mini|Betriebsgebäude Adelheidstraße (Zustand 2011) mini|Verwaltungsgebäude der Kombinatsleitung in der Eisenacher Fritz-Erbe-Straße (Zustand 2011)

Der VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla war ein am 1. Oktober 1968 gegründetes Kombinat in der DDR und im Kerngeschäft Hersteller von Baugruppen und Zubehör der Fahrzeugelektrik und der Fahrradtechnik. Er wurde durch die 1978 erfolgte Übernahme des Kombinates Galvanische Elemente Zwickau auch zum Hauptproduzenten von Akkumulatoren.

Das Kombinat war dem Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik unterstellt, hatte seinen Verwaltungssitz in der thüringischen Kreisstadt Eisenach. Das Kombinat setzte sich aus acht Volkseigenen Betrieben (VEB) und zahlreichen zugeteilten Kleinbetrieben und Werkstätten zusammen und verfügte im Jahr 1990 über 11571 Mitarbeiter. Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 begann für das Kombinat ein Anpassungsprozess von der staatlich gelenkten Plan- zur Marktwirtschaft, bei dem zahlreiche Betriebsteile, auch auf Betreiben der Treuhandanstalt, liquidiert wurden. Als Nachfolgeunternehmen des Stammbetriebes bestand die FER Fahrzeugelektrik GmbH bis zum Jahr 2008.

Unter dem Markenzeichen FER werden noch Produkte hergestellt.Geschichte. Truck-Lite Europe GmbH Das Produktprogramm besteht vor allem aus Komponenten für den Automobilbau: Beleuchtungseinrichtungen (u. a. in Eisenach und Mexiko), Signalhörnern (u. a. in Polen) und Sensoren. Kabelbäume werden nicht mehr gefertigt.

Vorgeschichte Otto Schlothauer & Söhne (Ruhla) mini|Werbung (ca. 1920)

In Ruhla wurde 1867 unter der Firma Otto Schlothauer & Söhne OHG eine Metallwarenfabrik gegründet, die sich zunächst auf die Serienfabrikation von Beschlagteilen für Schuhsohlen und auf Messingzubehör für die zu jener Zeit beliebten Ruhlaer Meerschaumpfeifen spezialisierte. Für den Betrieb wurde eine ehemalige Schleifmühle am Erbstrom genutzt. Die Söhne Christoph und Friedrich Schlothauer erkannten in der Fertigung von Gasarmaturen und Drehteilen aus Messing eine völlig neue Produktpalette. Durch den Kauf einer Dampfmaschine und weitere Investitionen in die Bausubstanz entstand am südlichen Stadtrand von Ruhla In den Klippen ein zweiter metallverarbeitender Großbetrieb der Bergstadt Ruhla. Ab 1900 wurden im Hauptwerk elektrische Lampenfassungen und diverse Schalter gefertigt. Seit den 1920er Jahren wurden auch elektrische Schalter für Automobile, Fahrräder und Radioempfänger gefertigt.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erlangte das Unternehmen – inzwischen unter der Firma C. & F. Schlothauer GmbH – als Rüstungsbetrieb (Zulieferer für Bordinstrumente im Flugzeugbau) weitere Bedeutung. Nach der Enteignung der Altbesitzer im Juli 1945 erfolgte am 19. Juli 1946 die Zuteilung an die Sowjetische Elektrotechnische AG, eine auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone tätige Sowjetische Aktiengesellschaft. Das Werk hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 350 Mitarbeiter. Die Produktion von elektrotechnischen Installationsmaterialien wurde Anfang der 1950er Jahre an den Betrieb VEB Elektroinstallation Ruhla abgegeben.

Eisenacher Metallwarenfabrik Alfred Schwarz Im Eisenacher Gewerbegebiet Am Kupferhammer / Oppenheimstraße wurde 1907 die Alfred Schwarz GmbH mit 70 Mitarbeitern gegründet, die das Kürzel MELAS als Wortmarke verwendete. Zum Kerngeschäft gehörte zunächst die Sparte Beleuchtungstechnik (Karbid- und Petroleumlampen) für Kutschen, Laternen, Glocken und Hupen für Fahrräder und Kutschen, auch Pedale und Luftpumpen. Im Ersten Weltkrieg wurde auch für die Rüstungsproduktion fertigte. Nach 1920 wurde die Fertigung von Auto- und Fahrradzubehörteilen zum Hauptzweig der Fertigung: Schalter, elektrische Rückstrahler, Autowinker, Begrenzungsleuchten, Warn- und Stoppleuchten, Nummernschilder und erste Scheibenwischermotoren wurden zum Teil selbst entwickelt oder in Lizenz gefertigt. 1923 wurden 40 Prozent der hergestellten Waren exportiert, der Betrieb wuchs auf 400 Beschäftigte im Jahr 1927. Der Unternehmensgründer starb 1935 bei einem Unfall. Das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Metallwerk Alfred Schwarz AG), deren Aktienmehrheit spätestens 1938 die „Union“ Gesellschaft für Metallindustrie Sils, van de Loo & Co. mit Sitz in Fröndenberg hielt.Deutsche Bergwerks-Zeitung, Nr. 44 vom 21. Februar 1941 Das Eisenacher Werk hatte im Sommer 1939 bereits 1000 Mitarbeiter.

Mit Kriegsausbruch mussten bevorzugt Bedarfsartikel für die Kriegswirtschaft hergestellt werden, zum Sortiment gehörten Kleinmotoren, Tarnscheinwerfer und Zünder. Mehrfach wurde das Werk durch Luftangriffe und daraus entstandenen Brände beschädigt, im April zerstörte US-amerikanischer Granatbeschuss nochmals mehrere Fabrikgebäude im westlichen Werksgelände.

In den ersten Nachkriegsjahren kooperierte das Unternehmen mit dem Stuttgarter Betriebsteil von Bosch, man lieferte Fahrtrichtungsanzeiger und erhielt dafür Lichtmaschinen, Zündelektrik und Anlasser. Die Belegschaft umfasste 1946 bereits wieder 400 Mitarbeiter. 1947 wurde der Betrieb enteignet, 1948 in Volkseigentum überführt und fusionierte mit weiteren Eisenacher Betrieben zum VEB Auto- und Fahrradelektrik Eisenach (AUFA). Am bedeutendsten war das erst in den 1920er Jahren erbaute Hauptwerk der ehemaligen Zigarrenfabrik Bruns am Eisenacher Westbahnhof, es lag nur 500 m vom Hauptwerk an der Oppenheimstraße entfernt und wurde später zum Standort der Wischermotorenfertigung. Die Eisenacher Produktionsstätte an der Oppenheimstraße übernahm noch Anfang der 1950er Jahre die Fertigung von Blinkgebern, Innenraumleuchten und weiteren Leuchtenbaugruppen. Die Mitarbeiterzahl wurde 1957 auf 1065 gesteigert.

Fusion der Eisenacher und Ruhlaer Werke Bereits 1947 wurde in Ruhla versuchsweise mit der Fertigung von Lichtmaschinen für den Fahrzeugbau in der Sowjetischen Besatzungszone begonnen. Der Hauptkunde, das Automobilwerk Eisenach, war noch in den 1950er Jahren auf die Lieferung bestimmter Bauteile und Materialien aus Westdeutschland angewiesen, daher mussten Ersatzhersteller in der DDR gefunden werden.

1958 wurde das Ruhlaer Werk mit der Eisenacher AUFA zum VEB Fahrzeugelektrik Ruhla zusammengeschlossen. In den 1960er Jahren erfolgte eine standortbedingte Konzentration und Standardisierung: Im Werk I in Ruhla wurden nur noch Anlasser und Signalhörner für die Autoindustrie hergestellt, im Werk II in Eisenach (entstanden aus dem ehemaligen Metallwerk Schwarz (MELAS bzw. AUFA)) Wischermotoren für Scheibenwischer und Fahrradbeleuchtungstechnik, im Werk III in Brotterode elektromagnetische Schalter und Scheinwerfer für die Autos und im Werk IV in Gumpelstadt die Zündverteiler.

Die Gründung des Kombinats VEB Fahrzeugelektrik Ruhla mini|Einstiges Fertigungsgebäude des Stammwerkes (Werk II) in der Eisenacher Oppenheimstraße mini|Ehemaliges Bürogebäude in der Ruhlaer Innenstadt (Standort der Fanfarenfertigung) Im Ergebnis einer Serie von Wirtschaftsreformen in der DDR wurde am 1. Oktober 1968 das Kombinat VEB Fahrzeugelektrik Ruhla gegründet. Weitere Kombinatsbetriebe aus der Automobilbau-Zulieferbranche waren die Werke VEB Metallwaren (MEWA) Ruhla VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt VEB Fahrzeugelektrik Ilmenau VEB Fahrzeugelektrik Pirna VEB Fahrzeugelektrik Thalheim. Die Gesamtbeschäftigtenzahl des Kombinates betrug im Jahr 1969 4750 Mitarbeiter. Der Gesamtumfang der Produktionsleistungen betrug 230 Mio. Mark. Im Jahr 1977 waren etwa 6500 Mitarbeiter im Kombinat beschäftigt, die Produktionsleistung betrug nun 456 Mio. Mark.

Im Jahr 1978 wurde das zuvor eigenständige Kombinat Galvanische Elemente Zwickau, seinerzeit Hauptproduzent des volkswirtschaftlich bedeutsamen Wirtschaftszweiges der Akkumulatorenfertigung, an das Kombinat FER angegliedert, die neuen Kombinatsbetriebe waren: VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementewerke VEB Grubenlampenwerke Zwickau VEB Akkumulatorenwerk Sehma VEB Akkumulatorenbau Gröningen VEB Batterie und Elementefabrik Tabarz. Das Kombinat wurde somit auch als Bergwerksausrüster, im Schienenfahrzeugbau und im Schiffbau in der DDR bedeutsam und war auch Hersteller aller handelsüblicher Batterien für den Konsumgüterbereich, auch Lithiumbatterien für den medizinischen Gerätebau (u. a. für Herzschrittmacher) wurden von FER gefertigt. Nach der Fusion beider Kombinate besaß FER bereits 45 Produktionsstandorte, mit Schwerpunkten in Thüringen, Sachsen und Berlin.

Ausgewählte Kombinatsbetriebe und deren Erzeugnisse VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementewerke Der VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementewerke wurde aus vier Betriebsteilen gebildet, die sich in Berlin-Oberspree, Berlin-Oberschöneweide, Zehdenick und Gröningen befanden und insgesamt 1400 Mitarbeiter beschäftigten. Die Hauptprodukte des Betriebes waren Bleiakkumulatoren (Fertigung auch in Zehdenick und Gröningen) für batteriebetriebene Flurförderzeuge aller Arten und Schienenfahrzeuge. Im Rahmen der RGW-Wirtschaftsverträge war das Hauptwerk mit Partnerbetrieben in Ungarn (Akkumulator Budapest) und Polen (Centra Poznań und Elektron Starograd) durch Liefer- und Kooperationsverträge bezüglich Forschung- und Entwicklung verbunden. Die zweite Erzeugnispalette umfasste die Herstellung der Primärelemente R6, R14, und R20 auf Braunstein-Zink-Basis – insbesondere für Taschenlampen, batteriebetriebene Geräte der Unterhaltungselektronik und technisches Spielzeug. Durch Rationalisierungsmaßnahmen konnte die Rundhülsenfertigung für diese Erzeugnisse auf eine Produktionsmenge von 100 Mio. Stück/Jahr gesteigert werden. Mit der vollautomatischen Fertigungsanlage für R20 Elemente konnte der gesamte Jahresbedarf der DDR-Bevölkerung abdeckt werden und Überschüsse in die RGW-Länder exportiert wurden. Eine weitere Fertigungsanlage wurde 1986 für R14 Elemente aufgebaut, sie lieferte 1988 30 Mio. Stück. Als dritte Erzeugnispalette wurden in Berlin seit 1984 Knopfzellen entwickelt und produziert. Sie wurden für elektronische Uhren, Taschenrechner und andere elektronische Baugruppen auf der Basis von Silberoxid-Zink- und Braunstein-Zink-Elementen gefertigt. Im Jahr 1987 wurde der Berliner Betrieb mit der »Wanderfahne des Ministerrates und des Bundesvorstandes des FDGB« geehrt.Kombinat VEB Fahrzeugelektrik Ruhla (Hrsg.): 10 Jahre VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla. Sonderausgabe der Betriebszeitung Signal. Ruhla 1988, S. 13.

VEB Fahrzeugelektrik Brotterode Der Kombinatsbetrieb in Brotterode hatte 1988 etwa 1000 Mitarbeiter und war Hersteller von PKW-Scheinwerfern für die DDR-Fahrzeugtypen und für den Export,Kombinat VEB Fahrzeugelektrik Ruhla (Hrsg.): 10 Jahre VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla. Sonderausgabe der Betriebszeitung Signal. Ruhla 1988, S. 8–10. unter anderem für den Moskwitsch-412 und den Shiguli 1500.KFT fuhr Shiguli de Luxe WAS 2103. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1973, S. 374–376.

VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt (FEK) Der Chemnitzer Betrieb war aus der 1866 gegründeten Fabrik Hermann Riemann hervorgegangenAG Sonnenberg: und hatte in Spitzenzeiten insgesamt 1500 Mitarbeiter mit sechs Fertigungsstätten – in Cranzahl, Flöha, Klingenthal, Niederndorf und Sehma. Die Erzeugnispalette umfasste mehrere Typen von Lichtmaschinen für Motorräder, Dreh- und Gleichstromlichtmaschinen für PKW, Scheinwerfereinsätze für den PKW Trabant, verschiedene Heck- und Blinkleuchten, Schlussleuchten für Moped und Motorräder sowie Zündaggregate und -kontakte. Zur Fertigung des Drei-Hebel-Unterbrechergehäuses für den PKW Wartburg wurde im Werk ein erster Industrieroboter entwickelt und aufgebaut. Die Entwicklungsabteilung verfügte bereits ab 1986 über CAD-Arbeitsplätze.Kombinat VEB Fahrzeugelektrik Ruhla (Hrsg.): 10 Jahre VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla. Sonderausgabe der Betriebszeitung Signal. Ruhla 1988, S. 12.

VEB Fahrzeugelektrik Pirna (FEP)