mini|Franklin D. Roosevelt mit seinem Hund Fala in seinem Landhaus in Warm Springs (Georgia) Die Fala-Rede war eine Wahlkampf-Rede des US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zur Präsidentschaftswahl 1944. Er hielt sie am 23. September 1944 vor der Transportarbeiter-Gewerkschaft International Brotherhood of Teamsters, Chauffeurs, Warehousemen and Helpers of America. Namensgebend war der damalige Hund des Präsidenten, der Scottish Terrier Fala.
In den Monaten zuvor war Roosevelt von Politikern der republikanischen Opposition mit dem erfundenen Vorwurf konfrontiert worden, er habe Fala während einer Truppen-Inspektionsreise auf einer Insel der Aleuten vergessen und einen Zerstörer der United States Navy ausgesandt, um ihn abzuholen. In einem Abschnitt der Rede ging Roosevelt auf diesen Vorwurf der Geldverschwendung ein und hob ironisch hervor, wie sehr derartige Anschuldigungen seinen sparsamen Hund kränken würden. Die Wahlkampfrede erhielt wegen der Erwähnung des Hundes als auch wegen Diffamierungen des politischen Gegners durch Anspielungen auf NS-Politiker heftige Kritik, wurde aber auch wegen des gezielten Einsatzes Falas als rhetorisches Meisterstück gelobt.
Richard Nixon wurde von der Fala-Rede acht Jahre später dazu inspiriert, auf das drohende Ende seiner politischen Karriere am 23. September 1952 mit der Checkers-Rede über seinen Hund Checkers zu reagieren.
Hintergrund mini|General Douglas MacArthur, Franklin D. Roosevelt und Admiral Chester Nimitz auf Hawaii, 26. Juli 1944 mini|Gouverneur Thomas E. Dewey, der republikanische Herausforderer um das Präsidentenamt Im Spätsommer 1944 standen in den USA zwei Themen ganz oben auf der politischen Tagesordnung: der Krieg und der Wahlkampf. Am Kriegsschauplatz Europa entwickelten sich die Dinge positiv, drei Monate zuvor waren amerikanische Truppen in der Normandie gelandet, und die Befreiung von Paris lag vier Wochen zurück. Ein vergleichbarer Durchbruch stand im Pazifikkrieg noch aus. In den für den 7. November 1944 angesetzten Präsidentschaftswahlen strebte Roosevelt eine vierte Amtszeit an. Er amtierte zu diesem Zeitpunkt bereits länger als irgendeiner seiner Vorgänger und genoss in der Bevölkerung nach wie vor große Popularität. Sein republikanischer Herausforderer Thomas E. Dewey konzentrierte sich im Wahlkampf auf Angriffe gegen Roosevelts Politik des New Deal und forderte einen schlankeren Staat. Seit einiger Zeit liefen Gerüchte über Roosevelts schlechten Gesundheitszustand um, der sich durch seinen anstrengenden Wahlkampf nicht verbessert habe.
Ab dem 15. Juli hatte Roosevelt eine Reihe von Truppenbesuchen durchgeführt. Die Reiseroute führte zunächst mit dem Präsidentenzug an die Pazifikküste und anschließend per Schiff nach Hawaii und Alaska. Am 22. Juli hielt Roosevelt in San Diego, Kalifornien von der Plattform seines Zuges eine Radioansprache, mit der er die soeben durch den Wahlkongress der Demokratischen Partei erfolgte Nominierung für die Präsidentschaftswahlen im November annahm. Die New York Times berichtete darüber mit zwei Fotos, eines zeigte Roosevelt bei der Rede, mit seinem Sohn James und dessen Ehefrau. Das zweite zeigte seinen Hund Fala vor einem Radio mit der Unterschrift „Fala hört auf seinen Herrn“. Anschließend ging die Reise an Bord des Schweren Kreuzers USS Baltimore weiter nach Hawaii, sie trafen dort am 26. Juli ein. Roosevelt traf sich an Land mit Admiral Chester Nimitz und General Douglas MacArthur.
Die Reise führte weiter auf den Marineflieger-Stützpunkt auf Adak Island (Aleuten), wo Roosevelt am 3. August eine Rede vor Soldaten hielt. Dort sollte Roosevelt späteren Angriffen einiger Oppositionspolitiker zufolge seinen Hund vergessen haben. Am 9. August traf die Baltimore mit dem Präsidenten in Alaska ein. Die Presseberichterstattung über die Reise fand aus Sicherheitsgründen nur bruchstückhaft und verzögert statt, am 12. August meldete die New York Times beiläufig, dass der Präsident „mit Fala“ auf dem Weg zu den Aleuten sei. Am selben Tag hielt Roosevelt an Bord eines Zerstörers vor dem Marinestützpunkt Puget Sound Naval Shipyard im Bundesstaat Washington eine Radioansprache, in der er den Verlauf der Reise und seine Vorstellungen für den weiteren Verlauf des Krieges sowie die Zeit danach darlegte. Roosevelt hatte die Rede selbst verfasst, die Ansprache wurde in heftigem Wind auf dem Deck eines Zerstörers gehalten, und Roosevelt trug dabei zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr seine Beinschienen, die wegen seines Gewichtsverlusts nicht mehr richtig passten. In Teilen der Öffentlichkeit und auch bei seinen Anhängern vermittelte er den Eindruck eines alten, kranken Mannes, die Rede wurde selbst unter seinen Mitarbeitern als eine seiner schlechtesten aufgenommen. Politische Freunde waren besorgt, und die Opposition betrachtete ihn bereits als „erledigt“.
Bis in den September 1944 hatte Roosevelt keine wesentlichen Schritte im Wahlkampf unternommen. Er hatte den Vorteil des Amtsinhabers und verzichtete zunächst auf öffentliche Auftritte als Wahlkämpfer. Anfang September änderte er jedoch seine Strategie, von der ihm vorgehaltenen , bezogen auf den Rosengarten seines malerischen Landsitzes in Hyde Park, New York, abzurücken und einen richtigen Wahlkampf zu führen. Mit einer energischen Kampagne wollte der Präsident vor allem Gerüchten über seinen schlechten Gesundheitszustand entgegenwirken.
Vorwurf und offizielle Reaktion mini|Harold Knutson, Abgeordneter des Staates Minnesota im Repräsentantenhaus. Gemälde von Thomas Edgar Stephens aus der Sammlung des House of Representatives, um 1955. Im August 1944 hatte die republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus Clare Boothe Luce aus Connecticut zwei Artikel als Gastautorin in einer Klatschkolumne veröffentlicht. Darin behauptete sie, dass Admiral Nimitz dem Präsidenten von dessen Reise abgeraten habe, weil die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen Air Force und Navy unnötig belasten würden, und die Reise keinen militärischen Nutzen habe. Am 31. August wurde sie im Repräsentantenhaus von dem Abgeordneten Michael J. Bradley aus Pennsylvania deswegen zur Rede gestellt, dieser wollte aus höchsten Kreisen der Marine erfahren haben, dass die Behauptung Luces „absolut und eindeutig“ unwahr sei. Nach einem kurzen, heftigen Wortgefecht zwischen Bradley und zwei republikanischen Abgeordneten wurde dem Republikaner Harold Knutson aus Minnesota das Wort erteilt, der als Abgeordneter stets für eine streng isolationistische Haltung der USA eingetreten war:
Am folgenden Tag antwortete der demokratische Abgeordnete John W. McCormack aus Massachusetts im Plenum auf Knutsons Vorhaltungen: . Unter Berufung auf den Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs, Admiral William D. Leahy, erklärte er weiter:
Knutson erwiderte darauf, wie alle Redebeiträge an den Sprecher des Hauses gerichtet:
Auch das Weiße Haus dementierte die Vorwürfe umgehend. Knutson erklärte am 1. September, dass er sich in seinem Wissen um die Tierliebe des Präsidenten dazu habe verleiten lassen, den Vorwürfen Glauben zu schenken. Dennoch wiederholte er seine Attacke Mitte September und forderte von Admiral Leahy eine Auskunft darüber, ob der Hund mit einem Flugzeug abgeholt worden sei. Im Repräsentantenhaus meinte er weiter:
Die republikanische Presse nahm die Gelegenheit wahr und thematisierte die Behauptungen Knutsons ausführlich. Die New York Times kommentierte den Vorgang damit, dass in die „Rempeleien“ zwischen republikanischen und demokratischen Abgeordneten „Persönlichkeiten“ wie Roosevelt, seine Ehefrau und Fala einbezogen worden seien.
Die „Fala-Rede“ Bereits vor seiner Abreise zur Zweiten Québec-Konferenz Mitte September hatte Roosevelt seinen Redenschreibern Samuel I. Rosenman und Robert E. Sherwood den Auftrag für eine Rede auf dem Kongress der International Brotherhood of Teamsters, Chauffeurs, Warehousemen and Helpers of America (heute International Brotherhood of Teamsters), der mächtigen Gewerkschaft der Transportarbeiter, am 23. September erteilt. Während seiner Teilnahme an der Konferenz machte sich Roosevelt selbst Gedanken über die Inhalte der Rede, und sandte seine Vorstellungen an Rosenman und Sherwood. Dabei war auch der erste Entwurf der Passage über Fala, den er gegenüber Rosenman als einen „glücklichen Einfall“ („happy thought“) bezeichnete.
Am 23. September 1944 antwortete Roosevelt öffentlich auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Daniel J. Tobin, war im Vorjahr von Roosevelt als Arbeitsminister vorgesehen gewesen und hatte das Amt abgelehnt. Dennoch war die Veranstaltung für Roosevelt nach dem New Deal ein Treffen mit Freunden. Roosevelt begann seine Rede mit Anspielungen auf seinen angeblichen Gesundheitszustand, um anschließend seine Arbeitsmarktpolitik und die Rüstungspolitik zu verteidigen:
Es folgte die kurze Passage, in der Roosevelt seinen Hund Fala erwähnte und auf die republikanischen Angriffe im Zusammenhang mit seinem Hund antwortete, und der die Rede ihre Bezeichnung verdankt. Unmittelbar nach diesem wenig mehr als eine Minute währenden Redeabschnitt wandte sich Roosevelt wieder politischen Themen zu:
Die Rede war inhaltlich und in ihrer Form eine typische Wahlkampfrede, die auf die spezielle Zuhörerschaft zugeschnitten war. Roosevelt war sich durchaus bewusst, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von einem Hinterbänkler stammten und nicht aus den Reihen seines Herausforderers. Gleichwohl versuchte er den Eindruck zu erwecken, dass die Angriffe von der republikanischen Parteiführung und, wenn schon nicht von Dewey selbst, so doch von seinem Wahlkampfstab in die Öffentlichkeit gebracht worden seien.
Samuel I. Rosenman meinte, dass niemand die kurze Passage über Fala besser als Roosevelt hätte vortragen können. Robert E. Sherwood bedauerte, dass er die Anerkennung nicht annehmen könne, die ihm häufig und unzutreffend wegen der großartigen Anspielung auf Fala zugetragen werde. Roosevelts Arbeitsministerin Frances Perkins hob hervor, dass Roosevelt den schmutzigen und gemeinen Attacken gegen Einzelne, die heimlich verbreitet würden, perfekt entgegengetreten sei. Sie stellten für seine Präsidentschaft keine Gefahr mehr dar. In Anspielung auf Dewey als Halter einer Dänischen Dogge wurde die Rede als eine Auseinandersetzung „zwischen einem großen Mann mit einem kleinen Hund und einem kleinen Mann mit einem großen Hund“ bezeichnet. Von politischen Kommentatoren wurde die Rede als der Wendepunkt des Wahlkampfs betrachtet. Roosevelt hatte seinen Unterstützern wie seinen Gegnern demonstriert, dass er immer noch für eine vierte Amtszeit zu gebrauchen war. Dementsprechend führte die Rede zu einer starken Mobilisierung demokratischer Wähler, die sich nun in die Wählerlisten eintragen ließen.
Daneben gab es aber auch Kritik, vorrangig an den Anspielungen auf Hitler und Goebbels, die in der Auseinandersetzung mit einem politischen Gegner als unangemessen empfunden wurden. Unter wirtschaftlicher Not leidende Farmer verlangten konkrete Unterstützung, und keine „Tiergeschichten“. Und es wurde als unangemessen kritisiert, dass ein Oberbefehlshaber der Streitkräfte während des Krieges mit Albernheiten wie der vermenschlichten Darstellung eines Hundes an die Öffentlichkeit tritt. Für den Rest des Wahlkampfs wurde Fala in der Öffentlichkeit nicht weniger häufig präsentiert. Nach der Fala-Rede und den entsprechenden Reaktionen war er allerdings nur noch der wohlerzogene Familienhund der Roosevelts und der Begleiter des Präsidenten.
Nachwirkung