Rathsberg (fränkisch: RadsbärchD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 232. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „rådsbęʳχ“.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Marloffstein im Landkreis Erlangen-Höchstadt (Mittelfranken, Bayern). Rathsberg liegt in der Gemarkung Atzelsberg.

Der Ort und das gleichnamige Schloss Rathsberg liegen auf dem höchsten, westlichen Punkt des gleichnamigen Höhenzugs Rathsberg nordöstlich von Erlangen.

Geographie Das Dorf Rathsberg liegt etwa zwei Kilometer nordöstlich von Erlangen, etwa einen Kilometer südöstlich von Bubenreuth, etwa einen Kilometer westlich von Atzelsberg und etwa drei Kilometer westlich von Marloffstein. Der Ort liegt an der Kreisstraße ERH 7/ER 7 von Erlangen über Atzelsberg nach Marloffstein in einem nach Westen auskragenden Zipfel der seit der Gebietsreform in Bayern zu Marloffstein gehörenden Gemarkung Atzelsberg, wobei die durch den Meilwald gebildete Siedlungsgrenze an den Berghängen nach Norden, Westen und Süden im Wesentlichen auch die Gemarkungsgrenze bildet.

Als Rathsberg wird der obere, bewaldete Teil des Erlanger Berges bezeichnet. Die untere, besiedelte Anhöhe wird als Burgberg oder Altstädter Berg bezeichnet.

Naturschutzgebiet Wildnis am Rathsberg Am bewaldeten nordwestlichen Abhang des Ortes befinden sich alte aufgelassene SteinbrücheLudwig Göhring: Erlanger Ausflugsbüchlein, 1910, Sonderabdruck 4. Auflage und herumliegende Felstrümmer. Dieser Teil des Bischofsmeilwaldes erhielt 1996 unter dem Namen Wildnis am Rathsberg den Status eines Naturschutzgebietes. Dies dient der Erhaltung der geologischen Formation des für den Rhätolias typischen und gut ausgeprägten Schattenhangwaldes in seinem teilweise urwaldartigen Erscheinungsbild und seiner Artenzusammensetzung und tierischen Artenvielfalt.Mittelfränkisches Amtsblatt Nr. 14/1996, Verordnung über das Naturschutzgebiet „Wildnis am Rathsberg“ Landkreis Erlangen-Höchstadt, vom 12. Juli 1996 erlangen-hoechstadt.de (PDF; 0,9 MB) Die Wildnis am Rathsberg ist ein geschütztes Geotop und geschütztes Fauna-Flora-Habitat im Landkreis Erlangen-Höchstadt.Webseite Landratsamtes Erlangen-Höchstadt – Wildnis am Rathsberg

Aufgrund der Ausweisung als Naturschutzgebiet darf dieser Teil des Bischofswaldes nicht mit Fahrrädern befahren werden, Reiten ist nur auf befestigten Wegen gestattet, Hunde sind anzuleinen und die Ruhe der Natur darf nicht gestört werden.

Geschichte Die Anfänge des Ortes Rathsberg (älteste Schreibweise: „Radsberg“) lassen sich nach bisheriger Quellenlage erst ab dem Ende des 14. Jahrhunderts urkundlich nachweisen. Die Schlossanlage entstand Anfang des 17. Jahrhunderts. In jene Zeit fiel auch die erste Abbildung Rathsbergs auf Kartenwerken.

Ortsname Über den Ursprung des Namens des Berges Rathsberg gibt es zahlreiche Vermutungen.

Die Historikerin D. Fastnacht zieht vier mögliche Ursprünge in Betracht: die Ableitung vom Personennamen Ratzo die Ableitung von einer Kurzform des Personennamens Rathbrecht, Radeboto die Ableitung von ratz (mhd. für Ratte), die als Übername für einen diebischen Menschen gebraucht wurde die Ableitung von einem Flurnamen, der einen Berg bezeichnet, an dem es viele Ratten gab (Bei den ersten drei Möglichkeiten wäre der Ort nach seinem Gründer benannt worden.)

Der Erlanger Bürgermeister Ferdinand Lammers leitete den Namen aus den ursprünglichen Besitzverhältnissen des Erlanger Berges ab. Der Erlanger Berg wurde in zwei Abteilungen geteilt, wovon die obere, mit Wald bewachsene Höhe, Gemeindeeigentum, die untere, gerodete Anhöhe, Privateigentum der Bürger war. Die obere Abteilung wurde deshalb vermutlich der Rathsberg genannt, weil man das Gemeindeeigentum gewöhnlich nach der verwaltenden Behörde benannte, wie dies auch bei den Lehen der Fall war, welche nie Gemeindelehen, sondern Rathslehen hießen. Der untere Teil wurde zum Unterschied davon Burgerberg genannt, woraus dann Burgberg gemacht wurde.Geschichte der Stadt Erlangen von ihrem Ursprung unter den fränkischen Königen bis zur Abtretung an die Krone Bayern nach Urkunden und amtlichen Quellen, bearbeitet von Ferdinand Lammers, erstem Bürgermeister der Stadt Erlangen, Erlangen 1834, In Commission bei F. F. Palm und Ernst Enke books.google.de

Auch der Umstand, dass der Höhenzug die ehemalige Südgrenze des Radenzgaus bildete, wird als namensprägend („Radsberg“) vermutet.

Ein weiterer Erklärungsversuch nimmt Bezug auf die ursprüngliche slawische Bevölkerung und leitet den Namen Rathsberg vom slawischen Wort Hrad (Burg) ab. Eine Burg ist jedoch weder dort noch am Erlanger Burgberg nachweisbar.

In alten topographischen Lexika wird der Ort auch „Razenberg“ (1747)G. P. Hönn: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises, S. 286. oder „Ratzenberg“ (1801)J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 430. genannt.

Gutshof Rathsberg Am Anfang bestand Rathsberg aus einem einzigen Bauernhof mit Äckern, die vermutlich auf der Hochebene des Rathsberges nach einer Rodung im Meilwald entstanden. Der Hof besaß dort auch Holz-, aber keine Weiderechte. Der Hof und einige Äcker waren seit 1419 Lehen der Bamberger Dompropstei. Einige Äcker auf dem Rathsberg waren im Eigentum (Lehen) der Hohenlohe-Brauneck bzw. nach dem Erlöschen dieser Adelslinie 1390 der Burggrafen von Nürnberg und des später daraus hervorgegangenen hohenzollernschen Markgraftums Brandenburg-Kulmbach.

Folgende Besitzer (Lehnsnehmer) sind nachweisbar:

1391 wurde Bertold von Erlangen (im Dorf Erlangen ansässiger Niederadel) vom Nürnberger Burggrafen mit vier Äckern auf dem Rathsberg belehnt. 1394 übernahm seine Tochter Margaretha, verheiratet mit Eberhard Ratz, das Lehen. Vermutlich war ihr Vater inzwischen verstorben. Spätestens 1397 war Hans Mugelein der Lehnsnehmer diese Äcker. 1401 wurde Lorenz Gotzmann mit inzwischen sechs Äckern belehnt. Auch der Hof war 1391 im Besitz von Bertold von Erlangen, allerdings als Lehen der Bamberger Dompropstei. 1397 ging das Lehen an Heinrich Groß (vermutlich Groß von Trockau). 1411 gelangte der Hof an den burggräflichen Landrichter Heinrich Schenk von Leutershausen. (Georg Friedrich Hülß behauptete in einer Gerichtsakte von 1722, dass die Schenken von Leutershausen es von 1300 bis 1411 besaßen und danach die von Lichtenstein.) 1430 kaufte es Linhard von Lichtenstein. 1431 gelangte es an Hans von Schürstab, dessen Familie es bis 1600 behielt. Die Schürstabs bewohnten Rathsberg nicht selbst, sondern nutzten es lediglich wirtschaftlich als Alm für ihre auf dem Gut Oberndorf bei Möhrendorf betriebene Schafzucht. Um 1435 erwähnte der Bamberger Bischof immer noch nur den Hof Rathsberg. Rathsberg wurde zu dieser Zeit nach Erlangen eingepfarrt. Gegen 1480 wurde ein neues Gutshaus erbaut. In den Verzeichnissen der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 1504 wurde der Hof als nürnbergisch bezeichnet. Eine Befestigung oder ein Herrensitz ist nicht aufgeführt und aus diesem Grund wurde Rathsberg wohl auch im Bauernkrieg (1525) nicht zerstört. 1552 wurde es im Zweiten Markgrafenkrieg jedoch zerstört und geplündert und 1578 neu aufgebaut. 1601 verkauften Georg Siegmund und Franz Karl von Schürstab das Gut an Georg Ludwig Fuchs zu Obernwölckersdorf. Lehnsherr des Besitzes war aber nicht mehr der Markgraf von Bayreuth, sondern der Dompropst zu Würzburg und Bamberg, Wolfgang Albrecht von Würzburg. Der Lehnbrief erwähnt „ein Schlösslein mit einem Bauernhof, zwei kleine Gütlein und eine Ziegelhütte“. 1616 erwarb der Nürnberger Ernst Hülß (1586–1658) das Gut als dompropsteilich-bambergisches Mannlehen von Dompropst Johann Christoph Neustetter. Der LehnbriefGerichtsakte Hülß von und zu Rathsberg contra von Berlichingen und Bayreuth aus Nobilis Territorio Subjectus: Oder Verschiedene, nach Veranlassung angestellter Processe an höchsten Reichs-Gerichten, Band 2, Lumschern, 1722, Seite 347 ff. auf books.google.de erwähnt „ein Schlösslein mit einem Bauernhof, drei kleine Gütlein und eine Ziegelhütte“. Rathsberg unterstand weiterhin der markgräflichen Gerichtsbarkeit des Oberamts Bayersdorf.Die Hülß führten seit 1578 das Adelsdiplom. Ernst Hülß war der Enkel des Bamberger Bürgermeisters Jakob Hüls und der Sohn des Nürnberger Rathsherrn Ernst Hüls. Ernst Hülß ließ auch die Familiengruft in der Erlanger Martinsbühler Kirche anlegen. In der Altstädter Kirche besaßen sie ihren Familiensitz und stifteten den Altar nach dem Neubau der Kirche nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Schloss Rathsberg Die Anfänge des Schlosses liegen vor 1601, als erstmals von einem „Schlösslein“ die Rede war. Als Schloss wurden nur die Wohngebäude des Adels bezeichnet, der Besitzer musste also über ein Adelsdiplom verfügen. Aus den Verkaufsnotizen von 1616 ist bekannt, dass außerhalb der späteren Schlossmauern lediglich ein Haus stand.

Gleich nach dem Erwerb investierte Ernst Hülß in sein landwirtschaftliches Gut. 1620–1622 erfolgte an der Stelle des einfachen Gutshauses der Aufbau des heute noch bestehenden Wohngebäudes im Renaissancestil. Dafür fertigte Georg Wächter aus Bamberg 1616 nach einer Zeichnung des nürnberg’schen Steinmetzen Hans Bin eine Eisen-Radierung des Schlosses an, welche 1621 nochmals geringfügig (Änderung der Dacherker) durch Hans Bin geändert wurde.Andreas Andresen: Der deutsche Peintre-Graveur oder die deutschen Maler als Kupferstecher nach ihrem Leben und ihren Werken, von dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts bis zum Schluss des 18. Jahrhunderts, und in Anschluss an Bartsch’s Peintre-Graveur, an Robert-Dumesnil’s und Prosper de Baudicour’s französischen Peintre-Graveur. Unter Mitwirkung von Rudolph Weigel. 5. Band. Verlag von Rudolph Weigel, Leipzig 1878; . 1631, im Dreißigjährigen Krieg, plünderten kaiserliche Truppen das Schloss, zerstörten es jedoch nicht.

mini|Historisches Tor von Schloss Rathsberg Im Jahre 1702 gestaltete Hülß’ Urenkel Georg Friedrich Hülß (1676–1744) Schloss und Garten nach den im Barockstil geltenden Prinzipien von Symmetrie und Sichtachsen um. Hülß erweiterte den Schlosshof und verstärkte die umschließenden Mauern. Am nördlichen Abhang des Schlosshofes wurde dafür eine Stützmauer errichtet. Auch das heute noch erhaltene Tor mit dem Allianzwappen seiner Familie und seiner Frau Arnoldine von Brand ist auf ihn zurückzuführen. Gerichtlich ausgetragene familiäre Streitigkeiten zwischen den Hülß führten 1736 dazu, dass Georg Friedrich Hülß das Gut zugunsten seiner Schwester Maria Regina Wilhelmina (1674–1759) räumen musste. Diese wohnte allerdings in Erlangen und setzte lediglich einen Verwalter auf das Gut. Die vormals gutgehende landwirtschaftliche Anlage inklusive der Ziegelei wurde in der Folgezeit komplett heruntergewirtschaftet. Als 1765 mit dem Tod von Georg Christian Hülß der Mannesstamm der Hülß von Rathsberg erlosch, fiel das Mannlehen wieder an die Dompropstei zurück. Pächter waren zu diesem Zeitpunkt eine Enkelin Georg Friedrichs von Hülß, Sophia Catherina von Schlammersdorf und ihr Ehemann Wilhelm Ludwig von Brandt. Brandt wurde 1765 als Herr von Rathsberg (und Adlitz) erwähnt und war im reichsfreien fränkischen Ritterkanton Gebürg immatrikuliert.

Im Jahre 1766 erwarb Johann Friedrich Wilhelm Buirette von Oehlefeld (titulierte als Geheimer Rat der Fürsten von Sachsen-Coburg-Saalfeld) das Gut. Er besaß bereits den Burgstall Strahlenfels.Strahlenfels herrensitze.com abgerufen am 15. September 2018

1820 kam Rathsberg an Georg Christoph Albrecht von Wahler (1784–1849), der bereits Atzelsberg besaß und die beiden Güter miteinander vereinte. Nach dem Tod Albrechts 1849 verwaltete dessen älteste Tochter Mathilde (1810–1854) zusammen mit ihrem Ehemann Hermann Friedrich Beckh (1806–1886) das Schlossgut für die Erbengemeinschaft.

1866 erwarb Beckh das Gut ganz. Er setzte es von Grund auf instand und führte den landwirtschaftlichen Betrieb weiter. Seit 1867 war es auch wieder wirtschaftlich von Atzelsberg getrennt.