Kryptowährung bzw. Kryptogeld (kurz Krypto oder Crypto; von ), bezeichnet eine digitale Währung (englisch: digital currency), die über ein verteiltes, nicht-staatliches Computernetzwerk arbeitet. Der Zahlungsverkehr geschieht mithilfe dezentraler Datenhaltung und kryptografisch verschlüsselter Übertragungsprotokolle. Das Eigentum an Guthaben wird repräsentiert durch den Besitz eines kryptographischen Schlüssels. Das ebenfalls kryptographisch signierte Guthaben wird in einer gemeinschaftlichen Buchhaltung abgebildet. Diese arbeitet in Form eines verteilten Kassenbuches (Distributed-Ledger-Technologie). Dies geschieht in der Regel mit Hilfe einer Blockchain. Kryptowährungen sind nicht auf eine zentrale Behörde wie eine Regierung oder eine Bank angewiesen, um ihren Wert zu stützen oder aufrechtzuerhalten.
Überblick
Unter den Begriffen Kryptowährung oder Kryptogeld werden alle Krypto-Projekte mit handelbaren Anteilen zusammengefasst. Im Juni 2025 gab es rund 10.000 verschiedene Kryptowerte, wovon nur wenige als Währungen konzipiert waren. Gemein ist ihnen, dass die Coins dieser Projekte, die teilweise selbst einen Einsatzzweck bieten, handelbar sind. Verschiedene Kryptobörsen, aber auch Dexes (Dezentrale Exchanges), bieten den Handel oder Direktkauf für jeweils unterschiedliche Coins und Tokens an. Diese können auf private Wallet-Adressen transferiert werden, auf denen sie vor dem Zugriff Dritter geschützt und nur durch einen Schlüssel zugänglich sind. Mit Krypto-ETN gibt es alternativ auch börsengehandelte Papiere auf Kryptowerte.
Kryptos sind im eigentlichen Sinn keine Währungen, existieren nicht in physischer Form (wie Papiergeld und Münzen) und werden im Gegensatz zu Fiat-Geld oder digitalem Zentralbankgeld in ihrer ursprünglich erdachten Form nicht von einer zentralen Behörde ausgegeben. Sie sind mit Ausnahme von El Salvador (2021–2025) in keinem Staat als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt und werden üblicherweise nicht von einer zentralen Behörde oder Kontrollinstanz herausgegeben.
Stattdessen steckt hinter vielen Kryptos kapitalistisches privatwirtschaftliches Interesse sowie der Wunsch nach Spekulation und dezentralisierter Kontrolle: Jeder kann zum Eigentümer von Produktionsmitteln zur Herstellung und Ausgabe der Coins werden, an der Verwaltung dieser mitwirken und auch an der Wertschöpfung beteiligt sein. Aber auch wenn bei vielen Kryptowährungen im Gegensatz zum alltäglich geläufigen Geld eine einzelne Partei nicht alleine in der Lage ist, die Produktion von Währungseinheiten zu beschleunigen, zu beeinträchtigen oder in irgendeiner Weise wesentlich zu missbrauchen, werden viele andere Kryptowährungen von inhabergeführten, privatwirtschaftlichen, gewinnorientierten Unternehmen zentral produziert. So hielt beispielsweise Ripple Labs bis zu 80 Prozent der Neuemissionen der Kryptowährung Ripple und verteilt diese nach eigenem Ermessen.Ripple credits. XRP is a bridge currency. In: Ripple Wiki (englisch).
Als typisches Spekulationsobjekt wurden Kryptowährungen bisher mit Ausnahme von El Salvador (2021–2025) nicht von Staaten als offizielle Geldart anerkannt, werden jedoch laut Crypto.com mit Stand November 2024 von weltweit über 650 Millionen Menschen als digitaler Vermögenswert genutzt. Insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern mit unterentwickelten Finanzsystemen und hoher Inflation gebe es eine rasante Adaption. Staaten setzen bei der Digitalisierung ihrer Währungen derzeit in der Regel nicht auf reine Onlinewährungen, sondern auf elektronisches Geld, dessen Überweisung auch offline funktioniert, bspw. China und die EU.netzpolitik.org, abgerufen am 3. Juli 2023.
Eine bestimmte Art von Kryptowährungen, die als Stablecoins bezeichnet werd, kann auf staatliche Maßnahmen oder Gesetze angewiesen sein, um einen stabilen Wert zu gewährleisten und aufrechtzuerhalten.
Die addierte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen wird seit 2013 ermittelt. 2017 wurde erstmals eine gemeinsame Marktkapitalisierung von 100 Milliarden US-Dollar erreicht, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Januar 2018 mit 800 Milliarden US-Dollar erklomm. Anschließend fiel diese innerhalb weniger Wochen auf unter 500 Milliarden. Diese Grenze wurde erst im November 2020 wieder überschritten. Seitdem explodierten die Kurse förmlich und erreichten am 12. Mai 2021 einen vorläufigen Höhepunkt, als die Gesamtmarktkapitalisierung 2,5 Billionen US-Dollar überschritt. Die Kurse der Kryptowährungen, mit Ausnahme der sogenannten Stablecoins, sind also als äußerst volatil einzustufen. Die Handelskurse aller Kryptowährungen stehen zudem im direkten Zusammenhang mit der Bewertung des Bitcoins und sinken – verallgemeinernd ausgedrückt –, wenn der Kurs von Bitcoin sinkt, und umgekehrt. Sämtliche Coins und Tokens, die nicht Bitcoin sind, werden unter dem Begriff Altcoins (von: alternative Coins) zusammengefasst.
Abgrenzung Nach Jan Lansky ist eine Kryptowährung ein System, das sechs Bedingungen erfüllt:
Das System benötigt keine zentrale Autorität; sein Zustand wird durch verteilten Konsens aufrechterhalten. Das System behält einen Überblick über die Kryptowährungseinheiten und deren Besitz. Das System definiert, ob neue Kryptowährungseinheiten erstellt werden können. Wenn neue Kryptowährungseinheiten geschaffen werden können, definiert das System die Umstände ihrer Entstehung und wie das Eigentum an diesen neuen Einheiten bestimmt werden kann. Das Eigentum an Kryptowährungseinheiten kann ausschließlich kryptografisch nachgewiesen werden. Das System erlaubt die Durchführung von Transaktionen, bei denen das Eigentum an den kryptografischen Einheiten geändert wird. Eine Transaktionsanweisung kann nur von einer Stelle ausgestellt werden, die das aktuelle Eigentum an diesen Einheiten nachweist. Werden zwei verschiedene Anweisungen zur Änderung des Eigentums an denselben kryptografischen Einheiten gleichzeitig eingegeben, führt das System höchstens eine davon aus.
Varianten Bitcoin
Bitcoin, der 2009 erstmals als Open-Source-Software veröffentlicht wurde, ist die erste dezentralisierte Kryptowährung. Bitcoin wurde rein als Währung und Zahlungsmittel konzipiert. Seit 2020 wird verstärkt das Narrativ von Bitcoin als Geldspeicher aufgegriffen. Einige weitere frühe Kryptowährungen wie etwa Litecoin oder Digibyte wurden auch rein als Zahlungsmittel in Konkurrenz zu Bitcoin erdacht und behaupten etwa schnellere oder günstigere Transaktionen als Bitcoin zu bieten. Dennoch ist Bitcoin hinsichtlich der Marktkapitalisierung bislang die größte und am weitesten verbreitete aller Kryptowährungen.
Altcoins
Ein Großteil der inzwischen über 10.000 Kryptowährungen wurde nicht als reine Zahlungssysteme erdacht. Stattdessen handelt es sich bei den meisten der Kryptowährungen genannten Coins oder Tokens zwar um austauschbare und handelbare Werte, nach den oben genannten sechs Bedingungen der Definition, allerdings mit zusätzlicher Funktionalität zum reinen Zahlungsmittel. Diese zusätzlichen Mehrwerte bzw. Funktionen sind höchst unterschiedlich. So gibt es etwa Kryptowährungen, die Stimmrechte für verschiedenste Entscheidungen innerhalb eines Netzwerkes (oder auch externer Faktoren) bieten, Kryptowährungen, die einen aktuellen Gegenwert zu Fiat-Währungen abbilden, Kryptowährungen, die alleine als Transaktionsgebühren für ein Netzwerk genutzt werden, oder Kryptowährungen, die es erlauben, ein Lagerhaus mit dem entsprechenden Zulieferer kommunizieren zu lassen, sowie viele weitere mehr.
Einige Kryptowährungen zahlen auf verschiedene Arten und Weisen eine Art Zins oder auch Beteiligung an etwa Transaktionskosten aus, wenn sie „gestaked“ oder anderweitig angelegt werden.
Alle Kryptowährungen neben Bitcoin werden Altcoins genannt. Die langjährig zweitgrößte aller Kryptowährungen nennt sich Ether und ist das interne Zahlungsmittel für das Blockchain-System Ethereum.
Stablecoins
Stablecoins bilden den Wert einer Fiat-Währung, eines Währungskorbs oder anderer Vermögenswerte wie z. B. den Goldpreis ab. Um diese Koppelung stabil zu halten, ist es normalerweise erforderlich, den Stablecoin mit Sicherheiten zu unterlegen.
Digitales Zentralbankgeld
Digitales Zentralbankgeld (engl. Central Bank Digital Currency, CBDC) bezeichnet Projekte, die eine von einer Zentralbank ausgegebene digitale Währung beinhalten. Der Wert eines CBDCs soll 1:1 dem Wert der abgebildeten regulären (Landes-)Währung entsprechen.
In einem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich heißt es, dass der Begriff „digitale Zentralbankwährung“ zwar nicht genau definiert ist, „aber von den meisten als eine neue Form von Zentralbankgeld angesehen wird […], die sich von Guthaben auf traditionellen Reserve- oder Abwicklungskonten unterscheidet.“
Ein CBDC unterscheidet sich auch von virtuellen Währungen und Kryptowährungen dadurch, dass letztere nicht von einem Staat ausgegeben werden und nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben, der von einer Regierung erklärt wird.
Im Allgemeinen befinden sich CBDCs in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Einer Umfrage im Jahr 2021 nach, untersuchen rund 80 % der Zentralbanken weltweit CBDCs, wobei 40 % bereits Proof-of-Concept-Tests durchführen.
Privacy Coins
Als Privacy Coin (englisch für ‚Privatsphären-Münze‘) werden Kryptowährungen bezeichnet, welche digitale anonyme Zahlungen ermöglichen (digitales Bargeld). Bitcoin wurde zu Beginn seiner Einführung noch als Privacy Coin angesehen, und er fand auf zahlreichen Darknet-Marktplätzen seine Anwendung als Zahlungsmittel. Durch die zunehmende Integration von Kryptowährungen in die bestehenden staatlichen Zahlungssysteme haben jedoch regulatorische Anforderungen, z. B. KYC oder AMLA, zu einer Aufweichung der Anonymität im Bitcoin-Ökosystems geführt. Transaktionen mit Bitcoin sind deshalb nicht anonym, sondern lediglich pseudonym. Daher wird versucht, die im Kryptowährung-Ökosystem vorhandene Pseudonymisierung zu einer möglichst vollständigen Anonymisierung auszubauen.
NFT
Ein Non-Fungible Token (NFT), oder zu Deutsch nicht austauschbare Wertmarke, ist ein nicht ersetzbarer Token, welcher etwas in der Blockchain repräsentiert. Solch ein NFT findet z. B. Anwendung bei digitalen Kunstwerken, kosmetischen Gegenständen in Computerspielen oder Sammelkarten.
Institutionelle Anleger Mit Stand Juni 2021 verwaltete der Grayscale Bitcoin Trust 25,7 Milliarden US-Dollar. Eine vom Fondsverwalter Intertrust durchgeführte Umfrage unter 100 Finanzchefs von Hedgefonds weltweit ergab, dass diese Führungskräfte erwarten, in fünf Jahren durchschnittlich 7,2 Prozent ihrer Vermögenswerte in Kryptowährungen zu halten. Intertrust schätzt, wenn sich das auf den gesamten Sektor überträgt, könnte das für die gesamte Hedgefonds-Branche einer Gesamtsumme von etwa 312 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten in Kryptowährungen entsprechen.
In Kanada wurden am 20. April 2021 drei Ethereum-ETFs zugelassen, nachdem bereits im Februar ein Bitcoin-ETF zugelassen worden war. Für 2022 werden in den Vereinigten Staaten die Zulassungen von sowohl Bitcoin- als auch Ethereum-ETFs erwartet. ProFunds, ein Vermögensverwalter, der weltweit 60 Milliarden Dollar verwaltet, hat am 27. Juli bei der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) erfolgreich einen Investmentfonds registriert, der auf Bitcoin-Futures basiert.
Für Aufsehen sorgte im April 2021 auch der Börsengang des Krypto-Exchanges Coinbase, eines der größten und dienstältesten Unternehmen der noch jungen Branche. Der Börsengang war der größte Börsengang seit demjenigen von Facebook im Jahr 2012 und der erste eines Unternehmens, dessen Geschäftsmodell ausschließlich Handel mit und Staking von Kryptowährungen darstellt.
Arbeitsweise