach dem Länderspiel am 5. April 1914 in Amsterdam gegen die Niederlande bis zum 27. Juni 1920 Spielpause. Schmidt wechselte überraschend im September 1919 zum TV 1860 Fürth. Er feierte mit den „Dambachern“ 1920 den Aufstieg in die Kreisliga Nordbayern und trat dort 1920/21 gegen die Konkurrenten 1. FC Nürnberg und SpVgg Fürth an. Als Aktiver von TV 1860 Fürth absolvierte er am 27. Juni 1920 in Zürich beim ersten Länderspiel nach der Kriegsunterbrechung seinen zweiten Einsatz in der Nationalmannschaft. Sieben Jahre lagen zwischen seinem Debüt und dem zweiten Länderspiel, ebenso die Schrecken des Ersten Weltkriegs und ein Vereinswechsel.

In dieser Zeit erlebte Schmidt den Durchbruch des Fußballs zum Massensport.Erik Eggers: Fußball in der Weimarer Republik. AGONsportverlag. Kassel 2001, ISBN 3-89784-174-6, S. 178. Zu Beginn der Weimarer Republik konnte der DFB einen überwältigenden Mitgliederzuwachs verbuchen. Waren noch 1914 etwa 190.000 Fußballspieler unter dem Dach des Verbandes organisiert, steigerte sich diese Zahl bis zum 1. Januar 1920 auf knapp 470.000. Anfang 1921 kamen weitere 280.000 Mitglieder hinzu. Gleichzeitig entwickelten sich einige Vereine zu Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitgliedern.Erik Eggers: Fußball in der Weimarer Republik. AGON Sportverlag. Kassel 2001, ISBN 3-89784-174-6, S. 64. Erst die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages ab dem 23. November 1918 in vielen Bereichen ermöglichte eine großzügigere Freizeitgestaltung und trug wesentlich zum Aufschwung des Fußballs bei.Erik Eggers: Fußball in der Weimarer Republik. AGONsportverlag. Kassel 2001, ISBN 3-89784-174-6, S. 180. Hatte Schmidt noch am 31. Mai 1914 mit der SpVgg Fürth in Magdeburg vor 6.000 Zuschauern das Finale um die deutsche Meisterschaft gegen den VfB Leipzig absolviert, so fand das Endspiel 1924 bereits vor 30.000, das Finale 1925 in Frankfurt vor 40.000 und das im Jahr 1927 in Berlin vor 50.000 Zuschauern statt. Die Auseinandersetzung zwischen Turn- und Sportfachverbänden, welche in der „Reinlichen Scheidung“ gipfelte,Hardy Grüne: Reinliche Scheidung. Inflation und Fußballboom. In: ders.: 100 Jahre Deutsche Meisterschaft. Die Geschichte des Fußballs in Deutschland. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2003, ISBN 3-89533-410-3, S. 122–128. gehörte zu den gesellschaftlichen Entwicklungen in dieser Zeit, die zum Aufschwung des Fußballs beitrugen.