Die Städtische Wessenberg-Galerie ist ein Kunstmuseum in Konstanz am Bodensee.
Sie konzentriert sich auf die Durchführung von Wechselausstellungen. Schwerpunkt ist die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts aus Südwestdeutschland und dem Bodenseeraum.Verzeichnis der Ausstellungskataloge (Publikationen) der Städtischen Wessenberg-Galerie Daneben werden in einer kleinen Dauerausstellung Auszüge aus dem Gesamtbestand der Wessenbergschen Sammlung gezeigt sowie im „Hans Meid Kabinett“ jährlich wechselnd Werke des Künstlers Hans Meid.Julia Russ: Ein kleines Kabinett für Hans Meid. In: Südkurier, Ausgabe Konstanz am 1. Februar 2013, S. 20.
Die Galerie befindet sich im Wohn- und Sterbehaus ihres Stifters Ignaz Heinrich von Wessenberg, sie ist als eigenständige Institution integriert in das Kulturzentrum am Münster und zählt zu den vier „Städtischen Museen Konstanz“. 2014 zählte sie knapp 20.000 Besuchende.
Entstehung der Sammlung mini|Ignaz Heinrich von Wessenberg, Ölbild von Marie Ellenrieder Die Galerie geht auf das Vermächtnis von Ignaz Heinrich von Wessenberg zurück, des letzten Verwesers des Bistums Konstanz. Er hinterließ der Stadt Konstanz bei seinem Tod am 9. August 1860 seine Sammlung aus 357 Kupferstichen und 77 LithographienEdgar Bruker: Vorwort. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Neuerwerbungen 1975–1986. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 20. April–17. Mai 1986). – „zum Behuf des Unterrichts der Zeichnungsschüler“Aus dem Testament Wessenbergs, auszugsweise bei [Bringmann 2010], S. 97 – sowie seine umfangreiche Bibliothek.Bibliothek der Universität Konstanz: Kurze Geschichte der Wessenbergbibliothek Schwerpunkt der Kupferstichsammlung sind „Reproduktionsstiche nach berühmten italienischen Gemälden“.Edgar Bruker: Vorwort. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Italienische Zeichnungen und Stiche des 15.–18. Jahrhunderts. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 9. Oktober bis 5. November 1983).
Seine ebenfalls beachtliche Gemäldekollektion hinterließ er dem Badischen Großherzog Friedrich I. – mit der Intention, sie würde in die Großherzogliche Galerie (heute: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) integriert, und mit der Bedingung, der Großherzog möge 20 000 Gulden für von ihm bestimmte „milde Anstalten“ ausbezahlen lassen. Friedrich I. erklärte sich noch im August 1860 dazu bereit, verfügte aber, dass die Sammlung „zu Volksbildungszwecken“ in Konstanz bleiben sollen. Er vereinbarte mit der Stadt, dass die Kupferstich- und die Gemäldesammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden solle, wodurch das erste Museum der Stadt Konstanz entstand.[Stark 2010], S. 21
Von Wessenberg trug seine Sammlung vorwiegend bei seinen zahlreichen Reisen zusammen. Es finden sich darin viele italienische und niederländische Meister. Die Themen sind mehrheitlich religiöser Natur, es sind aber auch Landschaften, Genrebilder, Porträts u. a. vertreten.
Ausbau der Sammlung Inventarisierung und Erweiterung Im Katalog des Malers Joseph Moosbrugger (er betreute als erster „Conservator“ die Sammlung) aus dem Jahr 1866 wurden 132 Werke genannt.[Langenkamp 2010], S. 119 Ihm folgte der Landschaftsmaler Wilhelm Fries, der die Bestände überprüfte und ein neues Inventar des Wessenberg-Museums erstellte. Die Hinterlassenschaft von Daniel Cornelius Gesell, dem Konservator von 1879 bis 1888, umfasste seine Handzeichnungen mit Selbstbildnissen, Figuren- und Tierskizzen und Landschaftsszenerien. Sie ging an die Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie und wurde erstmals 1979/1980 ausgestellt.Edgar Bruker: Daniel Gsell. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Daniel Gsell 1822–1889. Ausstellung vom 8. Dezember 1979 bis 5. Januar 1980.
Neben Ankäufen vergrößerte sich die Sammlung vor allem durch Stiftungen. So vermachte 1898 ein Konstanzer Bürger zwei wertvolle Gemälde (Liebeswerbung von Gerrit van Honthorst und Lot und seine Töchter von Jan Steen) der Stadt. 1904 stiftete die Gewerbeschule Konstanz Zeichnungen und Entwürfe des Barockbildhauers Joseph Anton Feuchtmayer.Edgar Bruker: Vorwort. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Joseph Anton Feuchtmayer und die Mimmenhauser Bildner, J. G. Dirr, F. A. Dirr, J. A. Dirr, A. Dirr, L. Gradtwohl, J. G. Wieland: Handzeichnungen, Stiche. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 28. Juli bis 24. August 1985, Redaktion Edgar Bruker)
mini|Heinrich Schmidt-Pecht: Porträt Wilhelm Brandes. Kohle und farbige Kreiden, 71 × 53 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Nachlass Wilhelm Brandes Der dänisch-jüdische Bankier Wilhelm Brandes (1839–1907) hinterließ der Galerie bei seinem Tod seine hochkarätige Kollektion von 429 Handzeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts,[Langenkamp 2010], S. 126 darunter Handzeichnungen von altdeutschen, niederländischen, italienischen und französischen Künstlern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die Sammlung umfasst Handzeichnungen von Albrecht Dürer, Hans Baldung, Albrecht Altdorfer, Adam Elsheimer, Ferdinand Kobell, Pieter Bruegel der Ältere, Peter Paul Rubens, Salomon van Ruysdael, Rembrandt van Rijn, Tizian, Raffael, Carracci, Tiepolo, Jacques Callot, Claude Lorrain, Jean Siméon Chardin. Handzeichnungen von deutschen Künstlern aus der Zeit von Brandes, dem 19. Jahrhundert, stammen von Wilhelm Leibl, Max Liebermann, Adolf Menzel, Hans Thoma, Marie Ellenrieder, Leopold von Kalckreuth, Ludwig Richter, Moritz von Schwind, Friedrich Pecht, Max Klinger, Franz von Stuck, Friedrich Kallmorgen.Edgar Bruker: Vorwort. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts aus der Brandes-Sammlung. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 24. August bis 21. September 1975).Edgar Bruker: Die Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz. In: Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (Hrsg.): Bürgerschule, Zeppelin-Oberrealschule, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium 1830–1980. Die Schrift zum Jubiläum der Schule am Schottenplatz in Konstanz. Redaktion: Franz Eberhard Bühler, Ulf Göpfrich, Erich Keller, Walter Lehn, Wilhelm Leonhard, Dieter Städele. Verlag Friedrich Stadler, Konstanz 1980, ISBN 3-7977-0060-1, S. 219.
Verjüngung des Bestandes Es gab aber auch Rückschläge. 1908 beurteilte ein Mitarbeiter der Karlsruher Galerie die Sammlung negativ: Man solle einen Großteil der Werke, mit Ausnahme der italienischen, niederländischen und deutschen Gemälde, „verschwinden lassen“, um Platz für bessere Arbeiten zu gewinnen. Verzögert durch den Ersten Weltkrieg, wurde dies erst 1924 durch den damaligen Leiter der Galerie, Heinrich Schmidt-Pecht, durchgeführt: 78 Werke wurden veräußert.[Langenkamp 2010], S. 127 und [Stark 2010], S. 31 Mit dem Erlös konnten aktuelle Werke erworben werden – unter anderem Großeltern mit Enkelin von Hans Breinlinger und Bildnis der Tänzerin Kogan von Walter Waentig. Bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 konnten noch einige – heute wichtige – Werke von Bodenseekünstlern angekauft werden.
Konfiszierungen in der Zeit des Nationalsozialismus 1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ Werke von Waldemar Flaig, Karl Hofer, Hans Purrmann, Hans Breinlinger, Adolf Hildenbrand und Kasia von Szadurska aus dem Bestand beschlagnahmt. Mit Ausnahme von Hofers Tessiner Landschaft (Öl auf Leinwand, 59,5 × 78 cm, 1936), dessen Verbleib ungeklärt ist, wurden sie zerstört.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
Die wenigen Anschaffungen dieser Zeit standen im Einklang mit der nationalsozialistischen Kunstauffassung (etwa das Bildnis des Fischers Leopold Wenk von Willi Münch-Khe).[Langenkamp 2010], S. 131
Wiedereröffnung 1950 Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs führte Oberbaurat Hübinger die ausgelagerten Bestände wieder zusammen. Die Galerie konnte erst am 27. Mai 1950 wieder geöffnet werden, Konservator war zu dieser Zeit der Maler Hans Breinlinger. Dieser starb 1963 und vermachte einen Großteil seines künstlerischen Nachlasses (88 Bilder und Zeichnungen) der Stadt.
Neuerwerbungen 1975–1986 Die beiden auf ihn folgenden Konservatoren waren Hans Dürr und Edgar Bruker. Sie konnten einige herausragende Kunstwerke (u. a. von Erich Heckel und Käthe Kollwitz) erwerben.[Langenkamp 2010], S. 135 Ein Ziel bei ihren Zukäufen war es, den Bestand vorhandener Handzeichnungen zu ergänzen und vorhandene Lücken zu füllen (Daniel Nikolaus Chodowiecki, Anselm Feuerbach, Franz Kobell, Carl Friedrich Lessing, Hans von Marées, Ludwig A. Richter, Johann Elias Riedinger, Carl Spitzweg, Bertel Thorvaldsen). Ein weiteres Ziel der Ankaufspolitik war es, bedeutende regionale, Bodensee- und Konstanzer Künstler zu würdigen (Gebhard Gagg, Hans Breinlinger, Hans Dieter, Gerhard Dietze, Hans Dörflinger, Wolf-Dietrich Foerster, HAP Grieshaber, Ernst Hassebrauck, Gottfried Erfurth, Walter Herzger, Willi Müller-Hufschmid, Hans Sauerbruch, Rosemarie Schnorrenberg, Adolf Schmid), Friedrich Arthur Wittig. Die Bestände wurden ferner um Werke von Repräsentanten der der Klassischen Moderne und Gegenwartskunst erweitert, um in der Sammlung auch diese international anerkannte Entwicklung der Kunst darstellen zu können mit Werken von Max Ackermann, Horst Antes, Ernst Barlach, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Peter Dreher, Lyonel Feininger, Heinz E. Hirscher, Wolfgang Thiel.Edgar Bruker: Vorwort. In: Städtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Neuerwerbungen 1975–1986. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 20. April–17. Mai 1986).
Eingliederung in die Städtischen Museen 1991 Die Wessenberg-Galerie wurde bis 1990 ehrenamtlich geleitet, von der Stadt Konstanz wurde nur eine Halbtagssekretärin sowie der Ausstellungsetat gezahlt. Da die Ausstellungsarbeit zunehmende Professionalisierung erforderte, wurde beschlossen, die Galerie als Abteilung an die bereits bestehenden Städtischen Museen anzugliedern, was 1991 erfolgte.
Von 1994 bis 2024 leitete Barbara Stark die Galerie. Sie ergänzte die Sammlung mit Werken der Plastik, Grafiken und Gemälden aus der Bodenseeregion bzw. dem südwestdeutschen Raum. Spenden und Gewinne, die die „Freunde und Förderer des Kulturzentrums am Münster e. V.“ durch den Betrieb des Museums-Shops erwirtschafteten, halfen dabei.[Langenkamp 2010], S. 137
Die Sammlung umfasst heute rund 7000 Gemälde, Zeichnungen, Graphiken und Plastiken. Neben den oben genannten sind z. B. auch die Künstler Adolf Dietrich, Hans Purrmann und Rudolf Wacker vertreten.
Liste der Conservatoren / Konservatoren / Leiter 1862–1869: Joseph Moosbrugger, Maler (1804–1869) 1870–1878: Wilhelm Fries, Heidelberger Maler (1819–1878) 1878–1879: Friedrich Wilhelm Rehfeldt, zuvor Musikdirektor in Danzig und Berlin (1817–1879) 1879–1888: Daniel Cornelius Gesell, Maler (1822–1889) 1888–1945: Heinrich Schmidt-Pecht, Maler und erster Vorsitzender des Kunstvereins (1854–1945) 1946–1950: Otto Feger, Stadtarchivar (1905–1968) 1950–1963: Hans Breinlinger (1888–1963), zusammen mit Fritz Mühlenweg (1898–1961) und einem „kleinen Gremium des Kulturausschusses und des Hochbauamts“ 1963–1974: Hans Dürr, Zeichenlehrer am Suso-Gymnasium 1975–1991: Edgar Bruker (1941–2019), Kunsterzieher am Humboldt-GymnasiumStädtische Wessenberg-Gemäldegalerie Konstanz (Hrsg.): Kunsterzieher am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium. Ausstellung zum 150jährigen Schuljubiläum. (Ausstellungskatalog, Ausstellung vom 26. September bis 25. Oktober 1980, Redaktion Edgar Bruker). 1991 organisatorische Integration in die „Städtischen Museen Konstanz“ 1991–1992: Karin Stober 1994–2024: Barbara Stark, zuvor bei der Galerie der Stadt Sindelfingen[Langenkamp 2010] 2024–2026: Franziska Deinhammer ab Sommer 2026: Mark Hesslinger, zuvor Leiter des Kunstmuseums der Kunststiftung Hohenkarpfen
Räume der Galerie mini|Kulturzentrum am Münster: Eingang zur Städtischen Wessenberg-Galerie (links anschließend) (2014)