Ortenberg ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Ortenaukreis. Sie ist die flächenmäßig kleinste Gemeinde dieses Landkreises.
Geographie 300px|mini|Ortenberg, von den Weinbergen aus betrachtet
Geographische Lage Ortenberg liegt in den Vorbergen des Schwarzwalds am Austritt der Schwarzwälder Kinzig in die Rheinebene und grenzt an die Kreisstadt Offenburg. Die Badische Weinstraße führt durch Ortenberg.
Nachbargemeinden Die Gemeinde ist an drei Seiten vom Stadtgebiet Offenburgs umschlossen und grenzt im Osten an Ohlsbach.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Ortenberg gehören das Dorf Ortenberg, die Weiler Fröschlach, Käfersberg (beide mit Ortenberg zusammengewachsen) und Steingrube und die Wohnplätze Bachgraben und Schloss. In Ortenberg aufgegangen ist die Ortschaft Freudental.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 398–399.
Geschichte Das Dorf wurde im Jahre 1148 erstmals urkundlich erwähnt, damals trug es noch den Namen Dottenwiler/Tatenwilre. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Name der Burg, die bereits 1233 als castrum Ortinberg bezeichnet wurde, auch für das Dorf verwendet. Die Burg wurde 1678 zerstört. Leonhard von Berckholtz baute sie im 19. Jahrhundert wieder auf.
In Ortenberg wurden von 1573 bis 1630 Hexenverfolgungen durchgeführt. 19 Frauen gerieten in Hexenprozesse und wurden hingerichtet.Franz Volk: Hexen in der Landvogtei Ortenau und Reichsstadt Offenburg, 1882, Nachdruck Offenburg 1978.
Ortenberg gehörte lange Zeit zum Landkreis Offenburg, als dieser 1973 aufgelöst wurde, kam der Ort zum neugebildeten Ortenaukreis.
Am 19. Juni 1974 unterschrieb die Gemeinde einen Vertrag über die Gründung einer Verwaltungsgemeinschaft mit Offenburg, Durbach und Hohberg.
Demographie Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. +JahrEinwohnerzahl1814 1.0011834 1.3551864 1.3231913 1.4911939 1.9071961 2.4171970 2.8132011 3.2942022 3.457
Politik Gemeinderat Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,6 % zu folgendem Ergebnis: Partei / Liste20242019 Stimmenanteil Sitze StimmenanteilSitze CDU 40,8 % 5 45,9 %6 Bürger für Ortenberg / SPD 27,6 % 3 45,5 %5Freie Bürger Ortenberg23,5 %3 -- --Bündnis 90/Die Grünen8,2 %1 -- -- Freie Liste / FDP -- -- 8,6 %1Wahlbeteiligung72,6 %67,2 %
Bürgermeister 1946–1969: Joseph Vollmer († 1992) 1969–2008: Hermann Litterst (1940–2022) 2008–2024: Markus Vollmer (* 1965) seit 2024: Amalia Lindt-Herrmann (* 1974, FDP)
Verwaltung Die Gemeinde gehört wie die Gemeinden Durbach, Hohberg und Schutterwald der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Offenburg an.
Partnerschaften Ortenberg unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Stotzheim, Elsass, Frankreich, seit 1965 Ortenberg, Hessen, Deutschland, seit 1976
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Ortenberg mini|Schloss Ortenberg im Mai 2008 mini|Kirche St. Bartholomäus von Hans Voß
Sehenswürdigkeiten Das Schloss Ortenberg dient als Jugendherberge, die Turmanlagen sind jedoch öffentlich zugänglich. Der heutige schlossartige Bau wurde 1838 bis 1843 vom livländischen Kaufmann Gabriel Leonhard von Berckholtz nach Plänen des Architekten Friedrich Eisenlohr an der Stelle der Burg Ortenberg errichtet, die 1678 zerstört worden war. Entgegen der landläufigen Meinung gab diese ehemalige Reichsburg nur dem Ort ihren Namen, nicht aber der Landschaft Ortenau. Diese Bezeichnung wird abgeleitet aus dem früheren Begriff Mortenau (von lat. Moridunum = Sumpfland), dessen Anfangskonsonant ab dem späten 16. Jahrhundert dem Volksmund zum Opfer fiel.
Die Bühlwegkapelle wurde 1497 erbaut und wird seit 1972 ökumenisch genutzt.
Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde 1824 vom Architekten Hans Voß im Weinbrenner-Stil erbaut. Die Altargemälde im Nazarener-Stil stammen von der Malerin Marie Ellenrieder.
Religion Seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 gehört Ortenberg mit der St. Bartholomäus-Kirche zum Dekanat Offenburg-Kinzigtal und gehört zudem zu der Seelsorgeeinheit Vorderes Kinzigtal St. Pirmin.
Wirtschaft und Infrastruktur Ortenberg ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Weinbauregion Ortenau im Weinbaugebiet Baden gehören.
Verkehr
Als typisches Straßendorf wird Ortenberg von der L 99 (früher B 33) durchzogen. An die verlegte B 33 besteht eine direkte Anschlusssverbindung.
Zwar tangiert die von Offenburg nach Singen (Hohentwiel) führende Schwarzwaldbahn Ortenberg am südwestlichen Ortsrand, der Haltepunkt der Gemeinde ist jedoch seit den 1980er Jahren stillgelegt. Die Wiederinbetriebnahme der Station ist konkret in Planung.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Ortenberg mit Offenburg und über Ohlsbach und Gengenbach mit Haslach im Kinzigtal verbunden.
Durch Ortenberg verläuft als Landes-Radfernweg der Badische Weinradweg.Badischer Weinradweg auf www.schwarzwald-tourismus.info Er führt von Grenzach-Wyhlen am Hochrhein nach Laudenbach im Norden Baden-Württembergs, dabei werden sieben der neun badischen Weinanbaugebiete untereinander verbunden. Die Route verläuft von Gengenbach nach Ortenberg und weiter oberhalb der Offenburger Stadtteile Fessenbach und Zell-Weierbach nach Durbach.
Bildung Mit der Von-Berckholtz-Schule gibt es eine Grundschule in Ortenberg. Für die jüngsten Einwohner gibt es einen Kindergarten „St. Elisabeth“ und das Kleinkindhaus „Klein Lisbeth“.
Persönlichkeiten Aus Ortenberg stammend Gertrud von Ortenberg (1275/1285–1335), Begine, Mystikerin und Lokalheilige Theodor von Brand (1899–1978), deutschamerikanischer Parasitologe Ludwig Marx (1879–1942), Luftschiff-Pionier Angelica Schwall-Düren (* 1948), Politikerin (SPD), wuchs in Ortenberg auf.
In Ortenberg verstorben
Wolfgang von Fürstenberg (1465–1509), Hofmarschall und oberster Hauptmann am königlichen und kaiserlichen Hof in WienFürstliche Archive in Donaueschingen (Hrsg.): Fürstenbergisches Urkunden-Buch IV. Quellen zur Geschichte der Grafen von Fürstenberg vom Jahre 1480 - 1509. Laupp, Tübingen 1879 (Digitalisat) Wilhelm von Fürstenberg (1491–1549), Söldnerführer
Ehrenbürger 1838: Gabriel Leonhard von BerckholtzOffenburger Tageblatt. (1781–1863), baltischer Edelmann und Kaufmann 1897: Theodor von Hirsch, 1838–1916, Schlossbesitzer 1987: Franz X. Vollmer (1922–2011), Autor und Heimatforscher 1998: René Weisgerber, Altbürgermeister der elsässischen Partnergemeinde Stotzheim 2008: Hermann Litterst (1940–2022), Bürgermeister von 1969 bis 2008Robert Ullmann: Litterst ist Ehrenbürger Ortenbergs Artikel vom 1. Dezember 2008 auf der Webseite badische-zeitung.de. Abgerufen am 20. September 2021. 2009: Richard Huber (1939–2017), Gemeindepfarrer von 1991 bis 2009
Literatur
Gregor Markl: Schwarzwald. Lagerstätten und Mineralien aus 4 Jahrhunderten. Das Gebiet von Gengenbach, Ohlsbach und Ortenberg. Pegmatite in der Umgebung von Reichenbach. 3. Band – Mittlerer Schwarzwald, Bode Verlag, 2017.
Einzelnachweise
Weblinks
Gemeinde Ortenberg
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