Rietz-Neuendorf (niedersorbisch Nowa Wjas pśi rěce) ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg südöstlich von Berlin.
Geografie Die Gemeinde Rietz-Neuendorf grenzt im Norden an die Gemeinde Langewahl (Amt Scharmützelsee), im Nordosten und Osten an die Gemeinden Berkenbrück und Briesen (Mark) (beide Amt Odervorland), im Osten und Südosten an die Gemeinden Müllrose und Ragow-Merz (beide Amt Schlaubetal), im Süden an die amtsfreie Stadt Beeskow und die amtsfreie Gemeinde Tauche, im Südwesten an die amtsfreie Stadt Storkow (Mark), im Westen an die Gemeinden Wendisch-Rietz, Diensdorf-Radlow und Bad Saarow (alle Amt Scharmützelsee).
Die Gemeinde liegt auf der Beeskower Platte, die als Nr. 824 in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands in der Haupteinheitengruppe Nr. 82 Ostbrandenburgisches Heide- und Seengebiet geführt wird. Im Untergrund der Platte überwiegen saaleeiszeitliche Grundmoränenflächen, die weitgehend von flachwelligen Endmoränenbildungen der letzten Eiszeit überlagert werden.Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001, S. 2. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95. ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5. Das Gemeindegebiet wird vom oberen und mittleren Lauf des Blabbergrabens durchflossen, der in einer glazialen Rinne eine fünfteilige Seenkette verbindet und von Nord nach Süd in die Krumme Spree zwischen Kossenblatt und Werder entwässert. Von diesen Rinnenseen gehören der Herzberger See und der Ahrensdorfer See zu Rietz-Neuendorf. Die südwestlichen Gemeindeteile um Ahrensdorf und Behrensdorf gehören weitgehend zum Naturpark Dahme-Heideseen und werden vom Schwenowseegraben durchflossen, Teile von Glienicke und Herzberg gehören zum Landschaftsschutzgebiet Scharmützelseegebiet.Bundesamt für Naturschutz (BfN): Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland. Ausschnitt Tauche (etwas nach oben scrollen).Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg: Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung in 14 Ortsteile (sorbische Bezeichnungen nach dem Brandenburgischen Ortsnamenbuch):
Ahrensdorf Alt Golm (Chółm) Behrensdorf (Baranojce) Birkholz (Bŕazowc) Buckow (Bukow) mit den Wohnplätzen Georgshöhe und Neue Herrlichkeit Drahendorf Glienicke (Glinki) Görzig (Górice) mit den Wohnplätzen Kadelhof und Rietz-Neuendorf Groß Rietz (Rěc) mit den Wohnplätzen Klein Rietz und Schrödershof Herzberg mit den Gemeindeteilen Hartensdorf, Krachtsheide und dem Wohnplatz Emilienthal Neubrück (Nowy Most) mit dem Gemeindeteil Raßmannsdorf und den Wohnplätzen Görziger Dorfstelle, Neuhaus und Spreehorst Pfaffendorf (Popojce) mit dem Gemeindeteil Kunersdorf und dem Wohnplatz Lamitsch (Łomnica) Sauen (Sowjo) mit dem Wohnplatz Sandscholle Wilmersdorf
Geschichte Rietz-Neuendorf war der Name einer kleinen Gemeinde, die am 1. Januar 1928 nach Groß Rietz eingemeindet wurde. 1945 erlangte diese Gemeinde zunächst ihre Eigenständigkeit zurück, bevor sie am 1. Juli 1950 nach Görzig eingemeindet wurde.
Amt Glienicke/Rietz-Neuendorf Im Zuge der Ämterbildung 1992 in Brandenburg schlossen sich 13 Gemeinden in den damaligen Kreisen Beeskow und Fürstenwalde zum Amt Glienicke/Rietz-Neuendorf zusammen. Zum 31. Dezember 2001 schlossen sich innerhalb des Amtes die Gemeinden Ahrensdorf, Birkholz, Buckow, Drahendorf, Görzig, Groß Rietz, Herzberg, Neubrück (Spree), Pfaffendorf, Sauen und Wilmersdorf zur neuen Gemeinde Rietz-Neuendorf zusammen. Zum 26. Oktober 2003 wurden die Gemeinden Alt Golm und Glienicke per Gesetz in die Gemeinde Rietz-Neuendorf eingegliedert. Das Amt Glienicke/Rietz-Neuendorf wurde aufgelöst, die Gemeinde Rietz-Neuendorf wurde amtsfrei. Das Gemeindegebiet ist identisch mit dem des Amtes Glienicke/Rietz-Neuendorf.
Eingemeindungen Hier folgen die Namen der Gemeinden, aus denen am 31. Dezember 2001 und 26. Oktober 2003 die neue Flächengemeinde Rietz-Neuendorf gebildet wurde. Außerdem werden die Eingemeindungen aufgelistet, die vor dem Zusammenschluss auf dem Gebiet der jetzigen Gemeinde stattgefunden haben. Trotz der Eingemeindungen liegt die Einwohnerzahl Rietz-Neuendorfs unter der von der Landesregierung ausgegebenen unteren Richtschwelle für amtsfreie Gemeinden (5.000 Einwohner), sodass in der Bevölkerung neue Zusammenlegungen erwartet werden.
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Ahrensdorf 31. Dezember 2001 Alt Golm 26. Oktober 2003 Behrensdorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Ahrensdorf Birkholz 31. Dezember 2001 Buckow 31. Dezember 2001 Drahendorf 31. Dezember 2001 Glienicke 26. Oktober 2003 Görzig 31. Dezember 2001 Groß Rietz 31. Dezember 2001 Herzberg 31. Dezember 2001 Klein Rietz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Groß Rietz Kunersdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Pfaffendorf Lamitsch 1. April 1938 Eingemeindung nach Pfaffendorf Neubrück (Spree) 31. Dezember 2001 Pfaffendorf 31. Dezember 2001 Raßmannsdorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Neubrück (Spree) Rietz-Neuendorf 1. Juli 195031. Dezember 2001 Eingemeindung nach Görzig,Zusammenschluss aus elf Gemeinden Sauen 31. Dezember 2001 Wilmersdorf 31. Dezember 2001
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 2001 3 588 2005 4 482 2010 4 232 2015 4 124 2020 4 108 Jahr Einwohner 2021 4 143 2022 4 082 2023 4 130 2024 4 147 2025 4 143
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Rietz-Neuendorf besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 77,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD – – 22,1 % 1 Wählergruppe Haß-Schulze-Kraft – – 13,5 % 2 Wählergruppe Bauern-Jäger-Angler 15,7 % 3 11,6 % 2 Wählergruppe Kuchenbecker – – 8,8 % 2 Wählergruppe Alt Golm 5,0 % 1 7,9 % 1 Wählergruppe Feuerwehr 9,6 % 2 7,9 % 1 Einzelbewerber Mario Kiesow 7,3 % 1 6,8 % 1 Einzelbewerberin Melanie Horstmann – – 5,7 % 1 Einzelbewerber Jörg Haase 2,0 % – 3,2 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,8 % 1 3,1 % 1 5 weitere Einzelbewerber – – 9,4 % – Die Linke 12,3 % 2 – – Einzelbewerber Hartmut Kuchenbecker 9,2 % 1 – – Einzelbewerber Günter Poeschke 8,6 % 1 – – Einzelbewerber Wilfried Perlitz 4,7 % 1 – – Einzelbewerber Ralf Moede 3,6 % 1 – – CDU 3,4 % 1 – – Piraten und 5 weitere Einzelbewerber 13,8 % – – – Insgesamt 100 % 15 100 % 13
Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Kuchenbecker zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb. Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen drei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 2003–2019: Olaf Klempert (BVB/Freie Wähler)Kommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 28 seit 2020: Oliver Radzio (parteilos; bis 2025 CDU)Jens Olbrich: Warum Oliver Radzio aus der CDU ausgetreten ist. Märkische Oderzeitung, 14. April 2025, abgerufen am 30. Januar 2026.
Radzio wurde in der Bürgermeisterwahl am 8. November 2020 mit 65,9 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 8. November 2020 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74
Partnerschaften Partnergemeinde ist Jerzmanowa in Polen.
Wappen Blasonierung: „Von Silber und Rot gespalten auf einem Schildfuß vorne eine halbe Eiche und hinten eine halbe Buche am Spalt, alle in verwechselten Farben.“
Das Wappen zeigt mit einem gespaltenen Baum, der sich je zur Hälfte aus einer heraldisch stilisierten Eiche und einer heraldisch stilisierten Buche zusammenfügt, eine wappenkünstlerisch sehr interessante Figur. Das Motiv steht für die naturnahe und waldreiche Gemeindeflur der auf der Beeskower Platte gelegenen Flächengemeinde Rietz-Neuendorf mit seinen 14 Ortsteilen (7 Eichen- und 7 Buchenblätter).
Das Wappenbild verweist zudem auf eine forstwissenschaftliche und forstwirtschaftliche Tradition in der Gemeinde. Im Sauener Forst beschäftigt man sich seit weit mehr als einhundert Jahren mit den Vorteilen und Besonderheiten von Mischwaldstrukturen. Das Wappen greift die Brandenburgischen Landesfarben auf und zeigt das Motiv in sogenannten verwechselten Tinkturen.
Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Kirche und Schloss in Groß Rietz mini|Kirche in Herzberg In der Liste der Baudenkmale in Rietz-Neuendorf und in der Liste der Bodendenkmale in Rietz-Neuendorf stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.
Bauwerke Barockes Schloss Groß Rietz mit Schlosspark Dorfkirche Groß Rietz aus dem Jahr 1704 mit einer barocken Kirchenausstattung aus der Bauzeit Die neogotische Dorfkirche Herzberg entstand in den Jahren 1882 und 1883 auf einem Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert. Im Innern befindet sich eine bauzeitliche Kirchenausstattung. Die Dorfkirche Birkholz ist eine mittelalterliche Saalkirche, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts grundlegend umgebaut wurde. Im Innern stehen unter anderem fünf spätgotische Schnitzfiguren. Die Dorfkirche Pfaffendorf ist eine Saalkirche aus den Jahren 1736 und 1737. Im Innern steht unter anderem ein Kanzelaltar aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Die mittelalterliche Dorfkirche Sauen wurde 1895 durch einen Blitzeinschlag vollständig zerstört, aber in den Jahren 1896/1897 wiederaufgebaut. Im Innern steht eine Sauer-Orgel. Lindenberger Viadukt der Bahnstrecke Königs Wusterhausen–Grunow zur Überbrückung der Glienicker Schlucht mit dem Blabbergraben
Parks Gut Hirschaue zwischen den Dörfern Birkholz, Buckow und Groß-Rietz, Deutschlands größtes ökologisches Wildgehege mit Damtieren, Rothirschen, Mufflons und Schweinen sowie Hofladen und Restaurant
Alte Baumriesen Eiche bei Neubrück mit einem Brusthöhenumfang von 7,60 m (2016). Wuchtige Eiche am Rietzer See mit einem Brusthöhenumfang von 7,24 m (2016).
Jährliche Veranstaltungen Fastnacht, Osterfeuer, Maifest, Dorffest, Sportfest
Verkehr Der Haltepunkt Buckow (b Beeskow) an der Bahnstrecke Königs Wusterhausen–Grunow liegt auf dem Gemeindegebiet. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 36 Königs Wusterhausen–Frankfurt (Oder) bedient.
Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Fürstenwalde–Beeskow mit den Haltepunkten Wilmersdorf, Pfaffendorf, Görzig und Groß Rietz wurde 1997 eingestellt.
Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erbracht. Folgende Verbindung führt, betrieben von der Busverkehr Oder-Spree, durch Rietz-Neuendorf: Linie 440: Beeskow ↔ Rietz-Neuendorf ↔ Langewahl ↔ Fürstenwalde
Rietz-Neuendorf liegt an der Bundesstraße 168 zwischen Fürstenwalde und Beeskow sowie an der Landesstraße L 42 zwischen Lindenberg und dem Ortsteil Kunersdorf.
Persönlichkeiten